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Servus Gernot,

wow, was für phantastische Fotos - inklusive der Mikrofotos! Die Asteromassaria macrospora habe ich, denke ich, des öfteren gesehen (das kommt mir extrem bekannt vor), aber ich habe noch nie reinmikroskopiert. Werde ich heuer mal nachholen (guter Vorsatz für dieses Jahr).

Den Neolentinus wirst du sicherlich des öfteren finden - ich finde den gar nicht so selten. Phellinidium pouzarii und Pseudoplactania melaena kenne ich aus Bayern nur aus dem Nationalpark Bayerischer Wald. Für ersteren ist es auch der einzige - letzte - bekannte Wuchsort in Deutschland.

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)
« Letzter Beitrag von Gernot am 3. Januar 2018, 20:05 »
Hallo,

angeregt durch Christophs Jahresrückblick möchte ich auch noch einige Fotos von österreichischen Funden aus dem durchaus erfolgreichen vergangenen Pilzjahr zeigen. Ich beschränke mich auf lignicole Arten, da diese ja gut zum Schwerpunkt dieses Forums passen.  :)


Lignicole Pilze 2017


Ich beginne mit ein paar Kleinpilzen, die ich alle im Winter und Frühjahr gesammelt habe. Oftmals offenbart erst der Blick ins Mikroskop die große Schönheit dieser Arten! Ich kann deshalb nur jedem empfehlen, sich in der "pilzarmen" Zeit näher damit zu beschäftigen.  ;)

Pseudovalsa umbonata: Makroskopisch ziemlich unscheinbare Art auf berindeten Quercus-Ästen mit charakteristischen Sporen.






Massaria anomia: Wächst auf berindeten Robinien-Ästen. Am Makrofoto sind die gelblichen, kreuzförmigen Ostiolenbereiche dargestellt.






Eutypa crustata: Ich finde diese Art immer wieder im Frühjahr im Bast von abgestorbenen, eher dünnen Ästen von Ulmus laevis. Insgesamt scheint sie aber nur selten berichtet zu werden. Man beachte die stark gekrümmten Sporen!








Asteromassaria macrospora: Eine relativ häufige Art auf Fagus-Ästen, deren Rinde durch den Pilz kleinflächig durchbrochen wird. Oft findet man sexuelles und asexuelles Stadium nebeneinander – beim Makrofoto sieht man links oben einen schwarzen Filz (= asex. Stad.), rechts oben einen schwarzen Filz + schwarze Kugeln (= asex. Stad. + unreifes sex. Stad.) und rechts unten nur schwarze Kugeln (= reifes sex. Stad.). Sowohl die großen Ascosporen als auch die riesigen, sichelförmig gekrümmten Konidien sind eine Augenweide.








Eutypella dissepta: Eine weitere typische Art auf toten Ulmus-Ästen. Sie ist durch die großen, allantoiden Sporen gut gekennzeichnet.








Pseudophacidium ledi: Ein interessanter Nachweis in ca. 1850 m Seehöhe, auf einem Ast von Rhododendron ferrugineum, der direkt am Rand eines Schneefeldes lag. Die unreifen Apothecien haben einen schwarzen "Deckel", der sich bei Reife abhebt und die Fruchtschicht freilegt.








Biscogniauxia granmoi: In den südlichen Murauen, von wo auch der abgebildete Fund herstammt, ist die Art sehr häufig und fast überall zu finden, wo es auch den benötigten Wirt (Prunus padus) gibt.





Nun zu den Großpilzen. Am 1. April (kein Scherz) machte ich mich gezielt auf die Suche nach dem Gestielten Tannen-Schwarzborstling (Pseudoplectania melaena), den ich in einem Naturwald (Buche, Tanne, Fichte) nahe der steirisch-niederösterreichischen Grenze finden konnte. Diese Art wurde zum Gefährdeten Pilz des Jahres 2018 für Österreich gewählt.



Im selben Wald fand ich auf einem liegenden Picea-Stamm Neolentinus adhaerens (Harziger Sägeblättling), ein weiterer persönlicher Erstfund, obwohl die Art ja eigentlich nicht so selten sein soll.


 
Ein abschließendes Highlight war dann noch dieser Fruchtkörper von Phellinidium pouzarii (Duftender Feuerschwamm) an einem liegenden Abies-Stamm. Die Art ist aus diesem Gebiet bereits bekannt, weitere österreichische Nachweise gibt es wohl nur im Urwald Rothwald. Der Duft dieses Pilzes ist mitunter schon aus mehreren Metern Entfernung wahrzunehmen.



Im Juni war ich in einem totholzreichen Schluchtwald unterwegs, in dem ich die nachfolgende Art schon seit einigen Jahren beobachte. Sie wächst auf liegendem, entrindetem Laubholz (dickere Äste und Stämme), das an periodisch überschwemmten Bereichen oder direkt im Wasser liegt. Diese ökologischen Ansprüche sind charakteristisch für Miladina lecithina (Uhrglasförmiger Bachbecherling), die an entsprechenden Standorten in der Steiermark gar nicht so selten ist.





Im Juli fand ich dann im Burgenland einen jungen Fruchtkörper von Ganoderma resinaceum (Harziger Lackporling) an einem stark vermorschten Quercus-Strunk:





Nun wieder in der Steiermark, kam mir im August dieser interessante Tintling in der Stammwunde einer lebenden Buche in einem naturnahen Kalk-Buchenwald unter. Besonders auffällig war die sehr zähe Konsistenz der Fruchtkörper, die auch nach Stunden trotz sommerlicher Hitze nicht zerflossen. Es handelt sich um Coprinopsis mitraespora/spelaiophila mit dem passenden deutschen Namen Baumhöhlen-Fasertintling (danke an Andreas Melzer für die Bestätigung).



Im selben Monat ging es dann zum Tag der Artenvielfalt des Nationalparks Hohe Tauern im Defereggental (Osttirol). Dort suchten wir den Oberhauser Zirbenwald auf – der größte zusammenhängende Zirbenwald der Ostalpen und ein Naturwaldreservat, also für Pilze ein besonders spannendes Gebiet:



Es sind dort auch immer wieder ältere bis uralte Lärchen eingestreut, und auf einer davon fand ich Fomitopsis/Laricifomes officinalis (Lärchenbaumschwamm) (in nicht erreichbarer Höhe):



Wir machen einen Sprung zur Arbeitswoche der ÖMG im Böhmerwald Mitte September. Am ersten Tag fanden wir an einem abgeschnittenen Eschenstrunk winzige Fruchtkörper von Lentinus tigrinus (Getigerter Sägeblättling), am letzten Tag sahen sie so aus (die Fruchtkörper sind also ziemlich genau sechs Tage alt):



Abschließend ging es im Oktober wieder für eine Woche nach Vorarlberg zu Isabella und Werner Oswald, und wie eigentlich jedes Jahr waren auch 2017 wieder Arten dabei, die schon seit langer Zeit ganz weit oben auf meiner persönlichen Wunschliste stehen – wie der Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis):





Schöne Grüße
Gernot
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Jahresrückblick 2017
« Letzter Beitrag von Christoph am 3. Januar 2018, 18:07 »
Servus Gernot,

die Trollhandfotos sind sagenhaft schön! Danke für's Nachliefern / Zeigen  ;)

Ich habe unsere gemeinsame Exkursion auch genossen und freue mich auf ein Wiedersehen bei der ARGE (oder zu anderen Anlässen).

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Jahresrückblick 2017
« Letzter Beitrag von Gernot am 3. Januar 2018, 17:27 »
Servus, Christoph,

schöne Ein- und Rückblicke, danke fürs Zeigen! Die Camarops würde ich auch gerne einmal finden. Zur Arbeitswoche der ARGE kann ich vielleicht noch ein bisschen was Ergänzendes berichten. Zunächst einmal haben wir ja wohl den bestmöglichen Tag erwischt, um bei euch vorbeizuschauen – die Trollhand wollte ich immer schon einmal finden und dann taucht sie genau bei unserem Besuch auf. Hätte mich schon geärgert, wenn ich erst nachträglich davon erfahren hätte… In einer kleinen Gruppe suchten wir den Standort nochmals auf und konnten einige weitere Fruchtkörper finden und fotografieren.





Die Trollhand parasitiert ja auf Hymenochaetopsis (Pseudochaete/Hymenochaete) tabacina, die in den entsprechenden Weidengebüschen reichlich vorhanden war, interessanterweise aber nicht direkt bei den oben gezeigten Trollhand-Fruchtkörpern. Bisher gab es in Österreich wohl nur einen einzigen Fund der Trollhand (1978, nördlich von Graz, leg. J. Riedl).

Ein toller Fund war dann auch Hemipholiota heteroclita, die in unmittelbarer Nähe der Trollhände wuchs. Für mich ebenfalls ein Erstfund. An dem aufdringlich süßlichen Geruch ist die Art leicht zu erkennen.





Der gemeinsame Exkursionstag war ebenfalls sehr schön und ich freue mich schon auf die heurige Woche, wenn ich euch hoffentlich wieder besuchen kann. :-)

Schöne Grüße
Gernot
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Danke Thomas  :)

LG
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Verantwortungsarten
« Letzter Beitrag von Christoph am 3. Januar 2018, 13:38 »
Servus Peter...

Zitat
Er wurde im September 2017 bei Olching gefunden und kartiert.

wow, das freut mich ungemein. Danke für die Info!

Es wäre super, wenn du als Zuständiger (Fachausschuss der DGfM) auch auf meine (kritischen) Fragen / Bemerkungen eingehen könntest (hat natürlich Zeit):

Zitat
Warum jedoch extrem häufige Arten wir Lactarius blennius oder Lactarius subdulcis gewählt wurden, verstehe ich allerdings nicht (um nur zwei Arten als Beispiel zu nennen). Dann kann man ja alle Buchenmykorrhizapilze auswählen, die einen mitteleuropäischen Verbreitungsschwerpunkt besitzen?!

Zitat
Wird das Konzept durch banale Allerweltsarten nicht aufgeweicht / entwertet?

Zitat
Für mich bleibt die Frage, was das Ganze jetzt nutzt - wofür die Verantwortungsarten verwendet werden können.

Zitat
Und ist es wirklich realistisch, zu glauben, dass auch Allerweltsarten, die in naturfernen Forsten vorkommen (sofern da eine Buche steht) den gleichen Status wie FFH-Leitarten (die wertvolle Biozönosen anzeigen sollen) erhalten können?

Zitat
Ausgewiesen ist die Liste schon länger. Ob sich was dadurch getan hat?

Andreas erklärte ja:
Zitat
Es hat uns genau genommen beauftragt, unter allen möglichen Verantwortungsarten die Arten herauszufiltern und ausführlich vorzustellen, die den ZUSÄTZLICHEN Kriterien entsprechen, und denen deshalb Projektmittel aus dem Topf Verantwortungsarten zustehen.

Weißt du, was das bedeutet, dass diesen 19 Arten Projektmittel aus dem Topf Verantwortungsarten zustehen? Gibt/gab es Projekte für diese 19 Arten? Oder ging es nur um die Finanzierung der Autoren des Beiheftes?
Gibt es für die neu ausgewiesenen Arten jetzt keine Projektmittel?

Und zu guter Letzt als konkrete Frage: was sollen/können Kartierer in Bayern nun tun, wenn sie Verantwortungsarten wie Lactarius blennius oder Lyophyllum favrei finden? Sollte jeder Fundpunkt von Lactarius blennius an das LfU gemeldet werden?

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Jahresrückblick 2017
« Letzter Beitrag von Christoph am 3. Januar 2018, 13:24 »
Und nun Österreich Teil 2...

Das Schweinsohr ist natürlich immer wieder eine Schau.


Gomphus clavatus

In diesem Wald haben wir übrigens einen höchst interessanten Sarcodon gefunden, der publiziert wird. Daher zeige ich davon keine Bilder (es handelte sich um Sarcodon fennicus, den wir zunächst anders bestimmt hatten, aber die DNA...).

Wo Schweinsohren wachsen, da können auch Rußgraue Porlinge wachsen - Boletopsis leucomelaena ist verbreitet, aber nicht häufig. Ich habe ihn auch schon länger nimmer gesehen.


Boletopsis leucomelaena

Häufig, aber dennoch nett, wie ich finde, sind diese zwei Ritterlinge. Zuerst Tricholoma inamoenum, der leicht kenntlich ist durch seine Hutform, das Graubraun im Hut und den Geruch. Es soll aber davon zwei geben (unterschiedliche Sporenmaße) - hier war es aber das ganz typische Tricholoma inamoenum.


Tricholoma inamoenum

Nicht stinkend (im Gegensatz zu Tr. inamoenum), dafür aber brennend scharf schmeckend: Tricholoma virgatum. Ich kenne ihn fast  nur aus Kiefernwäldern, aber die Fichte soll der Hauptwirt sein. Nun, hier ist er brav aus dem Fichtenwald (am Zirbitzerkogel, Grenze zur Steiermark).


Tricholoma virgatum

Nicht aus Österreich, sondern aus der Umgebung von Gilching, ist Suillellus mendax. Es war heuer ein gutes "mendax-Jahr". Er war so häufig, dass ich ihn nebenbei bemerkt auch einmal gegessen habe. Er schmeckt gut, finde ich.  ;)


Suillellus mendax

Liebe Grüße,
Christoph

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Plattform für Pilzfreunde / Re: Jahresrückblick 2017
« Letzter Beitrag von Christoph am 3. Januar 2018, 13:14 »
Jetzt mache ich einen Sprung in den August. Ich war in Kärnten, genauer gesagt in Knappenberg, zum Jahrestreffen der ARGE Österreichischer Pilzberater - zusammen mit Irmgard Krisai-Greilhuber, Gernot Friebes und den aktiven Mykologen der ARGE.

Es wurden tolle Pilze gefunden, so auch die Trollhand, die ich so mal wieder in der Hand haben durfte (ich war bei der Exkursion aber nicht dabei und habe sie daher nicht im Gelände gesehen).

Ich fand aber auch selber interessante Schwammerl - wie beispielsweise einen Dachpilz, den ich auch schon hier im Forum vorgestellt habe.

Heute zeige ich aber ein paar andere Pilze. Zu allererst etwas unscheinbares an der Bärenschote, Astragalus glycophyllos. Es ist ein Mehltaupilz am Astragalus - Erysiphe astragali (musste aber mirkoskopiert werden, da mehrere Erysiphe-Arten an Astragalus vorkommen).




Erysiphe astragali

Russula illota, der Morsetäubling, ist hingegen sofort und einfach zu erkennen.  :D


Russula illota

Der Braune Lärchenröhrling, Suillus viscidus var. brunneus, hat mich auch gefreut. Ich wäre nicht überrascht, wenn er mal zu Artrang käme.



Suillus viscidus var. brunneus

Immer wieder gerne sehe ich auch die schönen Schwindlinge aus dem Marasmius-epiphyllus-Formenkreis. Hier habe ich Marasmius tenuiparietalis gefunden (er wird bisweilen mit Marasmius epiphyllus synonymisiert, aber das kann ich nicht ganz nachvollziehen).


Marasmius tenuiparietalis

Unstrittig hingegen ist der Flockenstäubling, Lycoperdon mammiforme. Ich habe ihn schon länger nicht mehr gesehen.


Lycoperdon mammiforme

Weitere Funde aus Österreich im Folgebeitrag  8)

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Plattform für Pilzfreunde / Jahresrückblick 2017
« Letzter Beitrag von Christoph am 3. Januar 2018, 13:02 »
Liebe Foristi,

ich habe ja bereits einige meiner Funde hier in diversen Threads vorgestellt. Nun stelle ich einfach mal einen - völlig subjektiv ausgewählten - Jahresrückblick 2017 zusammen. Manche Arten sind vielleicht banal, aber trotzdem freue ich mich, auch diese zu finden. Zudem habe ich meist von häufigen Arten keine Fotos.

Ich fange einfach mal im Februar 2017 an - bei mir in der Nähe habe ich eine Pilzwanderung für den VfP München geführt und unter anderem folgendes gefunden:

Polyporus brumalis ist natürlich nicht wegzudenken, wenn man eine Winterwanderung führt.


Polyporus brumalis

Findet man aber eine Tubaria, so ist es eben nicht immer Tubaria hiemalis, sondern wie hier eben Tubaria romagnesiana (wenn man die Art anerkennt).


Tubaria romagnesiana

Auch nicht so selten, aber oft nicht beachtet, ist der Harzige Sägeblättling, Neolentinus adhaerens.


Neolentinus adhaerens

Und als Farbtupfer zum Schluss zeige ich die wunderschönen Österreichischen Kelchbecherlinge, Sarcoscypha austriaca.


Sarcoscypha austriaca

Im April war ich zu Gast bei Boris Zurinski in Erlangen. Der Stadtname kommt vom Erl-Anger, und Erlen gibt es immer noch zu hauf in den großen Auwaldgebieten am Stadtrand. Vermutlich haben diese Wälder eine lange Habitattradition. Dementsprechend konnten wie hier Camarops polysperma finden. Boris hat einen weiteren Fundpunkt entdecken können und dort über die ganze Saison die Fruchtkörperentwicklung beobachten können. Das Exemplar hier ist vom Vorjahr und bereits deutlich mitgenommen.


Camarops polysperma

Sehr überrascht war ich von diesem ganz banalen Rauchblättrigen Schwefelkopf, der scheinbar bodenbewohnend im Auwald wuchs und den ich nicht sofort erkannte. Es war aber wohl Kiefernholz drunter - nur denkt man in einem von Erlen und Traubenkirschen dominierten Auwald nicht unbedingt an den Rauchblättrigen...


Hypholoma capnoides

Im Mai ging es auf eine weitere Wanderung des VfP München. Ich habe diesen Schleierling zwar schon ausführlich hier im Forum vorgestellt, aber er gefällt mir so gut, dass ich ihn einfach nochmal zeige: Cortinarius suberythrinus.


Cortinarius suberythrinus

Weiter im nächsten Beitrag  ;)



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Lieber Christoph,
kurz gesagt:
Super Beitrag. Danke!
LG
Thomas
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