Autor Thema: Ganoderma annularis (?) an Carpinus betula im "Messeler Park" südlich von Frf/M.  (Gelesen 4351 mal)

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Offline günter

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Hallo, liebe Pilzfreunde,

zuerst einmal ein gutes Neues Jahr 2014 und dann, die Entschuldigung, dass ich zum Thema nichts mehr von mir hören gelassen habe. Also, ich habe Leif Ryvarden kontaktiert und ihm eine FK-Scheibe zugeschickt. Ich erhielt eine knappe Antwort, dass er einen derartigen FK noch nie gesehen habe, dass aber seine mikroskopische Untersuchung keine Abweichung der Sporenmaße zu G. applanatum ergeben habe. Es sei G. applanatum. Punkt. Die Antwort hat mich ziemlich enttäuscht, zumal ich Unterschiede in Sporenform und Größe festgestellt hatte.
Ich habe das Thema abgehakt. Der Fruchtkörper befindet sich übrigens immer noch an der alten Hainbuche.

hg
Günter

Offline Frank D.

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    • Tomentella
Hallo Günter,

besser du schickst ein Stück von deinem Fund direkt nach Oslo. Bei Fotos ist Leif mit der Bestimmung vorsichtig.

Beste Grüße Frank

Prof. Leif Ryvarden
Address: Botanical Inst. Univ. of Oslo
P.O. Box 1066, Blindern, N-0316 Oslo, Norway

Offline Christoph

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Hallo Günter,

ich denke, einfach "Dear Dr. Ryvarden" ist das einfachste. Ich vermute, dass es dann recht bald in "Dear Leif" übergeht. Ich würde beim Erstkontakt aber auch förmlich schreiben.

LG
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline günter

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Vielen Dank für die Info, Christoph. Ich werde Leif Ryvarden kontaktieren. Wie spricht man ihn an?
(Sir,Dear Dr. Ryvarden? Am besten wohl letzteres. Ab ich weiß nicht, was in Norwegen üblich ist.

Herzliche Grüße

Günter

Offline Christoph

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Hallo Günter,

interessanter Fund, in der Tat. An Ganoderma adspersum glaube ich auch nicht. Auf den ersten Blick (rein makroskopisch und Bauchgefühl) bin ich noch bei einem untypischen Flachen Lackporling. Jetzt stallt sich die Frage, wo man die Grenze zu weiteren Sippen ziehen kann. Ganoderma annularis kenne ich auch nicht aus eigener Anschauung, kann das also weder ausschließen noch bestätigen.

Ich würde empfehlen, direkt Leif-Erik Ryvarden zu kontaktieren: leif.ryvarden@bio.uio.no

Am besten zusammen mit den mikroskopischen Merkmalen (z.B. Fotos / Skizzen). Ryvarden arbeiten weltweit mit Porlingen, ist sehr freundlich und kontaktfreudig.

Ich bin sehr neugierig, was dabei herauskommt.

Liebe Grüße
Christoph
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Offline Gernot

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Hallo Günter,

die von dir angeführten Merkmale sprechen wirklich nicht gerade für G. adspersum, stimmt. Sehr interessanter Fund! Bin gespannt, ob noch jemand seine Meinung abgibt.

Schöne Grüße
Gernot

Offline günter

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Hallo Gernot,

gegen G. adspersum spricht einiges: Üblicherweise hat die Art ungezonte und meist ungefurchte wellig-tuberculate Hutoberflächen, über den Röhren gibt es viel Context (bis zu 10 cm in alten FK), die Poren sind bei überwinterten FK kaum weißlich, eher dunkelbraun und die Sporen sind größer (bis 12µm).
Übereinstimmend mit dem größten Teil meines Fundes findet man zwischen den Röhrenschichten keinen Context. Aber die anderen Abweichungen sprechen gegen G. adspersum.

Gruß

Günter

Offline Gernot

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Hallo Günter,

was würde denn gegen Ganoderma adspersum sprechen? G. annularis kenne ich aus eigener Anschauung aber natürlich nicht und kann daher zu der Art leider auch nichts beitragen.

Schöne Grüße
Gernot

PS.: Bitte das nächste Mal die Fotos etwas kleiner machen (800 x 600 reicht), da die Ladezeiten sonst unangenehm lang sind.

Offline günter

  • Beiträge: 18
Fund vom 20.11. 2011, MTB 6018/3/3)
Ich bin neu im Forum, beschäftige mich aber schon lange mit Pilzen, insbesondere Aphyllophorales. Der ungewöhnliche Fund an einer sehr alten Hainbuche - zweifelsohne eine Ganoderma - regte mich dazu an, mir den Fund näher anzuschauen und bezüglich der Gattung Ganoderma eine Recherche zu starten. Der Fund gehört mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Ganoderma applanatum-Komplex, aber das Erscheinungsbild ist doch stark abweichend vom Üblichen. Die Poren wirken wie eingebohrt und sind von dicken Dissepimenten umgeben. Im Querschnitt sind kaum Context-Einschübe zwischen den Röhrenschichten des etwa 15-18 Jahre alten Fk zu sehen. In der Röhrentrama befinden sich auffälllig viele hyaline Bindehyphen. Die typischen Sporen sind etwas breiter als bei G. app. und auch etwas länger, obwohl sich die Maße überlappen, was aber bei allen Ganoderma-Arten wohl der Fall ist. Die schlank-ellipsoidischen Sporen von G. app. sind aber sehr selten. G. annularis ist eine amerikanische Art, die wohl bisher nur in Kalifornien gefunden wurde. Die Beschreibungen sind etwas widersprüchlich (s. die beiden Beschreibungen bei mycobank). Bezüglich der Sporenmaße gibt Gilbertson aber auch für G. applanatum höhere Maße an. Mein Fund hat Sporen von (7)8,5(10) x (5)6,5(7) µm was sehr gut mit dem kalifornischen Fund von 1997 übereinstimmt.
Ganoderma applanatum ist eine sehr plastische Art. Es gibt auch hufförmige FK mit tiefen Furchen. Aber dennoch glaube ich, dass der Fund eigenständig ist. Wie ist die Meinung im Forum?
« Letzte Änderung: 2. Dezember 2011, 19:42 von günter »