Autor Thema: Porling an Eiche  (Gelesen 3287 mal)

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Offline Beorn

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Re: Porling an Eiche
« Antwort #6 am: 14. Juni 2014, 20:03 »
Hallo, Christoph!

Ich glaube, das Problem ist, daß ich mir manchmal gar keine Gedanken mache, daß für Leute mit Wissen und Erfahrung solche Mikrobilder ebenfalls schwer einzuschätzen sind.
Du hast recht, durch's Okular kommt das alles schon etwas deutlicher rüber. Den Pinsel dazu zu schwingen muss ich mal ausprobieren, ein begnadeter Zeicher war ich nie.

Über Pfingsten hatte ich immerhin mal die Gelegenheit, einem Profi auf die Finger zu schauen, und auch selbst mal ein paar Sachen mit einem richtigen Mikro anzugucken. Mangels geeigneter "mikroskopischer" Bekanntschaften in der Gegend (kommt sicher noch), ist mein Pilzverein derzeit das Internet. Aber so lose spiele ich in Gedanken schon damit, zusammen mit Anna in der Gegend mal was auf die Beine zu stellen.
Für mich ist ohnehin klar (nicht erst seit den Tagen jetzt mit Björn), daß ich mir ein vernünftiges Gerät anschaffe, sobald der Kontostand das hergibt.

Die entsprechende Literatur kommt auch so nach und nach, da läppert sich schon einiges zusammen.
Der neue Ryvarden ist jedenfalls unterwegs.

Pilze verschickt habe ich schon ab und an, aber mir geht es darum, so nach und nach das Wissen zu erarbeiten, möglichst viel selbst bestimmen zu können. Da ist es eben schon noch was Anderes, selbst die erforderlichen Merkmale zu erheben, als nur den Namen zu erhalten.

Geht halt alles nicht von jetzt auf gleich, aber wenn ich überlege, wo ich vor zwei Jahren stand, hat sich schon einiges getan.


LG, Pablo.

Offline Christoph

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Re: Porling an Eiche
« Antwort #5 am: 14. Juni 2014, 15:41 »
Hallo Pablo,

das Problem ist, inwiefern die Beschreibung der Mikromerkmale passt. Die Fotos bringen da nicht so viel. Du siehst sicher mehr und besser durchs Okular, als Du anhand der Fotos hier zeigst. Da empfehlen sich Skizzen der Merkmale, so auch der Sporen. Ob sie dckwandig und trunkat sind, entscheidet sich auch besser direkt am Mikroskop (Du kannst hin und her fokussieren), nicht am Foto.

Kristallcystiden und ovale Sporen passen zu Oxyporus. Da gibt es resupinate Arten, deren Sporen breit ellipsoid sind. Allerdings sind deren Fruchtkörper gewöhnlich nicht so dick wie der von Dir gezeigte.

Sind die Sporen aber dickwandig und trunkat, Kristallzystiden gibt es nicht, dann würde Perenniporia medulla-panis sehr gut passen (und Oxyporus ist aus dem Rennen). Die wächst gerne an Eiche und ist in warmen Lagen nicht selten. Ich selbst habe die Art nur sehr selten, da es bei mir zu kühl ist.

Von hier aus ist es also schwer zu entscheiden.

Folgende Möglichkeiten fallen mir ein:

Beim Mikroskopieren Skizzen erstellen und erst danach Bestimmungsversuche starten (damit man nicht nach einem Merkmal "so lange sucht, bist man es auch irgendwie gefunden hat") --> erhöht die Bestimmungssicherheit (und hier im Forum dann am besten die Skizzen zeigen).

Einen Arbeitskreis / Pilzverein in der Nähe suchen, in dem manche Leute mikroskopieren (es muss nicht jeder ein gutes Mikroskop haben, kostet ja viel Geld). Vielleicht bist Du ja schon in so einem Verein aktiv. Jedenfalls könntest Du dann interessante Funde mit einer besseren Optik testen.

Für Dich wichtige, interessante Funde an einen Experten schicken, der dann nachmikroskopiert. Die vermeintliche Perenniporia kann ich mir beispielsweise gerne ansehen, aber es gibt auch eine Reihe anderer Porlingsinteressierter. Du kannst sicher auch bei GabiKob nachfragen - sie hat (habe ich gesehen) das nagelneue Ryvarden-Werk und ein gutes Mikroskop daheim und sie mag Porlinge. Und es gibt viele weitere, hilfsbereite Porlingsfreunde.

LG
Christoph
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(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Beorn

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Re: Porling an Eiche
« Antwort #4 am: 13. Juni 2014, 19:20 »
Hallo, Christoph und alle Mitleser!

Den Porling habe ich mir nochmal vorgenommen.
Dabei zielte mein Augenmerk erstmal auf die Zystiden. Wie die Erscheinung auf dem entsprechenden Bild im Startbeitrag zustande gekommen ist, weiß ich nicht. Aber ich halte es mittlerweile eher für ein Artefakt; möglicherweise eine Basidie, an die sich zwischen zwei oder drei Sporen irgendein Gedöns angelagert hat. Denn bis auf zwei weitere, noch undeutlichere Strukturen aus einem Präparat finde ich keine weitere Struktur dieser Art. Weder an den Röhrenmündungen, noch am Röhrenboden, noch dazwischen, noch in den alten Röhrenschichten.
Basidien mit Sporen dran sehen dafür allerdings so aus:

Oder so, wenn die Sporen sich teils überlagern:

Da hat meine beschränkte Optik nicht nur mich, sondern auch euch Leser in die Irre geschickt. Sorry.

Und wo wir gerade bei Sporen sind, da habe ich nochmal einen Messbalken dazugelegt, 1 Einheit = 10 µm.


In Melzer oder Lugol scheinen die Sporen dann etwas zu schrumpfen, dafür färben sich in beiden Fällen die Sporenwände braun.
Das ganze mal mit Barlowlinse noch etwas näher rangeholt, schwer zu erkennen, aber die Sporen scheinen mir schon etwas truncat zu sein, auch ein Keimporus lässt sich teilweise erahnen:

Auch die Tramastruktur (wenig Trama gibt's, aber hier und da zwischen den Röhrenschichten und überm Subikulum) habe ich nochmal angeschaut. Irgendwie sind da schon verschieden dicke Hyphen zu sehen, die dünneren, hyyalinen sind stark verzweigt, teils sogar verästelt (Bindehyphen?), mit längerer Suche finden sich auch dickere (und dickwandigere), lange und weniger verzweigte Hyphen dazwischen:


...die sich mit Lugol übrigens auch anfärben lassen:


Und ja, die Optik ist immer noch ein Graus.  :'(
Vielleicht lässt sich dennoch was ableiten?
Wenn also doch keine Zystiden und mit dimitischer Hyphenstruktur sowie dextrinoiden Sporen müsste ich ja bei Perenniporia rauskommen. Nach Bernicchia käme ich dann (bei Sporen < 6 µm) bei Perenniporia medulla-panis raus?


LG, pablo.
« Letzte Änderung: 13. Juni 2014, 19:25 von Beorn »

Offline Beorn

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Re: Porling an Eiche
« Antwort #3 am: 5. Juni 2014, 23:01 »
Hallo, Christoph!

Tja, wenn ich das (Hyphenstruktur) mit dem Aldi - Mikro erkennen könnte...
Da muss ich wohl noch ein paar Durchläufe starten. Bislang hatte ich da immer ein Stückchen aus dem Kontext rausgezupft, aber: Der hier hat ja gar keinen Kontext. Röhrentrama müsste aber auch gehen, denke ich?

Oxyporus populinus hatte ich mittlerweile schon ein paar mal, da waren die Sporen aber doch auch deutlich kugeliger. Und die Zystiden zahlreicher.

Anyway: Ich mache da mal noch ein paar Präparate, insbesondere was die Hyphen betrifft.
Ich fürchte nur, die Sporen werden nicht viel deutlicher werden, mit dem Mikro...  :'(


LG, Pablo.

Offline Christoph

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Re: Porling an Eiche
« Antwort #2 am: 5. Juni 2014, 22:03 »
Servus Pablo,

Oxyporus passt gut. Die Sporen sind auf dem Foto leider kaum zu erkennen. Aber Zystiden mit Kristallschopf, mehrjährig, sehr helle Trama passen gut zur Gattung. Oxyporus populinus glaube ich nicht, der sollte an der Stirnfläche Hutkanten bilden, aber es gibt auch resupinate Oxyporus-Arten.
Wie ist denn das Hyphensystem? Mono- oder dimitisch?

LG
Christoph
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Offline Beorn

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Porling an Eiche
« Antwort #1 am: 3. Juni 2014, 20:00 »
Hallo, Pilzfans!

Da hätte ich noch so einen, mit dem ich nicht so recht weiß, wohin.
Gefunden am Sonntag bei Mannheim in der nördlichen Oberrheinebene,
Dossenwald, in einem kleinen, sehr begrenzten Feuchtgebiet am Fuß einer Sanddüne;
Schattiger Baumbestand aus alten Eichen, Buchen, Eschen und Ahorn;
An der Stirnseite eines stark durchmorschten Eichenstammstückes, vergesellschaftet mit Daedalea quercina;
Röhren undeutlich geschichtet, insgesamt bis 4 cm dick;
Frisch etwas schaumstoffartig, trocken dann fest, hornartig;
Röhren blass holzfarben;
Die vermeintlichen "Hütchen" entpuppten sich beim Durchschneiden als vorspringende Substratstücke.
Kontext ist da nicht zu finden, die Röhren liegen direkt auf einem etwas wattigen Teppich auf, der stark mit dem Substrat verwachsen ist und ins weißfaule Holz hineinzieht.



Die Sporen sind recht klein und größtenteils breitelliptisch oder oval (1 Strich = 10µm):

Basidien und Zystiden sind mit meinen beschränkten Mitteln schwer auszumachen in dem Gewühl der Sporen. Hier hat sich was rausgelöst:

Bei einem kleinen Experiment in Lugol tauchten dann auch vereinzelt Zystiden mit Inkrustierung auf:

Die Hyphen des Subikulums (?) sind recht dünn, verzweigt, schnallenlos:


Wahrscheinlich lässt sich mit den dünnen Mikroangaben kaum etwas rausholen. Das wäre nicht weiter schlimm, aber einen Versuch ist es immer wert. Wenn man schon Leute fragen kann, die sich besser auskennen.
Unterwegs war ich schon bei Perenniporia und Oxyporus, aber so recht will das nicht passen. Am ehesten Oxyporus populinus, wenn die Sporen nur etwas rundlicher wären...


LG, Pablo.
« Letzte Änderung: 3. Juni 2014, 20:08 von Beorn »