Autor Thema: Pilze an Xanthoria - Sammelthread zum Vorstellen der Arten  (Gelesen 652 mal)

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Offline Christoph

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Re: Pilze an Xanthoria - Sammelthread zum Vorstellen der Arten
« Antwort #4 am: 18. Februar 2018, 14:49 »
Servus beinand, und gleich nochmal ich  ;)

Ich möchte hier noch der Vollständigkeit halber die Fotos der Athelia arachnoidea aus dem Athelia-centrifuga-Thread hier teils nochmal zeigen, da der Fund ja auch von Xanthoria parietina agg. war.



Der weiße, flockige Bereich oben ist fertil - die Basidien sind zweisporig, was für die Art charakteristisch ist. Die Sporen sind mit 8-11 x 4-5,5 µm relativ groß (bei diesem Fund hier lagen sie im unteren Bereich, also um die 8-9 x 4-5 µm, aber der Fruchtkörper war noch sehr jung und hatte wenig Sporen.

Es gibt noch eine Athelia arachnoidea var. leptospora, deren Sporen 8-10 x 3-3,5 µm groß sind - also viel schmaler und mit einem deutlich höheren Länge-Breite-Quotienten.

Athelia arachnoidea s.str. hat (fast) nur an den Basalhyphen Schnallen, in Bereichen näher am Hymenium fast gar keine Schnallen und an den Basidienbasen absolut keine.

Es gibt aber noch Athelia arachnoidea var. sibirica, die fast überall Schnallen hat, auch an den Basidienbasen. Die Sporen sind etwas größer als bei Ath. arachnoidea s.str.: 9.5-13 x 5-5,5 µm.

Diese beiden Taxa kenne ich aber nicht aus eigener Anschauung. Ich habe die Merkmale aus Jülich W (1972): Monographie der Atheliae (Corticiaceae, Basidiomycetes). Beih. Willdenowia 7: 1-283 zusammengestellt.

Wie ich Nachbarthread schon bescrieben habe, frisst Athelia arachnoidea nur die Algen aus der Xanthoria heraus, was dieser aber kaum gefallen dürfte, denn sie muss dann ja verhungern. Ob sich die ausgezutzelten, knallgelben Thallusbereiche wieder erholen, wenn andere Bereiche noch Algen enthalten, weiß ich nicht. Wäre interessant, das mal zu beobachten. Leider finde ich Athelia arachnoidea (sexuelles Stadium) nicht so häufig. Bei den teils massivem Befall in der asexuellen Form (mit Mikrosklerotien - "Athelia centrifuga") scheint der Thallus zumindest teils abzusterben.

Hier nochmal das reine Myzel, das die Xanthoria spinnwebartig umhüllt, um dann in den Wirt hineinzuwachsen, um die Algen aufzufressen...:



Und hier der ausgezutzelte, knallgelbe Thallus, der nach dem Befall übrig bleibt:



Die Athelia stirbt dann ab, es ist also nur ein kurzfristiges Phänomen, was das Auffinden erschwert.

Und natürlich (hatte ich erst vergessen, daher das nachträgliche Editieren) Illosporiopsis christiansenii, der auf Xanthoria noch mehr Farbnkontrast erzeugt:



Ich bin schon gespannt, was ich noch so alles an Xanthoria finde. Aktuell sind es 8 Arten:

Athelia arachnoidea s.str. (und als Athelia centrifuga - falls das immer konspezifisch ist)
Capronia suijae
Cladosporium macrocarpum
Didymocyrtis epiphyscia
s.l.
Illosporiopsis christiansenii
Lichenoconium xanthoriae
Pyrenochaeta xanthoriae
Xanthoriicola physciae


Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 18. Februar 2018, 15:19 von Christoph »
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Offline Christoph

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Re: Pilze an Xanthoria - Sammelthread zum Vorstellen der Arten
« Antwort #3 am: 18. Februar 2018, 01:09 »
Und nochmal ich  :D

Ich kann zwar Themen teilen, aber offenbar keine Themen zusammenführen. Ich habe aber im Thread mit derm Schlüssel der Arten an Xanthoria noch Beschreibungen drin, die ich jetzt hier herüber hole. Es geht dabei eigentlich nur um die drei Funde aus Rothschwaig.

Ich hatte Capronia suijae ja schon im Rothschwaig-Thread vorgestellt. Zusammen mit Lichenoconium xanthoriae und Didymocyrtis epiphyscia s.l. habe ich sie hier publiziert:
Hahn C (2017): Capronia suijae (Erstnachweis für Deutschland) und weitere lichenicole Pilze an Xanthoria. Mycologia Bavarica 18: 97-108.

Die Capronia suijae ist offenbar äußerst selten (von Brackel, pers. Mitt.) und war ein absoluter Anfänger-Glücksfund.

Lichenoconium xanthoriae bildet recht große, schwarze, eingesenkte Pycnidien:



Die Art ist entgegen der Darstellung auf pilze-deutschland sehr häufig und auch gut kartiert. Siehe auch von Brackel (2014) -  Katalog der flechtenbewohnenden Pilze Bayerns (Bibliotheca Lichenologica 109).

Die Kondien sind recht klein, 3-4 x 2,75-3,25 µm (auf Viertel gerundet), braun pigmentiert, dickwandig und werden einzeln an ampullenförmigen Phialiden gebildet.

Die weitere Suche und das Beproben von kleinen Gehäusen erbrachte dann nach der Capronia und dem Lichenoconium xanthoriae den dritten Fund, wieder an einem Perithecium. Hier gestaltet sich die Artbestimmung aber schwierig. Die Gattung ist schnell klar - hyaline Konidien mit einem Öltröpfchen, sodass sie wie kleine Spiegeleier aussehen (der Tropfen liegt asymmetrisch). Sieht irgendwie nach Phoma aus, wurde dann aber zu Didymocyrtis gestellt (nah bei Phoma, eine Phaeosphaeriaceae). Hier gibt es aber an Physcia und Xanthoria dank der Merkmalsarmut kaum unterscheidbare "Mikrospezies", sodass man wohl fast nur genetisch arbeiten kann. Die Konidien sind bei meiner Aufsammlung recht klein und breit: (4,5-)4,75-5,1-5,75 x 3-3,2-3,5 µm, Q = (1,3-)1,4-1,57-1,8

Die Konidienmaße sprechen für Didymocyrtis epiphyscia im weiteren Sinn. Ich habe das in dem Artikel in der Mycol. Bav. ausführlich diskutiert.

LG,
Christoph
« Letzte Änderung: 18. Februar 2018, 01:14 von Christoph »
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Re: Pilze an Xanthoria - Sammelthread zum Vorstellen der Arten
« Antwort #2 am: 17. Februar 2018, 23:48 »
Servus beinand,

jetzt kam ich auch dazu, ein Ästchen mit befallener Xanthoria anzuschauen, den ich am 25. Januar quasi bei mir um die Ecke (Holzhausen bei Schöngeising) aufgesammelt habe. Ich fand auch hier Xanthoriicola physciae. Die kugeligen, braunen Konidien sind wirklich sehr typisch, sie sehen aus wie kleine Gastromyzetensporen (nur ohne Pedicellen) - manchmal erkennt man noch die Abbruchstelle, was dann fast wie ein winziger Apiculus aussehen kann.

Die Maße diesmal: 4,5-5,75 x 4,25-5,5 µm.

Hier ein Foto von dieser Kollektion (es waren nur einzelne Apothecien betroffen):



Liebe Grüße,
Christoph
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Pilze an Xanthoria - Sammelthread zum Vorstellen der Arten
« Antwort #1 am: 14. Februar 2018, 21:02 »
Liebe PilzfreundInnen,

ich hatte ja schon einen Thread über Pilze an Xanthoria hier gestartet. Allerdings geht es da um den Schlüssel zur Bestimmung der Arten an Xanthoria. Deshalb habe ich diesen neuen Thread gestartet, um Funde an Xanthoria vorzustellen.

Drei Arten habe ich ja in der aktuellen Mycologia Bavarica vorgestellt (Capronia suijae, Lichenoconium xanthoriae und Didymocyrtis epiphyscia s.l.).

Ich hatte am 12. Februar für die ÖMG einen Vortrag zum Thema "Riesenschirmlinge" gehalten. Für die Rückfahrt hatte ich mir schon vorgenommen, einen Stopp einzulegen, um die Donauauen zu besuchen und dort zu sammeln. Meine Wahl fiel auf Melk - dort sind noch recht große Auwälder vorhanden. Und natürlich findet man dort auch befallene Xanthoria. Ich habe einen Ast mitgenommen, der unter der Lupe interessant aussah (schwarze Punkte an der Xanthoria). Zudem war schon makroskopisch (fast) klar, dass hier Xanthoriicola physciae dran ist. Und wenn ein Parasit vorkommt, dann ja oft auch andere.

Ich habe folgende drei Arten schließlich bestimmen können (teils extrem häufig):

Xanthoriicola physciae, Pyrenochaeta xanthoriae und Cladosporium macrocarpum. Leider kann ich keine guten Bino-Fotos machen. Ich habe durch das Okular geknippst, aber man kann ein bisserl was erkennen.

Xanthoriicola physciae wächst so massiv, dass dieser Parasit die Apothecien der Xanthoria schwarz färbt:


Xanthoriicola physciae - die Bildqualität ist suboptimal, aber man kann halbwegs erkennen, wie der Parasit die Apothecien massiv befällt.



Im Mikroskop fallen kleine, kugelige, braune Konidien auf, die ein schönes Ornament besitzen. Es sind grobe Placken, die mich ein bisserl an einen Fußball erinnert hatten. Das Ornament kann aber auch feiner verteilt sein und erinnert mich dann an manche Gastromyzeten. Die Sporen erscheinen etwas unregelmäßig eckig wegen der Ornamentplaques:



Schöne Fotos findet man auch hier: http://www.lichens.lastdragon.org/lichenicolous/Xanthoriicola_physciae.html
Die Anatomie zeigt die Website der Pilze Großbritanniens und Irlands: http://fungi.myspecies.info/taxonomy/term/4243/media (einfach mal durchklicken - auch die anderen Menüpunkte zur Xanthoriicola sind interessant).
Die systematische Stellung war ziemlich lange völlig unklar. Neuerdings stellt man die Gattung in die Ascomyzetenordnung der Capnodiales und hier in die Familie der Teratosphaeriaceae.
Die nächst verwandte Gattung scheint Piedraia zu sein - diese bildet kleine, schwarze Ascomata an menschlichem Haar (P. hortae) und ebenso an Schimpansenhaar (P. quintanilhae). In weiterer naher Verwandtschaft ist die Gattung Friedmanniomyces. Friedmanniomyces endolithicus lebt in (!) Steinen der Antarctis und scheint da wiederum an Flechten zu parasitieren, die auf/in Stein wachsen. All diese Informationen wurden von Ruibal CR, Millanes AM, Hawksworth DL (2011): Molecular phylogenetic studies on the lichenicolous Xanthoriicola physciae reveal Antarctic rock-inhabiting fungi and Piedraia species among closest relatives in the Teratosphaeriaceae. IMA Fungus 2(1): 97-103 puzbliziert.
Die Welt der Pilze ist einfach aberwitzig.
Ach ja, das Artepitheton klingt seltsam, da Xanthoriicola physciae nicht an Physcia vorkommt, sondern nur die Gattung Xanthoria befällt. Die Erklärung ist einfach, da die Gelbflechten früher der Gattung Physcia zugeordnet wurden. Die Fichte war ja auch mal eine Abies...

Was ich dann noch entdeckte, waren recht große Pycnidien mit kräftigen, auffallenden Setae:




Pyrenochaeta xanthoriae - hier ist die Bildqualität noch schlechter als oben, da es um feinere Details geht. Man kann aber die Setae erahnen.

Zunächst war ja nicht klar, ob es nicht Ascomata, also Perithecien sind, aber ohne Asci, dafür mit konidiogenen Zellen ist klar, dass es ein "Coelomyzet" ist:


Den Schreibfehler in der Überschrift bitte ich gedanklich auszubessern ...chaeta statt ...chaete.

Die Konidien sind sehr klein, um 3-4 x 1,5-2 µm. Zusammen mit dem Aufbau des Gehäuses und der Setae ist das ganze leicht bestimmbar: Pyrenochaeta xanthoriae. Auch diese Art ist vermutlich häufig und weit verbreitet. Hier finden sich schöne Fotos und Beschreibung: http://fungi.myspecies.info/all-fungi/pyrenochaeta-xanthoriae

Nebenbei entdeckte ich zudem Cladosporium macrocarpum. Die braunen, wazigen, großen Konidien sind sehr auffällig. Dann bildet sich auch eine dunkle Demarkationslinie in dem befallenen Bereich der Xanthoria, was auch zu erkennen war. Ich habe aber nicht die konidiogenen Zellen gesehen. Cladosporium macrocarpum ist allerdings auch sehr häufig.

Nun, das waren jetzt drei banale Arten, die in sich aber auch interessant sind, wie ich finde. Es lebe die Vielfalt  ;)

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 18. Februar 2018, 00:00 von Christoph »
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