Autor Thema: Der Dacrymyces-Thread - alles rund um Gallerttränen  (Gelesen 6738 mal)

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Offline Christoph

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Der Dacrymyces-Thread - alles rund um Gallerttränen
« Antwort #1 am: 10. Januar 2018, 16:16 »
Hallo zusammen,

aufgrund eines Threads über eine erst vermeintliche, dann aber über "wirkliche" Gallerttränen in einem anderen Pilzforum (siehe hier: https://www.pilzforum.eu/board/thema-gallerttraene--39907) entstand die Idee, dass sich Interessierte an dieser doch teils stark vernachlässigten Gattung zusammenfinden könnten, um Kollektionen zu vergleichen, zu diskutieren bzw. sich allgemein auszutauschen.

Daher eröffne ich jetzt diesen Sammel-Thread und werde ihn mit einer ausführlichen Vorstellung von Dacrymyces macnabbii (Fund aus dem Bayerischen Wald) sowie einer Kurzvorstellung von Dacrymyces paraphysatus ergänzen (wurde bereits publiziert - Hahn & Karasch 2002).

Ich würde mich freuen, wenn hier auch von anderen Pilzbegeisterten Gallerttränen vorgestellt würden und/oder diskutiert würden.

Es gibt ja noch einige Probleme wie die Abgrenzung von Dacrymyces stillatus vs. D. minor oder von D. capitatus vs. D. lacrymalis (usw.).

Um eine Gallerträne zu bestimmen, braucht man neben makroskopischen Merkmalen (Farbton, Form und Größe der Fruchtkörper, Substrat als Hilfsmerkmal) vor allemMikromerkmale. Hierzu gehört die Frage, ob Schnallen vorhanden sind oder nicht, falls sie vorhanden sind, wie sie aussehen, dann natürlich Sporengröße, -form und Art der Septierung und - sehr wichtig - die Ausprägung von Dikaryophysen. Der Begriff lehnt sich an die Paraphysen der Ascomyzeten an. Nur sind Paraphysen monokaryotisch, während die Dikaryophysen ganz normal dikaryotisch sind, also eigentlich Zystiden sind. Sind die Zystiden aber fädig (eben einer Paraphyse ähnlich), hat sich bei den Gallertpilzen dieser Begriff Dikaryophyse etabliert.
Die Dikaryophysen können auch stark vezweigt werden und dann an Dendrohyphidien erinnern.
Manche Gallerttränen haben keine Dikaryophysen (oder sie sehen aus wie junge Basidien, die noch nicht gegabelt sind). Ebenfalls wichtig kann das Vorhandensein von Inkrustationen an den Tramahyphen sein, aber auch die Ausbildung und Form von Haaren an der sterilen Fruchtkörperunterseite sowie die zugehörigen Nebenfruchtformen (wenn vorhanden).
Man findet auch innerhalb der Gallerttränen immer wieder Parasiten wie Tremella spp. - inwieweit sich manche Arten auf Artniveau eingenischt haben, wäre interessant, untersucht zu werden.

Die Gattung Dacrymyces ist polyphyletisch, wird also irgendwann vermutlich aufgetrennt werden. Im Mikroskop unterscheiden sich manche Artengruppen auch sehr stark voneinander.

Was die Arbeit mit und an Dacrymyces erschwert, ist das Fehlen moderner, umfassender Überarbeitungen. Zudem scheinen einige Arten potentiell weltweit vorzukommen. Es reicht also nicht, mit alten, "Aphyllophorales-Schlüsseln" zu arbeiten, denn es können auch "Exoten" bei uns wachsen, die bislang übersehen wurden (wie z. B. Dacrymyces paraphysatus - aus Tahiti beschrieben und auch aus Neuseeland bekannt, kommt aber doch in Europa vor). 

So, jetzt schließe ich das Eröffnungsposting und fange mit Dacrymyces macnabbii um nächsten Beitrag an.

Liebe Grüße,
Christoph

« Letzte Änderung: 12. Januar 2018, 01:03 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)