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Liebe Irmgard,

herzlich willkommen hier im Forum! Ich freu mich schon auf das baldige Wiedersehen in Wien.  ;)
Danke für die Informationen rund um Heteroradulum kmetii. Hier zeigt sich, dass die Molekularbiologie auch bei morphologisch-anatomisch erkennbaren Pilzen wertvolle Dienste erweisen kann. Ohne die genetische Abgrenzung wäre die Anatomie wohl kaum so ausführlich erarbeitet worden und das Taxon wäre in Eichleriella deglubens s.l. weiter "versteckt" worden.

Ich würde deine Aussage, dass alle Belege von Eichleriella deglubens (jetzt ja auch Heteroradulum deglubens) nachuntersucht werden sollten, insbesondere hinsichtlich von Funden an Pappel unterstreichen.

Es wäre auch interessant, zu prüfen, ob es sich wirklich um eine eher östlich verbreitete Art handelt oder ab sie auch am Rhein aufzufinden ist. Kurz gesagt @Pablo: du bist gefragt - such "einfach mal" intensiv am Rhein - vielleicht ist Heteroradulum auch westlich an passenden Stellen auffindbar.
Ebenso @Rudi - man sagt, dass auch der Raum Würzburg wärmebegünstigt sein soll. Und Pappeln  wird es ja neben den Weinbergen auch irgendwo geben?

Liebe GRüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Flechte-Pilz-Frage
« Letzter Beitrag von Christoph am Gestern um 18:32 »
Servus Rika,

wunderbar, dann hat sich das geklärt  :). Auf Pleurosticta acetabulum gibt es aber auch parasitische Pilze - es lohnt sich, absterbende / geschädigte Bereiche des Thallus mit dem Bino genauer anzuschauen. Jetzt dürfte aber eh alles eingefroren und unter Schnee sein. Hier bei mir ist noch alles weiß.

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Flechte-Pilz-Frage
« Letzter Beitrag von UmUlmHerum am 20. Februar 2018, 21:46 »
Guten Abend Christoph (und alle anderen)!

Dank´ Dir für Deine aufklärende Antwort!
Die schwarzen Punkte auf den abgestorbenen Teilen der Flechte halte ich auch für Pycnidien – ob die tot wirklich anders aussehen als lebendig?

Jetzt habe ich erst einmal die privaten Rückmeldungen abgewartet: Der Vereinskollege hat gleich mal Pleurosticta acetabulum bestätigt, das geht ohne Chemie. Und ebenfalls erklärt, dass die schwarzen Punkte zur Flechte gehören. Ein weiterer Bekannter, der sich auch schon viel mit Flechten beschäftigt hat, schrieb mir gestern eine Zusammenfassung, damit sogar ich als Nicht-Biologin und Flechten-Laiin kapiere, was diese Pycnidien sind und tun und lassen. Da es anderen vielleicht ähnlich geht (nach der Lektüre des Abschnitts über Pycnidien bei DÖRFELTs "Wörterbuch der Mycologie" wusste ich nur wenig mehr als zuvor...), möchte ich Euch seine Mail ebenfalls zu lesen geben. Ich darf ihn hier zitieren mit dem Hinweis, dass er die Infos dazu aus einem GEO-Artikel vom April 2006 hat. 

Michael Bayer schrieb:
Zitat
Hi Rika!
Hatte heute mal Muße, mich mit Deiner Frage zu dieser Flechte auseinenderzusetzen.
 
Diese schwarzen Punkte sind Pyknidien, das stimmt! Aus speziellen Zellen können sich hier "männliche" Geschlechtsorgane bilden.
An den Wänden der Pyknidien wachsen Konidiophoren, die an ihren Enden Pykno-Sporen abschnüren.
Diese Pykno-Sporen können 1. entweder keimen und neue Pilzhyphen bilden (also asexuell) oder
2. als "Spermien" eine "weibliche" Trychogyne (s. weiter unten) bestäuben und sexuell einen neuen Pilz erzeugen.
 
Aus Zellfäden oder Hyphen im Pilzgeflecht können sich "weibliche" Geschlechtsorgane bilden, so genannte Ascogonen. Sie sind in den Flechtenkörper versenkt und besitzen "Empfängnishyphen", die Trichogyne, die ins Freie ragen.
Landen hierauf die Pykno-Sporen (s. oben), entstehen schlauchartige Hyphen (Asci) mit einem "männlichen" und einem "weiblichen" Kern. Diese verschmelzen zur Zygote, den Keim für einen neuen Pilz.
 
Fazit: Über die Pyknidien vermehrt sich egoistisch nur der Pilz, nicht die Flechte als ganzes!
 
Erst wenn die Pykno-Sporen auf eine Alge treffen, ensteht eine neue Flechte, wobei ein und der selbe Pilz durch verschiedene Algenarten unterschiedliche Flechtenarten ausbildet.
 
Auch über die Apothecien werden über die Asci nur Pilzsporen abgegeben. Diese reifen in den Zygoten mit 4 Kernen, teilen sich dann und bilden reif 8 Asco-Sporen.
Diese Asco- Sporen gehen dann "auf die Reise". Sie können allerdings nur dann keimen, wenn sie mit ihren Hyphen eine Alge umschlingen können. Hieraus entsteht also direkt eine neue Flechte (die Art auch hier abhängig von der betreffenden Alge).
 
Damit es ganz kompliziert wird: Als Symbionten sind in der Regel Grünalgen die Partner, aber auch Blaualgen (heute als Cyanobakterien bezeichnet) oder sogar beides. Lezteres vor allem bei Flechten in stickstoffarmen kalten Regionen. Der Stickstoff ist dort wegen verlangsamter biochemischer Prozesse rar, aber für die Eiweißbildung unerlässlich. Pilz und Grünalge können diesen Stoff alleine nicht aufnehmen. Beispiel: die Flechte Peltigera aphtosa, die viele Hundert Jahre alt werden kann.
 
Das sind - sehr kurz beschrieben - zwei von sieben verschiedenen Vermehrungsstrategien der Pilze / Flechten

Viele Grüße – Rika
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Hallo Pilzlis,
Noch ein wenig mehr Info zu Heteroradulum kmetii (ist teilweise in Malysheva & Spirin nachzulesen). Heteroradulum kmetii (= Eichleriella k.) wurde schon 1897 von Bresadola beschrieben. Die Art war anerkannt (wenn sie auch wahrscheinlich bisweilen mit E. deglubens und auch mit E. spinulosum vermischt wurde) bis sie 1980 als Synonym zu Eichleriella deglubens gestellt wurde. Malysheva & Spirin zeigten 2017 in einer molekulargenetischen Studie, dass es sich dabei um eine sowohl genetisch als auch morphologisch abgrenzbare eigene Art handelt und aufgrund der Verwandtschaftsanalyse war sogar eine weitere neue Gattung dafür nötig, nämlich Heteroradulum. Seither achten Pilzler wieder auf die Trennung, gut so!
Die ersten österreichischen Nachweise von H. kmetii stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert,  nämlich aus dem Jahr 1904 von Franz von Höhnel (Radulum Kmetii, auf Pappel! aus den Donauauen)  und (leíder ohne Jahr) ein Exsikkat aus den Donauauen bei Tulln von Rechinger, auch auf Pappel (u.a. das hat Christoph zur Nachsuche angeregt). Neue Belege aus dem Jahr 2017 wurden von Gerard Koller aus dem Burgenland gebracht, alle von Populus tremula und Gernot hat ihn heuer (2018) ja auch auf Pappel gefunden. 
Das bedeutet, dass jetzt eigentlich alle Herbarbelege von Eichleriella deglubens auf darunter versteckte H. kmetii hin zu prüfen wären…
Die Donauauen bei Krems sind wärmegetönt und auch trockener als Auwald weiter westlich. Die Südsteiermark ist auch wärmegetönt. Und die Funde von Gerhard aus dem Burgenland stammen aus der pannonischen Klimazone, passen also auch gut dazu. Die Art ist sicher weiter verbreitet und es ist spannend die weitere Verbreitung zu beobachten.

Servus an Euch alle, Irmgard
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Servus Rika,

danke für's Vorzeigen  ;)

Hier sieht man auch sehr schön den Randwulst - teils sieht das Stroma ja fast schüsselförmig aus. Man sieht aber auch die Variabilität der Merkmalsausprägung sehr schön. Spitze!

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus beinand, und gleich nochmal ich  ;)

Ich möchte hier noch der Vollständigkeit halber die Fotos der Athelia arachnoidea aus dem Athelia-centrifuga-Thread hier teils nochmal zeigen, da der Fund ja auch von Xanthoria parietina agg. war.



Der weiße, flockige Bereich oben ist fertil - die Basidien sind zweisporig, was für die Art charakteristisch ist. Die Sporen sind mit 8-11 x 4-5,5 µm relativ groß (bei diesem Fund hier lagen sie im unteren Bereich, also um die 8-9 x 4-5 µm, aber der Fruchtkörper war noch sehr jung und hatte wenig Sporen.

Es gibt noch eine Athelia arachnoidea var. leptospora, deren Sporen 8-10 x 3-3,5 µm groß sind - also viel schmaler und mit einem deutlich höheren Länge-Breite-Quotienten.

Athelia arachnoidea s.str. hat (fast) nur an den Basalhyphen Schnallen, in Bereichen näher am Hymenium fast gar keine Schnallen und an den Basidienbasen absolut keine.

Es gibt aber noch Athelia arachnoidea var. sibirica, die fast überall Schnallen hat, auch an den Basidienbasen. Die Sporen sind etwas größer als bei Ath. arachnoidea s.str.: 9.5-13 x 5-5,5 µm.

Diese beiden Taxa kenne ich aber nicht aus eigener Anschauung. Ich habe die Merkmale aus Jülich W (1972): Monographie der Atheliae (Corticiaceae, Basidiomycetes). Beih. Willdenowia 7: 1-283 zusammengestellt.

Wie ich Nachbarthread schon bescrieben habe, frisst Athelia arachnoidea nur die Algen aus der Xanthoria heraus, was dieser aber kaum gefallen dürfte, denn sie muss dann ja verhungern. Ob sich die ausgezutzelten, knallgelben Thallusbereiche wieder erholen, wenn andere Bereiche noch Algen enthalten, weiß ich nicht. Wäre interessant, das mal zu beobachten. Leider finde ich Athelia arachnoidea (sexuelles Stadium) nicht so häufig. Bei den teils massivem Befall in der asexuellen Form (mit Mikrosklerotien - "Athelia centrifuga") scheint der Thallus zumindest teils abzusterben.

Hier nochmal das reine Myzel, das die Xanthoria spinnwebartig umhüllt, um dann in den Wirt hineinzuwachsen, um die Algen aufzufressen...:



Und hier der ausgezutzelte, knallgelbe Thallus, der nach dem Befall übrig bleibt:



Die Athelia stirbt dann ab, es ist also nur ein kurzfristiges Phänomen, was das Auffinden erschwert.

Und natürlich (hatte ich erst vergessen, daher das nachträgliche Editieren) Illosporiopsis christiansenii, der auf Xanthoria noch mehr Farbnkontrast erzeugt:



Ich bin schon gespannt, was ich noch so alles an Xanthoria finde. Aktuell sind es 8 Arten:

Athelia arachnoidea s.str. (und als Athelia centrifuga - falls das immer konspezifisch ist)
Capronia suijae
Cladosporium macrocarpum
Didymocyrtis epiphyscia
s.l.
Illosporiopsis christiansenii
Lichenoconium xanthoriae
Pyrenochaeta xanthoriae
Xanthoriicola physciae


Liebe Grüße,
Christoph
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Hallo miteinander!

Hier noch ein paar ergänzende Fotos zum Gerandeten Rindenkugelpilz bezüglich der Variationsbreite (Größe, Form):











Seit 2013 finde ich sie jeden Winter am Sonnenstein bei Uffing.

Herzliche Grüße – Rika
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Und nochmal ich  :D

Ich kann zwar Themen teilen, aber offenbar keine Themen zusammenführen. Ich habe aber im Thread mit derm Schlüssel der Arten an Xanthoria noch Beschreibungen drin, die ich jetzt hier herüber hole. Es geht dabei eigentlich nur um die drei Funde aus Rothschwaig.

Ich hatte Capronia suijae ja schon im Rothschwaig-Thread vorgestellt. Zusammen mit Lichenoconium xanthoriae und Didymocyrtis epiphyscia s.l. habe ich sie hier publiziert:
Hahn C (2017): Capronia suijae (Erstnachweis für Deutschland) und weitere lichenicole Pilze an Xanthoria. Mycologia Bavarica 18: 97-108.

Die Capronia suijae ist offenbar äußerst selten (von Brackel, pers. Mitt.) und war ein absoluter Anfänger-Glücksfund.

Lichenoconium xanthoriae bildet recht große, schwarze, eingesenkte Pycnidien:



Die Art ist entgegen der Darstellung auf pilze-deutschland sehr häufig und auch gut kartiert. Siehe auch von Brackel (2014) -  Katalog der flechtenbewohnenden Pilze Bayerns (Bibliotheca Lichenologica 109).

Die Kondien sind recht klein, 3-4 x 2,75-3,25 µm (auf Viertel gerundet), braun pigmentiert, dickwandig und werden einzeln an ampullenförmigen Phialiden gebildet.

Die weitere Suche und das Beproben von kleinen Gehäusen erbrachte dann nach der Capronia und dem Lichenoconium xanthoriae den dritten Fund, wieder an einem Perithecium. Hier gestaltet sich die Artbestimmung aber schwierig. Die Gattung ist schnell klar - hyaline Konidien mit einem Öltröpfchen, sodass sie wie kleine Spiegeleier aussehen (der Tropfen liegt asymmetrisch). Sieht irgendwie nach Phoma aus, wurde dann aber zu Didymocyrtis gestellt (nah bei Phoma, eine Phaeosphaeriaceae). Hier gibt es aber an Physcia und Xanthoria dank der Merkmalsarmut kaum unterscheidbare "Mikrospezies", sodass man wohl fast nur genetisch arbeiten kann. Die Konidien sind bei meiner Aufsammlung recht klein und breit: (4,5-)4,75-5,1-5,75 x 3-3,2-3,5 µm, Q = (1,3-)1,4-1,57-1,8

Die Konidienmaße sprechen für Didymocyrtis epiphyscia im weiteren Sinn. Ich habe das in dem Artikel in der Mycol. Bav. ausführlich diskutiert.

LG,
Christoph
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Servus Schorsch,

sehr schön! Auf dem ersten Bild erkennt man, meine ich, auch ganz gut den Randwulst. Und die Sporen sind richtig schön breit - gut mit der französischen Pyrenomyzetenseite zuvergleichen.

Danke für's Zeigen  :)

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus beinand,

jetzt kam ich auch dazu, ein Ästchen mit befallener Xanthoria anzuschauen, den ich am 25. Januar quasi bei mir um die Ecke (Holzhausen bei Schöngeising) aufgesammelt habe. Ich fand auch hier Xanthoriicola physciae. Die kugeligen, braunen Konidien sind wirklich sehr typisch, sie sehen aus wie kleine Gastromyzetensporen (nur ohne Pedicellen) - manchmal erkennt man noch die Abbruchstelle, was dann fast wie ein winziger Apiculus aussehen kann.

Die Maße diesmal: 4,5-5,75 x 4,25-5,5 µm.

Hier ein Foto von dieser Kollektion (es waren nur einzelne Apothecien betroffen):



Liebe Grüße,
Christoph
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