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Plattform für Pilzfreunde / Re: Augustpilze 2018 – im Bachbett
« Letzter Beitrag von UmUlmHerum am 12. August 2018, 18:29 »
Hallo miteinander!

Wie versprochen, hier der zweite Teil meiner Uffinger Funde vom 5.8.18. Auch dort war/ist es sehr trocken, so dass dieses moorwasserführende Bächlein fast ausgetrocknet war. Das hatte den unschlagbaren Vorteil, dass ich es stellenweise mit normalem Schuhwerk betreten konnte – sonst hätte ich diese Pilze (fast) alle nicht gesehen.

Habitat:


Ich habe 5 verschiedene Arten im durchfeuchteten Bachbett fotografiert (einen Rädchen-Tintling links liegen gelassen), von denen ich nur 1 halbwegs benennen kann, der Schildborstling auf Holz sollte sich auch eingrenzen lassen – 4 Ascomyceten und einen Lamellenpilz. Hier zeige ich nur einen Überblick und werde die drei Fraglichen in gesonderten Beiträgen im Expertenforum Mykologie anfragen, sonst ufert das hier aus.

Fangen wir mit dem (für mich) einfachsten Pilz an:
(1) Tarzetta cupularis bzw. velata (der Unterschied, wenn es wirklich einen gibt, ist mir nicht klar)


(2) An verschiedenen Stellen wuchsen gesellig diese borstigen Becherlinge, die aber m.E.n. nicht Humaria hemisphaerica sind. Sie sind extrem fest, wie ein dünnerer Fingernagel, und können reif völlig ausgebreitet sein. Weitere Bilder kommen in einen gesonderten Thread, es gibt davon Exsikkate.




(3) Dieser Baumstamm lag mit einem Ende im Wasser, also immer gut vollgesogen, und ließ sich zum Fotografieren herausziehen. Selbstredend habe ich ihn danach wieder sauber an Ort und Stelle legt. Bei der leuchtenden Scutellinia mit dunklen, langen Randhaaren auf Holz vermute ich S. scutellata, den Holz-Schildborstling.




(4) Ein Stück weiter lag der nächste bepilzte Baumstamm einseitig im Wasser, aber ein anderer großer Stamm so oben drauf, dass ich ihn nicht bewegen konnte. Zusätzlich war dort das Wasser so tief, dass man Fischerstiefel gebraucht hätte. Die Fotos machte ich am Ufer knieend mit ausgestreckten Armen und Blitz. Um an die Frk. zu gelangen, hätte ich jemand gebraucht, der mich an den Füßen festgehalten hätte – dann wäre ich event. bäuchlings gerade so drangekommen. Diese orangen, haarlosen(?), gerandeten Dinger kommen auch in einen gesonderten Thread.




(5) Jetzt zum einzigen Lamellenpilz: Alle paar Meter sah man einen oder zwei davon in der feuchten Bachbett-Böschung stehen. Vom mittleren Frk. habe ich einen Sporenabdruck versucht – erfolglos, aber als Exsikkat vorhanden. Hut-Ø des "Großen" gut 2 cm – ein Helmling? LBM... soll ich den auch noch gesondert einstellen? Oder lieber vergessen...




(6) Noch ein Nachtrag zum Moor: am 8.8.18 war ich zur Täublingsnachlese ja noch mal in diesem kleinen Moor. Da standen nun zwei neue, aber auch schon angetrocknete + vermadete Rauköpfe. Dem Geruch nach verbranntem Maschinenöl nach, könnte es Cortinaius (cf.) callisteus sein? Ein Stück vom Hut habe ich mitgenommen und getrocknet – falls das weiterhelfen könnte.


Wer meine Funde von vorgestern – wieder UmUlmHerum – anschauen möchte: http://www.pilzepilze.de/cgi-bin/webbbs/pconfig.pl?read=336876

Viele Grüße – Rika
 
 
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Augustpilze 2018 – Moor-Täubling
« Letzter Beitrag von UmUlmHerum am 11. August 2018, 20:23 »
Liebe Leute,

jetzt bin ich wieder zuhause mit Mikro und etwas mehr Literatur. Aus WIKIPEDIA, GERHARDT, LAUX und GPBW habe ich eine Tabelle zu den Sporenangaben von Russula claroflava und Russula ochroleuca zusammengestellt. Erspart mir, die Tabelle abzutippen, nur soviel als Zusammenfassung aller Angaben:
Russula claroflava    7,0...12,0 x 6,0...10,0
Russula ochroleuca  6,8...11,0 x 6,1...8,0

Über Verfärbungen von Stiel, Lamellen, Fleisch gibt es keine richtige klaren Angaben, beide Arten können gelblich-ocker-bräunlich werden, ebenso wie beide im Alter/beim Trocken grauen – Ru.cla. halt etwas "mehr" als Ru.och.

Aber alle sind sich einig, dass
  • das SPP bei Ru.cla. blass-ocker bis gelblich (GPBW "rahmgelblich" – finde ich sehr treffend) sein soll, während es bei Ru.och. weiß sei (1a bis 1b).
  • der Q-Wert von Ru.cla. (ellipsoid nicht unter 1,1, auch größer 1,2) größer ist als von Ru.och. (rundlich 1 - 1,1).
  • die stacheligen Warzen von Ru.cla. allenfalls durch feine Linien verbunden sein sollen, bei Ru.och. gratige teilw. netzartige Verbindungen bestehen.
  • Ru.cla. komplett mild ist, dagegen Ru. och. schärfliche Lamellen hat.

Meine Entscheidungsargumente:
  • Standort im Moor mit Birken
  • Die UmUlmHerum-Ocker-Täublinge sind für mich ungenießbar scharf, während der Uffinger Moorfund überhaut nicht scharf ist.
  • UL-Ru.och. hat dunklere Hutfarben, deren Ocker ist ocker (zitronengelb kenne ich sie nicht), das Grün ist ein dunkles Olivgrün. Beim UFF-Ru.cla. geht das leuchtende Gelb zuweilen in ein helles Lindgrün über.
  • SPP siehe oben (rahmgelblich = wenn sich der Rahm bei Zimmertemperatur auf der frischen Kuhmilch absetzt).
  • Q-Werte vom Uffinger Fund: 1,13...1,26...1,35 aus 20 Messungen
  • Sporen und -ornament siehe Fotos.

Insofern habe ich ein ganz guten Gefühl, wenn ich diesen Uffinger Fund unter Russula claroflava ablege. Oder gibt es Widerspruch?
Christoph W. & Rudi herzlichen Dank für die Kommentare und Eingrenzungen ... sonst hätte ich lange suchen müssen.
 
Viele Grüße – Rika
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Augustpilze 2018
« Letzter Beitrag von UmUlmHerum am 11. August 2018, 00:14 »
Hallo Hias,

ah – wie schade, dass ich keinen mitgenommen habe! Inocybe hatte ich vor Ort auch auf dem Radar, aber gedacht ojeoje, das will ich gar nicht erst versuchen... Aber ein Höckersporiger hätte mich schon lange interessiert. Vielleicht das nächste Mal, die waren schon öfter dort zu sehen.

So, jetzt noch was zu dem Gelben Täubling: man kann den Sporenabdruck auch dem weißen Papier gut erkennen, also nicht weiß. Nach der ROMAGNESI-Farbtafel würde ich 2a oder 2b sagen, aber zu 3a ist es auch nicht weit. Ich muss mir mal die R. ochroleuca UmUlmHerum genauer anschauen und vergleichen.

Zitat Wikipedia zu Russula claroflava, Artabgrenzung:
"Der ebenfalls essbare Zitronentäubling kann dem Gelben Graustiel-Täubling sehr ähnlich sehen, so ähnlich, dass der Gelbe Graustiel-Täubling lange Zeit nur als Varietät des Zitronentäublings galt. Er ist aber blasser, die Lamellen sind weißlich und schmecken meist schärflich."
... und die Sporen von R. cl. sind erkennbar größer und etwas länglicher als die von R. och. – also doch noch unters Mikro, wenn die Maden noch was übrig gelassen ahben ... morgen.

Danke & gute Nacht – Rika

 
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Augustpilze 2018
« Letzter Beitrag von Hias am 10. August 2018, 09:34 »
Servus Rika,

die LBMs (3) im Sphagnum könnten höckersporige Risspilze sein (Napipes-Gruppe).

Grüße
Hias
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Augustpilze 2018
« Letzter Beitrag von UmUlmHerum am 8. August 2018, 23:52 »
Hallo Christoph,

merci für Deine Infos!

Heute war ich noch mal bei den Täublingen, echt krass – meine sämtlichen Fotomodelle sind verschwunden, während die beiden vertrockneten Gürtelfüße noch da waren. Von den spitzbuckeligen LBM kommen immer wieder frische, max. Hut-Ø 30 mm. Und dann waren da noch 2 Cortinarien, könnte der Rhabarberfüßige Raukopf Cortinarius callisteus sein, riecht jedenfalls ein wenig nach verbrannten Maschinenöl. Leider waren sie auch schon heftig vermadet. Cort. call. ist ziemlich häufig in der Gegend, aber ich kenne ihn aus oberflächensauren Fichten-Bergwäldern, nicht direkt im Torfmoos (Sphagnum)!? Ich muss erst noch die Fotos runterladen.

Ein paar Meter weiter gab es zum Glück noch einige von den gelben Täublingen. Bei einem älteren Frk. hatte der Stiel auch stellenweise einen bräunlichen Hauch. Aber alle Frk waren völlig vermadet, da wird nix mehr ggf. grauen, die brechen einfach zusammen. Ein anderes Exemplar hatte viel Grau in Stiel und Lamellen, aber ein Schimmel war gleichzeitig und bereits heftig zugange – keine Aussagekraft. Von zwei Hüten habe ich immerhin ein Stück mitgenommen, liegen schon auf weißem Papier. Morgen mehr dazu – ich vermute einen Weißsporer... Ach ja – die Begleitbäume: 90% Fichte, der Rest Birke.

Viele Grüße – Rika
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Augustpilze 2018
« Letzter Beitrag von ChristophW am 8. August 2018, 13:05 »
Hallo Rika,

Beide lassen sich so wie 90% der Täubling so ca 50% häuten. Das hilft hier leider wohl kaum weiter.

Aber auf dem 2ten von Dir neueingestelltem Bild meine ich eine leichte Ockerverfätbung an der Stielbasis zu erkennen. Das hat R. Claroflava so nie und spricht schon sehr für R. ochroleuca.

Hast Du einen Fruchtkörper mitgenommen? Falls ja müsste ein Graustieltäubling nach der Zeit auch deutliche Grau—Verfärbungen an Stiel und Lamellen aufweisen.

Liebe Grüße
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Augustpilze 2018
« Letzter Beitrag von UmUlmHerum am 8. August 2018, 01:29 »
Hallo Christoph & Rudi,

herzlichen Dank für Eure Einschätzungen!

Tja, die Täublinge... wenn die Uffinger Ocker-Täublinge (mitten im Sphagnum, total sauer) gleich ausschauen wie die UmUlmHerum (Kalk!), dann sind die gelben nicht Russula ochroleuca. Und ob die Lamellen nun trockenheitsmäßig gilben/bräunen oder ob die Farbe vom SPP kommt? Und das Grau an den Lamellen – graut er oder schimmelt er? Siehe Fotos. Weiß jemand, wie weit sich die Huthaut der beiden Kandidaten (R. claroflava bzw. orcholeuca) abziehen lassen soll? Im GERHARDT steht nix drüber drin. Das Einfachste wäre, einen zu holen und ihn aussporen lassen. Mal schauen, ob ich noch dazu komme.

Ja, die Roten müssen irgendwelche Spei-Täublinge sein. Ich habe sie in den letzten beiden Jahren schon öfters in diesem Moor gesehen – sie waren immer komplett rot (ohne weiß), aber was heißt das schon bei Täublingen?

Gute Nacht – Rika
P.S.: Heute hat in Uffing es tatsächlich 1 Liter/qm geregnet  :o
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Augustpilze 2018
« Letzter Beitrag von Rudi am 7. August 2018, 23:01 »
Hallo Rika,

sparsam gehts auch bei uns zu. Vielleicht demnächst auch ein paar Bildchen.
Dein Gelbling könnte auch gut ochroleuca sein, claraflava hat keine grünlichen Töne.
Und dein Rotling wird wohl einer der emeticas sein...

LG Rudi
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Augustpilze 2018
« Letzter Beitrag von ChristophW am 7. August 2018, 17:25 »
Hallo Rika,

bei dem gelben Täublingen kann ich mir gut vorstellen, dass es sich um Russula claroflava, den gelben Graustieltäubling handelt. Er mag moorige Standorte und hat ockergelbes Sporenpulver.

Zum Rest kann ich leider nichts beitragen.

Viele Grüße
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Augustpilze 2018
« Letzter Beitrag von UmUlmHerum am 6. August 2018, 15:54 »
Hallo miteinander!

Seit ein paar Tagen bin ich mal wieder im Bayrischen = Uffing am Staffelsee. Die Trockenheit in den "normalen" Wäldern ist auch hier verheerend, aber es gibt ja einige kleine Hochmoore und Bächlein, die noch nicht komplett ausgetrocknet sind. Da ich kein Mikro und an Pilzliteratur nur den große BLV-GERHARDT dabei habe, würde ich mich über Bestimmungstipps freuen!

Zuerst der einzige Pilz (1 Ramaria spec.) aus einem "normalen" Wald:




Und hier ein paar der Funde im Hochmoor bei Uffing-Heimgarten:

(2) Cortinarius spec. (vermtl. Raukopf)


(3) Little Brown Mushroom (Inocybe spec.)


(4) Leotia lubrica – Gallertkäppchen


(5) Amanita fulva – Rotbrauner Scheidenstreifling




(6) Gelbgrüner Täubling – mild, aber kratziger Abgang, ziemlich gelbes SPP. Hat jemand eine Idee dazu? → Russula claroflava (Edit 15.8.18)






(7) Rote Täublinge – sehr scharf, sehr weißes SPP – Tipp dazu?

Sobald ich dazu komme, gibt es eine Fortsetzung vom Bach mit braunem Moorwasser – einige Ascomyceten!
Viele Grüße – Rika
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