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Servus beinand, und gleich nochmal ich  ;)

Ich möchte hier noch der Vollständigkeit halber die Fotos der Athelia arachnoidea aus dem Athelia-centrifuga-Thread hier teils nochmal zeigen, da der Fund ja auch von Xanthoria parietina agg. war.



Der weiße, flockige Bereich oben ist fertil - die Basidien sind zweisporig, was für die Art charakteristisch ist. Die Sporen sind mit 8-11 x 4-5,5 µm relativ groß (bei diesem Fund hier lagen sie im unteren Bereich, also um die 8-9 x 4-5 µm, aber der Fruchtkörper war noch sehr jung und hatte wenig Sporen.

Es gibt noch eine Athelia arachnoidea var. leptospora, deren Sporen 8-10 x 3-3,5 µm groß sind - also viel schmaler und mit einem deutlich höheren Länge-Breite-Quotienten.

Athelia arachnoidea s.str. hat (fast) nur an den Basalhyphen Schnallen, in Bereichen näher am Hymenium fast gar keine Schnallen und an den Basidienbasen absolut keine.

Es gibt aber noch Athelia arachnoidea var. sibirica, die fast überall Schnallen hat, auch an den Basidienbasen. Die Sporen sind etwas größer als bei Ath. arachnoidea s.str.: 9.5-13 x 5-5,5 µm.

Diese beiden Taxa kenne ich aber nicht aus eigener Anschauung. Ich habe die Merkmale aus Jülich W (1972): Monographie der Atheliae (Corticiaceae, Basidiomycetes). Beih. Willdenowia 7: 1-283 zusammengestellt.

Wie ich Nachbarthread schon bescrieben habe, frisst Athelia arachnoidea nur die Algen aus der Xanthoria heraus, was dieser aber kaum gefallen dürfte, denn sie muss dann ja verhungern. Ob sich die ausgezutzelten, knallgelben Thallusbereiche wieder erholen, wenn andere Bereiche noch Algen enthalten, weiß ich nicht. Wäre interessant, das mal zu beobachten. Leider finde ich Athelia arachnoidea (sexuelles Stadium) nicht so häufig. Bei den teils massivem Befall in der asexuellen Form (mit Mikrosklerotien - "Athelia centrifuga") scheint der Thallus zumindest teils abzusterben.

Hier nochmal das reine Myzel, das die Xanthoria spinnwebartig umhüllt, um dann in den Wirt hineinzuwachsen, um die Algen aufzufressen...:



Und hier der ausgezutzelte, knallgelbe Thallus, der nach dem Befall übrig bleibt:



Die Athelia stirbt dann ab, es ist also nur ein kurzfristiges Phänomen, was das Auffinden erschwert.

Und natürlich (hatte ich erst vergessen, daher das nachträgliche Editieren) Illosporiopsis christiansenii, der auf Xanthoria noch mehr Farbnkontrast erzeugt:



Ich bin schon gespannt, was ich noch so alles an Xanthoria finde. Aktuell sind es 8 Arten:

Athelia arachnoidea s.str. (und als Athelia centrifuga - falls das immer konspezifisch ist)
Capronia suijae
Cladosporium macrocarpum
Didymocyrtis epiphyscia
s.l.
Illosporiopsis christiansenii
Lichenoconium xanthoriae
Pyrenochaeta xanthoriae
Xanthoriicola physciae


Liebe Grüße,
Christoph
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Hallo miteinander!

Hier noch ein paar ergänzende Fotos zum Gerandeten Rindenkugelpilz bezüglich der Variationsbreite (Größe, Form):











Seit 2013 finde ich sie jeden Winter am Sonnenstein bei Uffing.

Herzliche Grüße – Rika
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Und nochmal ich  :D

Ich kann zwar Themen teilen, aber offenbar keine Themen zusammenführen. Ich habe aber im Thread mit derm Schlüssel der Arten an Xanthoria noch Beschreibungen drin, die ich jetzt hier herüber hole. Es geht dabei eigentlich nur um die drei Funde aus Rothschwaig.

Ich hatte Capronia suijae ja schon im Rothschwaig-Thread vorgestellt. Zusammen mit Lichenoconium xanthoriae und Didymocyrtis epiphyscia s.l. habe ich sie hier publiziert:
Hahn C (2017): Capronia suijae (Erstnachweis für Deutschland) und weitere lichenicole Pilze an Xanthoria. Mycologia Bavarica 18: 97-108.

Die Capronia suijae ist offenbar äußerst selten (von Brackel, pers. Mitt.) und war ein absoluter Anfänger-Glücksfund.

Lichenoconium xanthoriae bildet recht große, schwarze, eingesenkte Pycnidien:



Die Art ist entgegen der Darstellung auf pilze-deutschland sehr häufig und auch gut kartiert. Siehe auch von Brackel (2014) -  Katalog der flechtenbewohnenden Pilze Bayerns (Bibliotheca Lichenologica 109).

Die Kondien sind recht klein, 3-4 x 2,75-3,25 µm (auf Viertel gerundet), braun pigmentiert, dickwandig und werden einzeln an ampullenförmigen Phialiden gebildet.

Die weitere Suche und das Beproben von kleinen Gehäusen erbrachte dann nach der Capronia und dem Lichenoconium xanthoriae den dritten Fund, wieder an einem Perithecium. Hier gestaltet sich die Artbestimmung aber schwierig. Die Gattung ist schnell klar - hyaline Konidien mit einem Öltröpfchen, sodass sie wie kleine Spiegeleier aussehen (der Tropfen liegt asymmetrisch). Sieht irgendwie nach Phoma aus, wurde dann aber zu Didymocyrtis gestellt (nah bei Phoma, eine Phaeosphaeriaceae). Hier gibt es aber an Physcia und Xanthoria dank der Merkmalsarmut kaum unterscheidbare "Mikrospezies", sodass man wohl fast nur genetisch arbeiten kann. Die Konidien sind bei meiner Aufsammlung recht klein und breit: (4,5-)4,75-5,1-5,75 x 3-3,2-3,5 µm, Q = (1,3-)1,4-1,57-1,8

Die Konidienmaße sprechen für Didymocyrtis epiphyscia im weiteren Sinn. Ich habe das in dem Artikel in der Mycol. Bav. ausführlich diskutiert.

LG,
Christoph
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Servus Schorsch,

sehr schön! Auf dem ersten Bild erkennt man, meine ich, auch ganz gut den Randwulst. Und die Sporen sind richtig schön breit - gut mit der französischen Pyrenomyzetenseite zuvergleichen.

Danke für's Zeigen  :)

Liebe Grüße,
Christoph
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Servus beinand,

jetzt kam ich auch dazu, ein Ästchen mit befallener Xanthoria anzuschauen, den ich am 25. Januar quasi bei mir um die Ecke (Holzhausen bei Schöngeising) aufgesammelt habe. Ich fand auch hier Xanthoriicola physciae. Die kugeligen, braunen Konidien sind wirklich sehr typisch, sie sehen aus wie kleine Gastromyzetensporen (nur ohne Pedicellen) - manchmal erkennt man noch die Abbruchstelle, was dann fast wie ein winziger Apiculus aussehen kann.

Die Maße diesmal: 4,5-5,75 x 4,25-5,5 µm.

Hier ein Foto von dieser Kollektion (es waren nur einzelne Apothecien betroffen):



Liebe Grüße,
Christoph
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Servus,
Bernd hatte am 29. Januar eine Biscognauxia marginata dabei und mich um Holzbestimmung gebeten. Die ist inzwischen bei Bernd Miggel gelandet.
Ich habe sie aber fotografiert und mikroskopiert.

Foto von Bernd F.

Biscognauxia marginata

Biscognauxia marginata Längsschnitt

Biscognauxia marginata - Ascus mit den eher rundlichen Sporen (400-fach)

Biscognauxia marginata Ascus in BWB mit Apikalapparat (1000-fach)
Liebe Grüße Schorsch
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Expertenforum Mykologie / Re: Schlüssel der europäischen Rhizopogon-Arten
« Letzter Beitrag von blacky am 17. Februar 2018, 20:04 »
Ah, gut zu wissen. Danke dir lieber Christoph.
Schönes Wochenende.
LG Thomas
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Expertenforum Mykologie / Re: Flechte-Pilz-Frage
« Letzter Beitrag von Christoph am 17. Februar 2018, 16:14 »
In Deinem franz. Link werden die schwarzen Punkte auf dem Thallus ja sogar als Artmerkmal beschrieben – es sollen Pycnidien sein, die bei verwandten Flechtenarten wohl fehlen.

Servus Rika,

stimmt, und sie bilden das auch schön ab - das kommt davon, wenn man nachts aktiv ist *hihi*. Es wird dort aber so beschrieben, dass sie aussehen wie Pycnidien (aber eben keine sind, sondern zur Pleurosticta selbst gehören). Pycnidie ist der Begriff für den "Fruchtkörper" eines Coelomyzeten.

Nachtrag: Es stimmt aber, dass Lichenologen auch entsprechende Strukturen, die die Flechte selbst bildet, durchaus als Pycnidien bezeichnen. Ich habe an Physcia spec. heute auch solche schwarzen Punkte angesehen - die Konidien waren farblos-hyalin und 4-5 x 0,75-1,25(-1,5) µm groß... und sie gehören zur Physcia selbst, da sie wie ein Coelomyzet selbst asexuelle Sporen (neben ihrern Apothecien) bildet.

Es fällt dennoch auf, dass der Thallus abstirbt bzw. teils abgestorben ist. Ich denke, dass es sich schon lohnen würde, zu prüfen, ob dort nicht auch "andere" schwarze Pünktchen zu sehen sind - oder es sind doch nur die alten Pycnidien, die das überlebt haben?!

Zitat
Wenn der Schnee wieder weg ist, kann ich Material holen (und dabei nach den Austern schauen oder umgekehrt) und dann versuchen, die schwarzen Punkte in Scheibchen zu schneiden ;D  Naja, Schlauchpilze wären interessanter gewesen...

Wer weiß, was du alles auf den absterbenden Bereichen findest ;-).

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Flechte-Pilz-Frage
« Letzter Beitrag von UmUlmHerum am 17. Februar 2018, 15:29 »
Servus Christoph,

vielen Dank für Deine Recherchen!

Mit Deinem Flechtennamen (Pleurosticta/Parmelia acetabulum) wirst Du aller Wahrscheinlichkeit nach richtig liegen. Habe vorhin mit einem Flechtenkenner bei uns im Verein telefoniert – er wird sich diesen Thread bei Gelegenheit anschauen und hat gemeint, diese Art sollte vom Foto weg bestimmbar sein. Ich bekomme Bescheid – Du brauchst also Deinen Lichenologen nicht zu belästigen.

In Deinem franz. Link werden die schwarzen Punkte auf dem Thallus ja sogar als Artmerkmal beschrieben – es sollen Pycnidien sein, die bei verwandten Flechtenarten wohl fehlen. Wenn die Pycnidien ± zur Flechte gehören, dann ist es vielleicht gar kein Parasit, sondern was Symbiotisches? Mal schauen, ob mein Kollege noch was Erhellendes dazu findet.

Wenn der Schnee wieder weg ist, kann ich Material holen (und dabei nach den Austern schauen oder umgekehrt) und dann versuchen, die schwarzen Punkte in Scheibchen zu schneiden ;D  Naja, Schlauchpilze wären interessanter gewesen...

Herzliche Grüße – Rika
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Flammulina-Thread
« Letzter Beitrag von Christoph am 17. Februar 2018, 15:05 »
Hallo zusammen,

ich möchte eine in meinen Augen besondere Flammulina vorstellen, die Thorben Hülsewig im Tropenhaus in Bochum an Pomaderris apetala gefunden hat. Er hat sie hier im EU-Pilzforum vorgestellt. Thorben hat mir erlaubt, die Fotos auch hier zu zeigen.

Vielleicht findet ja auch eine Leserin / ein Leser unseres Forums Flammulinen in Botanischen Gärten in den Tropenhäsern. Da die Gattung auch weltweit sehr übersichtlich ist, ist eine Bestimmung oft gut möglich (oder es ist etwas Neues).

Thorbens Fund ist auffallend dünnfleischig und sehr gelb:


Flammulina aff. velutipes - Foto: Thorben Hülsewig


Flammulina aff. velutipes - Foto: Thorben Hülsewig


Flammulina aff. velutipes - Foto: Thorben Hülsewig


Flammulina aff. velutipes - Foto: Thorben Hülsewig


Flammulina aff. velutipes - Foto: Thorben Hülsewig

Die Mikroskopie zeigt eine HDS vom Fl.-velutipes-Typ, also aufgebaut aus einer Vielzahl von Ixohyphidien mit in die HDS eingebetteten, nicht herausragenden Pileocystiden.


HDS, hier mit apikal verzweigten Ixohyphidien und mit Pileocystiden - Foto Thorben Hülsewig


Knorrige, verzeigte Basis eine Ixohyphidie - Foto Thorben Hülsewig


HDS-Elemente (Ixohyphidien, Pileocystiden) - Zeichnung Christoph Hahn

Was allerdings auffällt, ist, dass die Ixohyphidien zwar die typisch knorrige, verzweigte, irreguläre Basis haben, dann aber sehr dünn (meist 0,5-1,25 µm) sind und auffallend häufig gereadeaus und unverzweigt verlaufen. Es gibt auch apikal verzweigte Ixohyphidien, die sind aber auch sehr dünn und nicht sehr häufig. Flammulina velutipes s.str. hat kräftigere, breitere, nicht so filigrane Ixohyphidien. Die HDS entspricht im Prinzip der erst vor Kurzem aus China beschriebenen Flammulina velutipes var. filiformis. Allerdings passen da die Sporenmaße nicht - und diese Varietät ist ein kräftiger Pilz mit deutlichem Braunton im Hut, keinesfalls so zitronengelb.

Die Bochumer Flammulina:
(5,75-)6,25-7,0-7,75(-9,75) x 3,5-4,1-4,75 µm; Q = 1,5-1,72-2,1(-2,4) (meine Messung von der Lamelle - n = 26) bzw. Thorbens Messung (n = 25) am Abwurf 7,3-8,3-9,4 x 3,2-4,4-5,7 µm - beide in Wasser gemessen (ich hatte nur den Fruchtkörper zugeschickt bekommen, nicht den Abwurf).

Es ist interessant, dass z.B. die Länge der Sporen vom Abwurf deutlich die meinen überstiegen - auch die Breiten. Ich habe auch Sporen von der HDS eigens vermessen - die waren im Schnitt noch schmaler. Hias hatte ja auch eine Flammulina untersucht, bei der die Sporenmaße je nachdem, von wo gemessen wurde, stark variierten.

Wie auch immer, der Quotient ist deutlich zu klein für Flammulina velutipes s.str. und die Sporen zu breit.

Hier noch die restlichen Mikrobilder (Fotos von Thorben, Zeichnungen von mir).


Sporen (Abwurf) in Wasser


Caulocystiden in Kongorot


Caulocystiden in Wasser


Cheilocystiden (Spitzen, die herausragen)


Cheilocystiden - von der Lamellenschneide durch Quetschen freigelegt


Pleurocystiden


Aufbau der Lamellentrama / des Subhymeniums

Wir warten noch auf eine zweite (oder dritte) Kollektion, um die Variationsbreite der Makroskopie besser zu fassen und dann wird eine Probe sequenziert. Für mich sieht es im Moment nach etwas Neuem aus (auf welcher Rangstufe auch immer - als "noch eine" Varietät der Fl. velutipes oder was ganz eigenes - und da hilft ja die Genetik).

Falls jemand etwas ähnliches (oder generell Flammulinen in Tropenhäusern) findet, bin ich immer interessiert.

Im Moment läuft der Fund bei mir als "Flammulina aff. velutipes Bochum"  ;)

Liebe Grüße,
Christoph

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