Autor Thema: Der Scheidenstreiflings-Thread (Amanita subgen. Amanita sect. Vaginatae)  (Gelesen 3889 mal)

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Offline Gudrun

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Hallo Christian,

ja, die Länge der Riefen am Hutrand und die Farbe und Art des Aufreißens am Stiel und vor allem die Farbe der Volva innen am großen Pilz schauen total ähnlich aus.

Viele Grüße
Gudrun

Offline Älbler

  • Beiträge: 82
Hallo Gudrun,

das Problem mit diesen Scheidenstreiflingen hatte ich auch schon mal. Ich denke der Fund auf unserer Webseite könnte deinem Pilz entsprechen:

http://www.pilzflora-ehingen.de/pilzflora/arthtml/aoblongispora.php

Viele Grüße aus Ehingen
Christian

Offline Gudrun

  • Beiträge: 45
Hallo Christian,

vielen Dank für die Auskunft. Richtung Riesen-Streifling hatte ich nicht gedacht, auch wenn er mir schon groß vorkam. Finde ich sehr cool.

Viele Grüße
Gudrun

Offline Älbler

  • Beiträge: 82
Hallo Gudrun,

dein Fund geht in Richtung Amanita lividopallescens, die bei Eiche wächst.

Es werden neuerdings aber eine Reihe von Arten unterschieden die sehr ähnlich sind und wo die Auffassungen über die Artkonzepte immer noch diskutiert werden.

Viele Grüße
Christian

Offline Gudrun

  • Beiträge: 45
Hallo zusammen,

ich habe heute Scheidenstreiflinge gefunden in dem Stadtwald von Erfurt im Mischwald mit Eichen, Eschen, Hasel, einigen Kiefern. Ich dachte an Amanita crocea - eher mangels alternativer Kenntnisse. Ich habe nicht geschlüsselt, weil ich hier kein Mikroskop habe.
Werner gefiel die Farbe nicht für crocea und er hat gemeint, ich soll die Fotos mal hier hochladen.
Das ausgewachsene Exemplar war ziemlich groß - sicher 20 cm.

Viele Grüße
Gudrun

Offline Jonny70

  • Beiträge: 9
Hallo Christoph,

ja man hat sich an die "neuen" Medien schnell gewöhnt. Wege sie funktionieren dann nicht mehr. ;)

Vielen Dank. Gerne komme ich auf dein Angebot zurück. Ich kenne die Arbeit von Vizzini et al. (2016) nicht.

Bei meinem Fund gibt es ja Weiden und Pappel, die Weiden bilden jedoch den größeren Bestand, da es dort einen kleinen Wassergraben gibt. (Momentan ausgetrocknet, da gab es so die letzten Jahre noch nicht).

Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende
Dirk

Offline Christoph

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Servus Dirk,

jetzt habe ich wieder Internet (man fühlt sich ohne so von der Außenwelt abgeschlossen). Das Saarland ist im Vergleich zu Oberbayern überall wärmebegünstigt?!

Du solltest dir mal die Arbeit von Vizzini et al. (2016) anschauen (kann ich dir gerne schicken). Da findest du Fotos, die 1 : 1 auf deine Kollektion passen.

Früher war ich vorsichtiger bei der Bestimmung, denn es gab noch weitere, ähnliche Arten - wie z.B. Amanita "helianthemicola" nom. prov. oder eben Amanita subfuliginosa - mit dunklen Lamellenschneiden, düsterem Stiel usw.
Der Fund von Wolfgang Schössler zeigt letzten Endes alle Übergänge zwischen typischen Amanita subfuliginosa und Amanita simulans, sodass die beiden sicher nicht trennbar sind. Deine Kollektion geht auch in Richtung Amanita subfuliginosa - und das schließe ich (Vizzini et al. 2016 folgend) in Amanita simulans mit ein. Die gelbocker Flecken passen auch sehr gut, der düstere Stiel, die brüchige Volva, die kleinen Hüllreste am Hut, die dunklen Schneiden - ein Bilderbuchfund.

Amanita simulans wächst nach Vizzini et al. (2016) nicht nur bei Pappeln, sondern auch bei Weide, bei Sonnenröschen (Helianthemum) und bei Cistrosen. Und offenbar gerne dort, wo es warm ist (Italien, Frankreich, Saarland, Oberbayern bei Südhanglage usw.)  ;)

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Jonny70

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Hallo Till,

das kann ich so direkt nicht bejahen. Die Wie ist eine magere Flachland-Mähwiese (Glatthaferwiese).
In den Teil wo es den Fund gab, scheint wegen der Hecke/Gebüsch aus Weide und Zitterpappel, erst ca. ab mittags bis Sonnenuntergang die Sonne drauf. Fundort höhe ca. 330m ünN.

Herzliche Grüße aus dem Saarland

Dirk

Offline Till

  • Beiträge: 23
Hallo, Dirk -

stammt Dein simulans-Fund von einem Fundort, den man als "thermophil" bezeichnen könnte? Unser Freund Thomas Glaser findet die Art regelmäßig an einem sehr warmen und geschützten Fleck im Inntal, ebenfalls unter Pappeln.

Gruß vom Waginger See
Till

Offline Jonny70

  • Beiträge: 9
Hallo Hias,

vlt. hat die Art dieses Jahr ein gutes Jahr. Denn den Fundort begehe ich jedes Jahr mehrfach, hatte dort aber noch nie einen Scheidenstreifling gefunden, meist gehe ich wegen Lactarius controversus und später wegen den Wiesenpilzen hin.

Gruß Dirk

Offline Jonny70

  • Beiträge: 9
Hallo Christoph,

vielen Dank für deine Einschätzung, bzw. Bestätigung.
Ich hatte mir auch vorher schon deine interessanten Ausführungen weiter unten durchgelesen, für mich als
Laie (eigentlich hatte ich immer Bogen um die Scheidenstreiflinge gemacht) ist das alles sehr kompliziert.
Aber mit toller Unterstützung und neuer Literatur scheint da doch was zu gehen. :-)

Herzliche Grüße
Dirk

Offline Hias

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Genau so ein Teil hatten wir vorletzten Montag am Vereinsabend in München!

Grüße
Hias

Offline Christoph

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Servus Dirk,

nur ganz kurz, da bei mir das DSL ausgefallen ist und ich mit dem Handy schreiben muss. Dein Fund ist ganz typisch für Amanita simulans. Vizzini et al. (2016) haben hier die Art gut diskutiert und ein griffige Konzept entwickelt.
Näheres, wenn ich wieder normal online gehen kann.

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Jonny70

  • Beiträge: 9
Hallo zusammen,

ich hoffe ich kann in diesem Thread einen Post loswerden.
im folgenden stelle ich diesen Scheidenstreifling zur Diskusion ein.
Arbeitsname: Amanita_simulans_cf.
Wegen der Trockenheit habe ich leider nur einen FK letzte Woche gefunden, vlt. reicht er doch zur Bestimmung aus.

Fundort: 12.10.2018, Wiese an einem Gebüschrand aus Weiden und Zitterpappeln.
Auffallend waren die schwärzlichen Lamellenschneiden, der genatterte Stiel, beim Trocknen mehr ins graue übergehend.
Volva brüchig bis fest, trocken fast zäh, außen mit orangenen Flecken, innen dreckig hellgrau.
Geruch unauffällig.

Beim Nachmikroskopieren fand ich auch größere Sporen von im Mittel 12,9 x 12,4ym auch bis 13/14ym gesehen.

Vorab vielen Dank für eure Meinungen

Herzliche Grüße
Dirk

Anbei ein paar Bilder:
« Letzte Änderung: 16. Oktober 2018, 19:58 von Jonny70 »

Offline Christoph

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Servus beinand,

ich habe Amanita nivalis zwar schon im Thread über alpine Pilze thematisiert, aber auch hier im Scheidenstreiflings-Thread sollte diese hübsche Art ihren Platz haben, den ich ihr nun gönne (mitsamt einem noch nicht gezeigten Foto). Das Bild stammt aus Österreich vom 2015er-Treffen der ARGE Österr. Pilzberater:



Amanita nivalis bildet Ektomykorrhiza mit Zwergweiden aus - makroskopisch ist die meist intakt bleibende Volva, die gerne ocker Flecken zeigt, der helle, weiße, später am Scheitel auch etwas ockerliche oder auch grauliche Hut neben dem Habitat eine Bestimmungshilfe. Die Sporen sind bei Amanita nivalis ziemlich variabel, meist mehr oder weniger subglobos, aber es gibt Aufsammlungen, bei denen die Sporen klarer ellipsoid sind - hier variiert die Art wohl ähnlich wie Amanita pini oder Amanita lividopallescens, was erneut die Sporenform als Merkmal für Untersektionen stark abschwächt.

Amanita nivalis kann sehr hoch in den Alpen aufsteigen, solange Zwergweiden vorkommen. Natürlich kommt A. nivalis auch in Grönland, auf Spitzbergen und in Skandinavien vor. Interessanterweise sind die schottischen Highlands bereits subarktisch genug, dass man auch dort bei Zwergweiden Amanita nivalis finden kann.

In den Alpen wurde zeitweise versucht, Amanita alpina abzutrennen, aber später wieder synonymisiert.

Im Hohen Norden gibt es weitere arktische Arten wie Amanita arctica, die sich aber durch ihre Basidien mit Schnallen gut unterscheidet (Amanita nivalis hat schnallenlose Basidien). Amanita arctica wurde noch nicht in den Alpen nachgewiesen. Das heißt aber, dass jede Kollektion mikroskopiert werden muss.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 20. März 2018, 23:40 von Christoph »
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