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Expertenforum Mykologie / Re: Tolle Funde aus dem Nationalpark Bayerischer Wald
« Letzter Beitrag von Peter P. am 11. Dezember 2017, 21:14 »
Zitat
Bald wird man bei solchen Fällen wohl sagen: "Wenn das der Söder mitbekommt..."

Oh ja, der ist ja "Frange" !
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Expertenforum Mykologie / Re: Tolle Funde aus dem Nationalpark Bayerischer Wald
« Letzter Beitrag von Christoph am 11. Dezember 2017, 20:40 »
Servus Christian,

nein, Stereopsis vitellina ist kein tropsicher Pilz. Er kommt in den gemäßigten Breiten wohl zirkumpolar vor - hier wird die Art aus Kanada - Provinz Quebec - vorgestellt: https://www.mycoquebec.org//bas.php?l=r&nom=Stereopsis%20vitellina%20/%20St%C3%A9r%C3%A9e%20vitelline&post=Stereopsis&gro=121&tag=Stereopsis%20vitellina

Lothar stellte den Nationalparkfund übrigens als Pilz des Monats Oktober 2017 auf seiner Homepage vor: http://www.pilzkunde.de/index.php/pilz-des-monats?showall=&start=2


Lieber Peter,

was die Meldungen hinsichtlich von Erstfunden für Bayern resp. Deutschland angeht: dafür bin ich nicht verantwortlich  ;) - ich habe nur die Pressemitteilung online gestellt, da ich die tollen Funde, egal ob nun Erstnachweise oder nicht, gerne auch hier vorzeige. Es ist aber völlig richtig, auf Fehler in den Pressemitteilungen hinzuweisen, wie es bei einer andferen schon Heinz Holzer tat.

Ob die verantwortlichen "Nationalparkmykologen" Franken nicht zu Bayern zählen, weiß ich natürlich nicht  8) - sie sind aber beide keine gebürtigen Bayern, weshalb ich Lokalkolorit mal ausschließen will.  :D

Bald wird man bei solchen Fällen wohl sagen: "Wenn das der Söder mitbekommt..."  8)

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Tolle Funde aus dem Nationalpark Bayerischer Wald
« Letzter Beitrag von Peter P. am 11. Dezember 2017, 16:39 »
Hallo in die Runde,
die Ländereien nördlich des Weißwurstäquators gehören nach meinem Dafürhalten auch zu Bayern und Lauenstein im Frankenwald war sogar bis 1918 zum Königreich Bayern gehörend und ist bis heute bayerisch. Dort haben auch Heinz Engel und Harald Ostrow den Pilz 1989 gefunden und bestimmt. Im benachbarten Sachsen hatte 1971 Peter Otto den Pilz gefunden, der wahrscheinlich für die Erstbeschreibung als Poria saxonica 1974 von H. Dörfelt diente. 2006 fand Frank Dämmrich den Pilz in Südthüringen, wo ich 2012 den Pilz im gleichen Waldstück auf etwa 600 mNN wiederfand. Die Fotos sind von dort. Ob die Art die beschriebenen Voraussetzungen zum Gedeihen braucht kann vom letztgenannten Fundort eigentlich nicht so richtig nachvollzogen werden. Es ist ein schon mindestens 100 Jahre forstlich genutzter reiner Fichtenwald, der Pilz wuchs dort auf schon finalfaulen Stubben von vor etwa 35 Jahren geschlagenen Fichten, ging auch auf die Streu über und befiel auch schon vom Hallimasch geschädigte und abgestorbene Bäume im Wurzelbereich.
LG Peter P.

Die Karte aus der DGfM- Kartierung:

http://www.pilze-deutschland.de/organismen/fibroporia-bohemica-bernicchia-vampola-prodi-2012-1 
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Expertenforum Mykologie / Re: Tolle Funde aus dem Nationalpark Bayerischer Wald
« Letzter Beitrag von Älbler am 11. Dezember 2017, 08:10 »
Hallo Christoph,

das ist schon erstaunlich, was für interessante Pilzarten das Gebiet birgt. Da kriegt man richtig Lust, mal wieder im Bayerwald vorbeizuschauen.

Zu der Stereopsis habe ich noch ein paar Fragen: Ist Stereopsis vitellina nicht ein tropisch verbreiteter Pilz? Oder verwechsle ich den mit Cotylidia vitellina? Ist diese Art eine Stereopsis im Sinne von Sjkvist?
Mich würden brennend die Form der Basidien und der Sporen von eurem Fund interessieren.

Viele Grüße
Christian
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Expertenforum Mykologie / Tolle Funde aus dem Nationalpark Bayerischer Wald
« Letzter Beitrag von Christoph am 10. Dezember 2017, 23:56 »
Liebe Pilzfreundinnen und -freunde,

ich stelle hier eine Pressemitteilung des Nationalparks Bayerischer Wald ein. Dort werden die besten Funde der Saison 2017 aus dem Nationalpark vorgestellt. Den Fund von Stereopsis vitellina habe ich sogar in der Hand gehabt - Lothar hat ihn mir direkt gezeigt und mir einen Teil des Materials für mein Herbar mitgegeben.

Doch nun besser direkt zum Infotext des Nationalparks:

Pressemitteilung

Grafenau, 08. Dezember 2017

PM 121/2017


Außergewöhnlich spannende Pilzfunde

Jahresbilanz der Nationalparkforscher weist einige Erstfunde auf


Grafenau. Seit diesem Jahr wird den Pilzen im Bayerischen Wald noch intensiver hinterhergejagt. Schließlich hat sich das 2017 gestartete Projekt Funga des Böhmerwaldes der Pilzforschung und -kartierung verschrieben. Dabei stehen nicht nur die Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava im Fokus, sondern das komplette Dreiländereck. Für das bayerische Nationalparkgebiet haben die Forscher nun eine erste Bilanz gezogen. Und die kann sich sehen lassen.



Wurde bisher nie in Deutschland gesichtet: Dieser Helmling wurde nun 2017 am Ruckowitzschachten gefunden. (Foto: Lothar Krieglsteiner)

Insgesamt wurden heuer vier Pilzarten erstmals in Bayern nachgewiesen. Zwei davon wurden zuvor  in ganz Deutschland noch nicht gesichtet. Für das Nationalparkgebiet gab es sogar über zehn Erstnachweise. „Das zeigt, welch hohe ökologische Qualität der Nationalpark aufweist“, resümieren die Nationalparkmykologen Claus Bässler und Peter Karasch.

Das von der EU finanzierte Interreg-Projekt Funga des Böhmerwaldes setzt verstärkt auf Bürgerbeteiligung. So konnte etwa nahe Altschönau die äußerst seltene Böhmische Tramete (Fibroporia bohemica) nachgewiesen werden – erstmals im Freistaat. Diese Art benötigt alte, von Forstnutzung ungestörte Habitate als Lebensraum. Auch die Wiederbeweidung des Ruckowitzschachtens nahe Zwieslerwaldhaus hat positive Effekte. So wurde dort der bislang nur aus Skandinavien bekannte Helmling (Mycena pasvikensis) erstmals in der Bundesrepublik entdeckt. Auch der in Deutschland als echte Rarität geltende Gelber Kreiselblätterpilz (Stereopsis vitellina) wurde erstmals im Nationalpark gefunden. Der dottergelbe Moosbewohner wurde zuletzt 1975 in Franken gesichtet.
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Expertenforum Mykologie / Re: Ramaria cf flavoides
« Letzter Beitrag von Beorn am 10. Dezember 2017, 21:11 »
Hallo, Christoph!

Rhizomorphen hatte ich ja leider keine. Darum konnte ich nur den Filz an der Stielbasis untersuchen, ohne gelifizierte Hyphen zu finden. Was jetzt nicht heißen muss, daß zB in den Rhizomorphen keine da gewesen wären. Das ist also ein Unsicherheitsfaktor in der Untersuchung.

Ansonsten - was ich oben nicht geschrieben hatte - keine Auffälligkeiten: Verfärbung mit KOH fehlt, keine Verfärbung im Schnitt / Verletzung, Geruch & Geschmack unauffällig.

Danke schon mal für deinen beitrag und die Nachricht an Josef Christan!


LG; Pablo.
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Expertenforum Mykologie / Re: Ramaria cf flavoides
« Letzter Beitrag von Christoph am 10. Dezember 2017, 20:17 »
Servus Pablo,

ich habe Josef schon angeschrieben, aber er war (oder ist noch?) im Urlaub. Er wird sich sicher noch melden. Wenn die Hyphen an der Strunkbasis bzw. die Rhizomorphen (ich schaue lieber die an, das finde ich klarer) nicht gelifiziert sind, dann wäre Ramaria flavoides auszuschließen. Aber ich lasse lieber Josef was dazu sagen...

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Hygrocybe pseudoconica var. tristis?
« Letzter Beitrag von Christoph am 10. Dezember 2017, 20:14 »
Servus Helmut,

das Hygrocybe-conica-Aggregat bedarf einer Revision. Auch Boertmann hat in seiner Monographie einen Bogen um die Schwärzenden Saftlinge gemacht und ein bewusst breites Artkonzept gefahren.

Ich finde in höheren Lagen der Alpen auch sehr häufig diese Schwärzenden Saftlinge ohne Rottöne. Die Frage ist natürlich, welche Rangstufe sie verdienen und wie sie heißen. Der Name Hygrocybe tristis ist nach Candusso zu verwerfen, da Hygrocybe tristis Pers. ss. Pers. wirklich nur H. conica s.str. sein soll (laut Candusso).

Als Name steht daher Hygrocybe olivaceonigra (P.D. Orton) M.M. Moser im Raum - für die wirklich trüb-düsteren Kollektionen. Hier sollen die Sporen aber recht lang sein, also Quotient über 2, was sie deutlich von Hygrocybe conica s.str. absetzt.

Der ganz helle, zitronengelbe Saftling könnte das sein, was Malencon beschrieb: Hygrocybe conica var. chloroides (Malencon) M. Bon

Es gibt noch einen weiteren Namen: Hygrocybe cinereifolia Courtecuisse & Priou - das kann auf die angewendet werden, die schon ganz jung auffallend graue Lamellen haben.

DNA-Stammbäume in Sachen Hygrocybe conica s.l. beziehen sich meines Wissens nur auf wenige Belege und nur auf die ITS (?! - müsste ich nochmal nachrecherchieren). Ich bezweifle, dass die Typusbelege von beispielsweise H. olivaceonigra oder H. cinereifolia sequenziert wurden.

Ich habe in Rothschwaig einen Schwärzenden Saftling mit sehr breitelliptischen Sporen, wo der Quotient zu klein für H. conica s.str. ist.

Ich kann mir auch ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass beispielsweise hygrocybe conicoides, die ja nicht mal richtig schwärzt, das gleiche sein soll wie H. conica, auch wenn z. B. Hygrocybe riparia / H. conicopalustris als Übergang gewertet werden könnte (da wurde m.W. auch nichts sequenziert - kann mich aber irren).

Ganz abraten würde ich, Mycobank oder Index Fungorum hinsichtlich der Synonymie als Quelle zu verwenden. Diese Datenbanken sind äußerst wertvoll, um alle Grunddaten eines Taxons nachzuschlagen und homotypische Synonyme zu finden. Die Entscheidung, welche Arten unter welchem Namen synonymisiert werden (also die, die auf unrerschiedlichen Typne basieren), ist nicht Ziel dieser Datenbanken. Die Manpower reicht da nie und nimmer, das auf dem aktuellsten Stand zu halten. Es ist schon mehr als extremer Aufwand, die Grunddaten zu sammeln und zu verwalten.

Eine ordentliche Revision fehlt halt, daher sind Schwärzende Saftlinge im Moment kaum zu bestimmen. Am besten gut dokumentieren und abwarten, bis eine Lösung publiziert wird, die nachvollziehbar ist. Im Moment ist die Lösung, alles zusammenzuwerfen, weil man nichts genaues nicht weiß.

Als Arbeitsnamen würde ich für die leuchtend schwefelgelbgrünen Hygrocybe conica var. chloroides nehmen und für die typisch düsteren, radialfaserigen eben H. olivaceonigra, wenn die Sporenmaße passen.

Welche Sporenmaße haben denn deine Funde?

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Hygrocybe pseudoconica var. tristis?
« Letzter Beitrag von Peter am 10. Dezember 2017, 15:46 »
Servus Helmut,

das Arten- und Gattungskonzept in Funga Nordica II basiert auf den damals verfügbaren molekularen Studien. Die dritte Auflage ist ja für das kommende Jahr angekündigt.

Derzeit kannst du auch in Mycobank sehen, dass alle gängigen Literatur-Varietäten und Formen unter H. conica zusammenlaufen. http://www.mycobank.org/BioloMICS.aspx?Table=Mycobank&Rec=121753&Fields=All

Du kannst deine Funde ja dennoch als var. tristis kartieren, falls künftig noch feinere Methoden zu einem akzeptablen Artrang führen.

Ciao, Peter
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Expertenforum Mykologie / Hygrocybe pseudoconica var. tristis?
« Letzter Beitrag von Helmut am 10. Dezember 2017, 13:38 »
Liebe Saftlingsfreunde,

im alpinen Bereich finden sich immer wieder auffallende schwärzende Saftlinge mit konischem Hut, nur schwacher Faserigkeit und leuchtend gelben Farben. Jamoni 2008 („Funghi alpini“) führt sie unter dem Namen Hygrocybe pseudoconica var tristis (Pers.) Bon und bezeichnet sie als unabhängig in der Höhenlage, aber für dort oben recht gemein.

Nun gibt es in der Literatur (und auch im Netz) auch noch eine H. tristis (mit deutlicher faserigem Hut und eher düsteren Farben) sowie gelbe Formen von H. nigrescens / conica ( pseudoconica. Die Ansichten zur Nomenklatur und Synonymie unterschieden sich zwischen verschiedenen Autoren. Mikroskopisch geben die offenbar nichts her.

Meine hier vorgestellte Kollektion (August 2017, westliche Karwendelspitze, alpin) passt am besten zur genannten Darstellung bei Jamoni: Leuchtend gelb, nur leicht faserig, nie mit Orange- oder Rot-Ton. H. tristis soll einen deutlicher faserigen Hut haben und trübere Farben, da habe ich auch eine Kollektion von 2009, die dazu passen könnte (gelb mit düsteren oliven Anteilen und deutlich faserig-gestreift (durchscheinend?)). Schließlich ist mir 2013 mal eine leuchtend gelbe Kollektion vor die Linse gekommen, die zitronengelbe Farben aufwies, allerdings bei einem Exemplar mit deutlich orangeroten Stellen, und mit einem zierlicheren Habitus, in einem Laubwald mit auwaldähnlichem Charakter.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das alles ein und dieselbe Art sein soll. In der Funga Nordica (2-bändige 2. Auflage) kommen nur conica var conica und conica var. conicoides vor, mit Hinweisen auf „infraspecific taxa“ (var. pseudoconica, var. conicopalustris, var. chloroides), eine „tristis“ wird nirgends auch nur erwähnt. Gibt es dazu vielleicht neue Erkenntnisse, evt. auf DNA-Basis?

Meine Belege, von denen in der Regel auch Exsikkate vorhanden sind, stelle ich bei Interesse gerne zur Verfügung.

Winterliche Grüße

Helmut
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