Autor Thema: unbekannter Rindenpilz  (Gelesen 2535 mal)

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Offline Christoph

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Re: unbekannter Rindenpilz
« Antwort #2 am: 21. Januar 2012, 23:01 »
Hallo Björn,

sorry, Dein Beitrag ist mir über die Festtage durchgerutscht. Ich habe ab dem 26.12. ein Schachturnier gespielt und habe dann diesen Thread nicht mehr entdeckt.

Nun, sowohl die Sporen (Sporenform, der typische Öltropfen) als auch die kopfigen Cystiden sind ganz typisch für eine Hyphodontia. Auch die langgestreckten Basidien, die teils ein wenig eingeschnürt bzw. angedeutet "urnenförmig" erscheinen, sind typisch. Insofern lege ich mich gattungstechnisch auf Hyphodontia fest.

Die Gattung Athelia scheidet völlig aus. Die Fruchtkörper sind atheloid, das heißt häutchenartig abziehbar, nicht wirklich mit dem Substrat verwachsen. Das Hymenium würde aus typischen Kandelabern gebildet werden, die Basidienform passt nicht und die gezeigten Zystiden ebenso wenig.

Hyphodontia aspera kann man auch ausschließen. Die Art wächst an Nadelholz und hat glatte Furchtkörper mit deutlich isoliert stehenden Warzen.

Nun, Arten mit kopfigen Cystiden gibt es mehrere in Hyphodontia. Die Cystide auf der dritten Abbildung von oben, ganz rechts - hast Du sowas des öfteren gesehen? Oder war das ein Einzelfall? Falls häufiger auftretend: wie sieht diese Cystide genau aus? Hier ist die Basis unscharf...

Hyphodontia ist eine recht große Gattung. Langer hat sie monographiert. Den Schlüssel dazu findest Du hier: http://www.uni-tuebingen.de/uni/bbm/mycology/hydokey.htm
Da findest Du auch Artbeschreibungen, Mikrozeichnungen usw.
Ansonsten empfehle ich die klassischen The Corticiaceae of Northern Europe...

LG
Christoph

Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline bwergen

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unbekannter Rindenpilz
« Antwort #1 am: 26. Dezember 2011, 01:44 »
Liebe Leser,

ich hab mich spontan hier mal registriert, nicht weil ich plötzlich von NRW nach Bayern gezogen bin, sondern weil es hier sicherlich einige interessierte Mykologen gibt, die sich im Bereich der Rindenpilze auskennen. Ich fange gerade mit der Bearbeitung dieser Gruppe an und brauche daher die eine oder andere Unterstützung, was die Bestimmung angeht. Schließlich müssen neue Kenntnisse gewonnen werden, und das kann man alleine wahrscheinlich nicht so gut bewältigen :)

Folgendes Problem:









Makroskopische Beschreibung:
Fruchtkörper grauweißlich, kalkfarben, mehlig-griselige Oberfläche und ganz fein auslaufend oder scharf abgegrenzt, zusammen mit Cyphellopsis anomala an einem Birkenast mehrere cm² inkl. Teile des cyphelloiden Basidiomyceten überziehend.

Mikroskopische Beschreibung:
Sporen 5-6x2,5-3µm, relativ regelmäßig elliptisch, bisweilen an einem Ende etwas schmäler, mit einem deutlichen Tropfen, glatt (auch in KOH und Ölimmersion), hyalin bis schwach cremefarben. Weder mit Melzer, noch mit Lugol reagierend. Basidien 20-30x4-5µm, zylindrisch-keulig, mit Basalschnallen, mit vier 2,5-3µm langen Sterigmen, ergo 4sporig. Zystiden verstreut zwischen den Basidien, überwiegend (a) kaum länger oder (b) nur vereinzelt deutlich herausragend.
a) nicht herausragende Zystiden zahlreich, mehr oder weniger deutlich kopfig, hyalin, glatt, ohne oder mit Basalschnalle, 20-26x4-5µm.
b) herausragende Zystiden relativ selten, unförmig an verschiedenen Stellen verschmälert oder verdickt, apikal zipfelartig auslaufend, hyalin, glatt, bis etwa 40µm lang.
Hyphen 2-4µm dick, dünnwandig, überwiegend mit Schnallen, hyalin, ohne Kristalle.


Meine Bestimmungsversuche mit BK Band 2, Jülich und Fungi Europaei Bd. 12 sind bis jetzt leider nicht zu einem passenden Ergebnis bekommen. Ich habe den letztgenannten Band geradezu durchgeareitet, aber unter den vielen Zeichnungen keine Übereinstimmungen gefunden, auch die Verwendung der Bestimmungsschlüssel brachte kein zufriedenstellendes Resultat. Nahe kommen wohl aber Hyphodontia aspera mit den kopfigen Zystiden sowie einige Athelia-Arten, deren Hyphen häufiger mit Kristallen besetzt sind und falls nicht, dann haben sie nicht derart auffallende Zystiden. Was ich wohl glaube, beobachtet zu haben, sind die büschelig zusammenliegenden Basidien (wird in der Literatur auch des öfteren erwähnt). Was könnte das also jetzt sein? Nach allen Versuchen stehe ich hier womöglich auch nur auf dem Schlauch und habe etwas übersehen...

Ich bedanke mich schonmal für eure Hilfe und wünsche ein Frohes Fest :)

lg björn
"Um Pilze zu suchen, muss man erst wissen, was Pilze sind, um sie vom Rest des Waldes zu unterscheiden"