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Servus beinand,

hier bei uns liegt Schnee - der Winter macht doch gerade Stippvisite. Zeit, um ein Rothschwaig-Update zu bringen. Die Bilder stammen von Ende Januar.

Zunächst fand ich in der Streu, im Boden und auch an Kiefernästen bei Kiefer einen Corti. Eigentlich fand ich ihn, weil ich einen Kiefernast umgedreht habe und auf der Unterseite war er dran, der Corti, aber eben auch großflächig rundherum, im Boden, in der Streu, wuchs und auffällige Rhizomorphen besitzt. Das riecht immer stark nach einem Ektomykorrhizapilz. Der cremefarbene Ton hätte mich eigentlich schon im Gelände zu einer Bestimmung bringen können, aber sehr alte Bereiche des Fruchtkörpers waren fast schon fuchsrötlich - und das kannte ich so noch nicht. Aber wer sammelt schon Ende Januar Mykorrhiza-Cortis?


Amphinema byssoides - ein ektotropher Symbiont der Waldkiefer




Im Mikroskop war es dann klar. Es war / ist Amphinema byssoides, ein häufiger, aber wenig beachteter / kartierter Corti, der mit Nadelbäumen und hier auch gerne mit Kiefer in Symbiose lebt.

Am selben Kiefernast, den ich zuerst umgedreht habe, fand ich noch winzige, zironengelbe Kissen. Das sah aus wie irgendwelche junge Becherlinge:


Dendrodochium citrinum an Kiefernast

 Und in der Not frisst der Teufel Fliegen - im Glauben, etwas unreifesd mitzunehmen, habe ich sogar ein Foto gemacht und auch diese Winzlinge mitgenommen. Zuahuse überraschten mich Unmengen kleiner Konidien. Zufälligerweise war genau der Pilz quasi zeitgleich Thema im EU-Pilzforum. So erfuhr ich den Namen, ohne in Ellis & Ellis blättern zu müssen. Es handelt sich um Dendrodochium citrinum, das häufig an Kiefer zu finden ist.

Dann nahm ich in meinem Übermut noch ein kleines, warzig-grandinoides Corti-Dingens mit:



 Leider war der Fruchtkörper absolut unreif - kopfige Cystidiolen waren zu finden, aber keinerlei Sporen oder reife Basidien. Irgendwas aus der Gruppe um Hyphodontia aspera / breviseta usw. dürfte es sein. Da sehe ich aber ganz gerne die Sporen. Muss ich in der kommenden Saison nachsammeln.

Natürlich auch unreif war Corticium roseum an einem Salix-Zweig, der wohl durch die Winterstürme gebrochen ist und in die Kiesgrube geweht wurde. Corticium roseum ist fast das ganze Jahr über steril - man findet dann nur Dendrohyphidien und darin versteckt Basidiolen. Nur in einem kurzen Zeitfenster im Frühjahr reifen die Basidiolen zu Basidien aus und Corticium roseum sporuliert.



Ob der Spenderbaum nun auf der Fläche oder nahe der Fläche steht, kann ich also nicht überprüfen. Der Pilz selbst ist aber in der Fläche, also gehört er auch dazu  ;D

Lamellenpilze gab es auch - Grünblättrige Schwefelköpfe (Hypholoma fasciculare). Nur habe ich da kein Foto gemacht. Da wurde es schon dunkel und fotogen waren sie auch nicht. Ansonsten gab es nur eingefrorene, wieder aufgetaute und wieder gefrorene Mumien - darunter immer noch Butterpilzleichen und Mallocyben (Inocybe dulcamara i.w.S. - und das weiß ich auch nur, weil ich die Fruchtkörper noch halbwegs frisch sah, dann als Mumien, jetzt als alte Mumien.

Wenn der Schnee wieder weg ist und es ein paar Tage wieder warm war, könnte wieder was neues in Rothschwaig wachsen. Ich lass mich überraschen.

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Sistotremastrum suecicum
« Letzter Beitrag von Christoph am 8. Februar 2018, 00:31 »
Servus beinand,

dass es mittlerweile das Werkzeug der Sequenzierung (auch für Amatuere erschwinglich) gibt, ist auch hier extrem hilfreich. So kann man beispielsweise, wenn man eine Kollektion hat, die wirklich beispielsweise Sistotremastrum guttuliferum entspricht, überprüfen, ob das wirklich plausibel ist.

Natürlich macht man das nicht bei jedem Fund, aber man kann es prinzipiell abklären. Und dann kann man auch die anatomischen Merkmale besser werten und anwenden, anhand derer man dann weiterhin z. B. bei der Kartierung vorgeht, um die jeweilige Art zu bestimmen.

Auch kann so überprüft werden, inwieweit sog. Exoten wie aus Chile auch bei uns vorkommen. Und nein, so abwegig ist das gar nicht. Man denke an Phlebia nothofagi - Holzpilzfreunden sicher ein Begriff (der Geruch allein ist einzigartig). Nothofagus, die Südbuche, kommt nur auf der Südhalbkugel vor, die Art aber bei uns in Buchenwäldern.

Ich selber hatte früher auch nicht so auf Öltröpfchen geachtet, da ich Cortis meist am Trpckenmaterial bestimmt hatte und nur die in meiner "Freizeit" gesammelten auch frisch anschauen konnte. Es kann gut sein, dass man, wenn man das "echte" S. guttuliferum (oder S. chilensis) gesehen hat, das eben anders aussieht wie die Öltröpfchen, die man offenbar bei S. niveocremeum beobachten kann. Das ist aber pure Spekulation. Am besten geht man klassich vor - man dokumentiert Sistotremastrum-Funde, sammelt erstmal Daten im Abgleich mit dem Wissenszuwachs über die Telleria-Arbeiten und schaut dann weiter - vielleicht dann auch mal sequenzieren.

Zitat
FE12 kennt immerhin noch lateclavigerum als dritte Art (mit Zystiden).

Das mit den "zwei Arten" vs. "vier Arten" meinte ich auch in Bezug auf die zystidenlosen, denn S. lateclavigerum fällt ja wegen der Cystiden eh weg (wobei ich diese Art nicht aus eigener Anschauung kenne).

Zitat
Ich werde jedenfalls versuchen, zukünftige Aufsammlungen aus diesem Komplex wieder zu dokumentieren und hier zur Diskussion zu stellen.

Das würde mich sehr freuen und ich bin auch neugierig. Eine vermeintlich geklärte, "langweilige" (weil artenarme) Gattung wird wieder richtig spannend.  :)

(und was die Zitate etc. angeht - immer gerne)

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Sistotrema sp.
« Letzter Beitrag von Gernot am 7. Februar 2018, 21:45 »
Servus, Christoph,

vielen Dank für die Rückmeldung! Du hast mich überzeugt, ich nenne den jetzt gerne S. brinkmannii (s. l.). :)

Schöne Grüße
Gernot
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Expertenforum Mykologie / Re: Sistotremastrum suecicum
« Letzter Beitrag von Gernot am 7. Februar 2018, 21:38 »
Hallo zusammen,

ich stimme Pablo zu, in dieser Gruppe würden sich sicher weitere ausführliche morphologische und genetische Untersuchungen lohnen. Aus derzeitiger Sicht ist die tatsächliche Variabilität der Arten anscheinend unglaublich schwer einzuschätzen. Bei dem im verlinkten Thread gezeigten Foto GT 11009 von Gérard Trichies bin ich natürlich auch skeptisch... Ich werde jedenfalls versuchen, zukünftige Aufsammlungen aus diesem Komplex wieder zu dokumentieren und hier zur Diskussion zu stellen.

Christoph, vielen Dank auch nochmals für die Literaturzitate und die direkt eingebundenen Illustrationen!

Schöne Grüße
Gernot

PS: Mit so einem intermediären Thanatephorus fusisporus/ochraceus/brevisporus hatte ich vor einiger Zeit auch schon einmal zu kämpfen...
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Expertenforum Mykologie / Re: Sistotremastrum suecicum
« Letzter Beitrag von Beorn am 7. Februar 2018, 19:13 »
Hallo, Christoph & Gernot!

Momentan denke ich ernsthaft darüber nach, mein Verständnis von S. niveocremeum zu revidieren: Das ist wohl zu breit.
Ob ein "Chilenischer Scheinschütterzahn" in Europa vorkommt, ist zwar fraglich, aber S. guttuliferum wäre ja ebenso möglich wie eine weitere, noch nicht definierte Art.

Nach wie vor bin ich bei einigen Kriterien skeptisch, als da wären die Öltröpfchen in den Hyphen (was meiner ansicht nach wohl alle Arten der Gattung können - nur vermutlich eben nicht konstant) und die Größe der Basidien: Die scheint stark zu streuen innerhalb einzelner Kollektionen. Wenn man dem Link von drei Beiträgen zuvor nochmal folgt und hochscrollt bis zur ersten im Portrait gezeigten Kollektion: Das müsste - ausgehend von den Sporenwerten (dort tatsächlich um 6-8 x 2,5-3 µm) - die typischste und eindeutigste "niveocremeum s.str." sein. Übrigens mit teilweise ellenlangen Basidien, von denen ich zwar keine Maße notiert habe, die aber locker über 30µm lang sein müssten.

am Rande: In CoNE wird nach der Sporenlänge zwischen niveocremeum und suecicum getrennt. Im Text sind die Breiten dann aber auch sehr unterschiedlich angegeben, bei suecicum mit 1,5-2 (wie ja auch im unten verlinkten Artikel).
In FE12 wird im Schlüssel die komplette Sporengröße abgefragt, die Sporenbreite von suecicum wird dort mit maximal 2,5µm angegeben.
FE12 kennt immerhin noch lateclavigerum als dritte Art (mit Zystiden).
Die Frage ist nur: Wenn man für suecicum auch Sporenbreiten bis 3µm akzeptiert (siehe bei den italiensichen Kollekgen diskutierte Kollektion, danke für den Link, Gernot), was macht man dann bei Kollektionen, wo sich die Sporenbreiten um 5-6,5 x 2-3 oder meinetwegen auch 5,5-7 x 2-3 bewegen (so nämlich auch schon gesehen und analog zum Fund bei naturamediterraneo)?

Das könnte in der Tat so eine Sache sein, wie zB auch mit dem Thanatephorus-fusisporus-ochraceus-Problem. Dort macht die Trennung der beiden Arten ja auch erst in dem Moment Sinn, wo man für die "intermediären" Kollektionen eine dritte Art (Thanatephorus brevisporus) akzeptiert.

Das wäre eigentlich eine schöne Aufgabe, dieses Problem mal bezogen auf den Europäischen Raum zu untersuchen. Dann müssste man halt mal eine Reihe Kollektionen einsammeln, ausführlich untersuchen (auch mit Fokus auf Tröpfchen, Hyphencharakteristika, Basidiengröße, Substrat/Ökologie) und sequenzieren. Wenn es tatsächlich darauf hinausliefe, daß sich nur anhand der Sporen eine Trennng festmachen ließe, bräuchte man ja auf jeden Fall die Genetik als weiteres Merkmal, um das möglichst solide zu untermauern und die Variationsspielräume der einzelnen Arten nachvollziehen zu können.


LG, Pablo.
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Expertenforum Mykologie / Re: Sistotremastrum suecicum
« Letzter Beitrag von Christoph am 7. Februar 2018, 19:04 »
Noch ein Nachtrag - vorhin war ich etwas in Eile. Ich habe jetzt den Thread in dem italienischen Forum genauer angesehen. Die Kollektion GT 11009, die von Gérard Trichies vorgestellt wird, hat variable Sporen, darunter auch allantoide, mal ellipsoide und ein paar zylindrische. Und mit einer Breite von bis 3,5(-3,8) µm sind sie deutlich zu breit. Da würde ich gerne mal die tiefere Trama sehen, ob die Hyphen da kurzzellig sind (wg. S. guttuliferum).

Wie gesagt - damals ging man von weltweit zwei Arten aus und nicht von vier. Zum Glück kann man im Notfall die ITS sequenzieren, um sicher zu gehen - falls mal wieder so ein Sistotremastrum außerhalb der Kanaren bzw. von Madeira gefunden werden sollte.

Liebe Grüße,
Christoph

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Servus zusammen,

weitere Impressionen zur Wanderung sind jetzt auf unserer Vereins-Website online. Enthalten ist unter anderem die Neubeschreibung von Flammulina chaotispora Hias.

Bei der Artenliste sind Galerina similis Kühner und Psathyrella cf. tephrophylla (Romagn.) M. M. Moser ex Bon zu ergänzen.

Der Bericht zur Sturmwanderung am Schillersberger Weiher wurde um ein paar schöne Fotos von Claudia Maerker ergänzt. Sie zeigen u.a. den Juchtenellerling am Standort und die größte Bratensulz der Welt.

Beste Grüße
Hias
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Expertenforum Mykologie / Re: Sistotremastrum suecicum
« Letzter Beitrag von Christoph am 7. Februar 2018, 17:28 »
Servus Gernot,

bei Kollektionen aus dem Mittelmeerraum muss man vorsichtig sein, wenn die Sporen (wie im von dir zitierten Forum) zu breit für ein normales Sistotremastrum suecicum ist.

Sistotremastrum guttuliferum ist ja aus Makaronesien beschrieben worden, also fast schon Mittelmeerraum - und erst 2012, also noch nicht weitreichend bekannt: Telleria et al.(2012): Sistotremastrum guttuliferum: a new species from the Macaronesian islands. Mycol. Progress DOI 10.1007/s11557-012-0876-0

Ich zeige aus Telleria et al. (2012) und Telleria et al. (2014) jeweils eine Abbildung. Die Sporenform ist wichtig - wenn die nicht deutlich zylindrisch ist, wäre ich vorsichtig (bei dir ist die Sporenform ja ideal und genau richtig - und ich nehme mal an, wenn ich die Fotos anschaue, dass sie keine 3 µm an Breite erreichen).


Sistotrema guttuliferum (aus Telleria et al. 2012)


Sistotrema chilensis (aus Telleria et al. 2014)

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Sistotrema sp.
« Letzter Beitrag von Christoph am 7. Februar 2018, 17:08 »
Servus Gernot,

ich hätte ehrlich gesagt kein Problem, das Sistotrema brinkmannii zu nennen. Junge Fruchtkörper sind glatt, aber bereits sporulierend. Ich hatte früher auch immer wieder gezweifelt, ob glatte Fruchtkörper auch zu S. brinkmannii gehören können, aber ich finde alle Übergänge von glatt, leicht warzig, deutlich warzig usw.

Inwiefern die Kristalle hier ein konstantes Merkmal darstellen, kann ich nicht sagen. Mir kommt es vor, als wäre auch hier eine große Variabilität zu beobachten. Ich habe jedenfalls solche Kollektionen bislang auch als Sistotrema brinkmannii bestimmt. Für meine Interpretation der Art ist das nicht ungewöhnlich. Es kann gut sein, dass ich S. brinkmannii zu breit interpretiere  ;). Für mich ist das aber noch Teil der Variabilität dieser sehr häufigen Art.

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Sistotrema sp.
« Letzter Beitrag von Gernot am 7. Februar 2018, 13:27 »
Servus,

hier noch ein unsicherer Fall aus der Gattung Sistotrema. Der Pilz wuchs direkt neben Sistotremastrum suecicum. Mit diversen Schlüsseln kommt man am ehesten zu S. oblongispora aber die Sporenform passt mir nicht so wirklich, zudem sind die Sporen oft 2–2,5 µm breit (und ca. bis 5.5(6) µm lang). Es käme auch S. brinkmannii in Frage, aber hier stören die glatten Fruchtkörper und außerdem konnte ich keine Kristalle zwischen den Hyphen feststellen. Die Hyphen haben Schnallen, Zystiden sah ich keine und die Basidien haben bis zu 8 Sterigmen. Vielleicht ist euch schon einmal so eine ähnliche Kollektion untergekommen…





Schöne Grüße
Gernot
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