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Plattform für Pilzfreunde / Re: Julipilze 18
« Letzter Beitrag von UmUlmHerum am 9. Juli 2018, 01:50 »
... und jetzt noch ein paar Täublinge, wobei ich nur ein Hälfte freihändig benamsen kann. Die heutigen Funde waren tierisch verwurmt – macht nicht gerade an zum Mikroskopieren. Die scharfen Russula-spec-Frk. in rot und lila wuchsen auf 1 qm in einem gepflanzten, jungen Eichenwald mit ein paar Linden dazwischen, in ca. 6-8 m Entfernung auch jüngere Fichten, Lösslehm über Kalk, 620 mNN.

Gute Nacht – Rika
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Julipilze 18
« Letzter Beitrag von UmUlmHerum am 9. Juli 2018, 01:42 »
Servus Rudi!

Was, bei Dir gibt´s nix außer Satane? Hat die Dürre nun auch Deine Pilzwälder erreicht? Was ich merkwürdig finde: wieso wachsen dann die Satane?

Ich wundere mich schon die ganzen letzten Wochen... Die letzten kräftigen Niederschläge gab es hier am Hochsträß UmUlmHerum vor rund 4 Wochen (50-60 Liter), dann wieder jeweils 5-6 Liter am 28./29.06.18 und 05./06.07.18, dazwischen Sonne + viel Wind. Sehr kühle Nächte und kein Tau läßt auf geringe Luftfeuchte schließen. In der gesamten Zeit gab es hier kaum Frischpilze – im Schnitt pro Stunde Walddurchgang eine (in Zahlen: "1") frische Pilzart. In manchen meiner sonst guten = artenreichen Pilzwäldern fand ich gar nichts! Reine Südhänge begehe ich schon gar nicht mehr. Am besten waren die gut beschatteten leichten Nordhänge mit Lösslehm-Unterlage.

In einem Buchen-Schwarzkiefer-Fichten-Hochwald fand ich z.B. gestern jeweils einen Grünen Knolli und einen Löwengelben Porling – das war´s! In einem anderen Waldstück exakt einen Silber-Röhrling, in wieder einem anderen Gebiet 1 Maronenröhrling – dabei unterschlage ich gerade nur Roßhaar-Schwindlinge und Fencheltrameten, ah halt: und eine unattraktive Amanita fulva von heute.

Hier meine annähernd kompletten Funde der letzten 8 Tage, die Täublinge kommen im nächsten Beitrag:

Viele Grüße – Rika

 
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Butyriboletus - ein neues Merkmal?
« Letzter Beitrag von Christoph am 9. Juli 2018, 00:19 »
Liebe Renate,

vielen Dank für diese interessante Beobachtung! Wir hatten uns ja schonmal darüber ausgetauscht.

Was man aber vielleicht mal prüfen sollte: wenn du oder jemand (auch ich) einen frischen Hexenröhrling finden sollte (die blauen ja auch), dann vielleicht einfach mal roh in Scheiben einfrieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie beim Auftauen dann auch blauen.

Das Blauen ist ja meist ein Pulvinsäurederivat bei den Röhrlingen, z.B. Variegatsäure oder Xerocomsäure. Und auch B. appendiculatus blaut ja an Luftkontakt, was eben genau diese Pulvinsäuren bewirken (ich weiß jetzt nur nicht im Kopf, ob beide oder nur eine im Anhängselröhrling vorkommt). Wenn dieses "Auftauen-Blauen" auch bei Hexenröhrlingen, Maronenröhrlingen und anderen Blauenden (z.B. Caloboletus usw.) auftritt, dann wäre das Rätsel gelöst. Meist friert man ja nicht roh ein.

Oder hast du schon Vergleichsversuche mit anderen blauenden Röhrlingen gemacht?

Das Problem müsste man chmeisch angehen - wenn es wirklich nur bei Butyriboletus auftreten sollte, dann wäre das durchaus auch für eine Uni bekannt. In dem Fall kann ich gerne versuchen, Kontakt herzustellen. Vorher müsste nur die simpelste Lösung (Pulvinsäuren) ausgeschlossen werden.

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Julipilze 18
« Letzter Beitrag von Christoph am 9. Juli 2018, 00:13 »
Allerdings... stinkert, aber schee...  :P :D

Liebe Grüße,
Christoph
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Pilzberater und PSV / Re: Tödlich giftiger Röhrling (Gattung Rubinoboletus)
« Letzter Beitrag von Christoph am 9. Juli 2018, 00:12 »
Servus Gernot...

Zitat
Sehr interessant, kannst du dazu vielleicht noch ein bisschen mehr schreiben (gerade was die genetischen Unterschiede betrifft)? Gerne natürlich auch in einem neuen Thema, falls das zu sehr off topic ist.

... gerne auch hier, zumal es ja noch nicht zitierfähig ist. Die anatomischen Unterschiede, z.B. Schnallenlosigkeit und andere Cystidenmaße, hat Vellinga ja bereits bei ihren Typusstudien veröffentlicht.

Ich hatte heuer in Stuttgart beim dortigen PSV-Treffen einen Vortrag über giftige "Riesenschirmlinge" gehalten und kam da auch auf Chl. venenatum zu sprechen. Bei der Diskussion meldete sich Björn Wergen, der auch anwesend war, zu Wort und bestätigte aus seiner Sicht den Artrang von Chl. venenatum und sagte, dass das auch genetisch gezeigt worden sei, aber noch nicht publiziert sei.

Insofern habe ich nur diese gerüchteweise Info, die erst spruchreif ist, wenn der entsprechende Artikel raus ist. Solange muss man noch warten. Mir reicht allerdings die Anatomie, um das Taxon abzutrennen - und auf welcher Rangstufe, ob als Varietät oder Art ist da ja erstmal nicht so wichtig.

Giftig sind wohl beide ;-).

Liebe Grüße,
Christoph
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Pilzberater und PSV / Re: Tödlich giftiger Röhrling (Gattung Rubinoboletus)
« Letzter Beitrag von Christoph am 9. Juli 2018, 00:07 »
Servus Till,

du musst gar kein schlechtes gewissen haben - im Gegenteil! Dieses Forum (und auch speziell dieses Board für Pilzberater) ist ja schließlich ganz bewusst ein "Service der BMG". Es geht ja gerade darum, dieses Forum als Informationsquelle und als Diskussionsforum einzusetzen. Insofern gehört für mich in meiner Interpretation des Projekts das Engagement hier auch zu meiner Tätigkeit als Vorstand des Vereins.

Du stiehlst mir daher keine Zeit - ich freue mich über Rückfragen und freue mich über jeden Dialog. Und wenn auch du dich beteiligst, lesen vielleicht wieder mehr Mitglieder der AMIS hier mit und die Inhalte, die ja gerade auch für Pilzberater gedacht sind, werden weiter getragen. Zudem habe ich ja die freie Wahl - ich schaue hier rein, wenn ich die Zeit dazu habe. Und wenn ich im Moment keine Zeit habe, antworte ich später.  ;)

Ich bin auch neugierig, was aus dem Fall geworden ist und ob die Pilze nachträglich besser bvestimmt wurden. Ich werde mal bei Gelegenheit bei Bettina Haberl nachfragen (Giftnotruf München) - vielleicht hat die Tox der TU München aktuellere Infos. Oder vielleicht kannst du deine Asutralien-Connections nutzen und mal dort direkt bei Mykologen nachfragen?!

Liebe Grüße,
Christoph  :)

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Expertenforum Mykologie / Re: Was ist Boletus satanoides sensu Singer?
« Letzter Beitrag von Christoph am 9. Juli 2018, 00:00 »
Servus Till,

noch ein kleiner Nachtrag:

Schau dir mal den Artikel von Wolfgang Klofac an:

Klofac W. (2003): Zur Interpretation von Purpurröhrlingen. Fritschiana (Graz) 42: 28–34. - online hier lesbar: https://www.zobodat.at/pdf/fritschiana_42_0040-0047.pdf (dort einfach auf S. 28 durchblättern, es ist das ganze Heft als eine Datei online.

Dort wird ausführlich auch über die Interpretation der früheren Beschreibungen diskutiert. Sehr lesenswert.

Liebe Grüße,
Christoph
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Pilzberater und PSV / Re: Tödlich giftiger Röhrling (Gattung Rubinoboletus)
« Letzter Beitrag von Gernot am 8. Juli 2018, 19:02 »
Servus, Christoph,

Chlorophyllum venenatum […] unterscheidet sich anatomisch und wie mir mündlich mitgeteilt wurde auch genetisch von Chl. brunneum

Sehr interessant, kannst du dazu vielleicht noch ein bisschen mehr schreiben (gerade was die genetischen Unterschiede betrifft)? Gerne natürlich auch in einem neuen Thema, falls das zu sehr off topic ist.

Schöne Grüße
Gernot
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Pilzberater und PSV / Re: Tödlich giftiger Röhrling (Gattung Rubinoboletus)
« Letzter Beitrag von Till am 8. Juli 2018, 18:44 »
Hallo Christoph -

ich kann all dem nur zustimmen und habe schon fast ein schlechtes Gewissen, weil Du dir von mir so viel Zeit stehlen lässt ... Was mich unterm Strich halt sehr interessiert, ist die Frage, ob dieser Giftröhrling schon einen Namen hat. Wer immer ihn in welcher Gattung auch immer vielleicht beschrieben hat, wusste wahrscheinlich nichts von seinen toxischen Eigenschaften, denn der kulinarische Test ist ja keine Bedingung für eine Neubeschreibung. Es sind ja schon Dutzende, wenn nicht Hunderte von austral. Röhrlingen bekannt - und wenn sich nun einer als Killer entpuppt, wäre es eben toll, wenn sich die austral. Kollegen des Falles annehmen und sich nicht bloß mit "Rubinoboletus spec." zufrieden geben würden.
Alles Gute!
Till
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Pilzberater und PSV / Re: Tödlich giftiger Röhrling (Gattung Rubinoboletus)
« Letzter Beitrag von Christoph am 8. Juli 2018, 16:37 »
Servus Till,

Zitat
Wir wissen beide nicht, wer und aus welchen Gründen diesen austral. Giftröhrling ausgerechnet zu Rubinoboletus gestellt hat und welche Lit. dabei Pate stand. Zweifel müssen da aber erlaubt sein - gerade, wenn man herausfinden will, wie diese gefährliche Art nun wirklich heißt (oder benannt werden kann).

Zweifel sind völlig berechtigt und dürfen auch jederzeit geäußert werden, das ist doch völlig klar.  ;)

Ich versuche aber gerne, die Intention meines Postings zu erklären - denn die ist völlig unabhängig davon, welcher Pilz nun in Australien für den Tod verantwortlich ist.  8)

1. Ich bin bei allen Umkehrschlüssen vorsichtig - Beispiel: es gibt keine tödlich giftigen Röhrlinge als Aussage, nur weil (bei uns) keine bekannt sind.

2. Solche Aussagen sind weltweit betrachtet noch gefährlicher und hier im Fall Röhrlinge sogar zu widerlegen, da es ja einen Todesfall gab.

3. Aussagen zum Speisewert von Pilzarten, die nicht oder kaum gesammelt werden (weil extrem selten und kaum jemandem bekannt) halte ich für nicht auf ausreichend häufige, freiwillige Menschenversuche gestützt.

4. Man muss nicht alles essen - vor allem nicht das, was vor einem noch keiner gegessen hat.

Zu 1.: ein Parallelbeispiel: "Alle Scheidenstrefilinge sind essbar" - so lernt man es bei Pilzkursen, so liest man es in der Literatur... besser wäre "keine giftige Art bekannt". Ich frage immer wieder, wer schon Amanita friabilis gegessen hat - ich habe diese Art noch nie selbst gefunden oder in der Hand gehabt. Ich kenne niemanden. Woher weiß man dann, ob diese Art auch essbar ist?

Früher hieß es, alle milden Schleierlinge seien essbar, später alle milden Phlegmacien seien essbar, dann wurde eingescfhränkt auf die weißfleischigen...

Früher dachte man, alle Egerlinge, die nicht in der Stielbasis chromgelb anlaufen, seien essbar. Nun, Agaricus pseudopratensis (muss nicht in der Stielbasis gilben) und A. freirei werden heute als giftverdächtig eingestuft - sect. Xanthodermatei bzw. jetzt eine eigene Schwestersektion...

zu 2. - dass es manche giftigen Röhrlinge gibt, ist ja mittlerweile hinlänglich bekannt (z.B. Satanspilz). Das schützt manchen Touristen wohl davor, im Regenwald oder sonstwo Röhrlinge zu essen. Dass es offenbar auch tödlich giftige gibt (also mindestens einen), sollte man m.E. daher durchaus publik machen.

Parallelbeispiel Riesenschirmlinge - warum gibt es in den USA Vergiftungen bei Touristen? Ich gehe davon aus, dass viele sich gemekrt haben: "Ring beweglich = Riesenschirmling = essbar". So hat man es früher gelernt. Und siehe da, in vielen Regionen stimmt das nicht, da Chlorophyllum molybdites agg. teils recht unangenhm giftig ist.

Früher hieß es auch bei uns, dass alle mit beweglichem Ring essbar seien (womit wir wieder bei meinem Punkt 1 wären) - und was weiß man heute? Chlorophyllum brunneum ist giftig. Chlorophyllum venenatum ist giftig (unterscheidet sich anatomisch und wie mir mündlich mitgeteilt wurde auch genetisch von Chl. brunneum). Und - aller guten Dinge sind drei - Leucoagaricus nympharum (ehemals auch Macrolepiota) ist giftig und hat mehrere Vergiftungen ausgelöst.

Meist wurden eben Parasol und Safranschirmlihng gegessen. Das wurde dann auf alle "Riesenschirmlinge" ausgeweitet, die seien alle essbar.

zu 3.)
Ich habe auch schon gelesen, dass Hygrophoropsis morganii essbar sei - das geschah vermutlich in Sippenhaft, da der Falsche Pfifferling nicht wirklich giftig ist. Jetzt weiß man, dass der Duftende Afterleistling in die Hygrophoraceae gehört. Und wie ist jetzt sein Speisewert? Doch deshalb nicht anders als vorher...

Kann / darf man nur aufgrund ungiftiger Verwandter sagen, ein Pilz sei essbar? Sollte man da nicht Belege haben, dass die Art auch wirklich von mehreren nicht miteinander verwandten Personen ohne Schaden verspeist wurde?

Bei Rubinoboletus ist es m.E. ähnlich. Mir ist es ehrlich gesagt, was das angeht, egal, ob es ein Chalciporus oder eine eigene Gattung ist. Diese Pilzart wurde vermutlich noch nicht oft verzehrt. Nur weil der Pfefferröhrling nicht giftig ist, muss dann dieser rote essbar sein?

Dass für den australischen Pilz die Gattung Rubinoboletus genannt wurde, war für mich nur der Aufhänger für diesen Gedankenanstoß hier. Mir ist klar, dass der abgebildete Pilz alles mögliche sein kann, zumal der Artikel nicht wirklich auf den Pilz an sich eingeht.

zu 4.)
Und hier verstehe ich die aktuell beliebten Pilzapps und Websites für Mycophagen nicht, die wirklich alles, was nicht bei drei auf dem Baum hockt, als essbar bezeichnen. Das erinnert mich dann an die deutschen Pilzblätter, die während des Kriegs mit Artikeln bestückt wurden, bei denen z.B. über die Mengen an Seifenritterlingen spekuliert wurde, die man noch essen könnte ohne sich zu vergiften.

Wir haben doch keine Not mehr, keine Hungerszeiten mehr. Pilze sind ein tolles Hobby und der Verzehr von Pilzen kann richtig Freude bereiten. Und probiert man mal ein besonderes Rezept aus, muss man oft auch keine Unmengen mehr verzehren. Qualität statt Quantität.
Dass aber trotzdem eine Bestrebung vorzufinden ist, selbst die seltensten Pilze als essbar zu bezeichnen und anzuregen, sie zu verzehren, finde ich sowohl naturschutzfachlich als auch hisichtlich der Gefahr einer Vergiftung (durch Neuentdeckung von Giftpilzen) bedenklich.

Langer Rede kurzer Sinn:

Es geht mir hier in diesem Thread nicht darum, ob "unser Rubinoboletus" giftig ist. Es geht mir auch nicht darum, ob der australische Pilz wirklich ein Rubinoboletus ist. Mir geht es auch nicht darum, wer die Gattungsgrenzen wie definiert und ob der als Tylopilus balloui bekannte Pilz wirklich zu Rubinoboletus gehört oder ob die Gattung ein Teil von Chalciporus sein soll.

Mir geht es nur darum, dass man keine Umkehrschlüsse machen sollte und seltene Pilze, die (fast) niemand vorher gegessen hat, nichts im Kochtopf zu suchen haben. Deshalb hatte ich diesen Thread hier auch im Bereich "Pilzberatung" eingestellt.

 ;)

Liebe Grüße,
Christoph  :)
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