Autor Thema: Januar-(Vor)Exkursion in die Amperauen bei Dachau  (Gelesen 2005 mal)

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Offline Christoph

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Januar-(Vor)Exkursion in die Amperauen bei Dachau
« Antwort #1 am: 6. Januar 2018, 19:20 »
Servus beinand,

gestern habe ich zusammen mit Ludwig Beenken, der aus der Schweiz zu Besuch war und mit Helmut Grünert die Amperauen am Dachauer Stadtrand unsicher gemacht. Ich werde dorthin für den Verein für Pilzkunde München e.V. noch im Januar eine Winterexkursion anbieten und wollte das Gebiet vorher einfach mal sichten.

Das war auch gut so, denn jetzt weiß ich, wo welche Brücke in welchen Bestand führt und wo  man nicht hin- oder weiterkommt. Pilze gab es auch - es war der erste sonnige und regenfreie Vormittag nach tagelangem Dauerregen. Die Amper lief noch nicht über, war aber schon sehr voll.

Pilze gabe es auch und ein paar wenige habe ich auch fotografiert.

An alten Haselsträuchern gab es natürlich bereits den Kleiigen Hasel-Becherling (Encoelia furfuracea). Ich finde ihn äußerst fotogen und mag ihn auch, wenn er noch geschlossen ist.




Encoelia furfuracea an Corylus

Samtfußrüblinge gabe es auch - ich habe zwei Kollektionen mitgenommen, eine von Weide und eine von Eiche. Und beide waren Flammulina elastica fm. longispora.



Flammulina elastica fm. longispora an Salix

Die Sporenmaße des hier abgebildeten Fundes sind 8,5-10,2-11,5 x 3,5-3,8-4,0 µm; Q = 2,3-2,70-3,1

... und vom nicht fotografierten Fund sind es 8,5-10,0-11,5 x 3,0-3,4-3,75 µm; Q = 2,3-2,93-3,7

Somit sind beide Kollektionen völlig typisch und die nicht gezeigte hat sogar teils sehr lang-zylindrische Sporen. Q bis 3,7 ist ein Wort  8)

Dann habe ich einen Trompetenschnitzling mitgenommen, den ich schon im Feld makroskopisch wegen der deutlichen Riefung und dem am Hutrand quasi fehlenden Velum universale als Tubaria hiemalis angesprochen habe.



Tubaria hiemalis

 Das hat sich im Mikroskop bestätigt. Sporen: 6,5-7,4-9,5 x 4,25-4,9-5,75 µm; Q = 1,4-1,51-1,7
Hyphen der Lamellentrama 5-18 µm breit, was auch sehr gut passt (Tubaria romagnesiana hat kleinere Sporen und schmalere Tramahyphen, die bei ihm nur bis ca. 10 µm Breite erreichen).
Die Cheilozystiden waren zahlreich und ganz typisch geformt - sehr viele waren kapitat.
Es passt also alles - Tubaria hiemalis.

Kein Foto habe ich von einem anderen, schönen Fund: Lophiostoma viridarium (= L. desmazieri). Dieser kleine spaltlippenartige Pilz färbt das Holz grün - bei unserem Fund war es ein unbestimmter Laubholzast, vermutlich Weide.

Dann habe ich noch einen nicht fotogenen, aber auffallend langstieligen Löwengelben Porling gefunden, der zwar steril war, aber durch seine schmalen Bindehyphen klar als Polyporus varius zu erkennen war (und eben nicht P. melanopus).

Weitere Arten der Vollständigkeit halber: Auricularia auricula-judae, Deadaleopsis confragosa, Fomitopsis pinicola an Grauerle, Ganoderma applanatum, Trametes versicolor, Trametes gibbosa, diverse Kohlenbeeren (z. B. Hypoxylon fuscum) - das Übliche eben.

Wir haben auch teils mehr geratscht als gesucht - es war eben nur eine nette, gemütlich Vorexkursion. Ich kann als Fazit nur sagen: das Gebiet lohnt sich und ich hoffe auf viele Teilnehmer Ende Januar (und ich hoffe, dass dann noch kein Schnee liegt).

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 6. Januar 2018, 19:25 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)