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Servus beinand,

hier noch ein bisserl was an Mikroskopie (sorry für die schlechte Bildqualität - ist halt Handy am Mikroskop). Man kann aber die Sporenform ganz gut erkennen, finde ich.



Der Ascusapikalapparat sieht, wenn man den Schärfetrieb hin und her dreht, sehr schick aus. Das Foto kann es nur andeuten (hier in Lugol, wie es sich gehört):



Liebe Grüße,
Christoph
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Servus Christian

Zitat
Jeder Artikel zu molekularen Artabgrenzungen bereitet uns Feldmorphologen entweder mehr Arbeit bei der Bestimmung oder er öffnet das Tor zu unserer Obsoletität einen Spalt weiter.

letzteres sehe ich gar nicht so schwarz. Vielleicht ergibt sich gerade auch dadurch die Möglichkeit, die "Felderfahrung" einzubringen und so manche komplett kryptische Art aus ihrer Krypta rauszuholen, indem man doch etwas findet, woran man sie dann erkennen kann. Sei es die genauere ökologische Einnischung, sei es irgendein Detail, das in den oft genetiklastigen Arbeiten gar nicht geprüft wurde. Gut vielleicht nicht gerade im Skeletocutis-nivea-Formenkreis. Hier haben die Autoren ja  auch sehr genau morphologisch-anatomisch gearbeitet und selber versucht, Trennmerkmale zu finden. Doch wer weiß?

Zitat
Schade nur, dass bei der Untersuchung die Art Skeletocutis alutacea nicht dabei war. Zur Aufdeckung von Verwandschaftsverhältnissen ist die Molekulargenetik nämlich schon sehr nützlich.

Der Artikel hat ja erstmal nur den Skeletocutis-nivea-Formenkreis beleichtet - und zu dem gehört Skeletocutis alutacea ja  nicht.

Ich finde die Molekulargenetik generell sehr nützlich. Vielleicht habe ich zu resigniert geklungen, als ich den Eröffnungsbeitrag schrieb. So war es dann aber gar nicht gemeint. Die Genetik ist in der Tat sehr nützlich, nur schafft sie auch nicht, alle Problemfälle zu lösen - Stichwort getrennte Arten trotz (fast) gleicher Sequenz (also falscher Locus?).

Nein, die Frage ist nur, wie sinnvoll es ist, reine genetische Arten zu beschreiben. Als z.B. das Peniophorella-praetermissa-Aggregat bearbeitet wurde, hatte man auf die Beschreibung der Arten, die sich nicht irgendwie erkennen lassen, verzichtet. Es ist sicher Geschmackssache, ob man einen "echten" Namen oder nur eine Clade-Nummer hat. Da es ja Vorstöße gibt, auch ganz ohne Beschreibung nur anhand einer DNA als Holotypus, neue Arten zu definieren, wäre das mit der erste Schritt dahin. Deshalb frage ich mich, on man Skeletocutis nemoralis wirklich hat beschreiben müssen, wenn diese im Moment nicht von Sk. semipileata unterscheidbar ist. Aber an sowas werden wir uns gewöhnen müssen. ;-)

Bevor ich zu weit ausschweife, lieber wieder zurück zu Skeletocutis. Ob Sk. alutacea schon sequenziert wurde, weiß ich natürlich nicht. In der GenBank ist jedenfalls keine Sequenz vorhanden. Es würde mich nicht wundern, wenn Skeletocutis nicht ohnehin polyphyletisch ist. Manche Stammbäume deuten ja jetzt schon darauf hin.

Liebe Grüße,
Christoph
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Hallo Christoph,

dank der molekulargenetischen Vorgehensweise bei Artabgrenzungen ist es heutzutage einfacher, neue Arten zu beschreiben, als die bisher beschriebenen gegeneinander abzugrenzen. Jeder Artikel zu molekularen Artabgrenzungen bereitet uns Feldmorphologen entweder mehr Arbeit bei der Bestimmung oder er öffnet das Tor zu unserer Obsoletität einen Spalt weiter.

Schade nur, dass bei der Untersuchung die Art Skeletocutis alutacea nicht dabei war. Zur Aufdeckung von Verwandschaftsverhältnissen ist die Molekulargenetik nämlich schon sehr nützlich. Ich bin davon überzeugt, dass S. alutacea nicht zu Skeletocutis gehört, sondern eher zu Ceriporiopsis. Vielleicht sequenziert die mal einer.

Viele Grüße
Christian
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Servus beinand,

Skeletocutis nivea ist vermutlich den meisten ein Begriff. Es ist dieser extrem engporige Porling mit ockerfarbener Hutkante, die im Alter schwärzt und der ganz gerne grünliche Töne in den Poren/Röhren hat, insgesamt aber weiß ist. Nun, früher dachte man, das sei ein Kosmopolit...

Beschrieben wurde Skeletocutis nivea aus Indonesien, also schon etwas weiter weg von hier. Da überrascht auch nicht, dass man mittlerweile weiß, dass Skeletocutis nivea s.str. in Europa gar nicht vorkommt (bzw. wenn, dann in Gewächshäusern / Tropenhäusern?!).

Wie nennt man dann hiesige Kollektionen?

Nun, im Moment leider (ohne Sequenz) praktisch gar nicht. Das Aggregat rund um Skeletocutis nivea wurde 2018 durch die Mangel genommen:

Aku Korhonen, Jaya Seelan Sathiya Seelan & Otto Miettinen (2018): Cryptic species diversity in polypores: the Skeletocutis nivea species complex. MycoKeys 36: 45–82.

(Der Artikel ist frei lesbar)

Dass kryptische Arten beschrieben werden, ist ja mittlerweile Usus. Dass die Arten aber ununterscheidbar sind, ist für Amateure schwierig. Jedenfalls treten aus dem Aggregat in Europa wohl (mindestens) vier Arten auf:

Skeletocutis cummata, Skeletocutis nemoralis, Skeletocutis semipileata und Skeletocutis futilis.

Skeletocutis futilis hat realtiv breite Sporen für den Komplex: 3,0–4,0 × 0,7–0,9 µm
Diese Art ist nur vom Typus bekannt (aus Finnland) und wuchs dort an Sorbus aucuparia. Die Fruchtkörper sind sehr klein, nur bis 5 mm breit (wenn die Art nicht doch variabler ist).

Skeletocutis cummata ist vermutlich die einzige bestimmbare, denn die wächst ausschließlich an Nadelholz. Sie hat ähnlich wie Sk. futilis etwas breitere Sporen als der Rest des Aggregats und könnte daher vielleicht sogar bei entsprechend genauer Analyse zu erkennen sein: (2,8–)2,9–3,4(–3.9)×0,5–0,8(–0,9) µm

Skeletocutis nemoralis und Sk. semipileata hingegen überlappen komplett in ihren Merkmalen. Skeletocutis nemoralis wächst bevorzugt an Fraxinus, aber auch an anderen Laubhölzern und Sk. semipileata nimmt quasi alle möglichen Laubhölzer, auch Fraxinus.
Sporenmaße von Sk. nemoralis: (2,8–)2,9–3,2(–4,0)×(0,4–)0,5–0,6(–0,7) µm
Sporenmaße von Sk. semipileata: (2,3–)2,8–3,1(–3,3)×0,4–0,6(–0,7) µm

Hier ein Vergleich der Sporen aller Arten aus dem Aggregat (betrifft auch nichteuropäische Arten) aus Korhonen et al. (2018: 66):



Die Autoren schreiben selbst, dass sie die beiden Arten nicht unterscheiden können (trotzdem beschreiben sie sie als neue Arten...). Es geht im Moment nur anhand der Sequenz.

Und wie nennt man jetzt "Skeletocutis nivea"? Da Sk. nemoralis wohl in Europa häufiger ist als die (aus Nordamerika beschriebene) Sk. semipileata, könnte man vielleicht "Sk. nemoralis s.l." sagen, damit man anzeigt, dass man z.B. Sk. futilis und Sk. cummata unterscheidet?
Dann könnte man zumindest Sk. cummata kartieren und es geht nicht alles in Skeletocutis-nivea-agg. unter, zumal die "echte" Sk. nivea in Europa gar nicht vorkommt.

Oder wer weiß? Vielleicht findet sich ja doch noch ein Trennmerkmal zwischen Sk. semipileata und Sk. nemoralis?

Auf alle Fälle lohnt es sich, alle Funde an Nadelholz nochmal kritisch zu rvidieren und die Sporen genauer anzuschauen. Viel Unterschied ist es nicht, aber ein bisserl breiter sind sie ja dann doch, die Sporen.

Sorry für die "schlechten Nachrichten", was das Erkennen von Sk. nivea angeht. Aber es ist halt, wie es ist. Der Natur (und den betroffenen Pilzen) ist es egal, ob wie die Arten erkennen können. Die Pilze schaffen es offenbar ganz ohne Mikroskop, zu erkennen, ob die Spore nebenan zur gleichen Art gehört. Ich vermute, sie können besser riechen als wir  8).

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Dacrymyces-Thread - alles rund um Gallerttränen
« Letzter Beitrag von Christoph am 21. März 2019, 22:04 »
Servus Mario,

genau, einfach trocknen. Man findet die Fruchtkörper später wieder - man kann den Beleg auch wieder in Wasser einweichen. Du kannst den Ast einfach trocknen lassen. Ist die Dacrymyces weggetrocknet, dann lege ich den Ast meist doch noch auf den Dörrex, damit keine Restfeuchtigkeit mehr enthalten ist. Die Gallertträne selbst ist an Austrocknung ja angepasst, weshalb man sie erstmal auch so trocknen kann.

Schick mir einfach als PN hier oder im Parallelforum deine Mailadresse. Dann schicke ich dir die Literatur.

Ist ja gar nicht nötig, du hast sie ja im Profil stehen ;-)

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Dacrymyces-Thread - alles rund um Gallerttränen
« Letzter Beitrag von Trino am 21. März 2019, 22:01 »
Soll ich Sie einfach Trocknen? Schnell, langsam? Literatur ist immer willkommen, ich denke ich werde mir hin und wieder Dacrymyces mit nehmen und untersuchen.

Liebe Grüße
Mario
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Servus beinand,

heute habe ich "meine" Salweide nochmal besucht.

Der schönen Ciboria caucus, die ich dort heute gefunden habe, habe ich bereits einen eigenen Thread gewidmet.

Hier eins der Fotos aus dem Parallelthread:



Darüber hinaus fand ich Hymenochaete tabacina, aber noch recht jung und nicht sehr fotogen. Sehr fotogen fand ich hingegen diesen winzigen, weißen Lamellenpilz, von dem ich dachte, es sei ein sehr junges Cheimonophyllum:


Crepidotus cesatii als Babys




Der Pilz hat einen Durchmesser von drei Millimimetern, hat aber witzigerweise bereits Sporen entwickelt



Ich hatte allerdings befürchtet, dass der Pilz noch steril sei. Gewachsen ist er an einem dünnen Salweidenzweig.
Das Mikroskop hat dann doch bereits reife Sporen (neben unreifen) herausgekitzelt. Es ist nichts anderes als Crepidotus cesatii, nur sehr jung.

Dieses Steccherinum war "natürlich" noch völlig unreif und daher noch nicht bestimmbar. Hübsch finde ich die Strukturen dennoch. Halt ein Pilz ohne Namen.



Die Artenliste ist zwar übersichtlich, aber es kommen schon ein paar Arten zusammen. Ich habe auch wenig mitgenommen, da ich um die "normalen, großen" Pyrenomyzeten meist einen Bogen mache. Leider habe ich aber keine Cortis an der Weide gefunden. Und Gallertpilze waren auch keine neuen zu sehen, nur immer noch Exidia recisa, die ja irgendwie immer an Weide zu finden ist.

Liebe Grüße,
Christoph
8
Servus beinand,

Ciboria caucus ist in Bayern laut pilze-deutschland drastisch unterkartiert. Andere Regionen in Deutschland zeigen eine flächendeckende Verbreitung. Ich vermute auch, dass dieser schöne Becherling unter alten Salweiden (und auch anderen Weiden?!) überall zu finden sein sollte. Sie sind nur sehr unauffällig. Man sollte genau dann suchen, wenn die neuen Kätchen herabfallen, da diese jetzt im Frühjahr neu besiedelt werden müssen. Im Laufe des Jahres werden sie dann vom Pilz geschwärzt und mumifiziert, um schließlich im nächsten Frühjahr die Energie für die nächste Fruktifikation zu liefern. Die Ciboria braucht also das richtige Timing.

Inwieweit es sich um Funde an Erlenkätzchen (Ciboria amentacea) um eine eigenständige Art handelt oder nicht, kann ich nicht entscheiden. Nachdem, was ich bisher gelesen habe, hat die Erlenart u.A. schmalere Sporen. Bei meinen Funden von heute war vor allem der kurze, kräftige Stiel auffällig, der in der Literatur auch immer wieder als typisch für Ciboria caucus genannt wird.

Eigentlich hatte ich nach anderem Kleinzeug gesucht (Stöckchendrehen ist die Sportart), aber dabei habe ich insgesamt an drei Stellen (unter der gleichen Salweide) die Becherchen gefunden - wie viele ich beim Stöckchendrehen platt gemacht habe, weiß ich aber nicht - man übersieht sie wirklich sehr leicht, finde ich. Ich habe zwei besonders schöne Exemplare ausgegraben und fotografiert.

Hier die Fotos von heute:













Ach ja, die Mikromerkmale (lebend, in Wasser) - meine Kollektion hatte Sporenmaße von 9,25-10,6-11,75 x 6,0-6,3-6,5 µm; Q = 1,5-1,68-1,8 (ich habe aber nur 15 Sporen gemessen).
Die Asci waren zwischen9,5 und 10,5 µm breit, die Paraphysen lang, schmal, nur apikal etwas breiter, dort 3-5 µm breit, aber weder kopfig noch sonst auffällig.

Mit Lugol färbt sich der Apikalapparat der Asci wunderschön blau.

Viel Spaß beim Suchen und Finden, liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Dacrymyces-Thread - alles rund um Gallerttränen
« Letzter Beitrag von Christoph am 21. März 2019, 20:10 »
Servus Mario,

interessant, wenn die Sporen wirklich so klein sind. Die unauffälligen, unverzweigten Dikaryophysen passen allerdings gut - dann die schnallenlosen Septen...

Kurz gesagt - es ist sicher etwas aus dem unübersichtlichen Dacrymyces-capitatus-lacrymalis-Aggregat. Hier hat aber so gut wie jeder Autor eine andere Artauffassung, was zu widersprüchlichen Aussagen hinsichtlich der Sporenmaße führt.

Ich kann dir gerne Dacrymyces-Literatur zusammenstellen, damit du selbst, wenn du magst, dir die unterschiedlichen Auffassungen anschauen / nachlesen kannst. Am liebsten folge ich der Dissertation von Göttel, da sie am ausführlichsten beschreibt und ein Artkonzept im mitteleuropäischen Sinn fährt. Sie hat aber nur eine kleine Auswahl an Arten untersucht. Jedenfalls ist deine Aufsammlung nicht Dacrymyces capitatus ss. Göttel.

Spannend, aber einen Namen kann ich im Moment leider nicht nennen. ;-) Danke für die Dokumentation dieser Kollektion. Bitte unbedingt einen Beleg machen! Vielleicht tut sich ja demnächst was und es kommt möglicherweise eine moderne Bearbeitung raus (es wird momentan an Dacrymyces in Europa geforscht).

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Dacrymyces-Thread - alles rund um Gallerttränen
« Letzter Beitrag von Trino am 21. März 2019, 19:51 »
Hallo Christoph,


das die Sporen etwas klein sind liegt daran das die Fruchtkörper noch jung sind, würde ich das mal so sagen.

Puste Kuchen die Sporen sind, so klein und ich meine auch das jetzt sogar Dikaryophysen aufgetaucht sind, siehe Bilder.

Es hat zwar ein paar Tage gedauert aber die Fruchtkörper sind doch noch zur Reife gekommen, die Sporen sind definitiv mit 3 Septen gewesen, ich halte die immer noch für dünnwandig, was meinst du dazu? Mit meine Schlüssel komme ich jetzt nicht mehr weiter.

Liebe Grüße
Mario
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