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Servus Hias,

besten Dank für das Update! Habs schon in die Liste eingebaut  :)

Liebe Grüße,
Christoph
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Parra (2008) hat in seiner Monographie der Gattung Agaricus ein eigenes Kapitel zur Essbarkeit/Giftigkeit von Champignons geschrieben. Das ist jetzt bereits 10 Jahre her, aber ich weiß nicht, wer alles Zugriff zu dieser Monographie hat. Aus diesem Grunde fasse ich hier die Inhalte, die Parra (2008) publiziert hat, zusammen.

So kann jeder Pilzberater / Pilzsachverständige auf die Zusammenfassung zugreifen. Natürlich lohnt sich die Lektüre des Originals, denn eine Zusammenfassung ist nur eine Zusammenfassung… Zudem zitiert Parra (2008) auch die Originalquellen, aus denen wiederum er kompiliert hat.

Parra (2008) unterscheidet zwischen natürlicher Giftigkeit und der Giftigkeit aufgrund von aus dem Boden aufgenommen Schwermetallen und anderen exogenen Substanzen.  Bei der natürlichen Giftigkeit unterscheidet er zwischen direkter Giftwirkung und einer verzögerten Wirkung. Letztere betrifft insbesondere das Erregen von Krebs oder Mutationen. Insofern wäre es wohl besser, von deterministischen und stochastischer Wirkung zu sprechen.

Deterministische Wirkung bedeutet, dass man bei Aufnahme einer genügend hohen Dosis an Giften eine Wirkung erwarten kann (hier greift der Spruch von Paracelsus – die Dosis macht das Gift).

Stochastische Wirkung besagt, dass es keine Wirkgrenze gibt, sondern nur das Risiko zu erkranken mit steigender Dosis ansteigt. Man kann Kettenraucher sein und keinen Lungenkrebs bekommen, aber je mehr man raucht, umso höher ist das Risiko, ihn zu bekommen – man kann aber auch Glück haben.

1. Akute natürliche Giftigkeit (deterministische Toxizität)

Wie allgemein bekannt ist, gelten die Arten der Sektion Xanthodermatei als toxisch. Als Gifte gelten Phenol und p-Quinol sowie Hydrochinon (1,4-Dihydroxybenzol). Die Latenzzeit beträgt zwischen 15 Minuten und 4 Stunden, die Symptome sind Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall und Kopfschmerzen –unangenehm, aber ohne dauerhafte Schäden zu verursachen (abgesehen davon, dass die Verbindungen nicht gerade als gesund erachtet werden).

Man sollte aber auch wissen, dass nicht alle Mitglieder dieser Sektion in der Stielbasis gilben müssen. Es gibt auch Arten, die deutlich röten und nicht gilben, andere machen beides. Allen gemein ist der frisch (fast) fehlende Geruch, der sich später v.a. in der Stielbasis zu dem typischen Tintengeruch intensiviert.

2. Verzögerte natürliche Giftigkeit (stochastische Toxizität)

Hier wird es m.E. schon sehr interessant. Der Begriff Agaritin wird ja den meisten bekannt sein. Es geht genau genommen um das (beta-N(gamma-L-(+)-Glutamyl)-4-(Hydroxymetyl)-Phenylhydrazin, welches zu teils gefährlicheren Substanzen verstoffwechselt wird. Als am gefährlichsten gilt das 4-(Carboxy)-Phenylhydrazin (kurz GCPH) neben weiteren Derivaten. Im Tierversuch wurde damit Lungen-, Blut- und Lymphgefäßkrebs ausgelöst.

Manche Arten enthalten recht extreme Mengen an Agaritin (über 1 Gramm Toxin pro kg Frischpilz).

Beispiele:
Agaricus bohusii: 4445 mg/kg
Agaricus dulcidulus: 4100 mg/kg
Agaricus augustus (!): 3995 mg/kg
Agaricus arvensis: 3626 mg/kg
Agaricus sylvicola: 2605 mg/kg

Zum Vergleich:
Agaricus bisporus und Agaricus bitorquis: 165-457 mg/kg

Stichproben aus dem Handel ergaben für Agaricus bisporus Mengen von 212-229 mg/kg und bei Dosenchampignongs nur 26 mg/kg

Insgesamt konnte bei 24 Arten ein Toxingehalt von über 1g/kg (1000 mg/kg) nachgewiesen werden: 17 davon aus der Sektion der Anisegerlinge, 5 aus der Sektion Bivelares, eine Art aus der Sektion Chitonioides (Agaricus gennadii) und eine aus der Sektion Agaricus selbst (dies ist Agaricus chionodermus = Agaricus altipes var. veneris).

Generell sollen auch vor allem die Wiesenegerlinge (bei überreifen Fruchtkörpern) sehr hohe Agaritin-Mengen erreichen können.

Parra (2008) rät daher insgesamt davon ab, rohe Egerlinge, insbesondere wild gesammelte, zu häufig zu verzehren. Einfrieren und/oder Kochen reduziert den Agaritingehalt.
Es fehlt allerdings eine groß angelegte Studie zur Cancerogenität von Agaritin und dessen Derivaten, sodass man hier nur auf die Ergebnisse der Tierversuche zurückgreifen kann.

3. Toxizität aufgrund der Absorption von exogenen Substanzen

Hier geht es vor allem um die Aufnahme und Anreicherung von Cadmium, Quecksilber und Blei. Alle genannten Werte beziehen sich auf mg Toxin pro kg Trockenmasse des Pilzes.

Die höchsten Mengen an Blei wurden erreicht von

Agaricus sylvaticus (10,4 mg/kg), Agaricus bitorquis (5,9 mg/kg), Agaricus sylvicola (4,7 mg/kg) und Agaricus augustus (4 mg/kg).

Die größten Quecksilberanreicherungen sind bekannt von

Agaricus bresadolanus (29,2 mg/kg), Agaricus bitorquis (7,1 mg/kg) und Agaricus urinascens (= A. macrosporus; 6,5 mg/kg).

In Bezug auf Blei und Quecksilber hängt der Gehalt stark von der Bodenbelastung ab. Es wurde diskutiert, ob man Agaricus-Arten als Bioindikatoren für Bodenbelastung mit Blei verwenden könne. Beim Cadmium sieht es (leider) anders aus, denn auch auf nicht belasteten Böden können recht hohe Mengen aufgenommen werden. Die Anreicherung im Vergleich zum Boden kann den Faktor 400 erreichen.

Rekordhalter ist Agaricus urinascens mit bis zu 103 (einmal 391) mg Cadmium / kg. Bei Agaricus arvensis, Agaricus augustus und Agaricus sylvicola wurden zwischen 25 und 40 mg/kg gemessen.

Als Vergleich: Lactarius deliciosus erreicht 0,23 mg/kg und Macrolepiota procera 1,57 mg/kg

Interessanterweise wird Agaricus sylvicola (inkl. A. abruptibulbus) durch Cadmium im Boden zum Fruktifizieren angeregt.  Bei Agaricus urinascens wurde das Phosphoglucoprotein „Cadmium-Mycophosphatin“ entdeckt, welches bei der Cadmium-Resorption durch den Pilz eine Rolle spielt. Kurz gesagt: die Anis-Egerlinge sind Cadmiumsammler, insbesondere Agaricus urinascens, aber auch die anderen Arten.

Die WHO rät, pro Woche maximal 0,5 mg Cadmium, 0,3 mg Quecksilber und 3 mg Blei aufzunehmen.

Das bedeutet, dass bereits 11,5 Gramm von Agaricus urinascens ein Errreichen dieser Schwelle bedeuten kann. Parra (2008) drückt es ganz konkret so aus: 200 bis 400 Gramm verzehrte Wild-Champignons (außer A. urinascens) pro Woche reichen in Bezug auf die meisten Egerlingsarten, die WHO-Grenzwerte zu erreichen.

Bei kultivierten Egerlingen sind die Schwermetallbelastungen deutlich geringer (anderes Substrat und nur wenige Arten, darunter keine Anisegerlinge). Wild gesammelte Zuchtegerlinge (Agaricus bisporus) erreichen auch nur 1,5 mg/kg Cadmium, 5,1 mg/kg Quecksilber und 1,7 mg/kg Blei.

Parra (2008) berichtet zudem von den (wohl auch den meisten bekannten) allergischen Reaktionen bei Zuchtegerlingen, vor allem roh genossen. Er erwähnt aber noch einen kuriosen Fall, bei dem eine Patientin eine Sucht nach rohem Agaricus bisporus entwickelt hat. Am Ende verzehrte sie täglich ein halbes Kilogramm roh – der Entzug löste Angstattacken, Nervosität sowie Depressionen aus, der daraufhin wieder zum Verzehr gegebene Zuchtegerling stoppte die Entzugserscheinungen und sorgte für ein starkes Gefühl der Befriedigung, Entspannung und Euphorie. Man kann offenbar auf alles süchtig werden.

Fazit:

Vor allem Anisegerlinge nehmen hohe Mengen an Schwermetallen auf – und nicht nur auf belasteten Böden (Cadmium betreffend). Zudem weisen manche Arten hohe Werte des als mutagen / krebserregend eingestuften Agaritins (bzw. dessen Metabolite) auf. Agaricus augustus und Agaricus sylvicola / abruptibulbus gehören vermutlich zu den häufiger verzehrten Arten – sie haben teils sehr hohe Mengen an Agaritin.

Ich selber meide die gilbenden Arten eh – da mir die Farbpigmente nicht geheuer sind, chemisch gesehen – aber auch hinsichtlich der Cadmium-Belastung und des Agaritins sind sie nicht gerade einladend als Speisepilze. Man kann die zehnfache Menge an Zuchtegerlingen verzehren (in Bezug auf Agaritin), um die gleiche Belastung zu erzeugen. Und was Cadmium angeht, noch deutlich mehr.

Agaricus urinascens (=A. macrosporus) wiederum sollte m.E. als Speisepilz gestrichen werden – die Cadmiummengen sind hier dermaßen hoch, dass dieser Pilz vieles ist, aber jedenfalls nicht gesund.


Literatur:
Parra L.A.S. (2008): Agaricus L., Allopsalliota Nauta & Bas., Tribu Agaricaceae S. Imai, Part 1. Fungi Europaei 1.

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus Schorsch,

sehr gerne doch  ;)

und besten Dank für die lieben Glückwünsche. Habe trotz des Deutschlandspiels gut feiern können  :D

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Kartierungswochenende der BMG und des VfP München
« Letzter Beitrag von Hias am 17. Juni 2018, 13:08 »
Servsus beinand,

und hier noch ein Nachtrag aus dem Schilfgestrüpp im Seeholz:
Albotricha acutipila (P. Karst.) Raitv. (Spitzhaariges Schilfbecherchen)



Link zur Doku

Beste Grüße
Hias
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Danke und alles Gute zum Geburtstag
Schorsch
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Servus Schorsch,

zunächst nochmal zu dem Epitheton erythropus.

Ich persönlich (und das ist eine reine Meinungsäußerung) finde es aus nomenklatorischer Sicht völlig unsinnig, dass zwei unterschiedliche Pilzarten sich ein Epitheton teilen (bei gleicher Urheberschaft):

nach Somini et al. (2017) ist

Boletus erythropus Pers.: Fr. der Flockenstielige Hexenröhrling,

während

Neoboletus erythropus (Pers.: Fr.) Hahn der Glattstielige Hesxenröhrling sein soll.  :-X

Hintergrund: In der Gattung Boletus hat Fries den Namen Boletus erythropus sanktioniert und meinte damit den Flocki. Dieser Gebrauch hat sich lange Zeit unwidersprochen bewährt, bis zwischendurch Boletus luridiformis ausgegraben wurde. Da wurde das erste Mal diskutiert, ob man nicht diese - allerdings jüngere - Beschreibung nehmen sollte, da Persoon eventuell nicht den Flocki meinte, als er Boletus erythropus Persoon beschrieb.
Das wurde dann beigelegt und es wurde trotzdem weiter Boletus erythropus für den Flocki verwendet.

Als dann die Gattungen aufgesplittet wurden, haben die Autoren sicherheitshalber Boletus luridiformis als Typus der neuen Gattung Neoboletus angegeben, da sie vermutlich Sorgen hatten, dass rein theoretisch, wenn sie Boletus erythropus genommen hätten, das nachträglich wegen Persoons Originalinterpretation seiner Art doch zu einer anderen Gattung gehören könnte (zu Suillellus).

Den Plan, Boletus erythropus durch Boletus luridiformis zu ersetzen bzw. statt Neoboletus erythropus Neoboletus luridiformis zu verwenden, wird aber kaum aufgehen, denn "erythropus" für den Flocki ist weltweit zu sehr eingeführt und etabliert. Eigentlich soll man in solchen Fällen den Gebrauch erhalten, um keine nomenklatorischen Ambiguitäen zu erzeugen.

Jetzt kommt dazu, dass durch die Neotypisierung von Boletus erythropus eigentlich der Glattstielige Hexenröhrling Suillellus erythropus heißen müsste (wurde nur noch nicht so kombiniert). Man wird also ab jetzt, wenn man das dasnn wirklich macht, einen neuen Namen für den Flocki finden müssen. Und da ist (Neo)Boletus luridiformis nicht mal der älteste (Boletus praestigiator ist älter).

Alles völlig unnötig.

Jetzt aber zu Sutorius. Halling et al. (2012) hatten die Gattung Sutorius für Boletus eximius Halling, Nuhn & Osmundson (= Tylopilus eximius = Leccinum eximium usw.) aufgestellt. Das ist eine sehr aberrante Art, die einen Stiel wie ein Birkenpilz hat (sehr flockig), aber ein rotbraunes Sporenpulver ohne jeden Olivanteil, weshalb Tylopilus lange als Gattung verwendet wurde. Halling et al. (2012) haben aber gezeigt, dass die Art genetisch isoliert steht und sicher weder zu Boletus, noch zu Tylopilu ss.str. geschweige denn zu Keccinum gehört.

Wu et al. (2016) haben den Artikel "One hundred noteworthy boletes from China" publiziert - eine nette Idee, Hundert Boleten vorzustellen. Dabei haben sie aber erneut sequenziert bzw. nochmal die alten Daten durchgerechnet und einen Stammbaum erstellt (immerhin 4 Loci und nicht nur die ITS). Hier ist Sutorius eximius erneut sehr isoliert und stark von anderen Röhrlingen abgesetzt (zusammen mit Sutorius australiensis), Bootstrap 100. 
Es gibt noch ein paar andere Arten / kleine Artengruppen, die mit Bootstrapwerten von 100 abgegrenzt sind. Das meiste löst aber nicht richtig auf.
Jetzt haben Wu et al. (2016) den ganzen Gießkannenstammbaum als Surotius zusammengefasst - das stützt sich auf einen Bootstrapwert von 86 - die Bayesian Propability ist nichtmal angegeben (zu gering). Kurzum: das Ausweiten der Gattung Sutorius auf diverse Arten inklusive Neoboletus spp. ist nicht stichhaltig und basiert nur auf der Genetik - und da ist es wackelig.

Es kann gut sein, dass hier die Stammbäume noch länger nicht richtig auflösen - es gibt immer wieder Gruppen, in denen die (wenigen) bisherigen Loci nicht reichen - und vielleicht auch noch mehr nicht ausreichen (z.B. bei einer sehr schnellen Artbildung / Populationsaufspaltungen ist die Reihenfolge der Aufspaltungen genetisch nicht auflösbar. Deshalb ist auch und gerade das Finden von passenden Autapomorphien (neue "Erfindungen", die entstanden und durch die genetische Isolation nach dem Aufspalten nicht an die anderen Teilpopulationen weitergegeben werden konnte. So kann man die Reihenfolge zeitlich aufdröseln. Nur haben Pilz da zu wenig Merkmale (fürchte ich), um das gut hinzubekommen. Man muss aber dennoch Merkmale und DNA betrachten.

Gut, jetzt schlagen Wu et al. (2016) vor, dass man die sehr isolierte Gattung Sutorius ausweiten soll und weitere Rotporer einschließen soll, obwohl es genetisch mehr als wackelig ist. Natürlich dürfen sie das voerchlagen und gültig kombinieren. Man muss dem aber nicht folgen.

Hier kann ich diese Umgruppierung rein argumentativ nicht nachvollziehen. Ich bin ja für vieles offe, auch für diverse Spaltereien, wenn sie denn begründet sind. Das sehe ich hier nicht.

Leider übernehmen Datenbanken wie Mycobanki oder IF oft sehr unkritisch solche Schritte.

Mycobank und Index Fungorum sind extrem wertvolle(!) Datenbanken. Sie sammeln Daten zu Neubeschreibungen - also, welcher Beleg der Typus ist, wann das Taxon beschrieben wurde, natürlich auch von wem und in welcher Zeitschrift / Publikation. Man kann daher sehr gut alle Namen finden, die auf dem gleichen Typus basieren. Die sind natürlich per se Synonym.

Sobald aber eine Synonymie Taxa betrifft, die unterschiedliche Typen haben, ist die Synonymie eine reine These. Gerade aktuell sieht man, wie viele Taxa, die lange als Synonym galten, jetzt doch wieder abgetrennt werden. Welche Taxa, die auf unterschiedlichen Typen basieren, Synonym sind, kann man daher nicht festlegen. Der mit den besten Argumenten wird sich durchsetzen.

Leider gegen Mycobank und IF heterotypische Synonyme an - hier z. B. Sutorius und Neoboletus.

Sutorius basiert auf Boletus eximius und damit auf den Typusbeleg dieser Spezies.
Neoboletus basiert auf Boletus luridiformis Rostk. und damit auf das Originalmaterial von Rostkovius (falls vorhanden - ich glaube, da ist nichts) und somit zumindest auf dem Protolog von Boletus luridiformis.

Ob aber Boletus eximius und Boletus luridiformis in die gleiche Gattung gehören, kann weder IF noch Mycobank festlegen. Dafür fehlt beiden Datenbanken die Manpower. Die Leitung der beiden Seiten müsste ja bezüglich aller Pilzartenh weltweit so viel Expertenwissen besitzen, dass sie als "Instanz" entscheiden könnten, was mit wem Synonym ist. Dem ist aber nicht so.

Insofern muss man selbst den Monographien und der Spezialliteratur folgen und muss auch nicht alles blind übernehmen. Leider scheint es sich zumindest bei uns etwas durchzusetzen, dass IF oder MycoBank als Entscheidungsträger angenommen wird. In anderen Foren lese ich das als Begründung immer wieder, es taucht auch in diversen Artikeln (deutschsprachig) auf. Ich fürchte, dass das auch bei der TaxRef-Liste Eingang bekommt.

In dem Fall muss man wirklich sagen, dass man auch würfeln oder pendeln könnte, denn die Datenbanken übernehmen gerne einfach den neuesten Artikel, der greifbar ist. Ob der recht hat, ist egal, denn das kann mangels Manpower nicht geprüft werden (eigentlich geht das eh nicht, denn die These, die der Artikel aufstellt, muss erst geprüft und diskutiert werden - nach ein paar Jahren kann man dann die Entscheidung fällen).

Bezüglich Sutorius habe ich z.B. im DGfM-Forum von einem Teilnehmer lesen "dürfen":

Zitat
Übrigens ist der Gattungsname Neoboletus Gelardi et al. 2014 ein Synonym von Sutorius Halling et al. 2012. Somit müsste unser Flocki dann folglich Sutorius luridiformis oder Sutorius praestigiator heißen - oder meiner Meinung nach als Verfechter der Konservierung des Namens erythropus im gebräuchlichen Sinne dann eben Sutorius erythropus ...

(Quelle: https://forum.dgfm-ev.de/thread/1683-flockenhexe-mit-artefakt-oder-was-anderes/?postID=9348#post9348)

Die Aussage "Übrigens ist der Gattungesname... ein Synonym von ..." dürfte durch IF / Mycobank ausgelöst worden sein. Denn dort wird das ja so angegeben - und viele folgen IF blind.

Wir müssen wieder dazu kommen, wissenschaftliche Artikel als das zu sehen, was sie sind: Thesen, die aufgestellt werden. Niemand hat per se Recht und niemand weiß, was mit wem wie verwandt ist. Wir vermuten nur und suchen Argumente pro und contra unserer Vermutung. Und haben wir sehr gute Argumente pro, dann kann sein, dass bessere für ein Contra gefunden werden (in Zukunft).

Folgt man einer Datenbank, die eigentlich nur die Grunddaten sammelt und nebenbei versucht, da, wo sie hinterherkommt, einem aktuellen Stand zu kompilieren, werden wir oftmals auch Unsinn übernehmen. Folgt man den aktuellsten Monographien, hat man begründete Thesen vor sich. Die Datenbanken folgen nur dem letzten Artikel, wie begründet das auch sein mag.

Hier konkret: Vielleicht stimmt das ja auch mit Sutorius - ich folge dem aber nicht. Für mich ist das weiterhin eine Gattung mit ein bis zwei Arten. Und Neoboletus ist nicht wirklich gut definiert. Da wird es spannend, das nachzubessern. Und dafür braucht man auch anatomisch-morphologische Merkmale. Die Rhizomorphen des Flocki unterscheiden sich von denen aller anderer Rotporer, die ich untersucht habe. Jetzt wäre es spannend, wie es bei Sutorius eximius aussieht. (Ich muss mal irgendwann meine Rhizomorphenstudien veröffentlichen).

Liebe Grüße,
Christoph



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Pilzberater und PSV / Re: (Klein-)Kinder und Pilze - es häuft sich wieder
« Letzter Beitrag von Till am 16. Juni 2018, 09:53 »
Hallo -

auch bei uns gab es bereits wieder "Heuschnittpilzalarm". Wobei nach meiner Erfahrung die Panik der Eltern meist gefährlicher ist als die potenziellen Folgen einer potenziellen "Heuschnittpilzvergiftung". Es gibt Fälle, bei denen die entsetzten Erziehungsberechtigten sich nicht mehr ans Steuer setzen sollten, weil sie in dieser Verfassung zum Verkehrsrisiko werden.

Und obwohl sich "Kleinkind-futtert-Gartenpilz"-Vorkommnisse glücklicherweise oft als harmlos herausstellen, muss man sich jeden einzelnen Fall genau anschauen. Vergangenes Jahr hatten wir die Situation, dass so ein wackelnder Windelträger im Wintergarten an Lepiota elaiophylla geraten war. Ernsthaft passiert ist aber auch da nichts - vielleicht, weil der Kleine gar nichts geschluckt hatte. Zur Überwachung in eine Klinik kam er trotzdem.

lg, Till 
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Servus,
ich habe heute meinen ersten Flockenstieligen Hexenröhrlich des Jahres gefunden.
Wie heißt er jetzt? erythropus oder luridiformis?
In der Mycobank gibt es
Neoboletus erythropus (Pers.) C. Hahn, Mycologia Bavarica 16: 33 (2015) [MB#816338]
und
Neoboletus luridiformis (Rostk.) Gelardi, Simonini & Vizzini 2014 (Akzeptierter Name)
Current name: Sutorius luridiformis (Rostk.) G. Wu & Zhu L. Yang, Fungal Diversity 81: 145 (2016)
Aus Loyalität habe ich ihn in mein Pilztagebuch unter Christophs Nomenklatur eingetragen.
Dennoch interessiert mich dieses Wirrwar.
Was ist jetzt der heutige Stand?
Liebe Grüße Schorsch
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Junipilze 18
« Letzter Beitrag von Beorn am 15. Juni 2018, 19:01 »
Hallo, Rudi!

Ich hoffe, das mal wieder einrichten zu können. Ist ja eigentlich gar nicht so weit!
Dann aber nicht nur wegen dem Porling, weil in Würzburg und drum rum gibt es immer viel Schönes zu sehen.


LG; Pablo.
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Junipilze 18
« Letzter Beitrag von Rudi am 14. Juni 2018, 23:41 »
Naja,
den Resupinatporling kann ich dir zeigen.
Am ersten Fundort beobachte ich ihn schon seit 5 Jahren- er ist dort seitdem kaum verändert.
Die zweite, relativ junge Eiche ist neu umgefallen.
Komm halt einfach mal vorbei ;D

LG Rudi
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