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Expertenforum Mykologie / Re: Lophiostoma caulium s.l. (?) an Clematis
« Letzter Beitrag von Christoph am 28. März 2018, 11:28 »
Servus Gernot,

super, besten Dank! Für mich ist das quasi eine neue Welt. Ich habe zwar ab und an auch schon andere Pleosporales angeschaut (z. B. Phaeosphaeriospis glaucopunctata an Ruscus oder Lophiostoma viridarium, die sehr beeindurckend ist, makro- wie mikroskopisch), aber mir fehlt da noch einiges an Literatur und vor allem Erfahrung.

Die Lophiostoma-caulium-Gruppe scheint ja "da Deifi g'sehn" zu haben  ;)

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Lophiostoma caulium s.l. (?) an Clematis
« Letzter Beitrag von Gernot am 28. März 2018, 10:46 »
Servus, Christoph,

Holm & Holm ist auf dem Weg zu dir. Ich hab mich bisher kaum näher mit den einzelnen Varietäten befasst und immer nur als L. caulium (s. l.) bestimmt… Die Art/Artengruppe wird dir sicher noch öfter unterkommen, wenn du regelmäßig festere Krautstängel und Clematis-Ranken anschaust.

Schöne Grüße
Gernot
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Expertenforum Mykologie / Re: Lophiostoma caulium s.l. (?) an Clematis
« Letzter Beitrag von Christoph am 28. März 2018, 02:25 »
Servus zum zweiten  8)

Wie es der Zufall will, habe ich beim Untersuchen eines anderen Belegs (auch aus Rothschwaig) - diesmal verholzter Artemisia-Stengel vom Vorjahr - erneut eine Lophiostoma gefunden, wieder mit (4-)5(-6) Septen und mit Appendices / Schleimhülle:


Hier sieht man ein Appendix recht gut (ich habe es mit roten Punkten umrahmt und der Pfeil zeigt es auch "dezent" an...





Die Sporenmaße bei diesem Fund liegen aber bei 19,0-23,0-26,5 x 5,5-6,2-7,0 µm; Q = 3,1-3,7-4,3

Die Sporen sind deutlich schmaler, der Quotient deutlich größer. Das entspricht jetzt sehr gut Lophiostoma caulium "var. a" und sieht wirklich anders aus als das, was ich an Clematis gefunden habe.

Vielleicht hilft das weiter bei der Interpretation des breitsporigen Fundes. Wer hat hier Erfahrung?  ???

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Lophiostoma caulium s.l. (?) an Clematis
« Letzter Beitrag von Christoph am 28. März 2018, 00:10 »
Servus beinand,

heute (bzw. mittlerweile gestern) habe ich in Rothschwaig an der wohl feuchtesten Ecke (am Rand eines immer wieder austrocknenden Tümpels am Boden einer Kiesgrube) eine trockene Clematis-Ranke mitgenommen. Unter dem Bino zeigt sich eine Vielzahl an schwarzen Kügelchen, "Beilen" usw. Die "Beile" habe ich mir zuerst angesehen...



... und wurde durch wunderbare Sporen belohnt. Unter dem Beil findet man eine recht große schwarze Kugel, die Asci sind bitunikat bzw. fissitunikat, die Sporen stecken in einer Schleimhülle und zeigen apikal deutliche Anhängsel. Ich habe versucht, sie zu fotografieren, klappt aber kaum (ich habe die Hülle mit roten Punkten angedeutet, auch die Appendices und mit Pfeilen angeziegt, wo man sie erkennen kann - am Mikroskop kann man mit dem Feintrieb spielen und sieht sie deutlich - Tinte habe ich im Moment nicht im Haus...):


Spore mit Schleimhülle und Appendices - zumindest am Foto zu erahnen...

Die Sporen messen 20,5-25,1-29 x 7,0-8,0-9,0 µm; Q = (2,6-)2,8-3,14-3,7 und sind meist fünffachseptiert (genau genommen 3-5-fach septiert, aber meist eben fünffach - eine einzige Spore war sechsfach septiert):





Folge ich dem Schlüssel von Tanaka & Harada (2003), lande ich klar und deutlich bei Lophiostoma caulium (s.l.). Die von Holm & Holm (1988) aufgetrennten Varietäten "a-e" sind vermutlich jeweils eigene Arten, was für drei bisher genetisch gezeigt wurde. Durch die sehr breiten Sporen passt das aber alles nicht ganz zusammen.

Die Paraphysen waren banal fädig, 1-2(-3) µm dick und teils verzweigt, oft unverzweigt.

Hat jemand Erfahrung mit der Gattung und kennt solche breitsporigen Lophiostomae mit Appendices?

Liebe Grüße,
Christoph

P.S.: die Studie von Holm & Holm (1988) habe ich leider nicht - falls sie jemand hat, wäre ich ein dankbarer Abnehmer
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Expertenforum Mykologie / Schlüssel der Gattung Diplodia
« Letzter Beitrag von Christoph am 27. März 2018, 15:14 »
Servus beinand,

da ich einen Fund von Diplodium sapinea bestimmt habe und dafür ziemlich viel Literatur gewälzt habe, möchte ich die Gelegenheit nutzen, den Schlüssel, den Phillips et al (2013) ausgearbeitet haben, hier ins deutsche übersetzt (und etwas redaktionell bearbeitet - falsche Verlinkungen / Sprünge im Schlüssel) und minimal kommentiert - zur Verfügung zu stellen.

Liebe Grüße,
Christoph

Schlüssel der Gattung Diplodia s.str. (nach Phillips et al. 2013)
(Stand 27.03.2018)

1 Konidien hyalin und unseptiert, erst im Alter braun und einfach septiert werdend ……………..…. 2
1* Konidien dunkel braun, wenn sie von den konidiogenen Zellen abbrechen (dann ebenfalls noch unseptiert) ………………………………………………………………………………………………………………………………. 12
2(1) Konidien im Schnitt länger als 29 µm ……………………………………………………………………………….… 3
2* Konidien im Schnitt kürzer als 29 µm ……………………………………………………………………………………. 5
3(2) Konidien 18-22 µm breit …………………………………………………………………………….…. Diplodia tsugae
3* Konidien schmaler als 16 µm ………………………………………………………………………………………………… 4
4(3) An Quercus; Konidien im Schnitt 30 x 13,5 µm …………………………………………… Diplodia corticola
4* An anderen Wirten als Quercus, Kolonien rosettenartig ……………………………….. Diplodia rosulata
5(3) An Malus; Konidien blass braun ……………………………………………………………….... Diplodia bulgarica
5* Konidien hyalin, im Alter pigmentiert und einfach septiert werdend ……………………………………. 6
Bem.: Der Schlüssel ist hier nicht eindeutig, da alle hier behandelten Arten jung farblosa Konidien besitzen – zudem ist Diplodia bulgarica auch in Kiefernnadeln festegestellt worde – hier empfehle ich, die Artbeschreibungen in Phillips et al. 2013 einzeln zu vergleichen)
6(5) An Cupressus oder Juniperus ……………………………………………………………………… Diplodia cupressi
6* An anderen Wirten …………………………………………………………………………………………………………………. 7
7(6) Konidien im Schnitt 28 µm lang oder länger …………………………………………………………………………. 8
7* Konidien im Schnitt kürzer als 28 µm …………………………………………………………………………………….. 10
8*(7) Konidien bis 17 µm breit oder breiter ……………………………………………………….. Diplodia malorum
8* Konidien niemals 17 µm Breite erreichend ………………………………………………………………………..……. 9
9(8) An Quercus …………………………………………………………………………………………...….. Diplodia quercivora
9* An anderen Wirten …………………………………………………………………………………………... Diplodia africana
10(8) Konidien im Schnitt 27,7 µm lang …………………………………………………………………. Diplodia agrifolia
10* Konidien im Schnitt kürzer als 17 µm ……………………………………………………………………………………. 11
Bem.: Diplodia agrifolia durch die nur bei einer Kollektion (Typus) festgestellte durchschnittliche Sporenlänge im Schlüsselpunkt 9 wie dort abgefragt, auszuschlüsseln, ist gewagt – daher bitt die Artbeschreibung von Diplodia africana vergleichen – hilfreich ist (nach aktuellem Kenntnisstand) die Verbreitung: Kalifornien vs. Südafrika)
11(10) Konidien im Schnitt 24,5 x 12,5 µm, an Olea ………………………………………………. Diplodia olivarum
11* Konidien im Schnitt 25,5 x 13,5 µm, an anderen Wirten ……………………………………. Diplodia mutila
12(1) Konidien im Schnitt länger als 35 µm ………………………………………………………………………………….… 13
12* Konidien im Schnitt kürzer als 35 µm ………………………………………………………………………………………. 14
13(12) Konidienlängen 50 µm überschreitend (bis zu 54 µm lang) …………………..……… Diplodia sapinea
13* Konidienlänge niemals 50 µm überschreitend (bis 41,5 µm lang) ……………….. Diplodia scrobiculata
14(12) Konidien im Schnitt länger als 28 µm ……………………………………………………….. Diplodia intermedia
14* Konidien im Schnitt kürzer als 28 µm ………………………………………………………………………………………. 15
15 Konidienlänge im Schnitt größer oder gleich 25 µm …………………………………………………………………. 16
15* Konidienlänge im Schnitt unter 25 µm ………………………………………………..……….. Diplodia allocellula
16(15) Konidienlängen nie 30 µm überschreitend …………………………………………………... Diplodia seriata
16* Konidien länger als 30 µm werdend …………………... Diplodia alatafructa / Diplodia pseudoseriata
Bem.: Diese zwei Arten können morphologisch nicht unterschieden werden.

Literatur:
Phillips AJL, Alves A, Abdollahzadeh J, Slippers B, Wingfield MJ, Groenewald JZ, Crous PW (2013): The Botryosphaeriaceae: genera and species known from culture. Studies in Mycology 76: 51–167.

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Servus beinand,

wie im Thread zu Diplodia sapinea erklärt, habe ich mich aufgrund einer Aufsammlung im Rahmen meiner Kartierung in Rothschwaig mit diesem interessanten Vertreter der Botryosphaericaeae beschäftigt. Bislang hatte ich nur über Sphariopsis visci Berührungspunkte mit dieser Familie. Bei meinen Recherchen rund um die Bestimmung bin ich auf die Arbeit Phillips et al. (2013) gestoßen. Dort sind Schlüssel zu allen Arten der Familie zu finden.

Hier der Gattungsschlüssel ins deutsche übertragen (auch als word-document im Anhang - wegen des Layouts).

Liebe Grüße,
Christoph

Gattungsschlüssel der Botryosphaericaeae anhand der Anamorphen (nach Phillips et al. 2013)
(Stand von 27.3.2018)

1 Konidien sich in Pycnidien bildend ………………………………………………………………………………….………………….…...... 2
1* Konidien sich als trocken-puderige Ketten von Arthrosporen bildend ……………….……………… Neoscytalydium
2(1) Konidien farblos-hyalin (nur selten im Alter nachdunkelnd) ……………………………………………………………………. 3
2*Konidien braun (sie bleiben manchmal relativ lange farblos, bis sie doch bräunen)….………………………………… 8
3(2) Konidien farblos-hyalin, mit dauerhafter Gelscheide/Schleimhülle .……………………………………………………….. 4
3* Konidien farblos-hyalin, Schleimhülle fehlend …………………………………………………………………………………………… 5
4(3) Konidien fusiform, mit apikalen Schleimanhängseln …………………………………………………………….. Tiarosporella
4* Konidien zylindrisch ……………………………………………………………………………………………………….. Pseudofusicoccum
5(3) Konidien dünnwandig ………………………………………………………………………………………………………………………………. 6
5* Konidien dickwandig …………………………………………………………………………………………………………………………………… 9
6(5) Konidien meist fusoid-ellipsoid ………………………………………………………………………………………………………………… 7
6* Konidien zylindrisch bis zylindrisch-keulig …………………………………………………………………………... Botryobambusa
7(6) Die meisten Konidien länger als 30 µm ……………………………………………………………………………….… Cophinforma
7* Die meisten Konidien kürzer als 30 µm ……………………………………………….……. Botryosphaeria / Neofusicoccum
Bem.: diese beiden Gattungen sind morphologisch kaum trennbar, aber phylogenetisch gut abgegrenzt
8(2) Konidien mit einer Keimspalte …………………………………………………………………………………... Endomelanconiopsis
8* Konidien ohne Keimspalte ……………………………………………………………………………………………………………………………. 9
9(5/8) Konidien mit längsstreifigem Ornament …………..…………………………………………………………………………………... 10
9* Konidien ohne Längsstreifen ………………………………………………………………………………………………………………………. 12
10(9) Bereits junge, unreife Konidien mit Längsstreifen ……………………………………………………………………….. Barriopsis
10* Junge, unreife Konidien ohne Streifen ………………………………………………………………………………………………………. 11
11(10) Mit pycnidialen Paraphysen …………………………………………………………………………………………………. Lasiodiplodia
11* Ohne pycnidiale Paraphysen …………………………………………………………………………………………………. Neodeightonia
12 (9) Konidien unseptiert ……………………………………………..……………………………………....……………………………………….. 13
12* Konidien mit 1 oder mehr Septen …………………………….………………………………………………………………………………… 15
13(12) Mit pycnidialen Paraphysen …………………………………………………..………. Sphaeropsis (= Phaeobotryosphaeria)
13* Ohne pycnidiale Paraphysen ……………………………………………………………………………………………….……….……………. 14
14(13) Konidiogene Zellen und Konidien in Schleimhülle eingebettet ………………………………………….. Macrophomina
14* Ohne Schleimhüllen ………………………………………………………………………………………………………………………….. Diplodia
15(12) Konidien werden erst nach dem Ablösen von den konidiogenen Zellen braun und septiert …………………… 16
15* Konidien werden noch an den kondidigenen Zellen braun und einfach septiert ….. Dotidiella / Spencermartinsia
Bem.: Diese beiden Gattungen sind anhand der Anamorphen nicht trennbar; die Teleomorphen unterschieden sich jedoch: Die Ascosporen von Spencermartinsia haben Apiculi, die bei Dotidiella fehlen
16 (15) Konidien häufig zweifach septiert ……………………………………………………………………………………... Phyaeobotryon
16* Konidien einfach septiert, selten zweifach septiert …………………………………………………………………………….. Diplodia

Literatur:
Phillips AJL, Alves A, Abdollahzadeh J, Slippers B, Wingfield MJ, Groenewald JZ, Crous PW (2013): The Botryosphaeriaceae: genera and species known from culture. Studies in Mycology 76: 51–167.
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Expertenforum Mykologie / Diplodia sapinea - ein häufiger Pilz an Kiefern
« Letzter Beitrag von Christoph am 27. März 2018, 15:00 »
Servus beinand,

in Rothschwaig hatte ich am 24.02.2018 u.a. kleine, schwarze Pycnidien an Kiefernzapfen aufgesammelt. Das ist das „schöne“ an Kartierungsprojekten – man schaut sich auch Sachen an, die man sonst nicht ansehen würde:







Die Pycnidien haben sich als ein sehr häufiger und bekannter/gefürchteter Schadpilz der Kiefer herausgetsellt: Diplodia sapinea. Jetzt kenne ich mich bei Coelomyzeten eh kaum aus, aber ich kenne zumindest Sphaeriopsis visci, die nah verwandt ist – zumindest in die gleiche Familie gehört. Hilfreich für die Bestimmung war auch, dass es im EU-Forum einen Thread zu „Sphaeriopsis“ sapinea gibt.
Da ich mich wie gesagt in der Gruppe nicht auskenne, achte ich dann auf Details, da man die ja eventuell für die Bestimmung benötigt. Jedenfalls habe ich festgestellt, dass die Konidien ornamentiert sind. Erst sah es nach Warzen aus, dann doch nach Löchern. Ich meinte, das in der Seitenansicht der Konidienwand zu erkennen – sieht ein bisserl aus wie bei Ganoderma, nur nicht gar so deutlich.

Steht der Arbeitsname, kann man loslegen und recherchieren. Schließlich wurde 2003 mit Diplodia scrobiculata eine zweite Art beschrieben, die genau diese Löcher in den Sporen haben soll. Diplodia sapinea hingegen wird oft als glatt beschrieben.

Zudem wurden drei Morphotypen festgestellt (schon seit den 80er Jahren), was die Sache auch nicht einfacher macht – Typ A und C haben in Kultur ein fluffiges Luftmyzel und wachsen schnell, Typ B hat ein dichtes, nicht in die Luft wachsendes Myzel und wächst nur langsam. Typ C wiederum hat besonders große Konidien. Genetisch wurde festgestellt, dass Typ B eigenständig ist und - wie oben erwähnt – dann als Diplodia scrobiculata neu beschrieben.

Im Parallelforum habe ich das ein bisserl ausführlich dargestellt und Literaturstellen entsprechend zitiert. Für mich war insbesondere Swart et al.  (1993) wertvoll.

Ich zitiere:
Zitat
Scanning electron microscopy of world isolates

Twenty isolates of S. sapinea consistently had conidia with smooth outer surfaces (Fig. I) typical of those reported for the type-A form (Table I). The remaining thirty isolates had between 6 and 38% of conidia with small indentations, or pits, distributed either over the entire outer surface, or parts of individual conidia (Figs 2, 3).

Effect of maturity on conidial ornamentation

The age of conidia did not appear to affect the occurrence of pits in any of the four isolates examined (Table 2). Over the entire 56 d period, the two type-A isolates, CWS 60 and CWS 61, respectively had means of 19.6 and 18.4% pitted conidia.The two type-B isolates, CWS 59 and CWS 64, respectively had means of 23.6 and 18.4% of pitted conidia over the same period.

Swart et al. (1993) haben 20 Kollektionen von S. sapinea mit völlig glatten Konidien festgestellt (sie haben mit einem Elektronenmikroskop gearbeitet!). Weitere 30 Isolate hatten zwischen 6 und 38% Konidien mit kleinen Vertiefungen, Gruben, Löchern. Dieses Merkmal ist altersunabhängig, hat also nichts mit ausgeereiften vs. jungen Sporen zu tun.

Die Autoren fassen salbst zusammen (im abstract) - Hervorhenung in Fettdruck von mir:

Zitat
Authentic S. sapinea isolates, categorized as type A and type B in previous studies, were chosen for detailed examination of the effect of spore age, nutrition, and pigmentation on surface ornamentation. No distinct differences in conidial morphology between the two types were discernible between conidia of different ages, or those produced on media containing different carbon or nitrogen sources.

Man kann also sagen, dass sowohl löchrige als auch glatte Kondien bei beiden Arten auftreten. Bei weiterer Recherche bin dann auf Phillips et al (2013) gestoßen. Hier werden alle Gattungen anhand der Anamorphen ausgeschlüsselt – dies wird so praktiziert, da von allen bekannten Arten Anamorphe beschrieben wurde und diese auch in Kultur aus den Teleomorphen züchtbar sind, aber nicht von allen Arten die Teleomorphen bekannt sind.

Man kommt durch folgende Merkmale schnell auf die Gattung Diplodia: Konidien werden noch an den konidiogenen Zellen ansitzend braun, sie haben keine Keimspalte, haben kein streifiges Ornament und sind unseptiert bis vereinzelt einfach- bis zweifach septiert.

Innerhalb der Gattung Diplodia geht es dann auch recht einfach – die sehr langen und breiten Konidien sind sehr bezeichnend… man landet direkt bei Diplodia sapinea – und auch Phillips et al. (2013) geben an, dass das Ornament glatt oder löchrig ist.

Die ganze Gattung Diplodia ist laut Phillips et al. (2013) recht aggressiv – es sind endophytische Pilz, die sich im gesamten Baum ausbreiten und je nach Zustand des Baums (z.B. bei Trockenstress) Schadsymptome auslösen können. Bei Diplodia sapinea ist es die Kiefernschütte – die Nadeln sterben ab und werden schütter. Das endophytische Vorkommen im gesamten(!) Baum erklärt auch, warum der Pilz auch an den Zapfen vorkommt – er wächst am lebenden Baum hinein und bildet dann Pycnidien aus, wenn die Zapfen am Boden überwintert haben. Das gleiche macht er an abgefallenen Ästen / Zweigen / Nadeln (usw.).

Ich werde bei Gelegenheit versuchen, Fotos von den Konidien zu machen – ob es gelingt, weiß ich noch nicht (per Handy durchs Okular). Im Nachbarthread gibt’s aber viele, schöne Fotos.
Wer Lust hat, mit der Lupe nach schwarzen Pycnidien an Kiefernzapfen zu suchen (sie sind etwas unförmig), der wird schnell fündig. Und im Mikroskop sind sie wirklich sehr hübsch. Vielleicht nicht ganz so atemberaubend wie das jetzt massenhaft an Fichtenzapfen zu findende Phragmotrichum chailletii, aber dank der riesigen Konidien durchaus beeindruckend.

In der Systematik hat sich auch einiges getan – diesbezüglich empfehle ich die Lektüre von Slippers et al. (2013).

Ich habe den Gattungsschlüssel von Phillips et al. (2013) ins Deutsche übersetzt und hier zur Verfügung gestellt. Ebenso den Schlüssel der Gattung Diplodia (da habe ich beim Übersetzen minimal redaktionell eingegriffen, da die Sprünge nicht immer richtig benummert wurden - jetzt müsste es passen). Ich habe auch ein paar wenige Kommentare angefügt.

Literatur:

Phillips AJL, Alves A, Abdollahzadeh J, Slippers B, Wingfield MJ, Groenewald JZ, Crous PW (2013): The Botryosphaeriaceae: genera and species known from culture. Studies in Mycology 76: 51–167.

Slippers B, Boissin E, Phillips AJL, Groenewald JZ, Lombard L, Wingfield MJ, Postma A, Burgess T, Crous PW (2013): Phylogenetic lineages in the Botryosphaeriales: a systematic and evolutionary framework. Studies in Mycology 76: 31–49.

Swart WJ, M.J. Wingfield MJ, van Wyk P (1993): Variation in conidial morphology among geographic isolates of Sphaeropsis sapinea. Mycol. Res. 97(7) 832-838

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus beinand,

anbei noch Bilder vom 24.3.2018 aus Rothschwaig - ich habe mangels geeigneter technischer Ausstattung mit dem Handy durch das Okular eines Binos fotografiert:


Illosporiopsis christiansenii


Illosporiopsis christiansenii - Konidie

Wenn man genau hinschaut oder mit Lupe bewaffnet flechtenreiche Äste absucht, wird man immer wieder fündig.  :D

Liebe Grüße,
Christoph
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Lieber Rudi,

nein, keine Namensänderung - nur Verwirrung beim Schreiben - zu viele Schwammerl auf einmal (wie soll das nur enden, wenn wirklich was wächst)?  :-X

Wird sofort ausgebessert...

Liebe Grüße,
Christoph
100
Lieber Christoph,
sehr schöne Nachschnee-Impressionen.
Aber, dass meine gute alte Exidia pithya jetzt auch umbenannt worden ist, erstaunt mich schon sehr.  8)
LG aus Suedtirol Rudi
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