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Expertenforum Mykologie / Re: Verantwortungsarten
« Letzter Beitrag von Peter am 3. Januar 2018, 12:01 »
Zitat
Was das Lyophyllum angeht, verweise ich wohl lieber nicht auf den Status als Verantwortungsart, sondern direkt darauf, dass es das einzige, in Deutschland bekannt Myzel der Art ist (bzw. die einzigen zwei - es gibt in Tutzing zwei nahe Myzelien) - das erscheint mir griffiger.

Das ist Geschichte ;D http://brd.pilzkartierung.de/bwsqlart.php?csuchsatz=mgp

Er wurde im September 2017 bei Olching gefunden und kartiert.

BG, Peter
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Expertenforum Mykologie / Re: Verantwortungsarten
« Letzter Beitrag von Christoph am 3. Januar 2018, 02:58 »
Hallo zusammen,

die Liste der Verantwortungsarten wurde schließlich doch stark erweitert. Auf der Website der DGfM kann man sie lesen: https://www.dgfm-ev.de/naturschutz-und-kartierung/verantwortungsarten

Ich habe die Liste jetzt nicht durchgezählt, aber man findet nun diverse Buchenwaldarten, aber auch Tannenbegleiter. Warum wir nur für eine Stachelbartart Verantwortung tragen, weiß ich nicht (Hericium coralloides), aber die Ausweitung der Liste ist sicher sinnvoll, sofern diese Arten auch in irgendeiner Form im Naturschutz zum tragen kommen sollten.

Warum jedoch extrem häufige Arten wir Lactarius blennius oder Lactarius subdulcis gewählt wurden, verstehe ich allerdings nicht (um nur zwei Arten als Beispiel zu nennen). Dann kann man ja alle Buchenmykorrhizapilze auswählen, die einen mitteleuropäischen Verbretiungsschwerpunkt besitzen?!

"Lyophyllum" favrei ist nun auch auf der Liste, was mich natürlich freut. Der von mir publizierte Fundpunkt in Tutzing aus den 90er Jahren ist immer noch das einzig bekannte Vorkommen in Deutschland. Die Art ist aber in der Schweiz flussbegleitend verbreitet (und die Schweiz hat die größte Verantwortung für sie und nimmt sie m.W. auch wahr). So sehr mir die Auswahl dieser Art gefällt, weiß ich nicht, ob sie begründet ist.

Eine andere Frage, die sich mir aufdrängt, ist, was man nun wirklich konkret tun soll/kann?

Ich habe mich beispielsweise selbstredend bemüht, den Fundort von Lyophyllum favrei (genauso wie von Hydnellum geogenium in Tutzing, aber keine Verantwortungsart) zu melden und schützen zu lassen.  Jetzt, wo zumindest der Rasling eine Verantwortungsart ist, könnte man es offizieller machen?!

Oder ist das eher nicht möglich, da durch andere Verantwortungsarten ja quasi jeder Buchenbestand solche Arten aufweist. Wird das Konzept durch banale Allerweltsarten nicht aufgeweicht / entwertet?

Zitat
Es wird eine zukünftigen Roten-Liste-Bearbeitung überlassen sein, eine zusätzliche Spalte "Verantwortung" einzufügen, und alle Taxa auf die deutsche Verantwortlichkeit hin einzustufen. Ich denke, dass dabei mehrere hundert Arten herauskämen, aber dass dies auch eine irrsinnge Arbeit bedarf (alleine die Ermittlung des prozentualen Anteils am Weltareal!!).

Andreas hat es genau so beschrieben, wie es eingetreten ist (nur die Zahl ist geringer geworden).

Für mich bleibt die Frage, was das Ganze jetzt nutzt - wofür die Verantwortungsarten verwendet werden können.

Zitat
Natürlich sind so Arten wie Königs-Röhrling oder wohl auch Herkules-Keule ebenfalls Verantwortungsarten für Deutschland, aber sie entsprachen eben nicht den zusätzlichen Kriterien

Ersterer hat es auf die neue Liste geschafft, die Herkuleskeule nicht.

Ich sehe die Erweiterung der Liste mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die nur 19 Arten fand ich seltsam, was ich ja auch vor ein paar Jahren zum Ausdruck brachte. Die Erweiterung der Liste begrüße ich daher natürlich - auch wenn ich nicht verstehe, warum so wenig Holzbewohner dabei sind. Dass aber Arten wie "Phellinus" pouzarii, der weltweit so selten ist, dass das Vorkommen im Bayerischen Wald allein eine hohe Verantwortung für die Art beinhaltet, fehlt, während Lactarius subdulcis und Lactarius blennius auf der Liste sind, kann ich fachlich nicht verstehen (und weitere, sehr häufige Arten).

Ich hatte immer gehofft, dass man das Manko, dass kein Pilz als FFH-Art anerkannt wurde, über die Verantwortungsarten ausgleichen kann. Offenbar war ich hier immer schon auf dem falschen Dampfer.

Ich zitiere aus der DGfM-Website:

Zitat
2014 wurden im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) die ersten 19 Großpilze als Verantwortungsarten publiziert. Weitere Arten wurden 2016 in der neuen Roten Liste der Großpilze Deutschlands ausgewiesen. Sie könn(t)en in Deutschland naturschutzrechtlich den FFH-Arten gleichgestellt werden.

Ist das, was ich hervorgehoben habe, geplant? Oder können sie es? Und ist es wirklich realistisch, zu glauben, dass auch Allerweltsarten, die in naturfernen Forsten vorkommen (sofern da eine Buche steht) den gleichen Status wie FFH-Leitarten (die wertvolle Biozönosen anzeigen sollen) erhalten können?

Ich bin gespannt. Ausgewiesen ist die Liste schon länger. Ob sich was dadurch getan hat? Ich erkenne es jedenfalls nicht.

Schade irgendwie.

Was das Lyophyllum angeht, verweise ich wohl lieber nicht auf den Status als Verantwortungsart, sondern direkt darauf, dass es das einzige, in Deutschland bekannt Myzel der Art ist (bzw. die einzigen zwei - es gibt in Tutzing zwei nahe Myzelien) - das erscheint mir griffiger.

Liebe Grüße,
Christoph

 
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Liebe Foristi,

ich beschäftige mich ja ab und zu mit Pilzen an / auf Flechten. Sehr auffällig sind m.E. flechtenfressende Athelia-Arten. Athelia arachnoidea gehört beispielsweise dazu - sie wächst auch an stehenden Bäumen, bildet ihre Fruchtkörper auf den Flechten und frisst diese auf. Anhand ihrer zweisporigen Basidien ist diese Art leicht kenntlich (neben der Sporenform und - größe) - wenn sie fertil ist. Allerdings findet man Athelia arachnoidea auch am Boden an diversem Substrat. Obligat flechtenfressend ist sie also wohl nicht.

Im Nationalpark Bayerischer Wald habe ich an einem Sukzessionprojekt an Windwürfen gearbeitet. Kurz nach dem Fall der Bäume kamen schon die Athelien und knabberten an den nun unterseits im Schatten sich befindenden Flechten an den Fichtenstämmen. Meist waren die Athelien steril, manchmal hatte ich aber Glück und fand Basidien / Sporen und kam dann in der Gruppe rund um Athelia epiphylla heraus (namentlich beispielsweise Athelia salicum).

Im letzten Winter fand ich dann hier bei mir in der Nähe, genau gesagt in Fürstenfeldbruck im Park gegenüber vom Kloster Fürstenfeld, wieder eine schöne Athelia an Flechten - diesmal am lebenden, aufrecht stehenden Baum. Die Athelia wächst dabei meist kreisrund und dünnt in der Mitte wieder aus, woher der Name Athelia centrifuga herrührt. Man sieht auch schön, dass sich winzige Sklerotien bilden. Diese bestehen aus unreifen Büscheln junger Basidien - also aus Probasidien nebst Subhymenium / Trama, aber allesamt steril. Ich vermute, dass diese Mikrosklerotien als Verbreitungseinheiten dienen (über Tiere? Über Wind?).



Oben: viele, winzige Sklerotien, die hier wie kleine, weiße Punkte erscheinen





Sehr junger Überzug, noch ohne Sklerotien (natürlich steril)

Athelia "centrifuga" ist eine Sammelbezeichnung für sterile Athelien an lebenden / absterbenden Flechten - es verbergen sich also mehrere Arten dahinter (Ath. epiphylla, Ath. salicum, Ath. arachnoidea usw.). Genauer bestimmen kann man die Arten anhand der Mikrosklerotien meines Wissens nicht.

Es gibt sogar eine Athelia, von der man keine Hauptfruchtform kennt: Athelia rolfsii = Sclerotium rolfsii. Sie bildet ebenfalls diese Mikrosklerotien aus, ist aber ein Pflanzenparasit (an Tomaten, Zwiebeln, diversen anderen Nutzpflanzen...).

Der Lebenszyklus der Flechtenfresser ist noch nicht bekannt - gehen die genannten Arten immer an Flechten? Warum gibt es sie dann auch in der Streu an Ästchen etc.? Oder sind sie nur potentiell licheniphag und bilden nur an Flechten die Sklerotien aus, an anderen Substraten aber friedlich normalen Fruchtkörper - oder ist es nicht die Flechte, sondern die Alge, die sie anzieht? Und sind sie auch am Boden auf Algen fixiert?

Es gäbe viel zu forschen, doch wer interessiert sich für Athelien? Vielleicht kann ich ein bisserl anregen, auf diese Flechtenfresser zu achten. Die Fotos stammen aus dem Dezember 2015.

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Jahreswechsel
« Letzter Beitrag von Christoph am 2. Januar 2018, 23:41 »
Liebe Rosi,

auch dir und allen Forenlesern - und schreibern ein gutes neues Jahr und viele interessante und tolle Funde in der kommenden (bzw. noch laufenden) Pilzsaison.

Liebe Grüße,
Christoph

(und danke für die Blumen!)

P.S.: Flammulina an Rubus, das ist wirklich interessant - an dem Substrat hattge ich noch keine Flammulina
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Plattform für Pilzfreunde / Jahreswechsel
« Letzter Beitrag von Marie am 2. Januar 2018, 15:39 »
Grias' eich, liebe Forumbesucher

ich wünsche Euch ein gutes, erfolgreiches neues (Schwammerl) Jahr 2018 und möchte mich bei den beiden Hauptakteuren Rudi und Christoph, mal besonders bedanken für die tollen Bilder und Beiträge, von denen ich immer sehr viel lernen kann, bitte weiter so... :-*

Liebe Grüße, Rosi

P.S: hatte einen Samtfuß an Himbeere im Garten, hoffe das es mit dem Bild geklappt hat
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Expertenforum Mykologie / Re: Ramaria cf flavoides
« Letzter Beitrag von Beorn am 1. Januar 2018, 16:37 »
Hallo, Josef!

Ein frohes Neues Jahr zunächst Mal!
Für deine Einschätzung schon jetzt ein Dankeschön, dieser Fund scheint ja nicht so ganz einfach einzuordnen zu sein. Mir fehlt freilich viel erfahrung, nicht nur in der mikroskopischen, sondern auch in der makroskopischen Betrachtung der Merkmale bei der Gattung. Einfacher wird's auch nicht, wenn man die Fruchtkörper dann nicht am Standort sehen und untersuchen konnte.

Die Frage ist halt, wie verlässlich die Untersuchung des Mycelfilzes außen an der Strunkbasis gegenüber "richtigen" Rhizomorphen ist, oder ob ich die gelifizierten Bereiche in der Trama einfach nicht gefunden hatte.

Insofern ist das Exsikat, was ich habe, vielleicht auch nicht das Beste zum Untersuchen, verschicken kann ich es natürlich trotzdem.
Ideal wäre es wirklich, den Pilz im kommenden Jahr nochmal beobachten zu können. Ich werde mal zusehen, mit meinem Vereinskameraden mal der Stelle einen Besuch zum richtigen zeitpunkt abzustatten.


Liebe Grüße,
Pablo.
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Dezemberpilze
« Letzter Beitrag von Rudi am 31. Dezember 2017, 17:28 »
Sehr gute Idee, Christian!

Safthyphen, das können gut die Strukturen auf den Lamellen(7202l8) sein. An den Schneiden gibts, zwar selten, aber dann in Büscheln die roten Cheilozystiden(7241l8). Meist sind diese CZ hyalin und immer spitz zulaufend(7238l8).
Leider finde ich da auch nix :'(

Zum Beschluß statt Böller noch ein herzlicher österreichischer Gruß

LG Rudi
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Dezemberpilze
« Letzter Beitrag von Älbler am 31. Dezember 2017, 14:36 »
Hallo Rudi,

kannst du deine Mikrobilder etwas kommentieren? Das auf den Bildern 6 und 7 sieht aus wie Safthyphen. Dein Fund könnte in Richtung Hydropus gehen.

Viele Grüße
Christian
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Dezemberpilze
« Letzter Beitrag von Rudi am 31. Dezember 2017, 00:12 »
Jetzt gehts zu Ende.
Gestern hab ich in einem Tropenhaus was komisches gefunden.
Schaut aus wie ein Gymnopus mit hellem Sporenpulver, aber mit roten Schneiden. Die entsprechenden roten Zystiden sitzen an Lamellenschneide und- fläche.
Beim ersten Bild ist leider sehr viel heiße Luft dabei...
Sporen elliptisch 7-9x5-6µ, hyalin
Hab keine Ahnung, was das soll. vermutlich tropisch...
Vielleicht kann mir ja jemand auf die Sprünge helfen??

LG und rutscht vorsichtig! Rudi
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BMG e.V. / Re: Update Forum
« Letzter Beitrag von Rainer am 29. Dezember 2017, 11:25 »
Ist ja auch das Standard-Layout, unverändert. ;)

LG
Rainer
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