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Expertenforum Mykologie / Re: Mycena clavicularis - selten oder unterkartiert?
« Letzter Beitrag von Rudi am 19. Mai 2019, 12:01 »
Servus miteinander,

Danke fürs Aufmerksammachen- sandige Kiefernwälder gibts bei uns um Würzburg auch, aber eher selten.
Selten ist auch dieses Schwammerl, das man oberflächlich verwechseln könnte. Es hat auch bogig herablaufende Lamellen, ist aber meist dunkler grau und riecht unauffällig.
Außerdem wächst es am liebsten auf Magerwiesen:
Mycena pseudopicta.

LG Rudi
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Expertenforum Mykologie / Re: Mycena clavicularis - selten oder unterkartiert?
« Letzter Beitrag von Christoph am 18. Mai 2019, 20:55 »
Servus Werner,

stimmt, auf Mycena cinerella hinzuweisen, ist sicher nicht verkehrt. Der riecht für mich intensiv nach Gurke / Mehl, viel stärker als Mycena vulgaris und ist, wie du ja schreibst, ohne Gummihaut. Auf den ersten Blick kann Mycena cinerella aber wirklich ähnlich sehen.
Ich empfinde Mycena cinerella als sehr häufig im Spätherbst.

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Mycena clavicularis - selten oder unterkartiert?
« Letzter Beitrag von Werner E. am 18. Mai 2019, 20:40 »
Servus beinand'

da werd ich künftig auch mal ein Auge drauf haben.
Eine weitere graue Art mit herablaufenden Lamellen, die im (Spät-)herbst fruktifiziert, ebenfalls im Nadelwald zu finden ist und auch stark nach Mehl riecht, ist Mycena cinerella.
Freilich ist M. cinerella leicht von M. vulgaris und M. clavicularis zu trennen, da Huthaut und Lamellenschneide nicht schleimig ist.
Trotzdem sicher auch eine stark unterkartierte Art.

An liabn Gruaß,
Werner

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Servus beinand,

man könnte meinen, es wäre der erste April, wenn ich schreibe, dass es mittlerweile einen Minisequenzierer gibt, mit dem man direkt vor Ort sequenzieren kann. Ganz so einfach, wie man es sich denkt, ist es zwar nicht (man braucht die richtigen Primer und man muss ein bisserl pipettieren - der Tricorder von Star Trek wurde noch nicht erschaffen), aber es geht offenbar.

Dieses paper zeigt, dass man im Regenwald direkt vor Ort Reptilien über Sequenzierung bestimmen kann:

Aaron Pomerantz, Nicolás Pen ̃afiel, Alejandro Arteaga, Lucas Bustamante, Frank Pichardo, Luis A. Coloma, César L. Barrio-Amorós, David Salazar-Valenzuela and Stefan Prost (2018): Real-time DNA barcoding in a rainforest using nanopore sequencing: opportunities for rapid biodiversity assessments and local capacity building. GigaScience 7: 1–14.

Das paper ist frei als pdf verfügbar:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5905381/pdf/giy033.pdf

Den Sequenzierer kann man auch kaufen - ich frage aber lieber nicht nach dem Preis - ich hab eben nochmal nachgesehen: kostet ca. 1000 $, ist also sogar im Bereich dessen, was man sich als Amateur leisten kann (ein gutes Mikroskop kostet ja auch um den Dreh); natürlich hätte man nur die Rohsequenz, kein Alignment usw., aber es ist im Bereich des Möglichen): https://vimeo.com/237911682

Irgendwann wird das aber zur Standardausrüstung eines Mykologen gehören. Die Zeiten ändern sich...

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Maipilze 2019
« Letzter Beitrag von Rudi am 18. Mai 2019, 00:01 »
Noch a bisserl was aus dem Bayerwald. Da es nicht so viele Pilze gab bei gefühlt 0°, heute mehr Bilder als Schwammerl.

LG Rudi
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Ein paar Tage in der Fränkischen Schweiz
« Letzter Beitrag von Harzpilzchen am 17. Mai 2019, 21:08 »
Hallo Christoph
ich danke dir  :) LG Harzi
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Coprinus sterquilinus ?
« Letzter Beitrag von Volker am 17. Mai 2019, 18:00 »
Hallo Christoph,
na das war mal ausführlich, vielen Dank dafür. Ich werde mir die PDF mal anschauen, das ist ja alles hochinteressant. Man lernt einfach nie aus.
Gruß Volker
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Expertenforum Mykologie / Re: Mycena clavicularis - selten oder unterkartiert?
« Letzter Beitrag von Christoph am 17. Mai 2019, 17:57 »
Servus Hias,

ich habe jedenfalls bewusst Mycena clavicularis noch nicht finden können. Wobei ich Mycena vulgaris auch bisher nur in der banalen Fichtennadelstreu hatte. Ich kenne Mycena vulgaris wiederum nur mit Mehlgeruch und war verwundert, dass es immer wieder heißt "Odour none or somewhat fruity farinaceous." (z.B. https://mycena.no/vulgaris.htm)

Ich habe bisher nur auf die Makroskopie und den Geruch geachtet und ab und an mal die Abziehbarkeit der Gummihaut getestet. Ich traue mir aber auch zu, z.B. an Mycena clavicularis vorbeigegangen zu sein und dabei "weggesehen" zu haben, da die Mycenen nicht zu meinen Favoriten gehören.

Ich werde in Zukunft, wenn ich mal wieder in einem Moor mit Kiefern unterwegs bin, drauf achten (die sandigen Kiefernwälder habe ich ja nicht - aber die Franken sollten da mal schauen...).

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Coprinus sterquilinus ?
« Letzter Beitrag von Christoph am 17. Mai 2019, 17:51 »
Servus Volker,

im Fall von Coprinus ist es eigentlich glasklar. Dass der Schopftintling und seine Verwandten zu den Agaricaceae gehören, wurde parallel (und unabhängig voneinander) genetisch und morphologisch erkannt.

Die Rhizomorphen der Agaricaceae haben einen für diese Familie typischen Aufbau - und die Rhizomorphen von Coprinus s.str. sind genau solche Agaricaceae-Rhizomorphen, die sich von den Rhizomorphen der Psathyrellaceae unterscheiden (Coprinopsis, Coprinellus und Konsorten).
Das rote Pigment, das die Lamellen verfärbt, bevor der Fruchtkörper zerfließt, ist das geiche, das auch die Lamellen der Egerlinge rosa färbt.
Der bewegliche Ring fehlt bei den Psathyrellaceae ebenfalls, tritt aber bei verschiedenen Agaricaceae auf.

Und wie gesagt: die genetischen Stammbäume zeigen, dass Coprinus comatus und Coprinus sterquilinus sowie die weiteren später beschriebenen Gattungsgenossen zu den Agaricaceae gehören.

Als das damals rauskam, war die Frage, wie man jetzt vorgeht - denn Coprinus comatus ist der Typus der Gattung Coprinus. Um die Gattung zu halten und nur die wenigen Schopftintlinge i.w.S. umzubenennen, hätte man den Typus wechseln müssen. Da aber Coprinus comatus die bekannteste Art aus der Gattung ist und auch fachübergreifend zitiert wird (z.B. Medizin), war klar, dass sich der Begriff "Coprinus comatus" eh halten wird. Man hat beschlossen, dass die Schopftintlinge dem Code entsprechend bei Coprinus bleiben und alle anderen Tintlinge umkombiniert werden müssen. Dabei hat man dann gleich die Psathyrellaceae neu untersucht und dann phylogenetisch passende Gattungen definiert, weshalb dann die Tintlinge in mehrere Gattungen verteilt wurden.

Das Zerfließen wurde also (mindestens) dreimal "erfunden:

Bei Coprinus s.str.
bei den Psathyrellaceae
und in der Gattung Conocybe (z.B. Conocybe deliquescens)

Coprinus comatus ist insofern auch etwas Besonderes, da sich dieser Pilz von Nematoden ernährt - er fängt sie mit "spiny balls", lähmt sie dann und frisst sie auf. Inwieweit das auch andere Arten der Gattung machen, weiß ich nicht. Ich könnte es mir aber gut bei Coprinus sterquilinus auch vorstellen, da im Mist ja auch viele Nematoden sind.

Wer mehr darüber lesen will:

Hong Luo, Yajun Liu, Lin Fang, Xuan Li, Ninghua Tang, and Keqin Zhang (2007): Coprinus comatus Damages Nematode Cuticles Mechanically with Spiny Balls and Produces Potent Toxins To Immobilize Nematodes. APPLIED AND ENVIRONMENTAL MICROBIOLOGY, June 2007, p. 3916–3923

Das pdf ist online verfügbar: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1932715/pdf/2770-06.pdf

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Coprinus sterquilinus ?
« Letzter Beitrag von Volker am 17. Mai 2019, 11:23 »
Hallo Rudi
Vielen Dank auch für deine Einschätzung. Ein tolles Bild dieser Art, sehr schön. Tja mit den Eingruppierungen ist es so eine Sache, da gibt es ja immer wieder viel gegensätzliche Meinungen und Einstellungen.

Gruß Volker
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