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Plattform für Pilzfreunde / Re: Aprilpilze
« Letzter Beitrag von Rudi am 12. April 2018, 23:25 »
Der April schließt sich nahtlos an die letzten Maipilze an.
Manche sind wirklich die letzten.

LG Rudi
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Servus beinand,

ich habe neulich zusammen mit Boris Zurinski in Franken erneut Trimmatostroma scutellare an Kiefernzapfen gefunden. Man muss wirklich nur suchen. Jetzt habe ich bessere Mikrofotos, die gut zu der Abbildung von Ellis (1976) passen. Insbesondere die dunklen Ränder der Konidien kommen gut heraus. Wer gerne mikroskopiert, sollte sich diese wirklich interessanten und schönen Konidien mal ansehen:



Hier auch nochmal ein Makrofoto - die Stromata aus Rothschwaig waren ja schon etwas veralgt und verwittert. Die fränkischen sind da besser entwickelt und noch frisch gewesen.



Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Phaeosphaeriopsis glaucopunctata (aus Nürnberg)
« Letzter Beitrag von Christoph am 11. April 2018, 23:52 »
Servus Rudi,

freut mich, dassich dich animieren konnte, mal bei Mäusedornen vorbeizuschauen ;) - und Gratulation zum Fund! Vielleicht hat ja fast jeder Mäusedorn den Befall? Dann fehlt aber noch ein Nachweis von Phaeosphaeriopsis triseptata - was mal wieder heißt, dass man hier jeden Fund mikroskopieren muss. Ich gehe davon aus, dass letztere Art deutlich seltener ist - sonst wäre sie schon früher beschrieben worden.

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Phaeosphaeriopsis glaucopunctata (aus Würzburg)
« Letzter Beitrag von Rudi am 11. April 2018, 11:07 »
Danke Christoph für deine Hinweise- oft such ich dann- manchmal etwas verspätet- doch noch deine Schätze. Oft erfolglos :'(
Hier hats dann mal geklappt.  ;) Vermutlich dürfte es schwer sein, einen Mäusedorn zu finden, der ohne P.g.-Befall ist. Obwohl, eine junger MD. steht ein paar Meter nebenan und weist noch keinen Befall auf.
Das kommt schon noch.   
In Südtirol hab ich auch solche Pflanzen gesehen mit abgstorbenen, genauso getüpfelten Scheinblättern...
Da hab ich aber nix mitgenommen.

LG Rudi
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Expertenforum Mykologie / Re: Lophiostoma compressum - leicht bestimmbar?!
« Letzter Beitrag von Christoph am 10. April 2018, 20:26 »
Servus Gernot,

stimmt, Jaklitsch et al. (2016) haben hier ein deutlich breiteres Gattungskonzept. Ich habe ja prinzipiell nichts gegen ein enges Gattungskonzept, nur sollte dies auch irgendwie begründbar sein. Und die fehlt mir in ihrer Aussagekraft bei der Studie von Thambugala et al. (2015).

Aber konkret zu dem Artenkomplex um Lophiostoma / Platystomum compressum:

Thambugala et al. (2015: 228-229) schreiben zu Pl. compressum (Hervorhebungen von mir):

Peridium 50–130μm wide [ ... ] comprising two strata, outer layer composed of dark brown-walled, flattened cells of textura prismatica, fusing and indistinguishable from the host tissues and the inner layers with 6–8 layers of brown to lightly pigmented cells of textura angularis...

Zu Pl. salicicola schreiben sie (p. 235):

Peridium 15–25μm wide at the base, 25–35μm wide at the sides, broad at the apex, comprising two strata, outer stratum comprising dark brown, somewhat flattened cells of textura prismatica to textura angularis...

und hinsichtlich Pl. rosae:
Peridium 15–25μm wide at the base, 18–30μm wide at the sides, broad at the apex, comprising two strata, outer stratum comprising dark brown, somewhat flattened cells of textura angularis...

Insofern ist bei Pl. compressum die Peridie breit (50-130 µm), bei Pl. salicicola und Pl. rosae schmal (bis max. 35 µm an den Seiten, an der Basis schmaler.

Jetzt schreiben Thambugala et al. (2015: 235) aber in der Diskussion zu Pl. rosae:
Notes: Platystomum rosae is morphologically very similar to P. salicicola, but differs in having small, subglobose to conical ascomata, an ostiole without periphyses, a thin peridium and light brown, 3–6 transversely septate ascospores, with 1–4 vertical septa.

Folglich unterscheide sich Pl. rosae durch eine dünne Peridie von Pl. salicicola. Das ergibt jetzt aber gar keinen Sinn, da bei beiden die Peridie in quasi gleichem Wortlaut beschrieben wurde, während Pl. compressum eine dicke Peridie besitzt.

Daher vermute ich, dass hier der Wurm drin war. Ich gehe davon aus, dass die Unterschiede zu Pl. compressum diskutiert wurden - und auch auf Pl. salicicola bezogen (ebenfalls dünne Peridie).

Kurz zusammengefasst:
Pl. rosae: keine Periphysen; Peridie dünn
Pl. salicicola: mit Periphysen, Peridie dünn
Pl. compressum: mit Periphysen, Peridie dick

Hier ein Foto der Peridie einer aktuellen Aufsammlung von Pl. compressum aus Kinding / Altmühltal:



Und zur Vollständigkeit hier die Sporen - die Maße waren (18,0-)19,0-21,4-25,75 x 6,75-8,0-9,0 µm; Q = 2,4-2,69-3,4


Liebe Grüße,
Christoph
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Plattform für Pilzfreunde / Aprilpilze
« Letzter Beitrag von Rudi am 10. April 2018, 16:44 »
Heute war ich bechern mit Christoph W.
D.h. er hat mir die Becher eingeschenkt- und ich die Oma. 8)
Na egal. Hier kommen die Schwammerl.

LG Rudi
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Expertenforum Mykologie / Re: Lophiostoma compressum - leicht bestimmbar?!
« Letzter Beitrag von Gernot am 10. April 2018, 12:12 »
Servus, Christoph,

(ich finde allerdings die Gattung unglücklich - die Bootstrapwerte sind nicht gerade prickelnd, sodass ich das als zu früh empfinde, Platystomum wieder zu regenereieren, aber das ist ein anderes Thema)

Du hast sicher Recht, dass man die Ergebnisse dieser Arbeit durchaus skeptisch betrachten muss. Siehe auch die wichtige Diskussion diesbezüglich in Jaklitsch et al. (2016) (wobei diese Autoren hauptsächlich den Teil über die Floricolaceae diskutieren).

Leider kann ich dir was P. salicicola/P. rosae/P. compressum betrifft nicht ganz folgen – könntest du bitte nochmals erläutern, welcher Teil sich womöglich auf P. compressum bezieht?

Schöne Grüße
Gernot
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Expertenforum Mykologie / Schlüssel der Gattung Phaeosphaeriopsis
« Letzter Beitrag von Christoph am 10. April 2018, 00:07 »
Servus beinand,

ich habe hier einen Fund von Phaeosphaeriospis glaucopunctata vorgestellt. Zusammen mit Boris Zurinski hatte ich in der Mycologia Bavarica bereits über diese Art vom selben Fundpunkt (selber Strauch) berichtet. Im gleichen Jahr erschien eine Arbeit über Phaeosphaeriopsis glaucopunctata - Thambugala et al. (2014). Die Autoren beschreiben hier eine weitere Art an Ruscus. Interessanterweise hat diese Art - Phaeosphaeriopsis triseptata - dreifach septierte Sporen. Es ist eh schon kaum noch nachvollziehbar, wie die heutigen Kleingattungen morphologisch unterscheidbar sein sollen. Bislang war Phaeosphaeria u.a. durch die 4- bis 5-fach septierten Sporen definiert, während die Arten mit dreifach septierten Sporen in der Gattung Neophaeosphaeria untergebracht werden. Ich habe das in dem Artikel in der Mycol. Bav. diskutiert. Letzten Endes bleibt dann nur der Aufbau des Excipulums als Gattungsdefinition (neben den DNA-Stammbäumen übrig).

Es ist eigentlich schwierig, mit einem Gattungsschlüssel umzugehen, wenn man die Gattung selbst nicht klar erkennen kann. Irgendwie geht es aber doch:

Phaeosphaeriopsis-Arten sind auf Asparagales beschränkt - hier auf die Familien Agavaceae, Asparagaceae und Iridaceae (nach heutigem Kenntnisstand) und genauer auf die Gattungen Agave, Iris, Nolina, Ruscus und Yucca (eine Art wird als "an Agavaceae" beschrieben, also können da auch andere Gattungen hinzukommen).

"Phaeosphaeriospis" phacidiomorpha habe ich rausgelassen (hat farblos-hyaline und nicht braune Sporen, fällt daher irgendwie raus aus der Gruppe - diese Art würde an Phormium tenax - Xanthorrhoeaceae, Asparagales wachsen).

Kurz gesagt - da die Gattung sehr klein ist (7 Arten bis 8 Arten weltweit), kann der Schlüssel vielleicht doch hilfreich sein: Man sollte ihn anwenden, wenn man kleine, schwarze Kugeln mit braunen, mehrfach septierten Sporen findet, die an einer der oben genannten Gattungen wachsen. Hier lohnen sich gezielte Besuche von botanischen Gärten. Bis auf Iris ist ja nichts davon bei uns heimisch (jedenfalls nicht in Bayern). Phaeosphaeriopsis vectis ist von Iris foetidissima bekannt (Blaue Schwertlilie), was nicht unbedingt heißt, dass sie nich auch an der Gelben vorkommen kann?!

Der Schlüssel basiert auf den Schlüssel, den Thambugala et al. (2014) vorgestellt haben, ich habe ihn jedoch um Phaesphaeriopsis vecits erweitert, habe Phaeosphaeriopsis phacidiomorpha rausgenommen und habe den Schlüssel zudem deutlich umgebaut / überarbeitet und habe die Substrate eingefügt.

Viel Spaß beim Nutzen - ich hoffe, ihr findet potentielle Kandidaten... Ich habe den Schlüssel auch als Word-Dokument angehängt.

Liebe Grüße,
Christoph

Schlüssel der Gattung Phaeosphaeriopsis (Stand: 9.4.2018)

1 Ascosporen mit drei Septen – an Ruscus ......................................................... P. triseptata
1* Ascospores mit mehr als drei Septen – an Ruscus und anderen Substraten ...................  2

2(1) Ascosporen meist mit vier Septen …………………………….................................................... 3
2* Ascosporen meist mit fünf Septen .................................................................................... 5

3(2) Ascosporen maximal bis 6 µm breit; an Ruscus ………………………….……. P. glaucopunctata
3* Ascosporen 6-7 µm oder bis 9 µm breit, nicht an Ruscus ………………………………………………. 4

4(3) Ascosporen bis 9 µm breit, deutlich braun pigmentiert; an Yucca ..............P. amblyspora
4* Ascosporen nur 6-7 µm breit, blass braun pigmentiert; an Iris ……………………………. P. vectis

5(2) Ascosporen 6,5-10 µm breit; an Nolina erumpens (Asparagaceae) ……….……….. P. nolinae
5* Ascosporen nur bis 6 µm breit; an Agavaceae ……………………………………………………………..… 6

6(5) Perithecien multiloculat; an Agave ................................................................ P. agavensis
6* Perithecien uniloculat; an Agavaceae ............................................................ P. obtusispora

Literatur:

Hahn C, Zurinski B (2014): Phaeosphaeriopsis glaucopunctata, ein in Bayern übersehener Parasit an Ruscus. Mycol. Bav. 15: 61-77.

Thambugala KM, Camporesi E, Ariyawansa HA, Phookamsak R, Liu Z-Y, Hyde KD (2014): Phylogeny and morphology of Phaeosphaeriopsis triseptata sp. nov., and Phaeosphaeriopsis glaucopunctata. Phytotaxa 176 (1): 238–250. http://dx.doi.org/10.11646/phytotaxa.176.1.23

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Expertenforum Mykologie / Phaeosphaeriopsis glaucopunctata (aus Nürnberg)
« Letzter Beitrag von Christoph am 9. April 2018, 23:39 »
Servus beinand,

ich habe in der Mycologia Bavarica im Jahr 2014 bereits über den (Wieder)Fund von Phaeosphaeriopsis glaucopunctata aus Nürnberg berichtet (Hahn & Zurinski 2014). Jetzt war ich am Wochenende an der NHG und konnte so erneut den befallenen Strauch (Ruscus aculeatus, Mäusedorn) besichtigen - und siehe da, er ist wieder voll mit Phaesphaeriopsis glaucopunctata.

Früher hieß die Art auch Leptosphaeria rusci, mittlerweile steht sie aber sogar in einer andere Familie als die geschrumpfte Gattung Leptosphaeria. Einen Schlüssel der Arten der Gattung Phaeosphaeriopsis findet ihr in einen eigenen Thread.

Ich zeige einfach mal die Fotos der aktuellen Kollektion aus Nürnberg vor:















Die Art ist leicht bestimmbar - dank des Substrats und der schönen, reif vierfach septierten Sporen (eine Zelle ist meist größer als die anderen - siehe Fotos...), die deutlich punktiert sind. Wenn jemand anderswo eine Stelle kennt, an der Mäusedorn wächst (sei es in botanischen Gärten, daheim im Wintergarten oder sonstwo), achtet doch einfach mal auf diese unscheinbare, aber im Mikroskop schöne Art. Phaeosphaeriopsis rusci greift die Scheinblätter (umgewandelte Zweige) und Triebe an und bringt diese zum Absterben. Die Fruchtkörper erscheinen dann auf dem abgestorbenen Gewebe / Substrat. Der Pilz ist somit eine pathogene Art - da die Pflanze nicht abstirbt, sondern neu austreibt, dann neu befallen wird (usw.), ist es insgesamt ein Phytoparasit (wird von den Phytoparasitenfreunden aber eher als saprob bezeichnet, da er erst nach dem Absterben des Substrats fruktifiziert - Definitionssache halt...).

Liebe Grüße,
Christoph

Literatur:
Hahn C, Zurinski B (2014): Phaeosphaeriopsis glaucopunctata, ein in Bayern übersehener Parasit an Ruscus. Mycol. Bav. 15: 61-77.
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Servus beinand,

Boris Zurinsky hat in Erlangen-Tennenlohe an einer toten Kiefer Unmengen eines dacrymycetoiden Pilzes gefunden. Auffallend ist der sehr deutlich ausgeprägte und teils außen weißliche Stiel. Leider waren die Fruchtkörper trotz Nachreifung im Kühlschrank ohne Sporen (die Basidien begannen gerade, sich zu gabeln).



Anhand des Substrats und der Makroskopie müsste es sich um Ditiola radicata hanedeln. Es war auch auffällig, dass sich die Hyphen im Hut bereits auflösten, sodass der Hut quasi hohl war und nur von einer gallertigen Flüssigkeit gefüllt war.

Boris wird den Stamm weiter beobachten und hoffentlich reife Fruchtkörper ernten. So ist die Bestimmung natürlich wackelig, zumal ich die Art (wenn sie es denn ist) vorher selbst noch nie gesehen habe und nur aus der Literatur kenne...

Liebe Grüße,
Christoph

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