Autor Thema: Agrocybe praecox agg.: Agrocybe cf. gibberosa  (Gelesen 869 mal)

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Offline Christoph

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Re: Agrocybe praecox agg.: Agrocybe cf. gibberosa
« Antwort #2 am: 12. Mai 2017, 00:17 »
Ich möchte noch zwei Fotos aus dem Jahr 2014 vorzeigen.





Es handelt sich ebenfalls um das Agrocybe praecox-Aggregat. Der Fund stammt aus dem Naturwaldreservat Schönwald (nördl. des Ammersees) und zeigt einen flachen, leicht rissigen Hut (Funddatum 12.6.2014, zusammen mit Boris Zurinsky).

Die Sporen waren etwas größer als bei meinem aktuellen Fund, ansonsten natürlich mikroskopisch sehr ähnlich. Makroskopisch ist das aber was ganz anderes, irgendwie?!

Heute habe ich an anderer Stelle (Hattenhofen, Nachbarort von Mammendorf) wieder den robusten Typ mit Hutbuckel gefunden (an Rindenmulch), die Huthaut nicht eingerissen, offener Standort, nicht im Wald wie bei den beiden hier gezeigten Fotos aus dem Schönwald.

LG
Christoph

Das nur so am Rande... ich werde natürlich alles als "A.-praecox-Aggregat abspeichern".
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(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Christoph

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Agrocybe praecox agg.: Agrocybe cf. gibberosa
« Antwort #1 am: 7. Mai 2017, 19:33 »
Hallo zusammen,

dank des Regens sprießen die Pilze wie sonstwas. Gestern habe ich wunderschöne Peziza avernensis gefunden - riesengroß und bereits völlig ausgereift, daher leicht bestimmbar... aber auch andere typische Frühjahrsarten (neben dem Gemörch) wie Pholiotina aporos, Calocybe gambosa, Melanoleuca cognata wachsen und gedeihen. Bie mir ist sogar schon der erste Schub Stockschwammerl durch.

Heute beim Gassigehen mit dem Hund stolperte ich jedoch über eine große Gruppe an Ackerlingen. Der deutliche Mehlgeruch- und geschmack sowie das gut ausgeprägte Teilvelum deuten direkt auf "den" Voreilenden Ackerling hin. Die Gruppe hat aber der Teufel gesehen.

Flynn & Miller (1990) haben vier biologische Arten nachweisen können (über Kreuzungstests), aber konnten die Fruchtkörper nicht voneinander trennen. Jedenfalls scheint die Fruchtkörpergröße keine Rolle zu spielen.

Siehe Flynn T & Miller O.K. Jr. (1990): Biosystematics of Agrocybe molesta and sibling species allied
to Agrocybe praecox in North America and Europe. Mycol. Res. 94: 1103-1110


Gröger schlüsselt auch nur die Sammelart aus, und leist man sich durch die übliche Literatur, so wird einem auch kaum geholfen. Ich schaue mir jedenfalls ab und an Voreilende Ackerlinge näher an und mikroskopiere sie auch.

Bei meinem vorliegenden Fund von heute fällt mir der deutlich gebuckelte Hut auf, der sich bald ausbreitet, den Zentralbuckel aber nie verliert. Dazu kommt die kräftige Gestalt, die aber wie gesagt nach Flynn & Miller (1990) taxonomisch nicht verwendbar ist. Im Mikroskop fällt auf, dass die Pleurozystiden häufig sind und wie für Agrocybe praecox typisch, breit lageniform mit relativ kurzem Hals sind.

Die Sporen meiner Kollektion sind beim erstem Messen 8-9,5 x 4,5-6 µm groß und dabei nicht deutlich ellipsoid, sondern offenbar in Aufsicht etwas breiter als bei zu messender Seitenlage. Ich werde aber noch etwas fleißiger sein müssen und mehr ausmessen. Die etwas asymmetrische Sporenform erwähnt Roy Watling in deiner Studie über die Bolbitiaceae von Island:

Watling R. (1985): The Agaricales of Iceland (Islenzkir Hattsveppir) - VI. Icelandic species of Bolbitiaceae. Acta Bot. Isl. 8: 3-19.

Allerdings verweist er auf dieses Merkmal bei Agrocybe sphaleromorpha (in seinem Sinn), wobei da die Makrobeschreibung nicht auf meine Kollektion passt.

Ich interpretiere Agrocybe praecox s.str. als eine langstielige Art, deren Hut ungebuckelt ist, die relativ dünnfleischig ist und natürlich ebenfalls nach Mehl riecht und schmeckt und eren Sporen etwas größer als bei meiner Kollektion werden. Leider wird man hier wohl erst weiter kommen, wenn die ganze Artengruppe neu überarbeitet wird - auch genetisch.

Kräftige Fruchtkörper bildet auch Agrocybe britzelmayri, die aber nach Watling (1985) Pleurozystiden mit deutlich längerem Hals haben sollen und noch größere Sporen als Agrocybe praecox s.str. (wobei die Unterschiede jeweils recht klein sind).

Wer kennt sich in dem Formenkreis etwas genauer aus? Da ich selber nichts genaues sagen kann, stelle ich mein Kollektion einfach mal mit Bildern vor (wohl wissend, dass das für Viele einfach als Agrocybe praecox s.str. durchgehen dürfte).









LG
Christoph
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