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Plattform für Pilzfreunde / Re: Wiesenkorallen
« Letzter Beitrag von Gernot am 22. November 2017, 00:20 »
Den roten Warnhinweis frech ignorierend erwecke ich diesen alten Thread wieder zum Leben, da wir gerade bei den Wiesenpilzen sind. 8) Es hat sich nämlich inzwischen ein bisschen was getan in der Gattung Ramariopsis; so heißt z. B. diese große, ± rein weiße und deutlich stachelsporige Art nicht mehr R. kunzei sondern R. robusta (siehe hier: http://www.czechmycology.org/_cmo/CM69104.pdf). Die "echte" R. kunzei dürfte am dritten Foto in meinem alten Beitrag zu sehen sein (danke an Jan Matous für diesen Hinweis!).

Nach wie vor gibt es mehr Fragen als Antworten in dieser Gattung aber immerhin arbeiten die Tschechen (insbesondere Jan Matous) derzeit daran, etwas mehr Klarheit zu schaffen. Man darf also gespannt abwarten und sich weiterhin an diesen wunderbaren Pilzen erfreuen, egal wie sie zukünftig heißen werden.  :)

Schöne Grüße
Gernot

PS: Ich hänge noch ein weiteres Foto von R. robusta an.
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Novemberpilze
« Letzter Beitrag von Gernot am 22. November 2017, 00:04 »
Servus, Rudi,

danke für die vielen schönen Fotos, die du hier immer zeigst! Die Floccularia durfte ich heuer zum ersten Mal in meinem Leben bewundern. Ein beeindruckender Pilz…

Schöne Grüße
Gernot
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Servus in die Runde,

ich bin ähnlich skeptisch wie Christoph was Rudis Fund betrifft – bei dieser Hutoberfläche (und auch vom Habitus her) denke ich eher an Cuphophyllus pratensis inkl. var. pallidus bzw. C. berkeleyi oder wie auch immer man die hellen Kollektionen nennen möchte.

Einen Fund von heuer, den ich Cuphophyllus (virgineus var.) ochraceopallidus getauft habe, hänge ich an. Er passt m. E. gut zur Abbildung im Boertmann und stammt auch von einem Kalktrockenrasen. Die Fruchtkörper waren aber nicht gerade schmächtig, insofern halte ich das eher für kein brauchbares Unterscheidungsmerkmal zu C. virgineus. Vor ein paar Tagen ist mir übrigens aufgefallen, dass ich wohl noch gar kein Foto vom echten Jungfern-Ellerling gemacht habe – so ist das mit den "banalen" Schwammerln. :-X

Mit C. cereopallidus habe ich mich bislang übrigens noch nicht näher beschäftigt und auch eine mikroskopische Untersuchung der oben erwähnten bzw. unten gezeigten Kollektion steht noch aus.

Schöne Grüße
Gernot
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Servus Rudi,

so kräftig und robust kenne ich Cuphophyllus ochraceopallidus nicht. Auch ist die Hutoberfläche seltsam marmoriert. Sporen- und Basidienmaße passen aber?
Ellerlinge sind übrigens definitiv keine Saftlingen. Das hat mittlerweile auch Boertmann eingesehen.

Wenn deine Kollektion C. ochraceopallidus ist, wäre dieser Ellerling sehr variabel. Gut, warum auch nicht?

Danke für die Rückmeldung  :)

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus Christoph,

"meine" ochraceopallida ist deutlich kräftiger, der Hut 3-5cm DM mit kräftiger Zeichnung, auch der Stiel ist dicker als 5 mm.
Gerade war ich nochmal bei meine Fundstelle, leider gabs grad davon nix mehr :'(
Deshalb kann ich nur die alten Bilder anbieten:
http://pilzseite.de/Pilzgalerie/Hygrocybe/ochraceopallida/FrameSet.htm

Die meisten Schwammerl hatte schon einen frostigen Hau mitbekommen. Schön waren noch ein Paar Fliegenpilze, viele Wiesen- sowie Jungfernellerlinge Anistrichterlinge, Clavaria kunzei und einige Galerinchen.

LG Rudi
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Expertenforum Mykologie / Re: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
« Letzter Beitrag von Christoph am 20. November 2017, 23:23 »
Servus beinand,

es wird kalt, die ersten Fröste sind über uns hereingebrochen - Zeit, sich wieder um Winterpilze zu kümmern  :D

Ich möchte daran erinnern, dass es noch keinen Nachweis von Flammulina populicola bei uns gibt - also bitte bei Samtfußrüblinge, die an der Stammbasis von (oder scheinbar am Boden rund um) Pappeln wachsen, mal schnell die HDS prüfen.

Flammulina rossica ist nachgewiesen, aber es gibt nur einen einzigen Fund aus Berchtesgaden. Hier wären Kartierer aus winterkalten Regionen vielleicht gefragt - BayerWald, der Eiskeller rund um Hof, Alpen und dortige Kaltlufttäler. Auch dort kann es schneearme Zeiten im Winter geben.

Viel Spaß beim Suchen - und nicht vergessen: erst mikroskopieren, dann essen (und eine Teil als Beleg trocknen)  8)

Liebe Grüße,
Christoph
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Hallo zusammen,

ich habe in einem anderen Forum eine Agaricus-Anfrage beantwortet und kam da auf eine Art, die ich vor ein paar Jahren in Kärnten gefunden habe. Es ist zwar nicht mehr die passende Saison (es ist ein Sommerpilz), aber vorstellen kann ich ihn ja trotzdem, dachte ich mir.

Kurz gesagt:
Es gibt einen "Wiesenegerling", der wie der klassische Agaricus campestris einen hinfälligen Ring hat, jung satt rosa Lamellen aufweist und ein weißes, nicht verfärbendes Fleisch aufweist, der aber für einen Wiesenegerling einen viel zu schuppig-struppigen Hut hat und zudem auf Druck am Hut gilbt(!) und dann auch noch nach Anis riecht - jedenfalls, wenn er etwas liegt. Ganz frisch riecht er auch eher wie Wiesen- oder Zuchtegerlinge. Er heißt Agaricus moellerianus.

Hier ein Foto (aus Kärnten):



(gefunden am3.9.2013 anlässlich eines Seminars der ARGE Österr. Pilzberater)

Ist er typisch ausgeprägt, ist er makroskopisch leicht bestimmbar. Das Gilben ist aber mal mehr, mal weniger deutlich. Struppig am Hut wird/ist auch Agaricus pampeanus ss. auct. Europ. - wie immer bei Egerlingen, ist's nicht ganz so einfach.

Vielleicht erinnert sich aber der eine oder andere an so einen etwas schrägen Wiesenegerling. Habt ihr auf Agaricus moellerianus geachtet oder als untypischen Wiesenegerling angesprochen? Falls letzteres: nehmt ihn mal mit, prüft den Geruch und achtet auf das Gilben.

Der Fund aus Kärnten wurde mir als Anisegerling in die Hand gedrückt - was nachvollziehbar war, denn Gilben plus Anisgeruch, klare Sache. Anisegerlinge haben aber einen persitenten Ring, der zudem deutlich doppelt ist - das Velum universale bildet eien Zahnradkranz - das fehlt hier und der Ring verflüchtigt sich später.

Der nächste Sommer kommt bestimmt... in diesem Sinne liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Ominöser Dachpilz mit Honiggeruch - Pluteus cervinus agg.
« Letzter Beitrag von Christoph am 20. November 2017, 18:13 »
Servus beinand,

der Winter naht - Zeit, Aufsammlungen von heuer nachzubearbeiten. Ich habe hier einen Dachpilz, der mir Kopfzerbrechen bereitet.

Gefunden habe ich den Dachpilz in Österreich, genauer in Kärnten, nahe Knappenberg, auf ca. 1100 m Höhe in einem Gebirgsnadelwald mit alten Lärchenstümpfen, aber auch Kiefer und Fichte. Ich vermute, das Holz dieses Stumpfes war vermutlich eine alte Fichte:






Die Sporen sind mit 5,75-6,75 x 4,25-5,5 µm (auf Viertel-µm gerundet) recht klein.

Die Pleurocystiden zeigen die typischen "Anker", sind also vom "cervinus-Typ". Und nun zu den Schnallen: man findet sie praktisch überall sofort, auch in der HDS. ich würde sagen, dass alle Zellen Schnallen besitzen.

Makroskopisch fällt mir der feinschülfrig aufreißende Hut ohne Brauntöne, dafür mit viel Grau auf und dann der Geruch: intensiv und stark nach Amanita phalloides "Kunsthoniggeruch".

Jetzt wurde ja mittlerweile dea ganze Aggregat rund um Pluteus cervinus umfangreich beackert. Insbesondere die Studie...

Justo et al. (2014): Molecular phylogeny and phylogeography of Holarctic
species of Pluteus  section Pluteus (Agaricales: Pluteaceae), with description of twelve new species. Phytotaxa 180 (1): 001–085


... erleichtert die Bestimmung in dieser schwierigen Gruppe. Oder auch nicht?! Jedenfalls werden hier 26 Arten ausgeschlüsselt und vorgestellt (für die Nordhalbkugel). Sogenannte amerikanische Arten können auch bei uns auftreten.

Nichtsdestotrotz lande ich bei allen Bestimmungsversuchen wegen des Vorkommens an Nadelholz, der relativ kleinen Sporen und dem grauen Hut nebst Schnallen bei Pluteus pouzarianus. Justo et al. (2014) erwähnen sogar Honiggeruch, der auftreten könne.

Dennoch:
Ich habe noch keinen Pluteus pouzarianus mit so viel Schnallen und einem so aufschürfelnden Hut gesehen. Und wann immer ich an ihm gerochen hatte, war meine Assoziation eher nasser Radi als süßer Honig. Dass das innerhalb einer Art auftreten kann - so eine Schwankungsbreite. Wären jetzt nicht die Schnallen im Weg, würde ich wohl nichts sagen.
Ich kenne es bei typischen Pl. pouzarianus allerdings so, dass man die Schnallen in der HDS wirklich suchen muss.

Hat von euch schonmal jemand so einen Dachpilz gesehen? Erfahrungsaustausch würde mich da sehr freuen.  :)

Ich werde ihn jedenfalls nochmal genauer analysieren und dann erstmal abspeichern als Pluteus cf. pouzarianus. Jedenfalls scheint es sich zu lohnen, öfters an Dachpilzen zu schnuppern.

Ach ja, gefunden hatte ich ihn im Rahmen der Seminarwoche der ARGE Österr. Pilzberater in Knappenberg. Auch Irmgard Krisai-Greilhuber und andere Österreichische Koryphäen konnten den Dachpilz nicht klar einordnen.

Spannend  :D

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Novemberpilze
« Letzter Beitrag von Rudi am 19. November 2017, 13:49 »
Gestrige Sachen

LG Rudi
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Servus beinand,

ich möchte nur ein kleines Update beisteuern... Endlich konnte ich mal wieder raus in die Rothschwaig. Die Hauptsaison habe ich ja leider krank verpasst.

Jedenfalls habe ich neben Cuphophyllus colemannianus, der nicht mehr fotogen war, die üblichen weiß-cremefarbenen Ellerlinge gefunden:





Cuphophyllus ochraceopallidus - erkennbar an dem cremeockerlich-blassbräunlichen Hut. Zudem kenne ich den nur recht schmächtig und zierlich, während Cuphophyllus virgineus (s.str.). auch sehr kräftig sein kann. Letzterer wächst quasi überall, wo nicht zu viel Dünger ist, ist bodenvag (sauer und basisch), während ich C. ochraceopallidus nur von Kalkmagerrasen kenne (werde da aber gerne eines Besseren belehrt).

Jetzt gibt es das Problem, dass Cuphophyllus cereopallidus älter ist (als Caramophyllus beschrieben) und ähnlich aussehen soll. Vielleicht sind sie auch Synonym, denn müsste das, was ich hier zeige, C. cereopallidus heißen.
Laut Originalbeschreibung hat C. cereopallidus auffallend kurze Basidien, was bei meinem Fund nicht der Fall war. Aber wie variabel sind die Basidiengrößen bei Cuphophyllus? Laut Boertmann soll C. cereopallidus mehr ins Gelbe gehen. Dann beschreibt Bon in seiner Hygrophoraceen-Arbeit (dem Schlüssel) C. ochraceopallidus als trockenhütig, was Boertmann als ein davon getrenntes Taxon ansieht.

Man sieht, selbst so was "klares" wie die weißen bis weißlichen Ellerlinge sind noch nicht geklärt, was Artabgrenzung und Artkonzept angeht.

Bei meinen Funden fällt eine recht große Variabilität der Hutfarbe auf. Sie sind jung rein weiß, bekommen dann einen blassbräunlich-cremefarbenen Fleck in der Mitte, um schließlich mehr oder weniger einheitlich cremebräunlich zu werden. C. fuscescens schließe ich aber aufgrund der Sporenmaße aus (der hätte längere Sporen).

Liebe Grüße,
Christoph

P.S.: der weiße Trichterling bekommt vermutlich doch noch einen Namen - ich gebe mittlerweile Hias völlig recht, dass es nicht Cl. phyllophila s.str. ist. Ich bin da noch am Werkeln und werde, wenn ich über den Winter fertig bin (oder nächstes Jahr nochmal Nachschub gesammelt habe und dann nochmal alles frisch mikroskopiere) noch Spezialistenhilfe suchen  ;)
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