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Expertenforum Mykologie / Re: Gyromitra / Discina
« Letzter Beitrag von Schorsch am 26. April 2018, 14:58 »
Servus Gernot,
die Makro- und Mikrofotos, die Du unten angehängt hast, könnten auch von meinem / unseren Fund stammen. Komme gerade "aus den Morcheln" und werde mich nach dem Duschen und Kaffee nochmal ans Mikroskop setzen.
LG Schorsch
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Expertenforum Mykologie / Re: Gyromitra / Discina
« Letzter Beitrag von Gernot am 26. April 2018, 13:21 »
Servus, Christoph,

ja, wenn man nur nach Van Vooren & Moreau (2009) bestimmt, tut man sich mit der Zuordnung mancher Kollektionen von G. accumbens schwer. Ich würde empfehlen, den Thread durchzulesen, den Schorsch unten verlinkt hat (http://www.actaforum.actafungorum.org/viewtopic.php?t=7236). Dort ist einiges an Literatur zu finden, inkl. der Originalbeschreibung von Discina accumbens. Ein paar wichtige Punkte und Gedanken meinerseits fasse ich hier noch zusammen:

  • Rahm (1970) erwähnt bereits in der Originalbeschreibung ein Ornament (siehe nachfolgendes Zitat). Es ist also irreführend, dass Van Vooren & Moreau (2009) von glatten Sporen sprechen. Die Beschreibung von Rahm (1970) ist übrigens ungültig, da kein Typus angegeben wird. Eine Neubeschreibung folgte von Harmaja (1986).

    Zitat von: Rahm (1970)
    "[…] um die reifen Sporen entwickelt sich eine dünne Schicht mit einer zarten Netzstruktur

  • Die REM-Fotos von Donadini (1986) verdeutlichen ebenfalls, dass die Sporen von G. accumbens ornamentiert sind. Teilweise können die Anhängsel übrigens durchaus ähnlich ausschauen wie jene von G. leucoxantha (Fig. 15. M, P).

  • Es ist wohl unklar, ob in Rahms Sporenmaßen die Anhängsel mit einbezogen sind oder nicht. Vielleicht steht das in der Einleitung? Ich hab leider den ganzen Artikel nicht. (Falls ihn jemand hat, wäre ich sehr interessiert daran!)

  • Lucchini (1986) (auch diesen Artikel hab ich nicht) hat Belegmaterial von Rahm untersucht und folgende Sporenmaße festgestellt: 32–38 x 12–16 µm (also deutlich kürzer als in Rahm 1970!).

Lange Rede, kurzer Sinn: Ohne vollkommen reife Sporen wird eine sichere Bestimmung nicht möglich sein. Zum Vergleich hänge ich auch noch eine (uralte…) Sporentafel und ein Makrofoto eines jungen Fruchtkörpers von G. leucoxantha an.

Schöne Grüße
Gernot
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Aprilpilze aus Südbayern und Tirol
« Letzter Beitrag von Christoph am 26. April 2018, 12:11 »
Servus Schorsch,

tolle Funde - danke für's Vorzeigen! Den Märzellerling, der wohl besser Aprilschneckling heißen sollte  ;), habe ich selbst leider noch nie gefunden. Für mich ist das ein Phantom  :'(

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Gyromitra / Discina
« Letzter Beitrag von Christoph am 26. April 2018, 11:21 »
Servus Gernot,

puh, das macht es aber nicht leichter... Nach Sanchez Iglesias sind die Sporen auch ornamentiert und bilden ein unvollständiges, angedeutetes Netz, während von Vooren & Moerau (2009) die Sporen als glatt bezeichnen.

Die Identifikation über die LSU wird nur als pers. Komm. angegeben und van Vooren selbst hätte die Bestimmung bestätigt... Das zeigt dann wohl, dass diese Artengruppe noch lange nicht ausreichend bearbeitet ist und unterstreicht das Problem der unreifen Fruchtkörper. Auch hier hat Sanchez Iglesias die Fruchtkörper im Kühlschrank nachreifen lassen und Sporen aus der Kondensflüssigkeit genommen, wenn ich das richtig gelesen habe (bin in der Arbeit und habe den Artikel erstmal überflogen).

Sollte das, was Sanchez Iglesias als Gyromitra accumbens bezeichnet, richtig bestimmt sein, muss die Umschreibung dieser Art entsprechend ergänzt werden - also die Sporenmaße als stark variierend angenommen werden und das Ornament als warzig bis angedeutet netzig angegeben werden, was aber wohl nur sehr spät ausgeprägt wird?!

Ich bin mal gespannt, wie sich das Nachreifen von Schorschs Fund hinsichtlich des Sporenornaments auswirken wird... ;-)

Sehr spannend!

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Gyromitra / Discina
« Letzter Beitrag von Gernot am 26. April 2018, 00:43 »
Servus,

reife Sporen sind natürlich Voraussetzung für eine sichere Bestimmung. Im Idealfall sollte man diese anhand eines "Sporenpulverabdrucks" untersuchen, also den Pilz auf einen Objektträger aussporen lassen – dann liegen mit Sicherheit reife Sporen vor.

Die Sporengröße schließt übrigens keineswegs G. accumbens aus. Siehe hierzu z. B. Sánchez Iglesias (2016):

Zitat
La mayoría de las características microscópicas observadas en el estudio de los especímenes de estas colecciones coinciden con las descritas por otros autores. En la bibliografía se observa gran variación en las medidas de las ascosporas: 28-33 (34) x (12) 13-15 (16) μm , Me = 29,2 x 13,7 μm (VAN VOOREN, 2014); 35-45(-52) x 12-15 (-18) μm (RAHM,1970); 35-40 x 12-14 μm (MEDARDI, 2006) y del ancho del ápice de las paráfisis: 6-9 μm (VAN VOOREN, 2014); 7-8 μm (MEDARDI, 2006).

Schöne Grüße und gute Nacht
Gernot
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Expertenforum Mykologie / Re: Gyromitra / Discina
« Letzter Beitrag von Schorsch am 25. April 2018, 23:58 »
Danke Christoph,
da ist die eine Spore, die so aussieht wie sie sollte.



Ich versuche die Gyromitra nachreifen zu lassen und mach jeden Tag neue Sporenuntersuchung.
LG Schorsch
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Expertenforum Mykologie / Re: Gyromitra / Discina
« Letzter Beitrag von Christoph am 25. April 2018, 23:51 »
Und nochmal servus in die Runde,

Schorsch hat mir per Mail die Sporenmessungen zugeschickt. Dabei kam heraus: 25-30,1-34 x 11-14,2-16,5 µm

Zudem hat mir Schorsch ein Sporenfoto geschickt. Vielleicht zeigt er es auch noch hier vor. Jedenfalls sieht man da gegabelte Sporenanhängsel.

Ich denke, dass der Fruchtkörper einfach noch nicht reif genug ist, was bei Gyromitra eben häufig vorkommt. Die sind oft erst dann richtig reif, wenn die Fruchtkörper schon am Vergehen sind.

Für mich ist es damit Gyromitra leucoxantha, nur nicht völlig reif. Das passt auch makroskopisch sehr gut. Gyromitra accumbens hätte viel größere Sporen, kommt daher gar nicht in Frage.

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Aprilpilze aus Südbayern und Tirol
« Letzter Beitrag von Schorsch am 25. April 2018, 18:57 »
Servus aus München,
als Dank für die immer wieder tollen Beiträge von Rudi und damit man nicht denkt, dass es bei uns nichts gibt, ein paar Schwammerl aus meinem Einzugsbereich.
Das Thema Gyromitra wurde schon ausführlich bei
http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1731.0.html behandelt.
Viel Spaß beim Anschauen
Isarschwammerl Schorsch



versteckte Märzschnecklinge

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Expertenforum Mykologie / Re: Gyromitra / Discina
« Letzter Beitrag von Christoph am 25. April 2018, 18:43 »
Servus nochmal,

hier aus von Vooren & Moreau (2009: 4) die Vergleichstabelle:



Gyromitra olympiana hat reif (!) ein angedeutet netziges Ornament, also nicht nur Warzen, sondern angedeutete Netzmaschen. Meines Wissens hat Inge Rössl Gyromitra olympiana mehrfach in den Berchtesgadener Alpen gefunden. Sie kann vielleicht genauer Auskunft geben. Ich kann sie gerne bei Gelegenheit fragen (oder @Schorsch: du schreibst sie direkt an).

Liebe Grüße,
Christoph

P.S.: für diejenigen, die kein Französich kennen:

reticulée = netzig (lateinisch: reticulatus)
lisse = glatt
sublisse = fast glatt, also eigentlich gerade nicht mehr glatt#
rugueuse = rau (lateinisch: rugosus)
verruqueuse = warzig
fortement = stark
finement = schwach, fein

P.P.S.:
Servus Gelbfieber, schön dich hier wieder zu lesen/treffen  :)

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Plattform für Pilzfreunde / Alternativer Waldzustandsbericht ist erschienen
« Letzter Beitrag von Christoph am 25. April 2018, 18:37 »
Liebe Naturfreundinnen und -freunde,

dem "deutschen Wald" geht es gut, hören wir immer wieder. Das Waldsterben sei passé, alles sei in bestem Zustand. Schützen durch Nutzen hallt es durch den Blätterwald, mag man den Landesforstbehörden glauben.

Die Luftbelastung durch Schwefelsäure (Stichwort Waldsterben) ist in der Tat stark zurückgegangen, wie wir ja wohl alle wissen. Das heißt aber nicht, dass unser "Wald" in gutem Zustand ist. Fast flächendeckend ist er zu jung (übernutzt), Nitrateintrag ist ein großes Thema, die Mykorrhizierungsrate der Wurzelspitzen geht zurück, die Bäume werden krankheitsanfälliger. Die trocken-warmen Frühjahre und heiß-trockenen Sommer sind zusätzlicher Stress.

Echte Naturflächen, also Flächen mit Prozessschutz, gibt es kaum. Der dritte Nationalpark in Bayern ist auch ad acta gelegt worden. Doch zurück zum Waldzustandsbericht...

Die Akademie Naturwald versucht die Datenlage anders zu interpretieren als unser Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, was im Titel "Alternativer Waldzustandbericht" schon enthalten ist. Dieser Bericht ist gestern erschienen und als pdf offen und kostenlos verfügbar: https://naturwald-akademie.org/wp-content/uploads/2018/04/Alternativer-Waldzustandsbericht_Stand_25042018.pdf

Liebe Grüße,
Christoph

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