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Expertenforum Mykologie / Weltschlüssel der Gattung Phellinopsis
« Letzter Beitrag von Christoph am Heute um 02:01 »
Hallo zusammen,

Phellinopsis wurde als Gattung aus der Großgattung Phellinus herausgenommen (u.a. aufgrund von genetischen Stammbäumen). Mittlerweile wurde dies durch unterschiedliche Artikel bestätigt. Es hat sich zudem gezeigt, dass die meisten Arten der kleinen Gattung in China vorkommen. Dazu kommt noch je eine Art in Europa und Nordamerika.

Folgenden, aktuellen, gerade erst publizierten Artikel über die Gattung habe ich heute gelesen:

Li-Wei Zhou & Jie Song (2017): Phellinopsis lonicericola and P. tibetica spp.
nov. (Hymenochaetales, Basidiomycota), from Tibet, with a key to worldwide species, Mycologia,
DOI: 10.1080/00275514.2017.1300086
To link to this article: http://dx.doi.org/10.1080/00275514.2017.1300086

Die Gattung Phellinopsis wurde wie gesagt aus den Feuerschwämmen herausgenommen. Es handelt sich hierbei um Arten, deren Setae – falls vorhanden – aus Tramahyphen entspringen, also aus der Tiefe kommen, und deren dickwandige, meist breit elliptische bis fast kugelige Sporen zunächst farblos-hyalin sind, aber im Laufe des Ausreifens gelb werden – im Mikroskop ist gut zu erkennen.

Die nach aktuellem Kenntnisstand einzige in Europa auftretende Art der Gattung Phellinopsis ist Phellinopsis conchatus (früher Phellinus conchatus). Die meisten bisher bekannten Arten treten in China auf, vor allem in Tibet. Da Pilzreisen nach China / Tibet mittlerweile möglich sind, ist vielleicht ein Schlüssel der 8 Arten der Gattung für den einen oder anderen doch interessant. Daher übersetze ich den Schlüssel von Zhou & Song (2017) mit wenigen, eigenen Ergänzungen zur Verbreitung.

1. Poren 2–6 per mm......................................................... 2
1*. Poren 6–8 per mm........................................................ 5

2. Poren <4 per mm; Arten aus den USA oder China ....... 3
2*. Poren >4 per mm; chinesische Arten ........................ 4

3. Fruchtkörper meist effuso-reflex bis pileat; an
Crataegus douglasii;  westliche USA........ P. overholtsii
(= P. occidentalis ss. auct.)
3*. Fruchtkörper meist resupinat; an Lonicera; im südöstlichen
Tibet  ...................................... P. lonicericola

4. Fruchtkörper effuso-reflex bis pileat, Fleisch mit Duplex-Struktur
(zwei unterschiedliche Fleischschichten ausbildend); Basidiosporen
breit elliptisch bis eiförmig, meist >5 μm dick .............. P. junipericola
4*. Fruchtkörper resupinat, mit homogenem Fleisch;
Basidiosporen länlgich-ellitpisch bis elliptisch, meist schmaler als 5 μm
..................................................... P. asetosa

5. Fruchtkörper rein resupinat; Basidiosporen nur bis 5,5
μm lang .......................................................... P. resupinata
5*. Fruchtkörper gewöhnlich effuso-reflex bis pileat,
nur ausnahmsweise resupinat; Basidiosporen meist 5.5 μm
Länge überschreitend .................................................................... 6

6. Basidiosporen schmaler als 4,5 μm; Europa ................. P. conchata
6*. Basidiosporen breiter als 4.5 μm; China, Tibet ............................ 7

7. Fruchtkörper resupinat bis effuso-reflex, Fleisch homogen
....................................................................................... P. helwingiae
7*. Fruchtkörper pileat, Fleisch mit Duplexstruktur ........ P. tibetica

LG
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: seltsamer Pilz
« Letzter Beitrag von Christoph am Gestern um 19:58 »
Den kenn ich auch - der ist irgendwie ab Mitte April (leider!!!) sehr häufig in diversen Auwäldern. Er scheint ein Großstadtzeiger zu sein, denn in der Nähe von München oder Augschburg ist er irgendwie häufiger als weit weg von menschlichen Siedlungen. Man könnte ihn also als Kulturfolger bezeichnen  :-X

Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / seltsamer Pilz
« Letzter Beitrag von Schorsch am Gestern um 19:08 »
Servus,
heut ist mir ein ganz neues Schwammerl begegnet. Nach sorgfältiger Recherche habe ich ihn als aliquisanteme stercus oder auf bayrisch Eppananderwavomiado bestimmt.
 :)   :o >:(
LG Schorsch
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Der ultimative Rätsel-Fred
« Letzter Beitrag von Schorsch am 24. April 2017, 14:57 »
Hallo liebe Pilz-Freunde,
der Rätsel-Fred hat wohl keine Freunde mehr. :-(
so löse ich denn das letzte Rätsel auf und beerdige den Rätsel-Fred.
Die Lösung wäre gewesen:
Schwärzender Wiesenritterling Porpoloma metapodium.
 Liebe Grüße von einem traurigen Schorsch

PS: Vielleicht wird er ja irgendwann in irgendeiner Form wieder zu Leben erweckt.
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Porling
« Letzter Beitrag von Christoph am 21. April 2017, 18:23 »
Ja, so ist es klarer ;) - wobei ich in dem Jungstadium nicht sicher bin, ob ich den Schuppigen Porling und den Sklerotienproling unterscheiden kann, jedenfalls nicht nach Foto. Beim Schuppigen Porling finde ich, dass er irgendwie muffig nach Gurke/Mehl riecht, wobei das bei den aktuellen, teils niedrigen Temperaturen ja wohl nicht stark ausgeprägt sein muss.

Typisch und Ausschlusskriterium gegenüber Polyporus arcularius und Konsorten ist der dicke, fleischige Stiel (neben der jung ziemlich weichen Konsistenz und der Huthaut, die anders ist, eben Schuppen bildet).

LG,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Porling
« Letzter Beitrag von Schorsch am 21. April 2017, 16:05 »
Habe heute den Hut des inzwischen schon etwas eingetrockneten Winzlings fotografiert.
Man sieht jetzt deutlich die entstehende Schuppe.
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Porling
« Letzter Beitrag von Schorsch am 21. April 2017, 00:52 »
Geruch ja, aber nicht nach Gurke. Aber jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen. In der Wärme haben sich jetzt 2 Schuppen entwickelt. Und ganz in der Nähe (200 m) waren ansehnliche Schuppige Porlinge. Dass dieser solitäre Winzling auch einmal so ein Exemplar werden könnte, auf diese Idee bin ich nicht gekommen.
Danke und liebe Grüße Schorsch
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BMG e.V. / Re: Ausbildung zum Pilzsachverständigen (BMG)
« Letzter Beitrag von Christoph am 20. April 2017, 21:29 »
Hallo zusammen,

ich möchte hier nochmal auf unsere Ausbildungsordnung hinweisen: http://www.pilze-bayern.de/images/Pilzberatung/AuPO_PSV.pdf

Wir haben intern das Modul I auf vier Tage reduziert (in der Ordnung steht noch fünf Tage), damit die Ausbildung etwas kompakter ablaufen kann. Ich möchte hier nur nochmal kurz erklären, um welche Inhalte es geht, was also später (stichpunktartig) geprüft werden wird.

Modul I:
Ziel ist es, dass man in der Lage ist, einen Großpilz eigenständig zu analysieren - also nicht mit dem Pilzbuch in der Hand, sondern ganz allein, deshalb auch sicher. Das bedeutet, dass man z. B. einen Hutdeckschichtschnitt hinbekommt und so angeben kann, welcher Hutdeckschichtttyp bei einem unbekannten Pilz vorliegt - also z. B. ob eine Cutis, ein Tomentum, ein Trichoderm, eine Palisade usw.
Dazu gehört auch die Analyse des Lamellentramatyps (z. B. irregulär, regulär, divergierend, invers), der Zystidenverhältnisse sowie einfache Färbetechniken (Amyloidie, Dextrinoidie, Cyanophilie), die Bewertung von Sporenornamenten - auch Begriffe wie Plage oder Suprahilare Depression sollten dann ein Begriff sein.
Bei Ascomyzeten sollte man Paraphysen von Asci unterscheiden lernen, erkennen könne, ob ein Ascus operkulat oder z. B. inoperkulat ist - auch Textura-Typen sollten ein Begriff sein. Der Umgang mit Herbarmaterial sollte dann auch bekannt sein (Präparation, Aufbereitung des Schnitts - z. B. erst in Wasser, dann Lauge zugeben usw.).

In der späteren Prüfung wird dann beispielsweise ein Fruchtkörper vorgelegt, dessen HDS-Typ analysiert werden soll, an einem anderen der Lamellentramatyp bestimmt werden (usw.).  Es geht also darum, "ob man mikroskopieren kann". In der theoretischen Prüfung werden Grundbegriffe abgefragt.

Modul II ist dann ganz der Krankenhausdiagnostik verschrieben.
Hier geht es also darum, Pilzfragmente aus Putzresten oder Pilzmahlzeiten zu isolieren, zu reinigen und daraus geeignete Präparate für das Mikroskop zu erstellen. Schnitttechniken sind da nicht wichtig, da man meist eh nur zupfen kann. Es geht vor allem um die Präparatuionstechnik und um die Erfahrung, zu wissen, wie sich welche Merkmale durch das Kochen/Braten verändern. So kann Stärke beispielsweise bei längerem Kochen aus der Sporenwand gelöst werden und die Sporen sind plötzlich nicht mehr so amyloid...
Da eine Artbestimmung meist mangels makroskopischer Merkmale nicht gelingt, geht es vor allem darum, Verdacht auf giftige Arten äußern zu können. Wenn also im Gericht Stücke eines bekannten Giftpilzes enthalten sind (z. B. Amanita phalloides), dann sollte anhand der Sporenform und der Amyloidie Amanita erkannt werden. Als Hintergrundwissen sollten dann auch die gängigen Vergiftungssyndrome bekannt sein.

Modul III beeinhaltet dann die Systematik, die Ökologie, abrundend Toxikologie sowie Umweltrecht.
Die Systematik hat große Sprünge gemacht - ein Pilzsachverständiger muss jetzt nicht alle momentanen Familienzuodnungen kennen, zumal die j anoch im Fluss sind, aber dass beispielsweise Stäublinge zu den Agaricales gehören, Hartboviste zu den Boletales und dass Erdsterne weitläufig mit den Ramarien und den Phallales verwandt sind, sollte dann doch zum Allgemeinweissen gehören. Kurzum: es werden die wichtigsten Ordnungen der Basidiomycota erklärt, die Grobsystematik der Ascomycota nähergebracht und auch eine kurze Übersicht über das Reich der Pilze erläutert. Hierbei wird insbesondere erklärt, wie es zu den aktuellen Umbrüchen kam, also wie man beispielsweise einen DNA-Stammbaum interpretieren kann.
Die Ökologie ist auch hinsichtlich der Systematik wichtig, da man so verstehen kann, wie aufgrud reiner Anpassung auf Verbreitungsstrategien Fruchtkörpertypen konvergent entstanden - so beispielswiese die "Bauchpilze" (und warum "Bauchpilz" eben kein systematisch passender Begirff ist). Hinzu kommen dann Lebenstypen wie Symbiosen (z. B. Mykorrhizen), Parasitismus, saprobe Ernährung usw.

Die Toxikologie umfasst Kenntnise über die gängigen Vergiftungssyndrome - hier kann aber anhand eines Skrips oder auch anhand geeigneter Literatur vorgearbeitet werden, sodass im Modul III das nur kurz wiederholt werden muss.

Das Umweltrecht beschränkt sich primär auf die Bundesartenschutzverordnung, Sammelbeschränkungen und -auflagen sowie um Betretungsrechte und Schutzstatus (z. B. Schutzgebiete).


Es klingt oft schwieriger, als es ist. Daher nochmal in Schlagworten:

Nach Modul I sollten man Grundkenntnisse im Mikroskopieren besitzen und selbständig präparieren und analysieren können.
Nach Modul II schreckt man auch nicht davor zurück, Pilzgerichte (oder auch mal Trüffelsalami?) zu mikroskopieren.
Nach Modul III hat man zudem einen Überblick hinsichtlich Ökologie und Systematik der (Groß)Pilze, kennt sich rechtlich in Sachen Pilzsammeln aus und kennt auch die wichtigsten Vergiftungssyndrome.

Weitere Fragen sehr gerne hier in diesem Thread oder intern per E-Mail.

LG,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Re: Porling
« Letzter Beitrag von Christoph am 20. April 2017, 20:27 »
Lieber Schorsch,

schön wäre es, den Porling von oben zu sehen. Kann es sein, dass dieser Porling recht deutlich nach Gurke riecht?

(Ich tippe auf einen sehr jungen Polyporus squamosus, falls nicht so penetrant riechend, auf einen jungen Sklerotienporling)

LG
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Porling
« Letzter Beitrag von Schorsch am 20. April 2017, 19:59 »
Servus beinand,
ich habe heute an einem total vermoosten Laubholzstamm (Ahorn, Buche?) einen Porling gefunden, der irgendwie zwischen Bienenwaben- (Polyorus alveolaris) und weitlöcherigem Porling (P. arcularius) liegt. Ich tippe wegen des Habitus auf einen jungen Alveolaris, auch wenn die Poren noch etwas klein und mit dicken Zwischenwänden sind.
Wer hat eine Meinung dazu?
LG Schorsch
PS: Das Ästchen diente nur zum Abstützen beim Fotografieren. (Eschenzweig mit Hypoxylon fraxinophilum)
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