Autor Thema: Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa  (Gelesen 1344 mal)

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Offline Christoph

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Re: Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa
« Antwort #12 am: 31. Mai 2018, 20:59 »
Servus Thomas,

gern geschehen  ;)

Liebe Grüße und danke für die nette Rückmeldung,
Christoph
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Offline blacky

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Re: Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa
« Antwort #11 am: 31. Mai 2018, 18:35 »
Besten Dank Christoph für die tolle Arbeit.
LG
Thomas
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Offline Christoph

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Re: Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa
« Antwort #10 am: 31. Mai 2018, 16:52 »
Servus beinand,

nachdem jetzt in der aktuellen Mycologia als Vorabpublikation nochmals die Gattung Hydnum durchgeackert wurde (Niskanen et al. 2018), habe ich versucht, nach dem jetzigen Stand einen aktualisierten Schlüssel zu basteln. Das Basteln war aber gar nicht so einfach, da die Zahl der Arten steigt, dafür die Genauigkeit der Ausarbeitung der Arten sinkt. Als Extrembeispiel nenne ich mal Hydnum mulsicolor, den Niskanen et al. (2018) neu beschrieben haben - sie haben offenbar vergessen, die Mikromerkmale zu beschreiben. Man findet nur Makromerkmale (kurz) und in der Diskussion zur Abgrenzung zu ähnlichen (also fast allen anderen) Hydnum-Arten die mittleren Sporenmaße des Typus - das ist alles! Dabei nehmen sie diese Art als Typusart für die subsect. Mulsicolores...

Ich hatte teils richtig Probleme, die Auffassungen in Niskanen et al. (2018) nachzuvollziehen. Sie trennen zwischen blassen und gefräbten Arten, haben dann aber unter den gefärbten auch blasse und umgekehrt - der Sektionsschlüssel geht daher m.M.n. schlicht nicht, den sie vorstellen. Arten werden nicht geschlüsselt.

Der Epitypus von Hydnum repandum stammt aus Finnland, obwohl der Lektotypus aus dem Bayern stammt (Schaeffer 1800) bzw. Persoons Sanktionierung aus den Beneluxstaaten. Und das bei diesem Chaoskompolex um H. rufescens. Nun ja...

Im Gegensatz zur Studie von Feng et al. (2015) basiert alles nur auf der ITS. Ich habe den Eindruck, dass Neubeschreibungen jetzt immer schneller und oberflächlicher erfolgen, sobald die ITS auch nur sonstwie kleine Unterschiede zeigt. Die Aufsplittung bei Hydnum mag ja berechtigt sein (großteils?), aber man sollte m.M.n. erst dann die Arten definieren, wenn deren Merkmale hinreichend bekannt sind.

Langer Rede kurzer Sinn: der Schlüssel ist ein Versuch und die Auftrennungen durch geringfügige Untgerschiede in der Sporenform und den Sporenmaßen ist kritisch zu hinterfragen (in dem Kollektionen, die nicht aufgehen, ev. sequenziert werden und so zugeordnet werden).

Ich hänge den Schlüssel wieder als Word-Dokument an und kopiere diesen hier auch als Text ins Forum (aber das Layout ist dann nicht schön, man kann aber drüberlesen).

Rückmeldungen am besten im [urlhttp://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1754.0.html]Hydnum-Thread[/url], damit der Schlüssel besser auffindbar bleibt und nicht in einem langen Threads untergeht  ;)

Liebe Grüße,
Christoph

Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa von C. Hahn, Stand vom 31.05.2018

1. Sporen im Mittel nur bis 6,1 µm lang (Lm = 4,9-6,1); Basidien auffallend schmal, nur bis 6,5 µm breit; Hut jung rein weiß .............................................................................................. Hydnum albidum
1* Sporenlängen im Durchschnitt über 7 µm; Basidien deutlich breiter, 7,5-12 µm breit; Hut jung weißlich oder ockerlich gefärbt ... 2

2(1) Fruchtkörper relativ blass, jung weiß, creme, semmelfalb, falls mit Orangetönen, dann Fruchtkörper insgesamt dennoch recht hell, blass  ………………………………….…………………..………………….. 3
2* Fruchtkörper schon jung deutlich ockerfarben bis orangebraun …………………………..…………………… 10

3(2) Qm > 1,25 ………………………………………………………………………………………………………………….……………… 4
3* Qm < 1,20(1,22) …………………………………………………………………………………………………………….…..…...….. 5

4(3) Hut mit Orangetönen; Sporen 7,5-8,5(-9) x (5,5-) 6-7 µm ………………………..……… Hydnum ibericum
4* Hut blass, ohne Orangetöne; Sporen etwas größer, (7-)8-9(9,5) x 6-7,5(-8) µm ……………………………… …………………………………………………………………………………………………………..…………….… Hydnum vesterholtii

5(3) Qm = 1,15-1,20; Sporen subglobos bis erkennbar ellipsoid (im Präparat mit einzelnen, deutlicher ellipsoiden Sporen) ……………………..…………………………….…………………………………………………….………………. 6
5* Qm = 1,07-1,13; Sporen subglobos, keine ellipsoiden Sporen auftretend ………………………………….… 9

6(5) Stacheln nicht herablaufend; Qm = 1,19-1,21 …………………………………………………………………….…….. 7
6* Stacheln herablaufend; Qm = 1,15 ……………………………………………………………………………………..………. 8

7(6) Fruchtkörper blass ocker bis blass orangeockerlich; Sporen 7,0-8,5 x 6,0-7,5 µm, Qm = 1,21 .……… …………………………………………………………….…………………………………………………. Hydnum subovoideisporum
Bem.: Trotz recht guter Unterscheidungsmerkmalen zu Hydnum ovoideisporum ist letztere Art zumindest nach der ITS paraphyletisch zu Hydnum ovoideisporum. Da hier nur die IST untersucht wurde und sich die beiden Taxa doch deutlich unterascheiden, wird hier der Auftrennung dieser zwei Arten gefolgt.
7* Fruchtkörper orangeocker; Sporen etwas kleiner und v.a. schmaler, 7,0-8,0 x 5,0-7,0 µm, Qm dennoch ähnlich wie bei vorhergehender Art – Qm = 1,19 ……………………………..…. Hydnum slovenicum

8(6) Fruchtkörper auffallend blass ……………………………………………………………… Hydnum boreorepandum
8* Fruchtkörper blass bis deutlich semmelfarben ………………………………………. Hydnum repandum s.str.
Bem.: Bei blassen Fruchtkörpern sind die beiden Taxa nur per ITS-Sequenz unterscheidbar, wobei diesbezüglich Hydnum repandum s.str. paraphyletisch gegenüber Hydnum boreorepandum ist; so lange keine weiteren Loci die Abtrennung unterstützen oder keine klaren morphologisch-anatomischen Unterschiede gefunden werden, erscheint es m.E. nicht sinnvoll, diese zwei „Arten“ trennen zu wollen.

9(5) Stacheln herablaufend; Sporen 7,25-8,0 x 6,5-7,5 µm; Fruchtkörper sehr blass bis matt blass orangeockerlich ………………………………………………………….………………………………………..……… Hydnum jussii
9* Stacheln nicht herablaufend; Sporen minimal größer, 7,0-8,5(-9) x (6,5-)6,75-8,0(-8,5) µm; Fruchtkörper matt cremeocker bis ockerrosalich …………………………………….. Hydnum magnorufescens

10(2) Sporen für die Gattung auffallend ellipsoid; Qm > 1,55; Lm > 9,8 µm...... Hydnum ellipsosporum
10* Sporen rund bis breit ellipsoid; Qm < 1,4; Lm < 9,5 µm …............................................................. 11

11(10) Qm > 1,19; Hut nicht oder nur undeutlich zentral vertieft ……………….………………………………….. 12
11* Qm < 1,13; Hut bei den meisten Arten zentral vertieft ………………...…..…………………………………….. 13

12(11) Hut auffallend uneben, dunkel rötlich orange bis braunorange; Sporen 7,0-9,0 x 6,0-7,5 µm ….. ……………………………………………………………………………………………………..……………… Hydnum rufescens s.str.
12 Hut glatt, eben, kräftig gelborange bis orange; Sporen größer, (7,5-)8,0-10,0(-10,5) x 6-7,5 µm …….
……………………………………………………………………………………………………..……………… Hydnum ovoideisporum

13(12) Hutunterseite glatt, ohne Stacheln; Sporen globos bis subglobos, Qm = 1,06 ………………………… ……………………………………………………………………………………….. Hydnum ovoideisporum fm. depauperata
13* Hutunterseite mit stacheligem Hymenophor …………………………………………………………………………... 14

14(13) Hut intensiv gelborange gefärbt; Sporen relativ klein, im Schnitt 7,5 x 6,6 µm …………………………
………………………………………………………………………………………………………………………….… Hydnum mulsicolor
14* Hut nicht so freudig gefärbt; Sporen etwas bis deutlich größer …………………………………………..…… 15

15(14) Hut ohne zentrale Depression (nur im Alter ab und an mit leichter Vertiefung); Sporen 7,0-8,5 x 6,5-7,75 µm, im Schnitt 7,9 x 7,2 µm ………………………………………………….……………. Hydnum melitosarx
15* Hut mit auffallender zentraler Depression, genabelt ……………………………………………………………… 16

16 Sporen sehr groß, im Schnitt 9,5 x 9,0 µm; bislang nur im westlichen Nordamerika nachgewiesen ..
……………………………………………………………….……. Hydnum oregonense (= Hydnum umbilicatum ss. auct)
16* Sporen kleiner, im Schnitt um 8,4-8,9 x 8,0-8,1 µm …………………..…………. Hydnum umbilicatum s.l.
Bem.: Hydnum ellipsosporum p.p.  ss. GREBENC et al. (2009), Feng et. al. (2015) und Hydnum aff. ellipsosporum ss. OLARIAGA et al. (2012), VIZZINI et al. (2013) sind in dieser Interpretation enthalten. Während Hydnum umbilicatum im Sinne der oben genannten Quellen sich genetisch als eigenständige, großsporige, rein westlich nordamerikanische Art herausstellt (NISKANEN et al. 2018), soll Hydnum umbilicatum s.str. nur im östlichen Nordamerika vorkommen, während die morphologisch-anatomisch nicht unterscheidbaren europäischen NISKANEN et al. (2018) als Hydnum cf. umbilicatum bezeichnen. Es wurde allerdings nur die IST untersucht und die Unterscheidung zwischen den nordamerikanischen und den europäischen Kollektionen ist dem Stammbaum bei NISKANEN et al. (2018) nicht zu entnehmen.

Literatur:

FRIEBES G (2013): Zum derzeitigen Kenntnisstand der Stoppelpilze (Hydnum) in Europa. Der Tintling 5(2013): 53-57.

GREBENC T, MARTÍN MP, KRAIGHER H (2009): Ribosomal ITS diversity among the European species of the genus Hydnum (Hydnaceae). Anales Jard. Bot. Madrid 66(1): 121-132.

HUHTINEN  S,  RUOTSALAINEN  J.  (2006):  Variability of  Hydnum  rufescens  in  Finland: three taxa hidden under one name – and appearance? Karstenia 46: 17–24.

JEPPSON M (2010): Hydnum umbilicatum – en taggsvamp att leta efter. Svensk Mykologisk Tidskrift 31 (2): 30–34.

FENG B, WANG X-H, RATKOWSKY D,GATES G, LEE SS, GREBENC T, YANG ZL (2015): Multilocus phylogenetic analyses reveal unexpected abundant diversity and significant disjunct distribution pattern of the Hedgehog Mushrooms (Hydnum L.).  Scientific Reports 6: 25586 DOI: 10.1038/srep25586

HALL D, STUNTZ DE (1971): Pileate Hydnaeceae of the Puget Sound Area. I. White-spored genera: Auriscalpium, Hericium, Dentinum and Phellodon. Mycologia 63(6): 1099-1128.

NISKANEN T, LIIMATAINEN K, NUYTINCK J, KIRK P, OLARIAGA II, GARIBAY-ORIJEL R, NORVELL L, HUHTINEN S, KYTÖVUORI I, RUOTSALAINEN J, NIEMELÄ T, AMMIRATI JF, TEDERSOO L (2018): Identifying and naming the currently known diversity of the genus Hydnum with an emphasis on European and North American taxa, Mycologia, DOI: 10.1080/00275514.2018.1477004

OLARIAGA I, GREBENC T, SALCEDO I, MARTIN MP (2002): Two new species of Hydnum with ovoid basidiospores: H. ovoideisporum and H. vesterholtii. Mycologia 104(6): 1443-1455.

OSTROW H, BEENKEN L (2004): Hydnum ellipsosporum spec. nov. (Basidiomycetes, Cantharellales) – ein Doppelgänger von Hydnum rufescens Fr. Z. Mykol. 70(2): 137-156.

 VIZZINI A, PICILLO B, ERCOLE E , VOYRON S, CONTU M (2013):  Detecting the variability of Hydnum ovoideisporum (Agaricomycetes, Cantharellales) on the basis of Italian collections, and H. magnorufescens sp. nov. Mycosphere 4(1), 32–44, Doi 10.5943 /mycosphere/4/1/2
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Offline Christoph

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Re: Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa
« Antwort #9 am: 23. April 2018, 00:18 »
Servus beinand,

da die Karstenia ja jetzt online verfügbar ist, kann man auch den Artikel
Huhtinen  S,  Ruotsalainen  J.  (2006):  Variability of  Hydnum  rufescens  in  Finland: three taxa hidden under one name – and appearance? Karstenia 46: 17–24.
online abrufen. Lohnt sich!

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Christoph

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Re: Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa
« Antwort #8 am: 11. Januar 2018, 22:41 »
Übrigens hab ich jetzt zwei Aufsammlungen von H. umbilicatum (vermutlich) an Irmgard Greilhuber zum Sequenzieren geschickt. Bin schon gespannt, was dabei herauskommt!

Servus Gernot,

da bin ich auch sehr gespannt. Und egal ob wirklich als H. umbilicatum s.str. bestätigt wird oder die Sequenz das, was Olariaga et al. (2012) als H. aff. ellipsosporum bezeichnen, ist - beide Ergebnisse wären sehr interessant.

Danke für den Sporenvergleich! Es ist fast unglaublich, dass solche großen Unterschiede so lange unbemerkt blieben.

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Gernot

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Re: Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa
« Antwort #7 am: 11. Januar 2018, 22:35 »
Servus,

nun hab ich doch noch die Mikrofotos von meiner als H. umbilicatum bestimmten und unten gezeigten Kollektion gefunden. Hier daher ein paar ältere Sporenfotos (bis auf H. umbilicatum alle aus dem Tintling) im gleichen Maßstab, damit man die Sporen direkt vergleichen kann:

Hydnum repandum:


Hydnum rufescens s. l.:


Hydnum umbilicatum:


Hydnum ellipsosporum:



Übrigens hab ich jetzt zwei Aufsammlungen von H. umbilicatum (vermutlich) an Irmgard Greilhuber zum Sequenzieren geschickt. Bin schon gespannt, was dabei herauskommt!

Schöne Grüße
Gernot

Offline Hias

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Re: Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa
« Antwort #6 am: 26. Dezember 2017, 07:24 »
Servus zusammen,

ich weiß gar nicht, woran es liegt, dass ich die Gattungen Cantharellus und Hydnum aus mykologischer Sicht bislang völlig ignoriert habe  :-X Eure beiden Schlüssel werden hoffentlich Ansporn sein, nächstes Jahr mal ein paar Semmelstoppelpilze einzusacken und mich nicht nur darüber zu ärgern, dass nichts andres wächst ;D

Beste Grüße
Hias

Offline Christoph

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Re: Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa
« Antwort #5 am: 25. Dezember 2017, 01:39 »
Servus Gernot,

super, danke (da hätte ich auch selbst draufkommen können)  ::)

Zitat
Die Fundorte der beiden Sequenzen von H. umbilicatum sind in Table 1 in Grebenc et al. (2009) angeführt – beide stammen von Material aus den USA.

Oh, das hatte ich überlesen. danke, dann ist klarer, warum Olariago et al. Hydnum umbilicatum nicht ausgeschlüsselt haben.

"Unsere" Schlüssel ähneln sich in der Tat - vermutlich, weil wir beide auf dem von Olariago et al. aufgebaut haben. Du hast die fm. depauperatum klarer geschlüsselt (auch mit der Erwähnung der anderen Sporenform), dafür habe ich hinten etwas anders geschlüsselt und gewichtet. Du warst nur ein paar Jahre schneller...  ;)

Ich hatte die freie Zeit genutzt, meine Literatur zu sortieren und hatte gerade Hydnum zusammengefasst und nochmal nachgelesen - so kam mir die Idee. Den Tintlingsartikel hatte ich gar nicht auf dem Schirm - sorry. Jetzt schon.  ;)

Liebe Grüße,
Christoph

P.S.: deine "H. umbilicatum" über GBOL sequenzieren zu lassen, würde sich sehr lohnen. Das ist der große Vorteil, wenn schon vorgearbeitet wurde.

Was halt noch fehtl ist ein Neotypus von Hydnum rufescens, damit man mal die restlichen Clades anpacken kann.   8)
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Offline Gernot

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Re: Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa
« Antwort #4 am: 25. Dezember 2017, 01:11 »
Servus, Christoph,

meinen Artikel kannst du hier anschauen/herunterladen.

Zitat
Olariaga et al. (2012) haben das in ihren Schlüssel eingebaut:

Ah, ja, danke!

Zitat
Seltsam ist aber, dass Olariago et al (2012) zwei Sequenzen von Hydnum umbilicatum verwenden (AJ534972 und AJ534973), die beide von Grebenc et al. (2009) in der Genebank hinterlegt wurden. Leider sind die Fundorte dort nicht hinterlegt. Jedenfalls unterscheiden sich diese Sequenzen bene von dem, was Olariago et al. (2012) als H. aff. ellipsosporum bezeichnen. Im Schlüssel von Olariago et al. (2012) taucht dann aber H. umbilicatum nicht mehr auf.

Die Fundorte der beiden Sequenzen von H. umbilicatum sind in Table 1 in Grebenc et al. (2009) angeführt – beide stammen von Material aus den USA.

Ich werde meine als H. umbilicatum bestimmten Belege einmal ausgraben und schauen, ob ich sie im Rahmen des ABOL-Projektes genetisch untersuchen lassen kann.

Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Re: Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa
« Antwort #3 am: 24. Dezember 2017, 14:15 »
Servus Gernot,

deinen Schlüssel aus dem Tintling habe ich nicht... Daran hatte ich gar nicht gedacht. Könntest du mir eventuell... ?!

Zitat
Könntest du mir bitte die genaue Literaturstelle für die morphologische Beschreibung von H. "aff. ellipsosporum" mitteilen? Ich hab Olariaga et al. (2012) gerade überflogen aber diesbezüglich nichts gefunden

Olariaga et al. (2012) haben das in ihren Schlüssel eingebaut:

Zitat
6.' Basidiomata fleshy; basidiospores Qm = 1.16–1.21 . . . . . . . . . . . . . H. repandum and clade RU1
6.' Basidiomata slender; if fleshy then basidiospores Qm < 1.16 . . . . . . . . . . . . . . . (H. rufescens s.l.) 7

7.' Basidiospores Lm > 9 µm; spines sharply nondecurrent, spathulate around the stipe and often paler at the apex; pileus often umbilicate; . . . . . . . . . . . . . . . . H. aff. ellipsosporum
7.' Basidiospores Lm < 9 µm; spines not sharply delimited, without strong tendency to be spathulate; pileus umbilicate or not. . . . . . . . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . Clades RU2–RU6

Dafür taucht bei ihm Hydnum umbilicatum nicht im Schlüssel auf.

Auf Seite 1542 schreiben sie:
Zitat
Lüderitz (2005) provided, under the name H. umbilicatum, a color photo that shows macroscopic characteristics of H. vesterholtii due to the umbilicate and ocher pileus. However, no information regarding the spores was given and the identity of the fungus will remain doubtful until the material can be checked for the spore shape. In any case, the holotype of H. umbilicatum has large, globose basidiospores and this name must remain attached to a globose-spored taxon (Huhtinen and Ruotsalainen 2006).

Eine Seite später:

Zitat
More focused studies drawing attention to presence of umbilicate pileus, shape and attachment of the spines, number of predominant sterigmata and ecological and distributional data could contribute to morphological characterization of this lineage. The species corresponding to clade RU3, characterized by large basidiomata (Grebenc et al. 2009) or the morphological species that is recognized as H. umbilicatum in northern Europe could serve as examples of this (Jeppson 2010), although the latter has not been tested with molecular data.

Kurz gesagt: Hydnum umbilicatum hat klar runde bis subglobose Sporen - allerdings zweifeln Olariago et al. die korrekte Bestimmung der europäischen Fundmeldungen an, da diese wohl nicht sequenziert wurden bzw. von Lüderitz nicht anatomisch beschrieben wurden, sodass eine Identifikation mit der amerikansichen Art schwierig ist.

Seltsam ist aber, dass Olariago et al (2012) zwei Sequenzen von Hydnum umbilicatum verwenden (AJ534972 und AJ534973), die beide von Grebenc et al. (2009) in der Genebank hinterlegt wurden. Leider sind die Fundorte dort nicht hinterlegt. Jedenfalls unterscheiden sich diese Sequenzen bene von dem, was Olariago et al. (2012) als H. aff. ellipsosporum bezeichnen. Im Schlüssel von Olariago et al. (2012) taucht dann aber H. umbilicatum nicht mehr auf.

Es bleibt aber als etwas unerfreuliches Ergebnis, dass einerseits mehr als eine Art genabelten Furchtkörper haben kann (so auch H. versterholtii) und dass es im Hydnum-ellipsosporum-Clade drei Taxa gibt, von denen nur eins sehr leicht erkennbar ist - nämlich Hydnum ellipsosporum mit den auffallend ellipsoiden Sporen.

Da aber viele Sequenzen existieren und man hier gut mit der ITS arbeiten kann, würde es sich lohnen, auch als Amateur hier weiterzumachen. Deshalb sehe ich den Schlüssel hier auch nur als Provisorium an, der aber dazu animieren soll, Hydnum-Kollektionen gut zu dokumentieren. Und ist der Hut klar genabelt und sind die Sporen wirklich fast kugelrund, dann reicht ja eine DNA-Sequenz, um zu klären, ob es nun H. umbilicatum s.str. ist oder das noch unbenannte "aff."-Taxon. Interessante wäre da auch, wie die Stacheln genau aussehen (ich gehe aber davon aus, dass sie bei allen drei so plattenförmig sind - große Sporen und plattenförmige Stacheln = H.-ellipsosporum-Calde?!).

Schön finde ich, dass man hier durch genaues Beschreiben der Makroskopie nebst der Sporenmaße / Sporenform recht gut auf die eine oder andere Art kommt (abgesehen von dem restlichen Wust, der noch als Hydnum rufescens s.l. übrig bleibt).

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Gernot

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Re: Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa
« Antwort #2 am: 24. Dezember 2017, 12:04 »
Servus, Christoph,

kennst du meinen Schlüssel im Tintling 84 (2013)? Da habe ich in ähnlicher Art und Weise versucht, die europäischen Taxa in dieser Gattung zusammenzufassen. Nach der Veröffentlichung dieses Artikels konnte ich dann auch einige Kollektionen untersuchen, die ich H. umbilicatum im Sinne der nordeuropäischen Autoren zugeordnet habe, z. B. die angehängte in einem Kiefernmischwald (man beachte die genabelten, komplett hohlen Fruchtkörper). Die großen, globosen Sporen dieser Aufsammlung stimmten hervorragend mit der Beschreibung der Sporengröße in Huhtinen & Ruotsalainen (2006) überein – sie sind deutlich größer als jene von H. rufescens s. l. Ich hab auch Sporenfotos gemacht, die ich auf die Schnelle aber leider nicht mehr finde. Meine Bestimmungen von H. umbilicatum beruhen jedoch auch nur auf den morphologischen Merkmalen, genetisch wurde da noch nichts untersucht.

Meine intensivere Beschäftigung mit dieser Gattung liegt nun doch schon einige Zeit zurück, weshalb ich die Literatur nicht mehr auswendig im Kopf habe. Könntest du mir bitte die genaue Literaturstelle für die morphologische Beschreibung von H. "aff. ellipsosporum" mitteilen? Ich hab Olariaga et al. (2012) gerade überflogen aber diesbezüglich nichts gefunden (vielleicht hab ich's auch nur übersehen!).

Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa
« Antwort #1 am: 24. Dezember 2017, 01:57 »
Hallo zusammen,

ich habe mal versucht, einen Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa zu erstellen. Hierbei habe ich primär auf dem von Olariaga et al. 2012 vorgestellten Hydnum-Schlüssel aufgebaut, diesen aber dann etwas umgearbeitet.

In der Gattung Hydnum ging es ja in letzter Zeit ziemlich rund und die Artenzahl erhöhte sich deutlich. Es fehlen noch weitere Arten, sodass dieser Schlüssel auch nur provisorisch sein kann. Er kann aber helfen, die im Moment bestimmbaren Arten zu erkennen. Gewisse Probleme bereitet Hydnum umbilicatum, da in seinem Clade noch eine dritte Art, die bislang unbeschrieben ist, sitzt, die ihr makroskopisch sehr ähneln kann. Die Originalart "Hydnum umbilicatum" wurde aus Nordamerika beschrieben und wurde genetisch in Europa nachgewiesen. Sie ist durch einen deutlich genabelten Hut von den meisten anderen der Hydnum-rufescens-s.l.-Gruppe unterschieden. Allerdings zeigt die kryptische, noch unbeschriebene Art ebenfalls dieses Merkmal. Hier ist noch Klärungsbedarf. Durch die großen Sporen kann man zumindest die drei Arten Hydnum ellipsosporeum, Hydnum umbilicatum und Hydnum "aff. ellipsosporum" erkennen. Was die Trennung von H. umbilicatum von Hydnum "aff. ellipsosporum" angeht, wird man wohl vorerst nicht ohne Sequenzierung auskommen. Das betrifft auch publizierte Fundmeldungen - ohne Sequenz ist die Interpretation schwierig. So berichtet Jeppson (2010) von einem schwedischen Fund von H. umbilicatum.

Ich habe übrigens auf Angaben wie "mediterran" vs. "Mitteleuropa" verzichtet, da die Verbreitungsareale noch nicht geklärt sind. Wer mikroskopiert schon Semmelstoppelpilze?

Hier nun der (provisorische) Schlüssel der Gattung Hydnum in Europa (Bemerkungen, Verbesserungen usw. sind sehr willkommen): (Edit: wurde durch einen umfangreicheren, aktualisierten Schlüssel ersetzt - siehe oben)

1. Hut jung rein weiß; Sporen im Mittel nur bis 6,1 µm lang (Lm = 4,9-6,1); Basidien auffallend schmal, nur bis 6,5 µm breit ...................... ......................................................... Hydnum albidum
1* Hut bereits jung ockerlich gefärbt; Sporenlängen im Durchschnitt über 7 µm; Basidien deutlich breiter, 7,5-12 µm breit ............................................................................. 2

2 Sporen für die Gattung auffallend ellipsoid; Qm > 1,55; Lm > 9,8 µm; ............ Hydnum ellipsosporum
2* Sporen rund bis breit ellipsoid; Qm < 1,4; Lm < 9,5 µm …................................... 3

3 Fruchtkörper zierlich, Stiel nur bis 9 mm dick; Qm = 1,24-1,4 ….......................... 4
3* Fruchtkörper zierlich bis robust, Stiel bis 20 mm dick; Qm = 1,07-1,22 ….......... 5

4 Hut auffallend kräftig orange gefärbt …...................... Hydnum ovoideisporum
Bem.: Hydnum ovoideisporum fm. depauperata hat eine stachellose, glatte Hutunterseite
4* Hut blass ockerlich, ohne deutliche Orangetöne ....... Hydnum vesterholtii

5 Stacheln frei, nicht am Stiel herablaufend; zentral oder nur leicht exzentrisch gestielt ............ 6
5* Stacheln deutlich am Stiel herablaufend; Fruchtkörper auffallend fleischig, teils sehr groß werdend; meist deutlich  exzentrisch gestielt ...................................................................................... Hydnum repandum

6 Fruchtkörper auffallend groß, kräftig, mit kurzem, dicken Stiel, dieser 25–50 × 8–17 mm; Sporen auffallend kreisrund, 7-8 x 7-8,5 µm ..................................................................... Hydnum magnorufescens
6* Fruchtkörper zierlich, lang gestielt, Stiel nur bis 10 mm Durchmesser und gewöhnlich mehr als viermal so langt wie breit; Sporen subglobos  ............................... 7

7 Sporen ziemlich groß, Qm > 9 µm; Stacheln frei, nicht am Stiel herablaufend, mit Tendenz, plattenförmig zu sein ............................................................. .Hydnum umbilicatum
Bem.: nach Olariaga et al. 2012 ist diese Art nah mit Hydnum ellipsosporum verwandt, das auch große Sporen besitzt. Allerdings ist in dem gemeinsamen Clade ein weiteres Taxon genetisch batrennbar, das sie als Hydnum aff. ellipsosporum bezeichnen und in ihrer Beschreibung letzten Endes auch Hydnum umbilicatum entspricht; Hydnum umbilicatum wird in Nordamerika als eine Art mit deutlichen Orangetönen beschrieben, während die europäischen Funde eher blass-ockerlich sind.
7* Sporen kürzer, Qm < 9 µm; Stacheln etwas am Stiel herablaufend, im Querschnitt rundlich, ohne Tendenz, Platten zu bilden ................................................................................ Hydnum rufescens s.l. (mehrere genetisch abtrennbare, kryptische Arten)

Literatur:[/b]
Friebes (2013): Zum derzeitigen Kenntnisstand der Stoppelpilze (Hydnum) in Europa. Der Tintling 5(2013): 53-57.
Grebenc et al. (2009): Ribosomal ITS diversity among the European species of the genus Hydnum (Hydnaceae). Anales Jard. Bot. Madrid 66(1): 121-132.
Jeppson (2010): Hydnum umbilicatum – en taggsvamp att leta efter. Svensk Mykologisk Tidskrift 31 (2): 30–34.
Hall & Stuntz (1971): Pileate Hydnaeceae of the Puget Sound Area. I. White-spored genera: Auriscalpium, Hericium, Dentinum and Phellodon. Mycologia 63(6): 1099-1128.
Olariaga et al. (2002): Two new species of Hydnum with ovoid basidiospores: H. ovoideisporum and H. Vesterholtii. Mycologia 104(6): 1443-1455.
Ostrow & Beenken (2004): Hydnum ellipsosporum spec. nov. (Basidiomycetes, Cantharellales) – ein Doppelgänger von Hydnum rufescens Fr. Z. Mykol. 70(2): 137-156.
Vizzini et al. (2013):  Detecting the variability of Hydnum ovoideisporum (Agaricomycetes, Cantharellales) on the basis of Italian collections, and H. magnorufescens sp. nov. Mycosphere 4(1), 32–44, Doi 10.5943 /mycosphere/4/1/2

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 31. Mai 2018, 17:08 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)