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Hallo Christoph,

das ist schon erstaunlich, was für interessante Pilzarten das Gebiet birgt. Da kriegt man richtig Lust, mal wieder im Bayerwald vorbeizuschauen.

Zu der Stereopsis habe ich noch ein paar Fragen: Ist Stereopsis vitellina nicht ein tropisch verbreiteter Pilz? Oder verwechsle ich den mit Cotylidia vitellina? Ist diese Art eine Stereopsis im Sinne von Sjkvist?
Mich würden brennend die Form der Basidien und der Sporen von eurem Fund interessieren.

Viele Grüße
Christian
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Expertenforum Mykologie / Tolle Funde aus dem Nationalpark Bayerischer Wald
« Letzter Beitrag von Christoph am Gestern um 23:56 »
Liebe Pilzfreundinnen und -freunde,

ich stelle hier eine Pressemitteilung des Nationalparks Bayerischer Wald ein. Dort werden die besten Funde der Saison 2017 aus dem Nationalpark vorgestellt. Den Fund von Stereopsis vitellina habe ich sogar in der Hand gehabt - Lothar hat ihn mir direkt gezeigt und mir einen Teil des Materials für mein Herbar mitgegeben.

Doch nun besser direkt zum Infotext des Nationalparks:

Pressemitteilung

Grafenau, 08. Dezember 2017

PM 121/2017


Außergewöhnlich spannende Pilzfunde

Jahresbilanz der Nationalparkforscher weist einige Erstfunde auf


Grafenau. Seit diesem Jahr wird den Pilzen im Bayerischen Wald noch intensiver hinterhergejagt. Schließlich hat sich das 2017 gestartete Projekt Funga des Böhmerwaldes der Pilzforschung und -kartierung verschrieben. Dabei stehen nicht nur die Nationalparks Bayerischer Wald und Šumava im Fokus, sondern das komplette Dreiländereck. Für das bayerische Nationalparkgebiet haben die Forscher nun eine erste Bilanz gezogen. Und die kann sich sehen lassen.



Wurde bisher nie in Deutschland gesichtet: Dieser Helmling wurde nun 2017 am Ruckowitzschachten gefunden. (Foto: Lothar Krieglsteiner)

Insgesamt wurden heuer vier Pilzarten erstmals in Bayern nachgewiesen. Zwei davon wurden zuvor  in ganz Deutschland noch nicht gesichtet. Für das Nationalparkgebiet gab es sogar über zehn Erstnachweise. „Das zeigt, welch hohe ökologische Qualität der Nationalpark aufweist“, resümieren die Nationalparkmykologen Claus Bässler und Peter Karasch.

Das von der EU finanzierte Interreg-Projekt Funga des Böhmerwaldes setzt verstärkt auf Bürgerbeteiligung. So konnte etwa nahe Altschönau die äußerst seltene Böhmische Tramete (Fibroporia bohemica) nachgewiesen werden – erstmals im Freistaat. Diese Art benötigt alte, von Forstnutzung ungestörte Habitate als Lebensraum. Auch die Wiederbeweidung des Ruckowitzschachtens nahe Zwieslerwaldhaus hat positive Effekte. So wurde dort der bislang nur aus Skandinavien bekannte Helmling (Mycena pasvikensis) erstmals in der Bundesrepublik entdeckt. Auch der in Deutschland als echte Rarität geltende Gelber Kreiselblätterpilz (Stereopsis vitellina) wurde erstmals im Nationalpark gefunden. Der dottergelbe Moosbewohner wurde zuletzt 1975 in Franken gesichtet.
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Expertenforum Mykologie / Re: Ramaria cf flavoides
« Letzter Beitrag von Beorn am Gestern um 21:11 »
Hallo, Christoph!

Rhizomorphen hatte ich ja leider keine. Darum konnte ich nur den Filz an der Stielbasis untersuchen, ohne gelifizierte Hyphen zu finden. Was jetzt nicht heißen muss, daß zB in den Rhizomorphen keine da gewesen wären. Das ist also ein Unsicherheitsfaktor in der Untersuchung.

Ansonsten - was ich oben nicht geschrieben hatte - keine Auffälligkeiten: Verfärbung mit KOH fehlt, keine Verfärbung im Schnitt / Verletzung, Geruch & Geschmack unauffällig.

Danke schon mal für deinen beitrag und die Nachricht an Josef Christan!


LG; Pablo.
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Expertenforum Mykologie / Re: Ramaria cf flavoides
« Letzter Beitrag von Christoph am Gestern um 20:17 »
Servus Pablo,

ich habe Josef schon angeschrieben, aber er war (oder ist noch?) im Urlaub. Er wird sich sicher noch melden. Wenn die Hyphen an der Strunkbasis bzw. die Rhizomorphen (ich schaue lieber die an, das finde ich klarer) nicht gelifiziert sind, dann wäre Ramaria flavoides auszuschließen. Aber ich lasse lieber Josef was dazu sagen...

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Hygrocybe pseudoconica var. tristis?
« Letzter Beitrag von Christoph am Gestern um 20:14 »
Servus Helmut,

das Hygrocybe-conica-Aggregat bedarf einer Revision. Auch Boertmann hat in seiner Monographie einen Bogen um die Schwärzenden Saftlinge gemacht und ein bewusst breites Artkonzept gefahren.

Ich finde in höheren Lagen der Alpen auch sehr häufig diese Schwärzenden Saftlinge ohne Rottöne. Die Frage ist natürlich, welche Rangstufe sie verdienen und wie sie heißen. Der Name Hygrocybe tristis ist nach Candusso zu verwerfen, da Hygrocybe tristis Pers. ss. Pers. wirklich nur H. conica s.str. sein soll (laut Candusso).

Als Name steht daher Hygrocybe olivaceonigra (P.D. Orton) M.M. Moser im Raum - für die wirklich trüb-düsteren Kollektionen. Hier sollen die Sporen aber recht lang sein, also Quotient über 2, was sie deutlich von Hygrocybe conica s.str. absetzt.

Der ganz helle, zitronengelbe Saftling könnte das sein, was Malencon beschrieb: Hygrocybe conica var. chloroides (Malencon) M. Bon

Es gibt noch einen weiteren Namen: Hygrocybe cinereifolia Courtecuisse & Priou - das kann auf die angewendet werden, die schon ganz jung auffallend graue Lamellen haben.

DNA-Stammbäume in Sachen Hygrocybe conica s.l. beziehen sich meines Wissens nur auf wenige Belege und nur auf die ITS (?! - müsste ich nochmal nachrecherchieren). Ich bezweifle, dass die Typusbelege von beispielsweise H. olivaceonigra oder H. cinereifolia sequenziert wurden.

Ich habe in Rothschwaig einen Schwärzenden Saftling mit sehr breitelliptischen Sporen, wo der Quotient zu klein für H. conica s.str. ist.

Ich kann mir auch ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass beispielsweise hygrocybe conicoides, die ja nicht mal richtig schwärzt, das gleiche sein soll wie H. conica, auch wenn z. B. Hygrocybe riparia / H. conicopalustris als Übergang gewertet werden könnte (da wurde m.W. auch nichts sequenziert - kann mich aber irren).

Ganz abraten würde ich, Mycobank oder Index Fungorum hinsichtlich der Synonymie als Quelle zu verwenden. Diese Datenbanken sind äußerst wertvoll, um alle Grunddaten eines Taxons nachzuschlagen und homotypische Synonyme zu finden. Die Entscheidung, welche Arten unter welchem Namen synonymisiert werden (also die, die auf unrerschiedlichen Typne basieren), ist nicht Ziel dieser Datenbanken. Die Manpower reicht da nie und nimmer, das auf dem aktuellsten Stand zu halten. Es ist schon mehr als extremer Aufwand, die Grunddaten zu sammeln und zu verwalten.

Eine ordentliche Revision fehlt halt, daher sind Schwärzende Saftlinge im Moment kaum zu bestimmen. Am besten gut dokumentieren und abwarten, bis eine Lösung publiziert wird, die nachvollziehbar ist. Im Moment ist die Lösung, alles zusammenzuwerfen, weil man nichts genaues nicht weiß.

Als Arbeitsnamen würde ich für die leuchtend schwefelgelbgrünen Hygrocybe conica var. chloroides nehmen und für die typisch düsteren, radialfaserigen eben H. olivaceonigra, wenn die Sporenmaße passen.

Welche Sporenmaße haben denn deine Funde?

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Hygrocybe pseudoconica var. tristis?
« Letzter Beitrag von Peter am Gestern um 15:46 »
Servus Helmut,

das Arten- und Gattungskonzept in Funga Nordica II basiert auf den damals verfügbaren molekularen Studien. Die dritte Auflage ist ja für das kommende Jahr angekündigt.

Derzeit kannst du auch in Mycobank sehen, dass alle gängigen Literatur-Varietäten und Formen unter H. conica zusammenlaufen. http://www.mycobank.org/BioloMICS.aspx?Table=Mycobank&Rec=121753&Fields=All

Du kannst deine Funde ja dennoch als var. tristis kartieren, falls künftig noch feinere Methoden zu einem akzeptablen Artrang führen.

Ciao, Peter
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Expertenforum Mykologie / Hygrocybe pseudoconica var. tristis?
« Letzter Beitrag von Helmut am Gestern um 13:38 »
Liebe Saftlingsfreunde,

im alpinen Bereich finden sich immer wieder auffallende schwärzende Saftlinge mit konischem Hut, nur schwacher Faserigkeit und leuchtend gelben Farben. Jamoni 2008 („Funghi alpini“) führt sie unter dem Namen Hygrocybe pseudoconica var tristis (Pers.) Bon und bezeichnet sie als unabhängig in der Höhenlage, aber für dort oben recht gemein.

Nun gibt es in der Literatur (und auch im Netz) auch noch eine H. tristis (mit deutlicher faserigem Hut und eher düsteren Farben) sowie gelbe Formen von H. nigrescens / conica ( pseudoconica. Die Ansichten zur Nomenklatur und Synonymie unterschieden sich zwischen verschiedenen Autoren. Mikroskopisch geben die offenbar nichts her.

Meine hier vorgestellte Kollektion (August 2017, westliche Karwendelspitze, alpin) passt am besten zur genannten Darstellung bei Jamoni: Leuchtend gelb, nur leicht faserig, nie mit Orange- oder Rot-Ton. H. tristis soll einen deutlicher faserigen Hut haben und trübere Farben, da habe ich auch eine Kollektion von 2009, die dazu passen könnte (gelb mit düsteren oliven Anteilen und deutlich faserig-gestreift (durchscheinend?)). Schließlich ist mir 2013 mal eine leuchtend gelbe Kollektion vor die Linse gekommen, die zitronengelbe Farben aufwies, allerdings bei einem Exemplar mit deutlich orangeroten Stellen, und mit einem zierlicheren Habitus, in einem Laubwald mit auwaldähnlichem Charakter.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass das alles ein und dieselbe Art sein soll. In der Funga Nordica (2-bändige 2. Auflage) kommen nur conica var conica und conica var. conicoides vor, mit Hinweisen auf „infraspecific taxa“ (var. pseudoconica, var. conicopalustris, var. chloroides), eine „tristis“ wird nirgends auch nur erwähnt. Gibt es dazu vielleicht neue Erkenntnisse, evt. auf DNA-Basis?

Meine Belege, von denen in der Regel auch Exsikkate vorhanden sind, stelle ich bei Interesse gerne zur Verfügung.

Winterliche Grüße

Helmut
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Pilzberater und PSV / Re: Gifthäubling ohne Mehlgeruch
« Letzter Beitrag von Christoph am 8. Dezember 2017, 00:26 »
Servus Pablo  :)

Zitat
Wobei ich mir bei einem Pilzchen in dem Zustand auch vorstellen könnte, daß der Geruch einfach nicht mehr so kann, wie er vielleicht bei einem frischeren Fruchtkörper würde.

Völlig klar - hätte er nach gar nichts oder irgendwie fischig-verwesend gerochen, wäre es dem Zustand und der Jahreszeit geschuldet. Hier war der Geruch aber angenehm pilzig-würzig. Natürlich kann das auch ein Artefakt sein, aber ich war ziemlich verdutzt.

In meinen "Heimatwäldern" (Buchenwälder am Starnberger See mit eingestreuten Tannen und Fichten) finde ich Galerina marginata s.str. sehr häufig im Spätherbst und vor allem an Buchenstümpfen, nur deutlich seltener an Fichte (obwohl genug Fichtentotholz rumliegt / an Stümpfen vorhanden ist). Deshalb argumentiere ich auch regelmäßig gegen den völlig verwirrenden Namen "Nadelholz-Häubling" an.

Zitat
Daß das als Sammelart irgendwie kein einheitliches Erscheinungsbild abgibt, ist aber auch auffällig.

Allerdings. Wobei es dann im Mikroskop doch wieder recht einheitlich wird - jedenfalls finde ich die Sporen mit dem sich ein bisserl  ablösenden Perispor zusammen mit den großen Cheilocystiden sehr charakteristisch.
Smith & Singer trennen ja diverse Arten, wo ich dann nicht mehr mitkomme. Inwiefern beispielsweise Gelifizierungen der HDS aussagekräftig sind, weiß ich auch nicht so recht (Stichwort Galerina autumnalis).

Zumindest sind sie alle gifitg. Für die Pilzberatung spielt es daher eh keine Rolle, welche Kleinart man vor sich hat. Der Geruch sollte hier aber wirklich nur ein Hilfsmerkmal sein.

Zitat
Der Geruch taugt da meiner Ansicht nach ebensowenig als sicheres Merkmal wie die hygrophane Huthaut ("Spiegelei") oder gar das Substrat (Oberrheinebene: Mehr als 50% aller Funde von Galerina marginata s.l. an Laubholz) oder die Wuchsweise (an Laubholz gerne mal büschelig).

Absolut deiner Meinung  :)

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Ramaria cf flavoides
« Letzter Beitrag von Beorn am 6. Dezember 2017, 20:09 »
Hallo in die Runde!

Ich probiers jetzt mal direkt hier mit dem Pilz, weil zumindest ein guter Ramaria - Kenner wird ja voraussichtlich einen Blich drauf werfen.

Gefunden habe ich den Pilz nicht selbst, sonst gäb's auch Standortbilder, sondern den brachte ein Pilzvereinskollege Ende Oktober zum Fachtreffen mit. Darum auch noch schwieriger zu beurteilen, insbesondere, wenn man in der Gattung wie ich kaum Kenntnisse und Erfahrung hat. Jedenfalls war mir irgendwie nicht so nach "Bestimmung" per Bildvergleich in Pilze der Schweiz, ein Versuch nach Christan - Monografie war's mir schon wert.

Mikros sind vom Frischmaterial, Farben vom mitgebrachten Fruchtkörper passen so halbwegs, frisch waren sie eigentlich noch etwas zitronengelber, auf den Bildern kommen die ockerlicher rüber, als es tatsächlich der Fall war.

Fundort war im südöstlichen Pfälzer Wald, wobei ich die genaue Stelle nicht kenne, aber jedenfalls charakterisiert durch Laubwald (vorwiegend Rotbuche) auf tendenziell eher saurem Boden, aber unweit des Wegrandes konnte auch ein künstlicher Kalkeinfluss nicht ausgeschlossen werden

Beim Schlüsseln kam ich so etwas schwankend bei Ramaria flavoides raus. Allerdings mit gewisser Unsicherheit, vor allem was Farbspiele betrifft und weil ich doch keine wirklich gelifizierten Hyphen fand. Käme diese Bestimmungsidee hin oder ist das total abwegig?
Ein Beleg ist getrocknet, falls es was Ausgefallenes wäre und nachgeprüft werden müsste.


LG, Pablo.
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Pilzberater und PSV / Re: Gifthäubling ohne Mehlgeruch
« Letzter Beitrag von Beorn am 6. Dezember 2017, 19:55 »
Hallo, Christoph!

Wobei ich mir bei einem Pilzchen in dem Zustand auch vorstellen könnte, daß der Geruch einfach nicht mehr so kann, wie er vielleicht bei einem frischeren Fruchtkörper würde.  ;)
Ändert aber nichts dran: Natürlich hast du recht, und auch mir sind schon "Gifthäublinge" begegnet, die eben nicht "Muffig - mehlig" rochen. Der Geruch taugt da meiner Ansicht nach ebensowenig als sicheres Merkmal wie die hygrophane Huthaut ("Spiegelei") oder gar das Substrat (Oberrheinebene: Mehr als 50% aller Funde von Galerina marginata s.l. an Laubholz) oder die Wuchsweise (an Laubholz gerne mal büschelig).

Daß das als Sammelart irgendwie kein einheitliches Erscheinungsbild abgibt, ist aber auch auffällig. Besonders markant finde ich ja den Unterschied zwischen den kleinen, zierlichen Fruchtkörpern im Moos und / oder auf Detritus wie kleinen zweiglein und Nadeln (oft eben von Moos überwachsener Detritus), die trotz Moos und Ring nix mit Galerina uncialis zu tun haben. Dagegen die kräftigen, teils ganz schön groß werdenden Bewohner von dickem, liegendem Totholz: Klar, kann natürlich auch mit dem Substratangebot zu tun haben. Aber die Variationsbreiten sind schon ziemlich extrem. So richtig nachvollziehen konnte ich die verschiedenen Einzelarten / Varietäten auch noch nie. Ist aber auch nicht so ganz meine Baustelle. Wäre aber interessant, ob's dazu mal iregndwann noch weitere studien gibt (marginata - Komplex).


LG, Pablo.
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