Autor Thema: Cortinarius (Tel) cf. inops vom Funtensee  (Gelesen 6113 mal)

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Offline mollisia

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Re: Cortinarius (Tel) cf. inops vom Funtensee
« Antwort #8 am: 3. April 2012, 10:23 »
Hallo Helmut,

aufgrund der stark und kristuliert ornamentierten Sporen (sieht jedenfalls auf dem Foto so aus), gehört Dein Pilz sicherlich in die Verwandtschaft von C. erythrinus. Die haben solche recht charakteristischen "russuloiden" Sporen. Außerdem passt die rosaliche Färbung der Stielbasis dazu und auch Petersiliengeruch gibt es in dieser Gruppe immer wieder.

Im Atlas des Cortinaires wird diese ganze Verwnadtschaft des C. erythrinus bis hin zu C. rheubarbarinus als Section Castanei abgehandelt. Da wir uns ja sicherlich einig sind, dass Dein Pilz nicht C. rheubarbarinus ist, kommt man im AdC  in die Sous-Section Castanei, und hier aufgrund des Petersiliengeruchs in die Série petroselinus. Dessen Sporen werden mit 7-9(10) x 5-6 µm angegeben. Passt leidlich, aber da dein Pilz aus alpinem Gelände stammt, würde ich Sporengrößen nach oben nicht überbewerten. Das findet sich auch bei Risspilzen im alpinen Bereich, dass die Sporen eher zu groß sein können.
Ich hatte C. petroselinus (bzw. einen als solchen bestimmten Pilz) bei der JEC im Saarland auch.
Günter Saar ist allerdings der Meinung, dass dem Petersiliengeruch nicht so viel Bedeutung zu kommt, dass man ihn als gutes Artmerkmal brachen könnte. Ich habe da eine andere Meinung, denn bei anderen Arten mit diesem Geruch hat er sich doch als konstantes und gutes Merkmal erwiesen.
Lässt man den Petersiliengeruch außer acht, dann käme als nächstes C. basiroseus in Frage. Den meine ich auch schon gefunden zu haben, u.a. auf derselben JEC im Saarland, aber auch in Ba.-Wü. Das ist im Prinzip der "erythrinus im Herbst". Sporen 8-10(10,5) x 6-6,5(7) µm. Ob bei mir die Sporen wirklich so breit waren weiß ich gar nimmer.

Jedenfalls ist die Gruppe sicherlich die richtige für Deinen Pilz, aber mit der Artabgrenzung ist das ja immer so eine Sache, gell ;-))

anbei ein paar Bilder zu den beiden Funden der JEC-Tagung. C. basiroseus wurde übrigens von Francesco Bellù bestätigt.
Sorry für die Bildqualität: Nachts im Arbeitsraum mit dem Blitz auf dem Tisch gibt halt net so prickelnde Bilder *ggg*

beste Grüße,
Andreas
« Letzte Änderung: 3. April 2012, 10:26 von mollisia »

Offline mollisia

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Re: Cortinarius (Tel) cf. inops vom Funtensee
« Antwort #7 am: 3. April 2012, 09:21 »
Hallo Hias,

Bestimmen konnte ich das hübsche Schwammerl leider nicht - keine Chance.

den hätte ich mal mit Cortinarius rubricosus verglichen.
Wenn er zu den Brunnei gehört, dann müßte er blau fluoreszieren, oder? Könnte man ja mal testen, aber ich weiß nicht, wie rubricosus und Verwandte fluoreszieren. Bringt also vielleicht nichts, aber könntest Du ja mal weiterverfolgen.

beste Grüße,
Andreas

Offline Christoph

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Re: Cortinarius (Tel) cf. inops vom Funtensee
« Antwort #6 am: 27. März 2012, 21:44 »
Servus Helmut,

hat sich mittlerweile etwas bezüglich der Bestimmung ergeben? *Neugierde*

LG
Christoph
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Offline Hias

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Re: Cortinarius (Tel) cf. inops vom Funtensee
« Antwort #5 am: 18. Januar 2012, 21:32 »
Servus Helmut,

mir ist grade eingefallen, dass ich auch schon mal so eine schwarzbraune Telamonia mit aufspringenden Hüten gefunden habe. Sie dürfte schon was anderes sein, weil sie keine Rotverfärbungen aufwies und außerdem nicht alpin, sondern auf 850 m bei Fichte wuchs. Trotzdem mal ein Foto:



Die ganze Doku mit Beschreibung findet sich hier.

Bestimmen konnte ich das hübsche Schwammerl leider nicht - keine Chance.

Grüße
Hias

Offline Christoph

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Re: Cortinarius (Tel) cf. inops vom Funtensee
« Antwort #4 am: 15. Januar 2012, 00:32 »
Servus Helmut,

ich bin (leider) bei Telamonia nicht der richtige Ansprechpartner (ich baue da deutlich auf Hias, als Beispiel). Beim ersten Anschauen hatte ich an Cortinarius atrocoeruleus gedacht (der hat aber deutlich kleinere Sporen), dann an Cortinarius decipiens.

Für Cortinarius inops stört mich - ähnlich wie Dich - der Farbstich am Stiel.

LG
Christoph
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Offline Helmut

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Re: Cortinarius (Tel) cf. inops vom Funtensee
« Antwort #3 am: 14. Januar 2012, 22:43 »
Servus Christoph,

das war mir auch aufgefallen. Aber ich hatte nur rötliche Farben notiert und keine violetten, so dass ich davon ausging, dass es ein Farbstich im Foto war. Ich füge noch einen Ausschnitt bei, auf dem gut zu sehen ist, dass die Stielspitze im Fleisch nicht violett ist. Die rötlichen Töne sind allerdings auch schon schwach geworden.

Gruß

Helmut

Offline Christoph

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Re: Cortinarius (Tel) cf. inops vom Funtensee
« Antwort #2 am: 14. Januar 2012, 20:37 »
Servus Helmut,

auf dem ersten Foto sieht es auf meinem Bildschirm so aus, als wäre die Stielspitze etwas violettlich, nicht rot. Liegt das nur am Foto, oder meinst Du mit dem Rotton den Violettstich?

LG
Christoph
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Offline Helmut

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Cortinarius (Tel) cf. inops vom Funtensee
« Antwort #1 am: 14. Januar 2012, 19:42 »
Liebe Cortinarienfreunde,

dann gleich mal eine Telamonie, die zwar gut zu schlüsseln war, die aber zu große Sporen hatte. Außerdem war die mehr oder weniger deutliche Rotverfärbung im Stiel in der FN beschrieben, in anderen Quellen aber nicht.

Hier eine kurze Beschreibung und ein Kommentar:

Hut feucht sehr dunkel (rot)braun bis schwarzbraun, trocken heller, unregelmäßig streifig ausblassend, trocken braun bis ockerbraun, am Exs. aber wieder rel. dunkel braun, Oberfläche glatt, gerne fein bis deutlich aufspringend,
Stiel weisslich überfasert, an der Stielspitze frisch auch rötlich, an Druckstellen und Verletzungen  vorübergehend rosa bis rötlich, innen hohl, am Exs. gräulich blass
Cortina weisslich, am jungen Frk. deutlich und z. T. Spuren auf dem Hut hinterlassend, reif nur noch schwach oder gar nicht mehr sichtbar
Fleisch im Hut schmutzig weißlich bis schwach bräunlich, im Stiel rosa bis rötlich (im Schnitt)
Geruch banal pilzig
Sporen stark und grob warzig, 8-10,5(12) x 5,5-6,5(7) µm (12,5 Teilstriche im Mikrobild entsprechen etwa 10 µm)
Ökologie: In Polstern aus Zwergweiden u. a. über Kalk, auf ca. 1950 m ("Schwarze Lacke" auf österreichischem Gebiet)

Kommentar:
Zunächst an C. vernus gedacht, den ich im Frühjahr schon einmal hatte, aber Sp. zu groß
- Nach FN Sect. Hydrocybe, C. vernus (Ebene) und C. inops (alpin) haben beide kleinere Sporen, am Besten passt dennoch C. inops: Sp. sollten 7,5-8,5 x (5)5,5-6 µm groß sein, also kleiner und breiter („obovoid to subglobose“) als hier.
- Die Angaben bei Jamoni (Funghi alpini …) gehen bis 10 x 5,5-6 µm und passen damit recht gut, allerdings fehlt dort der Hinweis auf rötendes Stielfleisch
- In Favre’s Originalbeschreibung sind die Sporen 7,5-9 x 5-6 µm lang, rötliche Farbtöne am oder im Stiel werden nicht genannt!

Gruß

Helmut