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Pilzberater und PSV / Re: Tödlich giftiger Röhrling (Gattung Rubinoboletus)
« Letzter Beitrag von Christoph am 1. Juli 2018, 21:24 »
Servus Pablo...

Zitat
Sicherer wäre es jedenfalls, man würde wirklich nur Pilze verzehren, die nicht nur sicher bestimmbar, sondern auch einigermaßen gut untersucht sind hinsichtlich ihrer Wirkungen auf den menschlichen Organismus.

ja, exakt, da sind wir genau der gleichen Meinung ;-). Ich würde es aber, da ich Tierversuchen kritisch gegenüber stehe, die nicht absolut nötig sind (wobei dann auch wieder diskutabel ist, was absolut nötig heißt), so sagen:
Arten, die oft genug von Menschen nachweislich verzehrt wurden und keine Schäden ausgelöst haben und von denen nicht aus anderen Quellen (Inhaltsstoffanalysen, Tierversuche) ein gesundheitsschädliches Potential abgeleitet werden kann.

Beispiel Phaeocollybia aurea - man weiß, dass der Pilz Blausäure abgibt, das aber langsam macht und durch Kochen nicht ganz entgiftet werden kann. Das ist für mich absolut kein Speisepilz, auch wenn manche ihnschon vertragen haben. Es gibt auch Vergiftungen, die bekannt sind. In der aktuellen Z. Mykol. wird der Verzehr empfohlen (Reaktion auf einen Leserbrief). Da sage ich, dass es genug andere Pilze gibt, die man essen kann. Wir haben ja keine Notzeiten. Und wenn man gar nichts weiß... Roulettespiel, finde ich. Ebenso Umkehrschlüsse...

Liebe Grüße,
Christoph
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Pilzberater und PSV / Re: Tödlich giftiger Röhrling (Gattung Rubinoboletus)
« Letzter Beitrag von Christoph am 1. Juli 2018, 21:18 »
Servus Till,

klar habe ich mir das Bild angschaut. Es schließt die Gattung Rubinoboletus nicht aus. Vergleiche mal z.B. Rubinoboletus balloui - hier findest du schöne Fotos: http://toolate.s7.coreserver.jp/kinoko/fungi/rubinoboletus_ballouii/index.htm

Wie und von wem die Pilze bestimmt wurden (auf Gattungsebene), weiß ich natürlich nicht. Auch nicht, ob die Gattung überhaupt stimmt. Mir ging es mehr darum, vor Pauschalaussagen zu warnen.

Als ich beispielsweise in Südamerika im Regenwald unterwegs war, habe ich nie auch nur einen Gedanken daran verschwendet, dort die Pfifferlinge und Craterellen (die teils zu Clavulina gehören), zu essen. Die Aussage, alle Leistlinge seien essbar war mir zu suspekt.

Bei Röhrlingen könnte man auf die Idee kommen, auch Exoten zu probieren, wenn man meint, maximal mit gastro-intestinalen Symptomen davonzukommen. Wobei auch das sehr heftig sein kann, auch bei uns, was uns ja klar ist (dem Laien, der z.B. im USA-Urlaub Chlorophyllum molybdites isst, wohl nicht).  ;)

Und den eigentlichen Bogen wollte ich zu Speisewertangaben nur anhand der Vermutung, alle "Zwergröhrlinge" seien essbar, spannen. Ich weiß natürlich nicht, ob die Angabe der Essbarkeit von Rubinoboletus daher kommt oder ob die Autoren ihn wirklich gefunden haben und gegessen haben (oder sie es aus anderen Quellen haben). Jedenfalls bin ich persönlich vorsichtig.

Ich wäre mir auch nicht sicher, ob alle Scheidenstreiflinge essbar sind. Wer sammelt schon im Erlensumpf z.B. Amanita friabilis (den ich auch noch nie selber gesehen habe) und kann bestätigen, dass der auch essbar ist?

Um deine Erlebnisse in Queensland (wo auch die Vergiftung passierte) und anderen Regionen Australiens beneide ich dich ja eh schon sehr lang. Diese bunten Röhrlinge mal selbst gesehen zu haben, muss grandios sein. In Südamerika habe ich auch tolle Röhrlinge gesehen, z.B. "Boletus" loyo (jetzt Butyriboletus loyo - schmeckt übrigens gervorragend) oder Boletellus ananas. Aber die Vielfalt Australiens ist damit kaum vergleichbar.

Vielleicht hat Australien nicht nur besonders viele Gifttiere und Giftpflanzen, sondern auch Giftpilze?  :o ;)

Liebe Grüße,
Christoph
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Pilzberater und PSV / Re: Tödlich giftiger Röhrling (Gattung Rubinoboletus)
« Letzter Beitrag von Till am 1. Juli 2018, 11:09 »
Hallo, Pablo & Christoph -

habt ihr euch mal das dem Artikel beigefügte Bild von "Rubinoboletus spec." angeschaut? Das hat mit Sicherheit nichts mit unserem europäischen Verständnis dieser Gattung zu tun, die offenbar Chalciporus nahe steht, sondern schaut mir wie ein ganz "normaler" Boletus im vormolekularen Sinn aus ... Ich habe sowas Ähnliches in Australien selber gesehen, aber wenn dort die Boleten sprießen, verschlägt es einem sowieso die Sinne. Unvorstellbar, dieser Reichtum an Farben und Formen. Ich weiß jetzt nicht genau den Link, aber Roy Halling hat eine Vielzahl von schönen Röhrlingen von Fraser Island fotografiert und ins Netz gestellt. Dass die nicht alle für den Kochtopf geeignet sind, liegt auf der Hand. 

Einen schönen Sonntag!
Till 
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Junipilze 18
« Letzter Beitrag von Beorn am 1. Juli 2018, 09:13 »
Morgen!

Das ist so einerr der Gründe, warum ich mich mit Phellinus sl. nicht so gerne befasse. Gerade diese Gruppe ist zum Haareraufen: Morphologisch ist da fast nichts rauszuholen und Unterscheidungen laufen so gut wie nur übers Substrat. Genetisch sind "Phellinus igniarius s.l." wohl mehrere Arten; wenn denn jede obligat an eine Baumart gebuden wäre, ginge es ja noch, aber wenn man eine Sippe (meist - je nach Autor - wäre das dann Phellinus alni) hat, die eben variabel ist, dann entsteht ein Problem: Weil wenn der variabel ist, warum sollte er nicht auch mal an Weide, Birke oder Pappel auftauchen?
In dem Moment wären die einzelnen Arten ja ohnehin nicht mehr morphologisch zu trennen, es ginge wohl nur noch genetisch.


LG, Pablo.
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Pilzberater und PSV / Re: Tödlich giftiger Röhrling (Gattung Rubinoboletus)
« Letzter Beitrag von Beorn am 1. Juli 2018, 09:07 »
Hallo, Christoph!

Das ist wirklich interessant.
Vermutlich ist es aber auch in Europa so, daß bei einigen Röhrlingen gar nicht bekannt ist, wie sie wirken, was sie beim Verzehr auslösen können. Selbst bei einem so häufigen Pilz wie dem Kahlen krempling (Paxillus involutus s.l.) hat es ja lange genug gedauert, bis man auftretende vergiftungen mit dem Verzehr dieser Pilze in Verbindung bringen konnte.
Bei sehr viel selteneren Arten, die kaum gefunden und so gut wie nie verzehrt (bzw. bei denen über den Verlauf nach dem verzehr nichts dokumentiert ist), kann man doch eigentlich nicht wirklich viel sagen?

Ein interessantens Beispiel wäre da zB Gyroporus ammophilus, aber auch Boletus lupinus (*) wird nicht einheitlich beurteilt, über einige Verwandte des Satansröhrlings wie zB Boletus pulchrotinctus dürfte auch wenig bekannt sein.

Sicherer wäre es jedenfalls, man würde wirklich nur Pilze verzehren, die nicht nur sicher bestimmbar, sondern auch einigermaßen gut untersucht sind hinsichtlich ihrer Wirkungen auf den menschlichen Organismus.

(*) Der Einfachheit halber mal nach der "alten" Taxonomie also Boletus im weiteren Sinne.


LG, Pablo.
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Pilzberater und PSV / Tödlich giftiger Röhrling (Gattung Rubinoboletus)
« Letzter Beitrag von Christoph am 1. Juli 2018, 01:35 »
Servus beinand,

ich hatte im Hinterkopf, dass es mal eine tödliche Vergiftung mit einem Röhrling gab und habe deshalb heute mal nachrecherchiert. Und ich wurde fündig...

Es gab in Australien einen Todesfall einer 53-jährigen Frau, die eine Kollektion Rubinoboletus verspeist hat. 10 Stunden nach der Pilzmahlzeit ist sie verstorben!

Der Fall wird hier online beschrieben: https://www.mja.com.au/journal/2005/182/6/fatal-muscarinic-syndrome-after-eating-wild-mushrooms

(hier als pdf des Fachartikels lesbar)

Nebenbei angemerkt:
Es gibt in Europa eine Rubinoboletus-Art, Rubinoboletus rubinus. Früher war sie unter dem Namen Chalciporus rubinus bekannt. Ich selber habe Rubinoboletus rubinus noch nie gefunden - wer weiß, ob dieser Röhrling schonmal gegessen wurde?! Sind bis auf die wenigen, bekannten Ausnahmen wirklich alle heimischen Röhrlinge essbar?

Ich finde solche Umkehrschlüsse (man kennt ein paar giftige - also sind alle anderen essbar) ohnehin gefährlich. Hier ist es aber spannend. Wer weiß, vielleicht ist Rubinoboletus rubinus giftig?!

Bei 123-Pilze wird er als essbar geführt: https://www.123pilze.de/DreamHC/Download/KreuzsporigerRoehrling.htm

Ihm wird sogar eine Wertigkeit gegeben (Wertigkeit "4"). Wurde er aber wirklich gegessen und getestet?

Ich finde es eh problematisch, so extrem seltene Pilze als Speisepilze zu bezeichnen - abgesehen vom Artenschutzaspekt ist aber die Frage, wie viele Personen die Pilzart schadlos verspeist haben, dass man sie noch als essbar bezeichnet. Besser wäre m.E. "Inhaltsstoffe nicht ausreichend bekannt" oder schlicht "Speisewert nicht ausreichend bekannt"

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Junipilze 18
« Letzter Beitrag von Christoph am 30. Juni 2018, 23:02 »
Servus Pablo,

dass es etwas aus dem Phellinus-igniarius-Komplex ist, ist ja klar. Ich bezog mich jetzt nur rein auf die Makroskopie mit dem deutlichen, orange gefärbten Wulst und dachte daher an Phellinus igniarius s.str. - ob die Substratbindung so zu 100% klar ist, kann ich nicht beurteilen. Es ist aber natürlich gut möglich, dass du recht hast und es ein junger Phellinus alni ist. Ich finde den ganzen Komplex eh sehr schwierig  ;)

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Junipilze 18
« Letzter Beitrag von Beorn am 29. Juni 2018, 19:16 »
N'Abend!

Wobei Phellinus igniarius s.str. ja eigentlich streng an Weide gebunden sein müsste?
Dann doch eher s.l., oder eben die Richtung Phellinus alni, also der oft an Eschen und Obstbäumen, aber auch sonst so an allem Möglichen Laubholz wächst?


LG, Pablo.
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Geniales Schwammerl! Danke für den Link.

LG
Hias
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Junipilze 18
« Letzter Beitrag von Christoph am 28. Juni 2018, 23:45 »
Servus Rudi,

was spricht eigentlich gegen Phellinus igniarius (s.str.)? Dazu passen doch die Sporen (äh, die Spore) und die kleinen, kurzen Setae, die an Haizähne erinnern. Makroskopisch käme es auch hin - selbst die Hutkante ist typisch für Ph. igniarius s.str.

Liebe Grüße,
Christoph
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