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Plattform für Pilzfreunde / Pappelpilze
« Letzter Beitrag von Gernot am 14. Januar 2018, 18:32 »
Hallo,

die gestrige Exkursion in die Südsteiermark lieferte ein paar interessante Funde – kein Wunder bei dem schönen Pilzwetter (konstanter Schneeregen, dichter Nebel, 1–2° C). Vier davon, alle auf Espe (Populus tremula), möchte ich zeigen. Die ersten beiden Pilze wuchsen auf einem abgebrochenen Kronenbereich.

Sterellum rufum (= Peniophora rufa) (Orangeroter Pappel-Zystidenrindenpilz)





Ein ganz charakteristischer, wunderschöner und auch ziemlich seltener Pilz, der auf Populus (in Mitteleuropa wohl P. tremula) beschränkt ist. Beim vorliegenden Fund haben sich die Fruchtkörper mit großer Wahrscheinlichkeit im Luftraum entwickelt; vielleicht ist die Art – wie so viele "Luftraumpilze" – deshalb nicht immer leicht zu entdecken. Sterellum rufum verliert beim Trocknen übrigens schnell die intensive Farbe, wodurch die Fruchtkörper relativ unscheinbar werden. Passt die Witterung jedoch, ist die Art kaum zu übersehen!


Schizophyllum amplum (= Auriculariopsis ampla) (Judasöhrchen)



Wuchs vergesellschaftet mit Sterellum rufum. Nicht besonders selten aber immer wieder schön.


Heteroradulum kmetii (= Eichleriella kmetii)



Auf einem schon seit längerer Zeit am Boden liegenden Espen-Ast wuchs diese interessante Kollektion. Malysheva & Spirin (2017) zeigen, dass H. kmetii – früher oft mit Eichleriella deglubens (jetzt Heteroradulum deglubens) synonymisiert – eine eigenständige Art ist und sich von H. deglubens makroskopisch durch effuso-reflexe Fruchtkörper unterscheidet. Dies war bei meiner Kollektion ausgeprägt und kam mir schon am Standort komisch vor (die Vermutung auf Eichleriella/Heteroradulum war u. a. aufgrund des typisch dornigen Hymeniums bereits da). Im Mikroskop sieht man, dass die dickwandigen Skeletthyphen teilweise bis zu bzw. zwischen die Basidien reichen, was laut der oben erwähnten Arbeit ein weiteres Merkmal von H. kmetii sein soll. Auch die Ökologie stimmt mit den entsprechenden Angaben überein. Ich denke also, dass das insgesamt gut zu dieser Art passt. Falls sonst bereits jemand Erfahrung mit der Trennung dieser Taxa hat, würde ich mich natürlich sehr über eine Antwort freuen!


Phellinus tremulae (Espen-Feuerschwamm)







Mangels Kamera vor Ort musste ich leider auf das Handy zurückgreifen… Die Abgrenzung zu P. populicola wurde in diesem Forum ja schon ausführlich diskutiert. Ich hielt mich mit der Bestimmung an die Ausführungen in Ryvarden & Melo (2017), wonach die Fruchtkörperform und auch das flache Wachstum an bzw. unter toten Ästen (siehe letztes Foto) deutlich besser für P. tremulae passen. Mikroskopisch konnte ich nichts überprüfen, da ich die Fruchtkörper zu dieser Jahreszeit noch nicht ernten wollte.

Weitere mitgenommene Pilze waren Phaeomarasmius erinaceus und Cryptodiscus foveolaris an Castanea sowie vermutlich Triblidium caliciforme an Quercus-Borke (der muss noch unters Mikro).

Schöne Grüße
Gernot
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Plattform für Pilzfreunde / vorjährige Riesenboviste
« Letzter Beitrag von Schorsch am 14. Januar 2018, 18:03 »
Direkt unter einer Buche, die nur 2 Meter von einem abgeernteten Maisfeld entfernt stand, konnte ich am 9. Januar vorjährige Riesenboviste = Calvatia gigantea, früher Langermannia gigantea, als persönlichen Erstfund verzeichnen. Der Fundort befindet sich in einer Endmoräne südlich von München. Es handelte sich um sechs Fruchtkörper, die offensichtlich Wind und Wetter getrotzt hatten. Von weitem hatten sie wie große Maulwurfshügel ausgesehen. Der Größte maß über 30 cm, was man an dem 20cm Lineal gut erkennen kann.  Die feinwarzigen Sporen hatten einen durchschnittlichen Durchmesser von knapp 5µ. Die Capillitiumfasern waren bräunlich und größtenteils dickwandig.
Liebe Grüße Schorsch
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Januar-(Vor)Exkursion in die Amperauen bei Dachau
« Letzter Beitrag von Christoph am 14. Januar 2018, 15:04 »
Servus beinand,

ich hatte überlegt, ob ich die tollen Sporen von Lophiostoma viridarium zeichnen und vorstellen soll. Da es davon aber tolle Abbildungen im Internet gibt, verweise ich stattdessen auf ein paar Links:

Die Pilzflora von Ehingen lohnt sich sowieso immer:
http://www.pilzflora-ehingen.de/pilzflora/fotohtml/Lophiostoma-viridarium06.html
http://www.pilzflora-ehingen.de/pilzflora/fotohtml/Lophiostoma-viridarium04.html (hier sieht man das Grünen des Substrats sehr schön)

Auch einen Besuch wert ist immer wieder die Seite www.asturnatura.com - im konkreten Fall z.B.: https://www.asturnatura.com/fotografia/setas-hongos/lophiostoma-viridarium-cooke-2/12217.html

Als Beispiel einer der dortigen Abbildungen:
https://www.asturnatura.com/fotografia/setas-hongos/lophiostoma-viridarium-cooke-1/12216.html

Und als letztes noch ein Direktlink auf ein pdf eines Artikels zur Phylogenie von Lophiostoma (nebst Neubeschreibung einer neuen Gattung) - da wird Lophiostoma viridarium zwar nicht abgebildet, es macht aber schon allein Freude, die tollen Mikroskopaufnahmen anzusehen. Ich finde die Bilder einfach interessant und schön: http://www.fungaldiversity.org/fdp/sfdp/FD38-13.pdf

Viel Spaß beim Schmökern und Bilderanschauen.

Ich hoffe, dass wir bei der Exkursion diesen Pilz auch nochmal live anschauen, also finden können (ein Fund ist ja nicht mehr im Auwald, sondern bei mir daheim)  ;)

LG
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Ramaria cf flavoides
« Letzter Beitrag von Josef am 14. Januar 2018, 07:13 »
gut so machne wir es, josef
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Dacrymyces-Thread - alles rund um Gallerttränen
« Letzter Beitrag von Christoph am 14. Januar 2018, 02:37 »
Servus beinand,

ich habe lange gesucht, aber dann doch noch Sporen der Tulasnella gefunden. Es sind zwar nur wenige gewesen, aber die Form und Größe passen zu Tulasnella thelephorea.

Ich komme auf 6,5-8,5 x 3,75-4,75 µm (jeweils auf ein Viertel Mikrometer gerundet).

Roberts (1994): Globose and ellipsoid-spored Tulasnella species from Devon and Surrey, with a key to the genus in Europe. Mycol. Res. 98 (12): 1431-1452 zeigt, dass die Sporenmaße ziemlich variieren können, hat aber bei seinen eigenen Aufsammlungen meist kleinere Maße als beim Lectotypus.
Dieser hat Sporen von 6-9 x 4-6 µm, seine eigenen Kollektionen schwanken von (3,5-)5-6,5 x (3-)3,5-4 µm als Extrem und (6-)6,5-8,5(-9,5) x (3,5)4-5,5(-6,5) µm.
Da passen meine Maße ganz gut mit rein, finde ich.

Tulasnella thelephorea kommt zwar meist in "normalen" Corticioiden vor, Roberts (1994) gibt aber explizit an, dass sie auch in Dacrymyces (stillatus) vorkommt.

Es gibt zwar eine ganze Reihe von Tulasnella-Arten mit Schnallen, aber die wenigsten von ihnen wachsen im Hymenium von Gallertpilzen. Die Ökologie und die Sporenform passen sehr gut auf T. thelephorea.

Roberts (1994) gibt etwas schmalere Epibasidien an (die dafür bei ihm sehr lang auswachsen können), aber hier war die Tulasnella auch noch sehr jung. Die "Knubbel", die am dicksten waren, waren noch nicht ausgewachsen.

Bei Pilze-Deutschland (http://www.pilze-deutschland.de/organismen/tulasnella-thelephorea-juel-juel-1914) sind viele Funde in Nordbayern, Thüringen und Sachsen eingetragen. Man findet sie immer wieder,  wenn man Cortis anschaut. Wie häufig sie aber in Dacrymyces vorkommt, weiß ich allerdings nicht  ;)

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Januarpilze
« Letzter Beitrag von Rudi am 13. Januar 2018, 23:10 »
Danke euch beiden für den Beineid.
Hab sie ja auch beide heute erstmals im Freien gesehen...
Auf Gernots schätze freu ich mich auch ;D

LG Rudi
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Januarpilze
« Letzter Beitrag von Gernot am 13. Januar 2018, 22:31 »
Servus, Rudi,

sehr schön! Das Tausendblatt steht ganz weit oben auf meiner Wunschliste. *neid* Die Terana sah ich auch noch nie live.

War heute ebenfalls unterwegs und hab ein paar spannende Sachen gesammelt, muss mich morgen aber erst ans Mikro setzen. Vielleicht folgt dann noch ein Beitrag.

Schöne Grüße
Gernot
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Januarpilze
« Letzter Beitrag von Christoph am 13. Januar 2018, 21:54 »
Servus Rudi,

das Tausendblatt habe ich schon lang nicht mehr gesehen - klasse! Und den schönen blauen finde ich hier sowieso nicht. Das letzte Mal habe ich Terena in Italien vor vielen Jahren gefunden.

Ich habe heute "nur" eine Dacrymyces aufgesammelt, die ich nichtmal sauber bestimmen konnte   :'( (siehe im Dacrymyces-Thread).

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Dacrymyces-Thread - alles rund um Gallerttränen
« Letzter Beitrag von Christoph am 13. Januar 2018, 21:43 »
Servus Pablo,

ja, sieht sehr gut aus als Dacrymyces enatus:)

Liebe Grüße,
Christoph

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Liebe Dacrymyces-Freunde,

in dem Artenkomplex rund um Dycrymyces stillatus ist die Bestimmung teils sehr schwierig, wie ich finde. Hier ist immer noch viel zu tun.

Ich habe heute beim Gassigehen eine Gallertträne an einem Grauerlenast (Alnus incana, finalfaul - zwar noch berindet, aber das Holz ist so weich, dass man es mit zwei Fingern ohne Kraftaufwand plattdrücken kann) gefunden, die ich gleich mal vorstellen möchte. Sie tendiert zwar zum Zusammenfließen, aber erst sehr alt. Sie ist jeweils an einem Punkt am Substrat angewachsen, aber nicht gestielt.


Dacrymyces cf. minor - Fruchtkörper bereits etwas angetrocknet


Dacrymyces cf. minor - Fruchtkörper wieder aufgequollen


Dacrymyces cf. minor - Fruchtkörper wieder aufgequollen; der große Fruchtkörper knapp rechts der Mitte ist von Tulasnella cf. thelephorea befallen

Die Hyphen haben keine Schnallen. Die Tramahyphen haben einen Durchmesser von ca. 2,5-4 µm, die Septen erscheinen etwas eingeschnürt – es handelt sich also um Primärsepten, die sich gebildet haben, bevor die Zellen der Hyphen sich ein bisserl aufgebläht haben. Die Hyphen sind glatt, ohne Inkrustationen oder anderweitige Auflagerungen, etwas dickwandig bis dünnwandig erscheinend, aber auch dann offensichtlich steif, wenig biegsam.

Die Haare an der sterilen Unterseite der Fruchtkörper sind auch nur etwas dickwandig, deren Endzellen meist keulenförmig (wie Basidiolen von „normalen“ Basidiomyzeten) – jung sind sie auch banal zylindrisch, später aber eben keulenförmig.

Die Sporen sind reif dreifach septiert (je eine Spore, die bereits Konidien auskeimte, war vierfach respektive zweifach septiert). Die Septen waren meist verdickt, aber nur bis ca. 0,5 µm, gut sichtbar als dickes Septum, aber nicht so extrem, wie ich es von Dacrymyces stillatus s.str. kenne. Manchmal drücken große Vakuolen das Zellplasma so an die Septen, dass diese dadurch sehr dick erscheinen. Da muss man aufpassen... Die Sporenmaße wiederum ergaben (10-)11,5-13,2-14,5(-15,25) x (4,25-)4,75-5,1-5,75 µm; Q = (2,0-)2,2-2,60-3,0

Die Basidien sind ganz normal gabelig ausgeprägt; ich habe auch keinerlei Sekundärsepten gesehen. Die Epibasidien werden ziemlich lang (mindestens bis 50 µm), was aber auch normal ist.

Dikaryophysen fehlen bzw. ich habe keine gesehen.

Arthrokonidien: nicht gesehen (keine Anamorphe)

Hier meine Mikroskop-Notizen (Maße mal 0,95, mein Messokular ist nicht 1 : 1 kalibriert)







Zusammengefasst:
Sporen reif dreifach septiert (nur selten sogar bis 4-fach), Septen etwas verdickt (dicker, als ich sie von Dacrymyces capitatus kenne, aber weniger massiv, als bei typischer Dacrymyces stillatus.
Keine Schnallen, keine Dikaryophysen.

In den alten Fruchtkörpern steckt übrigens eine Tulasnella, die dort sehr massiv wird. Sie hat auffällige Schnallen und die Basidien entwickeln sich in Büscheln. Leider habe ich keine Sporen derselben gefunden – sie ist noch etwas zu jung. Nach Roberts & Piatek (2004): Heterobasidiomyecets of the families Oliveoniaceae and Tulasnellaceae from Poland. Polish Botanical Journal 49(1): 45–54 müsste es Tulasnella thelephorea sein, da es nur wenige Arten mit Schnallen gibt. Mir wäre es aber lieber, wenn sich das durch passende Sporenmaße bestätigen ließe. (P.S.: ich habe später Sporen gefunden - es passt - auch in Einklang mit Roberts (1994) - siehe nächster Beitrag in diesem Thread)

Zurück zur hier vorgestellten Kollektion. An Dacrymyces stillatus s.str. glaube ich nicht.

Im Vergleich – ich kenne Dacrymyces stillatus s.str. deutlich breitsporiger. Kollektion CH01/2013 von einem liegenden Fichtenast (als Beispiel): (10,5-)14,25-15-17 x 5,75-6,5-7,5 µm; Q = 1,8-2,26-2,8; die Sporensepten sind bis 2 µm dick. Bei dieser Kollektion hatte ich auch Dikaryophysen gefunden – sie entsprechen denen auf der Abb. 20b auf S. 93 in der Doktorarbeit von Göttel (1983):


Abb. 20b aus Göttel (1983: 93) - sorry für die schlechte Scan-Qualität

Göttel (1983) nennt diese Strukturen allerdings nicht Dikaryophysen.

Jedenfalls ist das für mich Dacrymyces stillatus s.str. - im Gegensatz zu meiner heutigen Kollektion.

Was bleibt als Alternativen?

Dacrymyces capitatus hätte größere Sporen und die kenne ich nur dünnwandig.

Dacrymyces minor würde hinsichtlich der verdickten Sporenwände passen. Was die Sporenmaße angeht, widersprechen sich die Literaturstellen etwas bis sehr deutlich (was in der Gruppe immer wieder auffällt):

Kennedy (1958) gibt an: 8-15 x 3-4(-6) µm

McNabb (1973) gibt an: 8-14(-15,5) x 3,5-5(-6) µm

Reid (1978) gibt an: 10,2-13,75(-16) x 4-4,5(-5) µm – er gibt auch das bilden eines vierten (bis fünten) Septums bei überreifen Sporen an

Göttlein (1983) gibt an: 13-15 x 5-7 µm

Shirouzu et al. (2009) geben an: 12,5-18 x 5-9,5 µm (kein Tippfehler!)

Dacrymyces minor wird also entweder als schmalsporige Art interpretiert (Kennedy, McNabb, Reid) oder als ziemlich bis deutlich breitsporig (Göttlein, Shirouzu et al.). Die japanische Interpretation dürfte allerdings wohl kaum das Gleiche sein. Dacrymyces minor wurden von Peck aus den USA beschrieben und Kennedy hat den Typus von Peck studiert (bzw. hat die Art lectotypisiert). Insofern ist eine schmalsporige Interpretation das, was dem Originalkonzept entspricht.

Bleibt Dacrymyces lacrymalis als Möglichkeit. Abgesehen davon, dass hier die Fruchtkörper größer, dreidimensionaler und schon bald (und nicht erst ganz alt, wenn sie von Parasiten befallen werden) gyrös werden, passt hier auch die Verdickung der Sporensepten nicht – wobei ich hier kaum Eigenerfahrung habe. Die Interpretation von Dacrymyces lacrymalis fällt mir schwer.

Ich würde meine Dacrymyces daher erstmal als Dacrymyces cf. minor bezeichnen.

Viel zu oft habe ich nach der ersten Sichtung (Sporen dreifach septiert, keine Schnallen), die aufgesammelte Gallertträne wieder „entsorgt“. Jetzt werde ich das ganz sicher nicht mehr tun.

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Januarpilze
« Letzter Beitrag von Rudi am 13. Januar 2018, 14:37 »
Neues Jahr, neues Schwammerlglück.

Die Fundstelle des Blauen Rindenpilzes sowie Tausenblatt und Harzigen Sägeblättling verdanke ich Dirk Arlinghaus.

LG Rudi
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