Autor Thema: Gyromitra gigas an Laubholz - mit Bildern (und Diskussion zu G. ticiniana)  (Gelesen 5430 mal)

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Offline Christoph

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Servus Peter (W.),

danke für den Link. Ich war vor längerer Zeit mal auf der Seite, hatte mir aber den Link nicht gespeichert. Genau den Artikel hatte ich gesucht! Laut van Vooren & Moreau (2009): Essai taxinomique sur le genre Gyromitra Fr. sensu lato (Pezizales) 3. Le genre Gyromitra Fr., sous-genre  Discina. Ascomycete.org 1(2):  3-13 wüchse Gyromitra gigas nur auf Nadelholz.

Nun gut, es gibt ja Laubholzfunde und zumindest bezüglich der beiden, die ich kenne, passen die Sporen auch auf Gyromitra gigas. Man muss aber also wirklich alle Laubholzfunde mikroskopieren. Ich finde es aber schwierig, bei einer Gyromitra, die immer erst sehr spät wirklich reif ist, zu entscheiden, ob die Sporen wirklich glatt sind oder ob sie noch nicht rau sind (weil noch zu jung)...

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Servus Uschi,

vielen Dank für die Links auf die Fotos! Auf dem Mikrobild sieht man das Ornament in der Tat sehr schön. Klasse Aufnahme! So schön netzig waren meine noch nicht. Ich konnte es wirklich nur erahnen.
Ich hoffe, meine reifen noch nach. Ich habe einen (noch sehr kleinen) Fruchtkörper an der Linde belassen und werde den ab und an besuchen, um zu schauen, wie er sich entwickelt. Wenn er überständig ist (und noch nicht von Schnecken entsorgt), werde ich ihn mitnehmen und mal schauen, wie's dann aussieht.

LG
Christoph
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Offline Gelbfieber

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Hallo und guten Abend Christoph,

zu deinem Gyromitra gigas Fund an Laubholz kann ich leider nichts beitragen aber den Lesern zeigen, was du bei den Sporen
erahnt  ;)  bzw. mit Phantasie erkannt hast – das netzmaschige Ornament.
Fund aus 2011, Harz, bei Fichte.

http://www.naturfoto-kontor.de/Bilder1/121-lr-002.jpg

http://www.naturfoto-kontor.de/Bilder1/121-lr-005.jpg

Eine gute Zeit
Uschi


Offline Peter W.

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Lieber Doppel Präsi,

über Gyromitra gibt es hier viel zu lesen:

http://www.ascomycete.org/en-us/journal.aspx  Vol. 1 und Vol. 2

Gruß Peter
« Letzte Änderung: 11. April 2012, 12:27 von Peter W. »
Pilze haben ein Manko, einige kann man essen!

Offline Christoph

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Hallo zusammen,

Gyromitra gigas, die Stocklorchel, ist im Großraum München nicht allzu selten. Meist findet man sie bei uns an oder bei Fichtenstümpfen. Funde an Laubholz sind hingegen offensichtlich so selten, dass sie kaum erwähnt werden.

Hier ein Foto eines Laubholzfundes aus dem Raum Augsburg:



Den Fund hatte ich von einem Augsburger Pilzfreund erhalten und habe ihn mikroskopiert - typische Gyr.-gigas-Sporen!

Als Vergleich ein Foto eines typischen Nadelholzfundes aus Vorarlberg, den ich zusammen mit Bella und Werner Oswald im Montafon aufgesammelt habe:



Mir fällt auf, dass die Windungen deutlich enger als beim obigen Laubwaldfund sind. Aber da gibt es anscheinend eine recht große Bandbreite...

Nun, heute (bzw. gestern, da schon nach Mitternacht) fand ich eine Gyromitra an der Stammbasis einer lebenden (!) Linde (Fruchtkörperfoto mache ich noch und stelle es dann hier ein). Da auch mein heutiger Fund "normale" Gyr.-gigas-Sporen" hat, bleibt auch hier als Bestimmung nichts anderes als Gyromitra gigas übrig:



Ich hatte bis dato erst einen Laubholzfund in der Hand gehabt (siehe Foto oben) und erinnere mich an eine damalige Diskussion mit Till Lohmeyer zu dem Thema.

Es soll nämlich möglicherweise eine Schwesterart an Laubholz geben (ich meine nicht die deutlich unterschiedene Gyromitra fastigiata), die glatte Sporen haben soll. Dieser Doppelgänger wäre/ist Gyromitra ticiniana. Dazu gibt es folgende Literatur:
Giuseppe Littini in Pag. Bot. 12 (1988): 17-20.
R. Galli et G. Littini: Micol. Ital. 1981 (1): 43-46 "Una specie critica di Gyromitra".

Die Frage ist dann natürlich, ob es sich dabei nur um eine junge G. gigas an Laubholz handelt, da die raue Oberfläche der G. gigas-Sporen erst recht spät ausgeprägt wird.

Boudier zeichnet noch die Gyromitra curtipes, die heute allgemein als Synonym von Gyromitra gigas angesehen wird. Diese soll schmalere Sporen (mehr spindelig, ähnlich wie G. fastigiata) haben, was ich bei Boudier aber nicht wirklich erkenne...

Hier seine Illustrationen zu Gyromitra gigas und Gyromitra curtipes:





Die Sporen des Fundes an Linde sind zumindest typisch für Gyromitra gigas: 24-29,5 x 10-12 µm ohne Anhängsel (mit ihnen 26,5-35 µm) - ermittelt an nur sieben Messungen, da wenig Sporen wirklich reif. An zwei Sporen konnte in Kongorot die raue Oberfläche erahnt werden (bei einer waren mit Phantasie die unvollständigen Netzmaschen zu erkennen).

Die Sporenmaße scheinen aber innerhalb der Art zu variieren:
Hier werden sehr schlanke Sporen abgebildet: http://www.flickr.com/photos/27318272@N03/2745217362/
(mit der Angabe 23-35 X 8,5-11,5 µm inkl. Anhängsel) - Das entspräche dann der Gyromitra curtipes ss. Boudier...
während Massimo Biragi in einem italienischen Forum breite Sporen zeigt: http://www.funghiitaliani.it/index.php?showtopic=15692 (etwas runterscrollen)

Gibt es weitere Laubholzfunde von Gyromitra gigas, die Euch bekannt sind?

Ich habe im Netz auch das (neuere) Synonym Gyromitra montana harmaja gelesen, kenne aber den zugehörigen Artikel nicht. Ist das nur nomenklatorisch begründet, weil Gyromitra gigas nicht eindeutig deutbar sei?. Interessant finde ich, dass Gyromitra gigas in Nordamerika ein Snowbank-Mushroom sein soll und teils noch unter dem Schnee recht große Fruchtkörper bilden könne.

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 11. April 2012, 22:58 von Christoph »
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