Autor Thema: Kartierungsprojekt Rothschwaig - Pilze eines Magerrasens / einer Kiesgrube  (Gelesen 6903 mal)

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Offline Christoph

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Servus beinand,

gestern war ich wieder in Rothschwaig - trotz ergiebigen Regens ist die Kiesgrube immer noch sehr trocken. Das Wasser fließt durch den Schotter ab und der Wind trocknet alles wieder aus. Die etwas humoseren Bereiche hingegen sind offenbar feuchter, aber es war noch zu früh für die ersten Agaricales nach der Trockenphase.

Ich konnte dafür zwei corticioide Pilze aufsammeln - einmal Peniophorella preaermissa, einen Nematodenfänger, der wohl einer der häufigsten heimischen Cortis ist. Und dann habe ich eine für mich sehr interessante Aufsammlung machen dürfen / können. Einen Pfifferlingsverwandten aus der Gattung Sistrotrema:





Die Basidien sind 6-8-sporig, dei Sporen in der Form variabel, von subglobos über eiförmig bis hin zu epllipsoid (Q = 1,1-1,9), dünnwandig, inamyloid. Die Hyphen haben Schnallen an jeder Zelle und der für viele Vertreter der Gattung typische ölige Inhalt der Hyphen ist hier zwar deutlich erkennbar, aber nicht sehr dominant - will sagen, dass zwar Öltropfen in den Hyphen auftretene, die Hyphen aber nicht vollgestopft sind, wie es bei Sistotrema octospora der Fall ist:



Cystiden habe ich keine gefunden.
Der Fruchtkörper ist weiß mit etwas gelblichem Touch, er ist etwas uneben-warzig, Rhizomorphen fehlen und man kann ihn mit der Präpariernadel etwas hätugi abheben, aber die Stückerl reißen dann - also nicht wirklich athelioid, aber mit Anklang dazu.
Die Sporen sind relativ klein und ich muss noch mehr nachmessen - habe vorerst wenige ausgemessen und der Fruchtkörper sporuliert gerade erst - es sind sehr viele Basidien zu jung - es war ja auch lange sehr trocken.
Das Substrat war Laubholz, vermutlich Salweide, ein liegender Ast (Fruchtkörper auf der Rinde).

Ich halte meinen Fund für Sistotrema diademiferum, werde ihn aber noch ausführlicher nachmikroskopieren. Heute nacht hat es wieder ausgiebig geregnet - hoffentlich hält sich die Feuchtigkeit bis zum Kartierungswochenende  ;)

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Christoph

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Servus beinand,

ich möchte auch hier auf unser Kartierungswochenende hinweisen, das uns auch nach Rothschwaig führen wird: http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1747.0.html

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Christoph

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Lieber Rudi,

nein, keine Namensänderung - nur Verwirrung beim Schreiben - zu viele Schwammerl auf einmal (wie soll das nur enden, wenn wirklich was wächst)?  :-X

Wird sofort ausgebessert...

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Rudi

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Lieber Christoph,
sehr schöne Nachschnee-Impressionen.
Aber, dass meine gute alte Exidia pithya jetzt auch umbenannt worden ist, erstaunt mich schon sehr.  8)
LG aus Suedtirol Rudi
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Offline Christoph

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Servus beinand,

gestern war ich mal wieder in Rothschwaig - nachdem letzten Mittwoch ja noch Schnee lag, wollte ich am ersten warmen Tag direkt live vor Ort sein, wenn das dort eh nicht so üppige Holzsubstrat noch nass vom schmelzenden Schnee ist. Und siehe da, fast kein Schnee mehr - und das meiste an Holz / Stöckchen / Ästchen ist bereits sonnengetrocknet. Trockenrasen können gnadenlos sein.







Ein bisserl gab es aber zu bestaunen.

Anfangen möchte ich mit Illosporiopsis christiansenii, die ich an unterschiedlichen Flechten an einem Eichenast finden konnte:


Illosporiopsis christiansenii - flockig und korallenorangerot

Nachdem auch Krustenflechten betroffen waren (hier jetzt nicht gezeigt), hatte ich auf was anderes gehofft, aber das Mikroskop zeigte die typischen, verschlungenen Konidien:


Illosporiopsis christiansenii - Konidien und konidiogene Zellen

Am gleichen Ast waren eingetrocknete Fruchtkörper von Peniophora quercina zu finden - und u.a. Parmelia sulcata, eine - wie ich finde - sehr hübsche Flechte:


Peniophora quercina mit trocken typisch aufgebogenen, unterseits schwarzen Fruchtkörpern


Parmelia sulcata, eine hübsche, häufige Flechte an Ästen

Die Winterstürme haben ein paar Äste in den Trockenrasen geweht, darunter auch ein relativ frischer Fichtenast, an dem Exidia pithya zu finden war:


Exidia pithya - sehr wenige bis gar keine Drüsenpunkte

Wie schon einmal diskutiert, waren auch hier die Sporen relativ lang (dass der Pilz überhaupt fertil war, die Nächte waren mit -10°C saukalt und bis vor kurzem war der Ast eingefroren und von Schnee überpudert): 12,5-14,0-18,0 x (3,75-)4,0-4,5-5,0(-5,5) µm

Daneben fand ich zahlreiche schwarze Kügelchen, die recht weich waren und eine weiße, gallertige Masse enthalten. Im Mikroskop ist das Gehäuse grün-bläulich-schwarz (sehr auffällig), die farblos hyalinen Sporen winzig, fast kugelig (um die 3 µm) und die konidiogenen Zellen farblos hyalin und phoma-artig. Vielleicht finde ich bei Gelegenheit was passendes. Coelomyceten an Holz hat ein bisserl der Teufel gesehen...

Dann habe ich an Kiefernzapfen kleine, schwarze Flecken gesehen:


Diplodia sapinea s.l.

Nebenbei bemerkt ist im Moment an Fichtenzapfen Phragmotrichum chailletii ein Massenpilz in Rothschwaig. Die Konidien des Pilzes an den Kiefernzapfen waren auch hübsch, wenn auch nicht so spektakulär wie bei Phragmotrichum. Mit 30-39-45 x 13,5-16-19 µm sind sie aber auch sehr groß und auffällig. Die Sporenoberfläche der braunen Konidien ist nicht glatt, sondern entweder fein warzig oder fein grubig (schwer zu unterscheiden bei diesen Konidien, finde ich). Wäre die Oberfläche glatt, wäre ich bei Diplodia (Sphaeropsis) sapinea - so bin ich bei Diplodia sapinea s.l. - Diplodia scrobiculata hätte fein grubige Sporen, aber da passt die restliche Beschreibung nicht so gut, finde ich. Ist aber ein schwierige Artengruppe und das s.l. ist ja in Ordnung. Nebenbei angemerkt, ist D. sapinea ein gefürchteter Krankheitserreger von Kiefern (Kiefernschütte). 

Zu guter Letzt zeige ich zwei Pilze gleichzeitig. Aufgefallen sind mir weiße, mehlig bestäubte Knubbelchen, die ich makroskopisch für Lasiosphaeria ovina gehalten hatte (nur wächst die nicht auf Borke, sondern auf dem Holzkörper):


Leucostoma niveum (= Valsa nivea) und Cylindrobasidium laeve

Hier waren die (vermutlich) Birkenäste noch sehr frisch, fast lebendig. Im Mikroskop wurde ich von Unmengen an Konidien überrascht, die an allen Seiten und in den Knubbeln zuhauf zu finden waren. Die Konidien sind einzellig, farblos-hyalin, gebogen und 6-7 x 1 µm klein.
Thorben Hülsewig stubbste mich an, bei Cytospora zu schauen - so kam ich auf Valsa und dort auf die Nebenfruchtform Leucostoma niveum (von Valsa nivea).
Ich habe natürlich gar keine Erfahrung in der Gruppe, aber je mehr Literatur ich sichte, umso besser passt es, so z.B. hier.
Am gleichen Ast sitzt noch Cylindrobasidium leave - und auch diese Fruchtkörper sind bereits fertil.

Ansonsten gab es noch Ohrlöffelstachelinge, Fomitopsis pinicola - das Übliche halt. Obwohl meine Mammendorfer Fichtenforste bodendeckend mit Strobilurus esculentus glänzen, habe ich in Rothschwaig keinen einzigen FiZaRü gesehen (die Arten an Kiefernzapfen kommen eh später).

Soweit als Zwischenmeldung aus dem wunderschönen Rothschwaig.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 26. März 2018, 11:27 von Christoph »
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Offline Christoph

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Servus beinand,

hier bei uns liegt Schnee - der Winter macht doch gerade Stippvisite. Zeit, um ein Rothschwaig-Update zu bringen. Die Bilder stammen von Ende Januar.

Zunächst fand ich in der Streu, im Boden und auch an Kiefernästen bei Kiefer einen Corti. Eigentlich fand ich ihn, weil ich einen Kiefernast umgedreht habe und auf der Unterseite war er dran, der Corti, aber eben auch großflächig rundherum, im Boden, in der Streu, wuchs und auffällige Rhizomorphen besitzt. Das riecht immer stark nach einem Ektomykorrhizapilz. Der cremefarbene Ton hätte mich eigentlich schon im Gelände zu einer Bestimmung bringen können, aber sehr alte Bereiche des Fruchtkörpers waren fast schon fuchsrötlich - und das kannte ich so noch nicht. Aber wer sammelt schon Ende Januar Mykorrhiza-Cortis?


Amphinema byssoides - ein ektotropher Symbiont der Waldkiefer




Im Mikroskop war es dann klar. Es war / ist Amphinema byssoides, ein häufiger, aber wenig beachteter / kartierter Corti, der mit Nadelbäumen und hier auch gerne mit Kiefer in Symbiose lebt.

Am selben Kiefernast, den ich zuerst umgedreht habe, fand ich noch winzige, zironengelbe Kissen. Das sah aus wie irgendwelche junge Becherlinge:


Dendrodochium citrinum an Kiefernast

 Und in der Not frisst der Teufel Fliegen - im Glauben, etwas unreifesd mitzunehmen, habe ich sogar ein Foto gemacht und auch diese Winzlinge mitgenommen. Zuahuse überraschten mich Unmengen kleiner Konidien. Zufälligerweise war genau der Pilz quasi zeitgleich Thema im EU-Pilzforum. So erfuhr ich den Namen, ohne in Ellis & Ellis blättern zu müssen. Es handelt sich um Dendrodochium citrinum, das häufig an Kiefer zu finden ist.

Dann nahm ich in meinem Übermut noch ein kleines, warzig-grandinoides Corti-Dingens mit:



 Leider war der Fruchtkörper absolut unreif - kopfige Cystidiolen waren zu finden, aber keinerlei Sporen oder reife Basidien. Irgendwas aus der Gruppe um Hyphodontia aspera / breviseta usw. dürfte es sein. Da sehe ich aber ganz gerne die Sporen. Muss ich in der kommenden Saison nachsammeln.

Natürlich auch unreif war Corticium roseum an einem Salix-Zweig, der wohl durch die Winterstürme gebrochen ist und in die Kiesgrube geweht wurde. Corticium roseum ist fast das ganze Jahr über steril - man findet dann nur Dendrohyphidien und darin versteckt Basidiolen. Nur in einem kurzen Zeitfenster im Frühjahr reifen die Basidiolen zu Basidien aus und Corticium roseum sporuliert.



Ob der Spenderbaum nun auf der Fläche oder nahe der Fläche steht, kann ich also nicht überprüfen. Der Pilz selbst ist aber in der Fläche, also gehört er auch dazu  ;D

Lamellenpilze gab es auch - Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare). Nur habe ich da kein Foto gemacht. Da wurde es schon dunkel und fotogen waren sie auch nicht. Ansonsten gab es nur eingefrorene, wieder aufgetaute und wieder gefrorene Mumien - darunter immer noch Butterpilzleichen und Mallocyben (Inocybe dulcamara i.w.S. - und das weiß ich auch nur, weil ich die Fruchtkörper noch halbwegs frisch sah, dann als Mumien, jetzt als alte Mumien.

Wenn der Schnee wieder weg ist und es ein paar Tage wieder warm war, könnte wieder was neues in Rothschwaig wachsen. Ich lass mich überraschen.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 8. Februar 2018, 22:40 von Christoph »
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Sehr hübsch, Rudi,

den blass-weißen Gesellen habe ich noch nie gesehen / gefunden.

Liebe Grüße,
Christoph


 
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Offline Rudi

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Servus Christoph und Hias

Ich hab auch grad mal nachgeschaut, ob ich meinem Gedächtnis noch trauen kann...
Aber stimmt: auch hier auf Kalk finde ich S.l. regelmässig, allerdings nur ca 1-2x/Jahr.
Vor 10 Jahren gabs da sogar mal die vornehm blasse Variante.

Schöne Restfeiertage!
LG Rudi
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Offline Christoph

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Griass di Hias,

das passt vom Habitat ja perfekt zusammen. So kann man sich irren, denn wie gesagt war der Butterpilz für mich bisher nur ein Pilz saurer Böden. Danke für den Input  :)

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Hias

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Servus Christoph,

ich selbst kannte Butterpilze bis vor einigen Jahren nur aus den stocksauren "Preiselbeer-Wäldern" im Norden Russlands, bis ich sie dann in der Fröttmaninger Heide auf Kalkschotter fand. Dort treiben sie sich regelmäßig herum.

Grüße
Hias

Offline Christoph

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Servus zusammen,

ich möchte noch zwei Pilze nachtragen, die ich noch im November gefunden hatte. Beide sind ziemlich banale Arten, jedoch war ich trotzdem sehr erstaunt, die erste der zwei in Rothschwaig finden zu können.

Es geht um den Butterpilz, Suillus luteus. Klar, Kiefern stehen dort ja, aber ich selber habe noch nie auf Kalkschotter Butterpilze gefunden. Ich kannte sie bislang nur von sauren Böden. Die Bestimmung ist ja unzweifelhaft, denn der Hut zeight die typische eingewachsene Radialfaserigkeit unter dem Schleim und der Ring ist auch vorhanden, auch wenn er teils sehr tief hängt und teils am Hutrand hängen geblieben ist. Das schleimige Velum universale ist aber klar und deutlich.







Der andere Pilz wächst auch jetzt noch - das Mäuseschwänzchen, Baeospora myosura. Die winzigen, amyloiden Sporen sichern die Bestimmung sehr einfach ab.



Vermutlich gehe ich morgen nochmal raus auf die Wiese - falls ich was nettes finde, gibt es dann nochmal ein Update (aber ohne Schmierröhrlinge, denn die sind durch, davon liegen nur noch Leichen herum).

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Christoph

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Servus Rudi,

mittlerweile sind alle Weichritterlinge auf der Rothschwaiger Wiese dem Frost zum Opfer gefallen. Tapfer sind die Pseudoclitocybe expallens - sie waren lange durchgefroren und stocksteif, sind mittlerweile aufgetaut und leben zum großen Teil noch. Nur sind sie jetzt nicht mehr gerieft, da die HDS durch den Dauerfrost dort im Schatten am Boden nen Schlag abbekommen hat.

Gestern war ich wieder unterwegs und habe dafür ein paar neue Arten finden können.

Wenn auch nicht sooo selten freue ich mich dennoch über Illosporiopsis christiansenii.



Ich habe diesen Flechtenparasiten bisher nur auf Physcia gehabt. Damit ist das für mich der Erstfund an Xanthoria (aber nur für mich selbst, denn er ist natürlich auch von Xanthoria bekannt). Wir haben ja auch einen eigenen Illosporiopsis-Thread, auf den ich hier natürlich auch gerne querverweise: http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,499.0.html

Dann habe ich, jetzt aber wirklich auf Physica, noch etwas rosaliches gefunden. Im Gegensatz zu Illosporiopsis, der zu den Ascomyzeten gehört, handelt es sich jetzt um einen Basidiomyzeten. Ich hatte leider beim Fotografieren die größeren Bulbillen übersehen, man sieht hier nur links oben am Rand des Rosalichen Überzugs zwei kleine Bulbillen.



 Ich habe im Mikroskop sogar eine Basidie gesehen, die ziemlich gut auf Marchandiomyces aurantiacus passt. Ich hatte aber wenig Zeit, genauer zu mikroskopieren. Es gibt ja mittlerweile noch weitere rosa Cortis (i.w.S.) an Flechten. Das läuft zum Glück nicht weg.

Lamellenpilze gab es bis auf die Pseudoclitocybe kaum noch. Es standen die letzten Mohikaner der Galerina clavata herum (ich habe ehrlich gesagt nur noch einen Fruchtkörper gesehen, aber ich habe nicht die ganze Wiese auf allen Vieren abgesucht). Dafür habe ich Tubaria hiemalis gefunden - mit ganz typischen, deutlich kopfigen Cheilozystiden.



Allerdings waren die Fruchtkörper auch schon vom Frost mitgenommen, was man hier gut sieht. Ach ja, ich habe auch noch die letzten Mäuseaschwanzrüblinge gesehen - Baeospora myosura (aber nicht fotografiert).

Was jetzt aber in Massen sprießt (und bereits reif ist): Phragmotrichum chailletii an Fichtenzapfen.



Wer gerne mikroskopiert, muss sich den mal anschauen. Die Sporenketten sind sowas von grandios!

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 21. Dezember 2017, 19:51 von Christoph »
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Offline Rudi

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Servus Christoph,

Auch bei uns gibts ähnliches. Neben Arrhenia spathulata gibts auch reichlich Omphalina rickenii und einige Galerinchen, die ich aber noch nicht genauer untersucht habe.
Weichritterlinge sind allerdings auf den Kalkmagerrasen zur Zeit reichlich vorhanden. Auch da hab ich noch nicht hineingeschaut- früher bin ich allerdings schön öfter beim Schlüsseln gescheitert...
Als Beispiel 5 Aufsammlungen

LG Rudi
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Offline Christoph

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Servus beinand,

neben Pseudoclitocybe expallens (siehe einen Beitrag weiter unten) habe ich noch ein paar Schwammerl mehr gefunden. Drei davon will ich gerne vorzeigen.

Sehr gefreut habe ich mich über Arrhenia spathulata - ich habe diese Arrhenia noch nie selbst gefunden. Gestern war es soweit. Laut Pilze-Deutschland gibt es nur einen Fundpunkt in Südbayern, aber die Karten sind da leider nicht unbedingt aktuell (es fehlen auch die Krieglsteiner-Punkte).

Die Art ist leicht bestimmbar: Stiel praktisch ganz reduziert, Lamellen nur aderig, Hut frisch grau (nur trocken hell), keine Schnallen (etc.). Kann ein Mooskenner den Wirt eventuell bestimmen?

Hier die Fotos:







Die zweite Art ist sehr häufig und auch leicht kenntlich: Galerina clavata - sie hat keine Schnallen, die Sporen haben keine Plage, sind aber stark warzig, dafür kaum bis nicht dextrinoid (häublingsuntypisch), dann die entfernt stehenden Lamellen und fehlender Mehlgeruch und -geschmack. Die Cheilocystiden sind deutlich kopfig. Ähnlich ist nur Galerina heterocystis.

Galerina clavata kommt truppweise auf meiner "Ellerlingswiese" in Rothschwaig vor, aber nicht im Steinbruch (dort zu wenige Moose?).



Aller guter Dinge sind drei - noch ein Weichritterling. Da ist die Bestimmung ja immer so eine Sache. Die Cheilocystiden sind teils brennhaarartig, aber mit recht breitem Kopf, teils auch septiert, aber es kommen auch recht große Cystiden vor, die graduell breiter werden. Die Zuordnung ist also nicht ganz klar. Pleurocystiden gibt es, aber nur sehr vereinzelt. Diese sind eher brennhaarartig, aber der kristalltragende Hals ist hier auch um die 4 µm dick. Die Sporen sind warzig mit einzelnen Graten, also verbundenen Warzen, aber nicht netzig-gratig.
Das Stielfleisch ist in der Stielbasis fast schwarz und nach oben hin immer heller werdend. Der Geruch ist seltsam. Ich habe Lakritzgeruch wahrgenommen, später wurde es eher ein Geruch in Richtung Sauerkraut - etwas seltsam. Der Geschmack hingegen war banal pilzartig.
Der Stiel ist sehr fein längsrillig, unter der Lupe oben deutlich bepudert.
Ich komme hier beim Schlüsseln mit Bon bei Melanoleuca kuehneri raus. Ob's wirklich stimmt, weiß ich natürlich nicht sicher. Zumindest wäre die Art praticol (nicht ausschließlich, aber durchaus). In Kalkmagerrasen - hier zwar so gut wie ohne Gräser - wird es ja nicht soooo viele Weichritterlinge gben?!



Kann jemand die Bestimmung halbwegs bestätigen oder widerlegen/anzweifeln?

Liebe Grüße,
Christoph

« Letzte Änderung: 23. November 2017, 20:46 von Christoph »
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Servus Gernot,

Cuphophyllus pratensis s.l. passt gut zu Rudis Fund. Ich selbst bin mir nicht sicher, welchen Status Cuphophyllus ochraceopallidus verdient. Auf meiner Wiese finde ich optisch Übergänge von rein weiß zu weiß mit etwas ockerblasser Mitte hin zu deutlich durchgefärbt auf engstem Raum.

Zitat
Die Fruchtkörper waren aber nicht gerade schmächtig, insofern halte ich das eher für kein brauchbares Unterscheidungsmerkmal zu C. virgineus.

Aber dünnfleischig waren sie schon?! Und wie groß war der große Fruchtkörper?

Gestern war ich wieder unterwegs in Rothschwaig - das Wetter musste ich einfach ausnutzen. Es war dermaßen warm durch den Föhn, dass ich keine Jacke mehr braucht - sehr angenehm.

Die Kalkschotterflächen waren immer noch voll mit Pseudoclitocybe expallens, den ich hier ein bisserl vorstellen möchte. Wenn die Hüte sehr durchnässt sind, können sie ziemlich dunkel sein, fast schwarz und sind dann eigentlich kaum von Pseudoclitocybe cyathiformis zu unterscheiden. Verlieren sie aber die Nässe und sind normal durchfeuchtet, sind die viel blasser und vor allem deutlich durchscheinend gerieft. Hierbei behalten sie einen sehr dunklen, zentralen Fleck - meist mit winzigem Buckel. Trocknen sie dann weiter ab, so zeigen sie eine sehr starl ausgeprägte Hygrophanität.
Frisch riechen sie teils nach fast nichts, sobald sie aber etwas in einer Schachtel waren, riechen sie sehr stark nach reiner Blausäure, also wie ein Mönchskopf.

In Rothschwaig bildet Pseudoclitocybe fast einen Aspekt. Letzte Woche waren es sicher über Hundert Fruchtkörper - jetzt sind es zwar weniger, aber immer insgesamt noch sehr viele.

Hier eine kleine Fotostrecke...


Blasser Hut, dunkle Mitte mit kleiner Papille und deutlich durchscheinend gerieft - typisch für noch feuchte Hüte.


Links ein bereits fast abgetrockneter Fruchtkörper - der Hut ist dann sehr hell.


Eine Dreiergruppe und erneut mit dieser typischen, fast schwarzen Hutmitte mit Papille.




Hier sieht man, wie der Hut abzutrocknen beginnt und deutlich hygrophan reagiert - in zentrifugalen Streifen.


Junger, noch sehr dunkler Fruchtkörper - sehr stark durchfeuchtet.


Noch jüngerer Fruchtkörper ("Baby") und schon deutlich gerieft.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 23. November 2017, 20:23 von Christoph »
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