Autor Thema: Der Pyrenopeziza-Fred  (Gelesen 1260 mal)

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Offline Christoph

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Re: Der Pyrenopeziza-Fred
« Antwort #5 am: 10. Juni 2017, 18:50 »
Hallo Peter,

Mollisia uda kenne ich auch (aus dem Bayerischen Wald, ist im Nationalpark verbreitet). Zu Fuckels Zeiten hatte man anhand anderer Merkmale die Gattungen eingeteilt, weshalb sie damals bei Niptera stand, so wie beispielsweise auch Pyrenopeziza mercurialis. Das, was vonFuckel als Pyrenopeziza medicaginis beschrieben  wurde, ist heute eine Leptotrochila (auch nur als Beispiel).

Was Pyrenopeziza betulicola betrifft, habe ich nur mit Lupe im Gelände gesucht. Dann dürfte sie mir wohl deshalb durch die Lappen gegangen sein.
Nach Pyrenopeziza mercurialis habe ich an Ende Mai geucht, aber keine Vorjahresreste mehr von Mercurialis gefunden - dann muss ich nächstes Jahr früher anfangen.

Danke für die Infos  :)

LG
Christoph
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(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Peter P.

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Re: Der Pyrenopeziza-Fred
« Antwort #4 am: 9. Juni 2017, 21:46 »
Äußerst interessant solche Literatur !
Was FUCKEL als Niptera uda bezeichnet ist ja eine Mollisia. Hier im Südthüringer Raum ist die Art eigentlich überall dort anzutreffen, wo ihr die Lebensräume zusagen: Nährstoffarme Gebirgsbäche, kein basisches Gestein in der Nähe, Laubholz. Und im Herbst gab es bisher in den 21 MTB/16 mit der Art nur einen einzigen Nachweis Mitte September, sonst von April bis Juli. Wo man Mollisia uda (nach A. Gminder ist das Epithet schon vergeben, er schlägt deshalb "pulviniformis" vor) findet,
gibt's garantiert auch Vibrissea truncorum.
P. mercurialis, bei FUCKEL selten, ist aber im Frühjahr in fast jedem Mercurialis- Bestand zu finden, eigenartigerweise findet man die vorjährigen und doch grün recht stattlichen Triebe manchmal kaum noch, und ab Juni ist es ziemlich müßig, die Art noch zu finden.
Ja, P. betulicola ist schwer zu finden, draußen mit der Lupe kaum zu erkennen und erst unter dem Stereo mit Aha- Effekt.
Wir hatten sie hier in 12 MTB/16, allerdings wurden gerade solche Arten die letzten 6, 7 Jahre kaum beachtet. Gefunden hatten wir die Art nur Ende April bis Mai, 1x Mitte Juni.
Für's Auffinden solcher Arten hat sich das Aufsammeln entsprechenden Substrates mit entsprechender Behandlung in der Feuchtkammer bewährt, erstaunlich, was man da so alles findet. So wäre es jetzt noch angebracht, Blätter der Sal- Weide aufzusammeln, zu befeuchtet und die Unterseite mit der Stereolupe abzusuchen. Sehr häufig wird es da Pyrenopeziza fuckelii geben, hin und wieder mit Venturia chlorospora und Linospora saligna vergesellschaftet. In Feuchtgebieten mit Mädesüß sollte man jetzt an vorjährigen und feucht liegenden Trieben Pyrenopeziza millegrana und pulveravea finden sowie eine erstaunlich Zahl anderer Arten auf den  alten Blättern und Stengeln.
Grüße Peter P.
 
Freiheit ist, das sagen zu dürfen, was andere nicht hören wollen.
Anonymus

Offline Christoph

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Fuckel 1869 - seine Beschreibungen von Pyrenopezizen
« Antwort #3 am: 9. Juni 2017, 14:51 »
So, hier nun die Seiten 293-295 aus Fuckel L. (1869): Symbolae Mycologicae. Beiträge zur Kenntniss der rheinischen Pilze:







Fuckel beschreibt die Arten auf Latein, macht dann auf deutsch weitere Angaben - so z. B. zur Häufigkeit. Seine Maßangaben in Mikrometern erscheinen teils (oft, immer?) etwas zu groß - die Kalibrierung war damals nicht immer mit heute vergleichbar.

Er bezeichnet beispielsweise sowohl Pyrenopeziza plantaginis als auch Pyrenopeziza betulicola als selten.

Ach ja - die Niptera mercurialis steht heute bei Pyrenopeziza als Pyrenopeziza mercurialis (Fuckel) Boud.

LG
Christoph
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Offline Christoph

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Pyrenopeziza digitalina
« Antwort #2 am: 9. Juni 2017, 14:28 »
So, ich fange mit der häufigen Pyrenopeziza digitalina an. Im Nachbar-Thread wurde über sie bereits diskutiert.






(Funde aus dem Nationalpark Bayerischer Wald)

Und hier (auch für Peter P.) die Beschreibung von William Phillips.



Phillips schreibt also nichts zur Häufigkeit...

Die eigentliche Originalbeschreibung erfolgte, so wie ich es meine, zu verstehen, auf dem Etikett eines Exsiccatenwerks (das war damals erlaubt). Die erste öffentlich einsehbare Beschreibung (die ich oben eingefügt habe) hat er dann in seinem Werk A Manual of the British Discomycetes with illustrations of all the species of fungi hitherto found in Britain, included in the family and illustrations of the genera pp. i-xii, 1-462, 12 plates. UK, London; Kegan Paul, Trench & Co. im Jahr 1887 publiziert (auf cyberliber frei lesbar: http://www.cybertruffle.org.uk/cyberliber/ (dort auf "Books" und da auf den Philips klicken).

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 9. Juni 2017, 14:31 von Christoph »
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Offline Christoph

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Der Pyrenopeziza-Fred
« Antwort #1 am: 9. Juni 2017, 13:59 »
Hiermit möchte ich einen eigenen Sammelthread zur Gattung Pyrenopeziza eröffnen. Es gibt viele Arten, die absolut unter- oder noch gar nicht kartiert wurden. Viele kommen an sehr häufigen Substraten wie Brennessel (Pyrenopeziza urticicola) oder Spitzwegerich (Pyrenopeziza plantaginis) oder liegenden Birkenblättern (Pyrenopeziza betulicola), um drei Beispiele zu nennen.

Pyrenopeziza betulicola ist auf www.pilze-deutschland.de mit immerhin drei (!) Fundpunkten deutschlandweit vertreten, davon zwei in Nordbayern (einmal von Peter Püwert, der hier ja auch aktiv ist, einmal von Lothar Krieglsteiner) - das war's! Ich schaue immer im Frühjahr auf Birkenblättern, war aber (noch) erfolglos.

Pyrenopeziza plantaginis war ja hier bereits Thema: http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1127.0.html

Ich hatte vor ein paar Jahren dazu angeregt, nach dieser Art zu suchen und hatte selbst erst heuer Erfolg - am Rand eines Kalkflachmoors.

Pyrenopeziza plantaginis glänzt mit immerhin 5 Fundpunkten auf Pilze-Deutschland. Davon stammt einer aus Bayern (von Jule Kruse in Bayreuth im Botanischen Garten gefunden), wobei ein zweiter aus Oberbayern dazu kommt (mein Fund von heuer). Jule hat noch enen Fund am Main (Flörsheim) gemacht, die anderen beiden stammen (na klar, von wem sonst?) von Lothar Krieglsteiner aus der thüringischen Rhön.

Pyrenopeziza urticicola scheint dagegen häufig zu sein - nur wer schaut schon auf Brennesselstängel? Ich kenne da aber jemanden: die Inge Rössl - und siehe da, sie hat heuer auf einer Wanderung der AMIS (Arbeitskreis Mykologie Inn/Salzach) den "Erstfund" für Südostbayern gemacht. Aus Südbayern gibt es bislang nur einen Nachweis laut Pilze-Deutschland, einen Altfund aus dem Jahr 1987 von Helmut Grünert (am Ammersee).

Ich empfehle einfach mal auf www.pilze-deutschland.de nach Pyrenopeziza zu suchen und die Verbreitungskarten anzusehen. Da sieht man, dass hier Nachholbedarf ist.

Wie erkennt man eine Pyrenopeziza?
Nun, wenn man dunkle, schwarzgraue, kleine Becherlinge findet, die jung fast kugelartig beginnen und (in Bezug auf die meisten Arten) an liegenden Blättern, Blattstielen oder Pflanzenresten (Stängel vom Vorjahr) oder an noch lebenden, aber welk wirkenden Blättern (und da teils Nekrosen bildend) auftreten, also die wie eine dunkle Mollisia auf Kräutern (nur wenige Arten kommen an Holz vor) aussehen, düfte es eine Pyrenopeziza sein.
Im Mikroskop muss man lebend(!) in Wasser die Paraphysen ansehen - ihnen fehlt die für Mollisia typische, lichtbrechende Vakuole (das Plasma kann aber an der Spitze gelb gefärbt sein - es geht wirklich um die "Mollisia-Vakuole"). Die Gattung ist gut bearbeitet, man sollte also bei vielen Arten auch anhand des Substrats als Hilfe gut bestimmen können, wobei das Substrat allein nicht reicht - das ist wohl nur bei den parasitären Arten eng eingegrenzt (wie ich im Asco-France-Forum aufgeschnappt habe).

Mit Pyrenopeziza brassicae gibt es auch eine Art, die wirtschaftliche Bedeutung hat, da sie Rapsfelder zerlegen kann (deshalb wird wohl so viel gespritzt).

Soweit erstmal als Eingangsposting. Ich zeig gleich ein paar alte Beschreibungen in den Folgebeiträgen.

Und wie gesagt: jeder(!) kann, soll und darf sich beteiligen :-)

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 9. Juni 2017, 14:35 von Christoph »
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