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Expertenforum Mykologie / Re: Der Cantharellus-Fred
« Letzter Beitrag von Älbler am 24. Juli 2017, 16:58 »
Hallo Gernot,

als ich den Pilz in der Hand hatte, dachte ich sogar zuerst an etwas Marasmioides!
Die Mikroskopie zeigte aber "geschummerte" Sporen wie sie bei Gallertpilzen oder Cantharelloiden vorkommen und clavulinaartige Basiden (siehe Fotos). Die Sporen hatten einen freien Hof um den Apikulus, wie ich es schon bei Craterellus tubaeformis gesehen habe.

Hier noch meine Notizen zu dem Fund:

Sporen 8 - 10 x 5 - 6 ym, ovoid bis breit ellipsoid mit öligem Inhalt, der den Apikulus freilässt, glatt, HDS eine Kutis mit verwobenen Hyphen, Septen mit Schnallen, Basidien mit öligem Inhalt, 4-sporig, clavulina-artig.

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Pilz schon beschrieben ist.

Viele Grüße
Christian
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Servus, Christoph,

zunächst einmal Gratulation zu diesem schönen Fund. Die lichenicolen Pilze sind ja ein ganz eigenes, sehr umfassendes und spannendes Kapital. Für lichenicole Capronia-Arten fehlt mir einfach die Erfahrung, weshalb ich sie damals nicht inkludiert habe. Zudem gibt es für diese Gruppe schon einiges an brauchbarer Literatur.

Falls dir wieder einmal flechtenbewohnende Pilze unterkommen sollten, kann ich z. B. diese Seite sehr empfehlen: http://www.lichenicolous.net/ (auch wenn C. suijae dort noch nicht enthalten ist).

Schöne Grüße
Gernot
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Cantharellus-Fred
« Letzter Beitrag von Gernot am 24. Juli 2017, 13:26 »
Servus, Christian,

zu dem Fund kann ich leider auch nicht viel sagen. Ganz spontan hätte ich ja eher an etwas Hygrocyboides gedacht aber da kann ich natürlich weit daneben liegen... Hast du den einmal genauer mikroskopisch angeschaut?

Schöne Grüße
Gernot
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Cantharellus-Fred
« Letzter Beitrag von Christoph am 24. Juli 2017, 11:55 »
P.S.: Ich habe gerade einen interessanten Übersichtsartikel gefunden - das Editorial von Bart Buyck zur Cantharellus-Sonderausgabe der Cryptogamie, Mycologie, 2016, 37 (3): 255-258

hier frei zu lesen:

https://www.researchgate.net/publication/309236854_SPECIAL_ISSUE_CANTHARELLUS_Editorial_Towards_completing_the_world_inventory_for_Cantharellus

Ich zitiere (und hebe durch Fettdruck hervor):
Zitat
As the microscopical diversity among the various species in the genus is rather limited, general field characteristics such as overall color, size and shape have always taken a very important place in the delimitation and identification of species.
As a consequence, the use of molecular data to delimit species in Cantharellus may result in a reduction rather than a multiplication of accepted species, contrary to what can be observed in other genera of the cantharelloid clade, such as Hydnum (Feng et al. 2016). This is here particularly well illustrated by the extreme example of the newly described C. velutinus (Buyck et al. 2016e), the variability of which
has met with much disbelief among colleagues
. It is therefore not surprising that recent revisions of European chanterelles (Olariaga et al. 2015, 2016) resulted in a rather impressive reduction of the currently accepted European Cantharellus from 24 (Eyssartier & Buyck 2000) to merely eight species, each of these being highly variable in overall color, as well as in size and general habit.

Ich vermute, du wirst diese Ausgabe der Cryptogamie, Mycologie brauchen ^^
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Cantharellus-Fred
« Letzter Beitrag von Christoph am 24. Juli 2017, 11:35 »
Servus Christian,

zunächst: dann wirst du diesen Artikel brauchen: Wu, Q-X., & Mueller, G. M. (1995). The genus Craterellus (Basidiomycetes, Aphyllophorales) in Costa Rica and Colombia. Documents Mycologiques XXV: 487-496.

Ich habe allerdings keinen Zugang zur Doc. Mycol. - vielleiche hat Meike Piepenbrink den Artikel und kann ihn dir geben...

Hier findest du einen recht aktuellen Artikel: https://www.researchgate.net/publication/225286930_Cantharellaceae_of_Guyana_I_New_species_combinations_and_distribution_records_of_Craterellus_and_a_synopsis_of_known_taxa

Bei den Gattungsmerkmalen bezog ich mich natürlichauf Europa - inwiefern das mit dem hohlen Stiel weltweit gilt, weiß ich nicht. Gelbe Pigmente gibt es auch bei Craterellus (denk an Craterellus xanthopus). Erst dachte ich bei deinem Foto an Cantharellus guayanensis, aber der hat nicht so extrem anastomisierende Leisten und ich glaube, dass der Stiel nicht hohl ist, wenn ich mich recht erinnere.

Ob Carotinoide vorliegen oder ein anderer, gelbroange-Farbstoff, sieht man von außen nicht. Und auch hier weiß ich nicht, ob das Merkmal weltweit gilt (danke Gernot, für die Ergänzung).

Ich habe auch Probleme, Clavulina von Craterellus abzutrennen (in den Tropen, da gibt es Clavulinae, die wie Totentrompeten aussehen). Aber die sind dann zumindest grau-schwarz.

Ich meine aber, deinen Pilz zu kennen - muss mal in aller Ruhe nachdenken, wo ich den schonmal gesehen habe (also in welchem Artikel - gefunden habe ich ihn nicht - ich war ja nicht weit weg von Panama aktiv, nämlich auf der anderen Seite der Grenze in Kolumbien im Deptm. Chocó).

LG
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Cantharellus-Fred
« Letzter Beitrag von Älbler am 24. Juli 2017, 10:32 »
Hallo Gernot und Christoph,

ist dann dieses Exemplar aus Panama auch eine Craterelle? Der Stiel war hohl aber die Pigmentierung (Farbe) erscheint mir schon sehr carotinoid.

Viele Grüße
Christian
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Servus beinand,

nachdem ich bereits im Thread zur Kartierung in Rothschwaig über den Fund von Capronia suijae berichtet habe (siehe: http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1552.0.html), ist mir eingefallen, warum mir die Perithecien so bekannt vorkamen mit ihren Setae - Gernot hat ja einen Schlüssel der nicht myko- bzw- lichenophilen Capronien publiziert:

http://www.ascomycete.org/portals/0/volumes/AscomyceteOrg%2004-03%2055-64.pdf

(frei lesbar)

@Gernot: vielleicht kann man / kannst du ja mal auch die mykophilen Arten mit in den Schlüssel einbauen. So viele sind es ja nicht  ;)

LG
Christoph
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So, jetzt habe ich ein bisserl am Mikroskop verbracht.

Ich habe - wie schon zwischengemeldet - eine von "irgendwas" befallene Xanthoria parietina aufgesammelt, die an einem ansitzendem, aber abgestorbenen Ast einer solitätren Kirsche wuchs. Hier sieht man das Asterl in einer Großaufnahme.



Ich habe eigentlich Xanthoriicola physciae gesucht und dachte mir, dass die Apothecien der Xanthoria noch zu blass, nicht dunkel bis schwärzlich genug sind, aber aufgrund mancher dunkler Punkte auf den Apothecienscheiben das ganze dann doch aufgesammelt.

Xanthoriicola physciae
habe ich dann doch nicht gefunden, dafür einiges an Hyphen, diverse Sporen, einen nichtssagenden "Schimmel", den ich links liegen ließ, bis ich dann einmal vesehentlich an einem Apothecium vorbei gescnitten hatte und den Thallus traf. Und siehe da, ich fand kleine Gehäuse, Durchmesser maximal 80 µm, die an der Spitze schwarze Haare tragen. Das sieht in etwas so aus wie Pyrenochaeta xanthoriae, der aber ein Coelomyzet ist, also im Gegensatz zu meinem Fund keine Asci bildet, sondern nur asexuelle Mitosporen.
Die Asci sind bitunicat, wobei im Alter die innere Wandschicht verschwindet und sie dann unitunikat aussehen. Die Sporen sind im Mirksokop grausschwärzlich, dreifach septiert und liegen ungeordnet übereinander im Ascus.
Ich habe als Sporengröße (bei einer ersten Messung) folgendes herausbekommen: 10,5-12(-12,5) x 4-4,75 µm - die Originalbeschreibung gibt (9,5–)9,9–11,2(–11,5)×(4,0–)4,2–4,6(–5,0) μm an, also um einen Mikrometer kürzere Sporen, was die Maximalwerte betrifft. Das passt ganz gut.

Die typischen, kugelförmigen Perithecien mit der Sporenform und -farbe sowie die Asci (Form, Sporenanordnung, zwei Wandschichten) passen bestens auf die Beschreibung von Capronia suijae (siehe einen Beitrag weiter unten).

Ich habe, nachdem ich zunächst absolut nichts passendes in meiner Literatur zu Pilzen an und auf Xanthoria nichts fand, vor mich los recherchiert und dann diesen aktuellen Artikel aus dem Lichenologist ausgegraben. Und was sah ich? Mikrofotos, die bestens zu meinem Fund passen - und das bei der neu beschriebenen Art an Xanthoria - wunderbar!

Da ich keine Mikroskopkamera habe, habe ich die Mikromerkmale und ein Pereithecium gezeichnet - wird für eine Publikation vorbereitet, deshalb zeige ich jetzt nicht die Scans.

Ich fand dann noch einen kleinen Becherling an einem alten Pastinak-Stängel.



Leider noch nicht wirklich reif - ich sah keine reifen Asci, aber ein paar Sporen (falls sie dazugehören), die 1-1,5 µm breit waren und so um die 10-12 µm lang. Die inkrustierten Randhaare (farblos hyaliine Auflagerungen) und die Paraphysen passen ganz gut auf Trichopeziza mollissima. Da aber unreif, lasse ich es als cf. stehen. Wenn es feuchter wird, werde ich wohl mehr davon auf den Pastinaken des Vorjahrs finden.

Und siehe da, ich habe einen Saflting gefunden, den ich gestern übersehen habe. Die Fruchtkörper waren aber völlig hinüber und haben die Hitze nicht überstanden.





Der große Fruchtkörper lag genau so wie auf dem Foto kopfunter auf einem Stein (Stielbasis natürlich im Boden), der kleine Fruchtkörper hat mit seinem Hut gerade mal die Pflanzendecke durchdrungen, war aber auch schon kaputt.

Sporen gab's und Basidien und Tramahyphen der Lamelle - zusammen mit dem nicht schwärzenden Fruchtkörper und dem spitzen Hut kommt man leicht auf Hygrocybe acutoconica - hier in der 4-sporigen, schnallentragenden, also sexuellen Variante.

Dank des Fruchtkörpermangels habe ich auf die Xanthoria geachtet und damit einen Fund einer sehr neuen und nur von der Typuslokalität in Weißrussland bekannten Capronia suijae machen können. Ich schimpfe, glaube ich, nicht mehr über zu trocken-heißes Wetter  8)

LG
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Cantharellus-Fred
« Letzter Beitrag von Gernot am 23. Juli 2017, 23:22 »
Hallo, zusammen,

vielleicht auch noch ein kurzes Zitat aus der Arbeit von Olariaga et al. (für Download-Link siehe den anderen Cantharellus-Fred):

Zitat
The controversial boundary between Cantharellus and Craterellus Pers.: Fr. (Corner 1966; Petersen 1971), both classified in Cantharellaceae, has been resolved with aid of molecular data (Dahlman et al. 2000; Moncalvo et al. 2006). Compared to Craterellus, Cantharellus is featured by having bicyclic carotenoids and, with few exceptions, basidiomata with a solid stipe (Buyck et al. 2014).

Anscheinend gibt es also auch Unterschiede bei den Carotinoiden (neben den von Christoph schon erwähnten Punkten).

Schöne Grüße
Gernot
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Expertenforum Mykologie / Re: Cantharellus ferruginascens - Funde aus Bayern?
« Letzter Beitrag von Christoph am 23. Juli 2017, 22:57 »
Servus Gernot,

super, danke für's Nachfragen und die weiteren Fotos!

Servus Peter,

ich hatte ja geschrieben, dass meine Fotos nicht am Standort, sondern im Garten des Hotels entstanden, in dem wir logierten. Dass die Fruchtkörper so blass waren, lag vielleicht an der Hitze und Trockenheit letztes Jahr, als ich die Schwammerl in die Hand bekam.

LG
Christoph
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