Autor Thema: Daedaleopsis tricolor vs. Daedaleopsis confragosa var. tricolor  (Gelesen 6829 mal)

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Offline Christoph

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Daedaleopsis tricolor vs. Daedaleopsis confragosa var. tricolor
« Antwort #1 am: 11. Februar 2009, 20:46 »
Hallo liebe Foristi,

ja, ich weiß, die Diskussion ist alt. Ist "die lamellige" Rötende Tramete eine eigene Art oder nicht? Ich finde allerdings bereits diese eingangsfrage verwirrend, da ich einerseits zwei Arten der Gattung Daedaleopsis in Deutschland zu kennen meine, aber weiß, dass beide lamellig sein können. Die eine ist es immer, die andere kann es durch Wuchsstörungen werden.

Doch warum denke ich an zwei Arten? Ich stelle mal schnell die Unterschiede nach meiner Erfahrung nebeneinander:

D. confragosa:
Meist porig, diese auch langgezogen, selten lamellig
Fruchtkörper im Schnitt meist deutlich dreieckig, relativ dickfleischig
Hutoberfläche mit gebrochenen Farben, matten Brauntönen, nicht rein rot, aber durchaus rot überhaucht, manchmal rostfleckig (im Alter)
Dendrohyphidien dünnwandig

D. tricolor:
immer lamellig
Fruchtkörper dünn, auffällig flach
Hutoberfläche mit einem leuchtenden, satten Rotbraunton (jung matt, die Farbe prägt sich beim Altern aus)
Dendrohyphidien zumindest basal dickwandig







(Daedaleopsis tricolor an Sorbus aria)

Ryvarden & Gilbertson beschreiben die Ökologie genau entgegengesetzt meiner Erfahrungen...

Ich finde D. confragosa praktisch in jedem Auwald flussbegleitend an Weide, aber auch in normalen Wäldern an beispielsweise Salweide, gerne aber auch an anderen Hölzern. D. tricolor finde ich persönlich meist an Sorbus (Eberesche, Mehlbeere usw.), insbesondere an Sorbus aria agg. (Mehlbeere). D. tricolor wächst auch an besonnten, sehr warmen Stellen, während D. confragosa m.E. mehr luftfeuchte Biotope bevorzugt. Wie gesagt, in Skandinavien scheint D. tricolor Weide zu bevorzugen (laut R. & G.).

Es gibt in Nordeuropa noch eine dritte Art: Deadaleopsis septentrionalis. Diese hat dünne, wellige Lamellen und einen braunen Hut und wächst bevorzugt an Betula. Mikromerkmale wie bei D. confragosa (auch dünnwandige Dendrohyphidien), lässt sich aber nicht mit ihr kreuzen (biologisches Artkonzept).

Wie seht ihr das? Könnt ohr auch zwei Arten trennen, sind es für euch "nur" Varietäten und vor allem: worauf beruht eure Entscheidung?

In Deutschland werden die beiden zurzeit meist zusammengeschmissen, in der Europamonographie der Porlinge getrennt (Ryv. & Gilb.).

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 9. Juni 2017, 15:02 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)