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Lieber Thomas,

sehr gerne  ;). Ich habe jetzt nachmikroskopiert. Die Sporen sind recht variabel geformt, von lang gestreckt bis recht breit elliptisch. Sie zeigen einen Keimspalt (nur auf einer Seite) und messen 10,5-13,25 x 5-6,75(-7,5) µm.
Die Ostiolen sind feine Papillen - unter dem Bino sehr auffallend. Die Stromata drücken die Rinde nach oben, sodass die dann senkrecht nach oben um die Stromata steht - und die Innenseite der Rinde wird geschwärzt - sieht dann aus wie ein Teil des Stromas. Das Stroma selbst zeigt nur die kleine Kante.

Ich hab dann nochmal geschlüsselt: http://pyrenomycetes.free.fr/biscogniauxia/keydir/dichotomickey.htm
Die Eingangsfrage ist etwas hackelig, finde ich, da ja auch bei B. granmoi der Rand etwas erhaben ist, aber wenn man beide Wege geht, landet man durch die Ostiolen bei Schlüssel B bei B. repanda (Rosaceae würde ja passen). Nur sind die Sporen da länger und schmaler (größeres Q) und sie haben auf beiden Seiten die Keimspalte - man sieht sie also bei fast jeder Sporen deutlich. Zudem ist das Stroma nicht konkav - und B. mediterranea passt auch gar nicht (andere Sporen). Also Teilschlüssel A und da landet man direkt bei B. granmoi.

Für mich ist das auch alles andere als schlecht, denn ich bin ja kein "Kernpilzologe". Und ich kenne B. granmoi aus den Auwäldern an Traubenkirsche, weshalb ich makroskopisch rangegangen bin. Ich hätte zwar eh noch mikroskopiert, aber so konnte ich nochmal alle Biscogniauxien kurz durchgehen. Das schadet nicht und man merkt sich mehr.

Daher ganz ausdrücklich: Danke für die Rückfrage  :D

Liebe Grüße,
Christoph
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Lieber Christoph,
besten Dank für deine ausführlichen Erklärungen und Informationen. Da muss ich ab jetzt mal ganz genau darauf achten. Dies geht aber erst, wenn man die entsprechenden Informationen über die Unterschiede hat, wie du sie jetzt dankenswerterweise dargelegt hast. Prima, dass du den Link beigefügt hast, da sieht man es gut.
Dir noch eine schöne Woche und liebe Grüße.
Thomas
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Lieber Thomas,

bei Biscogniauxia marginata haben die Stromata einen richtigen Randwulst. Man sieht das hier sehr schön abgebildet: http://pyrenomycetes.free.fr/biscogniauxia/html/Biscogniauxia_marginata.htm
B. granmoi hat nur eine etwas erhöhte Randkante - viel dünner als der Wulst von B. marginata (die dünne, scharfe Kante sieht man gut auf dem letzten Foto von ihr, das ich in den zweiten Beitrag gestellt habe).

Dann ist B. granmoi auf Prunus padus beschränkt - B. marginata kommt auf anderen Rosaceae vor, meines Wissens aber nicht an Traubenkirsche.

Hier ist noch ein Artikel über B. granmoi aus Österreich: http://www.zobodat.at/pdf/OestZPilz_8_0139-0147.pdf

Deine Frage ist aber völlig brechtigt. Ich habe die Biscogniauxia übrigens noch nicht mikroskopiert, sondern erstmal nur makroskopisch bestimmt (Substrat, Stromaausprägung). Ich werde aber natürlich auch noch reinschauen (alle anderen habe ich durchmikroskopiert - die Biscogniauxia geht ja nicht kaputt, daher schiebe ich das dann gerne nach hinten). Auch wenn sie nicht fertil sein sollte, finden sich ja gerne noch Sporen. B. granmoi hat viel schmalere Sporen, ist daher auch mikroskopisch leicht erkennbar. Es gibt da noch weitere Arten wie z. B. Biscogniauxia simplicior, die wiederum B. marginata ähnelt (auch mit Randwulst), aber wieder andere Sporen zeigt.

Liebe Grüße,
Christoph (und wie gesagt: gerne nachhaken, nachfragen - das ist ja Sinn der Sache)  :)
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Lieber Christoph,
durch was unterscheidet sich die Biscognauxia marginata von der Biscogniauxia granmoi. Ich finde die sehen sich makroskopisch doch recht ähnlich. Liegen die Unterschiede vor allem im Mikroskopischen?
LG.
Thomas
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Servus Gernot,

du kannst auch sehr gerne mich vor Verwechslungen warnen, zumal ich Eichleriella leucophaea noch nicht in der Hand hatte.  ;)
Dass man die entsprechenden Funde mikroskopieren sollte, soll ohnehin als eine Art "Disclaimer" mitschwingen.

Mein Fund war übrigens ein Pappelast, der in ca. 1 Meter Höhe in einem Gestrüpp hängen geblieben ist, also keinen Bodenkontakt hatte. Das Nordufer der Donau ist vermutlich eh ein bisserl wärmebegünstigt - der Wald war aber doch recht geschlossen. Du hast aber völlig recht, ich hätte nur nachlesen müssen:

Zitat
Almost all specimens studied by us were collected from dry branches and logs of Populus and Salix spp. The species certainly prefers to open, dry habitats.

[aus Malysheva & Spirin (2017)]

(Ich hatte nur Tulln an der Donau gelesen und fand das sehr passend)  ;)

Vermutlich hat dem Pilz gefallen, dass der Ast in der Luft hing und so doch recht trocken war. Dennoch ist es nahe am Fluss (luftfeucht) und nicht offen...

Vielleicht kommen ja bei gezielter Suche noch ein paar Funde von anderen Pilzfreunden dazu, sodass die Ökologie der Art besser bekannt / überprüft werden kann.

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus, Christoph,

freut mich, dass du jetzt auch fündig geworden bist. :) Vielleicht noch eine Anmerkung zur Ökologie. Mein Fund stammt von einem sonnigen Waldrand, was sich mit der Angabe in Malysheva & Spirit (2017) deckt: "The species certainly prefers to open, dry habitats." Wer also gezielt nach H. kmetii suchen möchte, sollte sich durchaus auch alte Pappeln an lichteren Standorten anschauen. Übrigens kann man nicht jeden stereoiden Pilz aus dieser Gruppe mit Hutkanten automatisch als H. kmetii ansprechen – da gibt es z. B. noch Eichleriella leucophaea… (der Hinweis ist nicht an dich gerichtet, sondern an mögliche Kartierer ;))

Schöne Grüße
Gernot
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Hallo zusammen,

jetzt habe ich eine aktuelle Kollektion (Donauauen bei Melk, Niederösterreich). Es handelt sich hier um Athelia arachnoidea s.str. - zweisporige Basidien, relativ große Sporen, schöne Nadelkristalle usw.

Man kann sehr schön sehen, wie das Myzel die Flechte einspinnt (daher wohl der Name). Schließlich wird das Myzel dichter und hier bildeten sich statt der Mikroskerotien eben fertile Hymenien - die Sklerotien kamen dafür gar nicht.

Interessant finde ich auch, dass die Xanthoria selbst das ganze teils überlebt - die Athelia zieht sich zurück und es bleibt ein knallgelber Thallus übrig - sozusagen Xanthoria parietina ganz allein ohne Algen - daher quitschgelb.

Hier ein paar Fotos von dem Phänomen.  :)


Athelia arachnoidea s.str.







Liebe Grüße,
Christoph
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Liebe Foristi,

am 13. Februar habe ich in den Donauauen bei Melk, Niederösterreich, einen in meinen Augen hochinteressanten Pilz finden können: Heteroradulum kmetii. Gernot hat ihn hier schonmal vorgestellt.

Makroskopisch fallen die Hutkanten schon sehr deutlich auf, finde ich. Heteroradulum (Eichlerielle) deglubens wächst ja rein resupinat. Diese unregelmäßig dornigen Stacheln bilden beide Arten und auch die Farbgebung entspricht einander.







Im Mikroskop wird's aber sehr deutlich. Heteroradulum kmetii besitzt bräunliche bis bernsteinfarbene Skeletthyphen. Gut, ob's wirklich echte im engsten Sinn sind... da bin ich mir nicht so sicher, aber die normalen skelettisierten Hyphen sind hier farblos und man findet dann auch die Septen mit Schnallen - bei den braunen habe ich erstmal keine gesehen, würde also passen.
Dann reichen die dickwandigen Elemente, insbesondere die Skeletthyphen bis ins Hymenium jhinein. Das alles ist sehr dicht gepackt, dass man die Basidien erstmal freiquetschen muss. Man sieht da oben erstmal sehr wenig. Auf den ersten Blick hatte ich eine der Skeletthyphen mit einer Gloeozystide verwechselt (lang, schmal, Inhalt einheitlich, bernstein - dabei war es nur massive Wand, kein Lumen mehr). Diesen Anblick kenne ich bei Eichleriella (jetzt Heteroradulum) nicht, ich kannte aber auch nur H. deglubens.

Dann war die Suche nach Dikaryophysen sehr aufwendig, da oben alles in einer bräunlichen Kittmasse verborgen war. Ich musste immer nachquetschen, habe dann etwas Lauge genommen, erneut gequetscht... man findet knorrige Elemente, man findet etwas, was man als schmale Cystiden oder als dicke Dikaryophysen bezeichnen würde, um am Ende dann doch die wirklich sehr schmalen, sich verzweigenden Dikaryophysen im Sinne von Malysheva V, Spirin S (2017): Taxonomy and phylogeny of the Auriculariales (Agaricomycetes, Basidiomycota) with stereoid basidiocarps. Fungal Biology. Doi 10.1016/j.funbio.2017.05.001.

Hier meine Mikroskizzen und Notizen:







Malysheva & Spirin (2017) zitieren einen Fund aus den Donauauen bei Tulln, was nicht weit weg ist.

Kurz gesagt: wer in der Region Passau intensiv nach "Dornigen Wachskrusten" an Pappelästen suchen will, kann eventuell einen Erstnachweis für Bayern / Deutschland (?) machen. Auf, auf - ab in die Auen!  :)

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus in die Runde,

danke für diesen sehr interessanten Erfahrungsaustausch. Über die Ökologie von Gamundia striatula s. l. habe ich mir bislang zugegebenermaßen noch keine großen Gedanken gemacht, was sicher auch daran liegt, dass mir aus der Gattung seit einigen Jahren keine neuen Kollektionen mehr untergekommen sind. Einen älteren Fund auf Peltigera kann ich dennoch beisteuern (Lesachtal bei Kals am Großglockner).

Schöne Grüße
Gernot
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Soderla, jetzt noch die weiteren Fotos für den Ausgangsbeitrag...


Biscogniauxia granmoi


Calloria neglecta


Tremella cf. mesenterica (junge Nebenfruchtform)


Tremella mesenterica, etwas ältere Nebenfruchtform, die gerade beginnt, zur Hauptfruchtform zu werden

Und zum Schluss noch meine Notizen zur Cristinia rhenana:





Die Gattung Cristinia finde ich eh interessant - sie scheint mit der Karottentrüffel (Stephanospora) und mit Lindtneria (z. B. L. trachyspora) verwandt zu sein. Lindtneria zeigt auch diese cyanophilen Flecken in den jungen Basidien. Es ist erst meine dritte Cristinia, die ich gefunden habe.

Liebe Grüße,
Christoph

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