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Expertenforum Mykologie / Re: Weltschlüssel der Gattung Phylloporia
« Letzter Beitrag von blacky am 6. Juni 2017, 16:17 »
Christoph Servus,
besten Dank für den Schlüssel und die damit verbundene Arbeit.
Es gehört zwar jetzt nicht hierher, aber wenn ich auf einen Beitrag antworten will, muss ich mich jedes Mal neu einloggen. Bei den vielen sonstigen Accounts, Benutzernamen und Kennwörtern, die man für viele andere Gelegenheit benötigt, kann ich mir nicht alle merken und muss jedes Mal neu nachschauen. Logg ich mich hier falsch ein, oder ist dies aus irgendwelchen Gründen beabsichtigt? Vielleicht könnte man hier etwas ändern? Jedenfalls ist dies bei anderen Websites, bei dem ich mich anmelden muss so nicht der Fall.
Falls das Thema hier nicht erörtert werden soll, könnte es vielleicht jemand verschieben?
Viele Grüße.
Thomas
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Expertenforum Mykologie / Weltschlüssel der Gattung Phylloporia
« Letzter Beitrag von Christoph am 6. Juni 2017, 14:45 »
Und weiter geht's mit Porlingsschlüsseln... Die Gattung Phellinus wurde ja in diverse Kleingattungen aufgespalten. Phylloporia kennt man bei uns durch Phylloporia ("Phellinus") ribis, die an Johannesbeeren, aber auch an Flieder und Pfaffenhütchen vorkommen kann.

Die Gattung ist leicht kenntlich: "phellinoid" bis "inonotoid", aber durch das Fehlen von Setae sowie die auffallend dickwandigen, gelbbraunen bis rostigbraune (im Mikroskop gelb erscheinenden) Sporen.

Zhou (2015) hat einen Weltschlüssel der Gattung vorgestellt. Ich habe diesen um die Arten ergänzt, die von Yombiyeni et al. (2015) neu beschrieben wurden bzw. neu kombiniert wurden.

Ursprünglich hatte Murrill die Gattung für eine Porlingsart beschrieben, die er an der Unterseite eines lebenden(!) Blattes fand. Ich habe sowas selbst erst einmal gesehen - da war es Bjerkandera adusta an der Unterseite lebender Blätter von Vinca minor (Kleines Immergrün) - allerdings waren die Fruchtkörper Übersteiger von Holzsubstrat. Murrill nannte seine Art Phylloporia parasitica - der Gattungsname kommt also nicht von blattartigen Poren, sondern von Poren an Blättern  8).

Die Gattung ist weltweit relativ übersichtlich, es werden aber aus den Tropen regelmäßig neue Arten beschrieben. Ich werde versuchen, den Schlüssel jeweils zu ergänzen (falls das möglich ist). Ich bin nicht ganz glücklich mit dem Schlüssel, da er teils recht grob auf wenigen Merkmalen aufbaut (man erkennt, wo ich beim Einfügen anderer Arten nachbatseln musste), aber er ist sicherlich eine Hilfestellung.

Angaben zur Region habe ich jetzt nicht für die Arten eingefügt / nachrecherchiert (sie tauchen im Schlüssel von Zhou auch nicht auf). Da ich davon ausgehe, dass der Schlüssel vor allem für Freunde von Gewächs- und Tropenhäusern interessant ist, werden wir entsprechende Arten wohl eh nicht im normalen Verbreitungsgebiet finden.

Hier nun der Schlüssel (Layout bitte ich zu entschuldigen - das bekomme ich im Forum irgendwie nie so recht hin)...

Weltschlüssel der Gattung Phylloporia nach Li-Wei Zhou (2015): Four new species of Phylloporia (Hymenochaetales, Basidiomycota) from tropical China with a key to Phylloporia species worldwide, Mycologia, 107(6):1184-1192,
ergänzt durch die Arten, die in Prudence Yombiyeni, Alphonse Balezi, Mario Amalfi & Cony Decock (2015): Hymenochaetaceae from the Guineo-Congolian rainforest: three new species of Phylloporia based on morphological, DNA sequences and ecological data, Mycologia, 107(5): 996-1011
beschrieben bzw. zu Phylloporia umkombiniert wurden


1. Fruchtkörper resupinat ................. P. parasitica
1*. Fruchtkörper pileat oder gestielt ...................2

2(1). Fruchtkörper gestielt und scheinbar terrestrisch (an vergrabenem Holz oder Wurzeln).............................3
2*. Fruchtkörper rein pileat, an Holz oberhalb des Bodens (an der Luft) ..........7

3(2). Poren sehr eng 10-14 pro mm..................... 4
3.* Poren eng, aber weniger als 10 pro mm ............................5

4(3). Poren 10-11 pro mm; Sporen 3,3-4 µm lang; Context mit schwarzer Trennlinie, die ein oberes Tomentum vom Hutfleisch abtrennt; Hut mit auffallenden, konzentrischen Silberstreifen …...... P. afrospathulata
4*. Poren 10-14 pro mm, Sporen kürzer, 2,5-3,3 µm lang; ohne schwarze Trennlinie, ohne auffallende Silberstreifen am Hut …...... P. terrestris

5(3). Basidiosporen meist kürzer als 3 µm ....... P. minutispora
5*. Basidiosporen länger als 3 µm ....................6

6(5). Basidiosporen über 4 µm lang ............ P. verae-crucis
6*. Basidiosporen nur 3-4 µm lang ............. P. spathulata

7(2). Hyphenystem dimitisch .......................8
7*. Hyphensystem monomitisch ....................11

8(7). Fruchtkörper mehrjährig, dachziegelartig verwachsen, an Stümpfen und Stämmen ... 9
8. Fruchtkörper einjährig, einzeln, an Zweigen ….... .P. nouraguensis

9(8 ). Fruchtkörper kräftig, bis 5 x 6 cm, Hutoberfläche dunkelbraun bis schwarzbraun …... P. pectinata
9*. Fruchtkörper winzig, nur bis 1,2 cm breit; Hutoberfläche grauorange bis hell zimtfarben oder rostbraun, dunkel Kastanienbraun bis hin zu einer fat schwarzen Anwachsstelle …....................................... 10

10(9). Hut jung grauorange, schließlich zimtfarben; Poren auffallend grau ohne Braunanteil, getrocknet gelblich bis senfbraun …........................... P. fulva
10*. Hut ohne Orange- oder Zimttöne, sondern rostbraun bis dunkel kastanienbraun, an der Anwuchsstelle bisweilen auch fast schwarz; Poren jung graubraun, nicht senf-gelbbraun beim Trocknen verfärbend …... P. pulla

11(7). Poren 2-4 pro mm..........................12
11*. Poren 4-12 pro mm........................15

12(11). Basidiosporen subglobos bis breit ellipsoid ................................... P. fruticum
12*. Basidiosporen lang-ellispsoid, subzylindrisch bis zylindrisch ............................13

13(12). Context homogen ........... 14
13*. Context duplex ................... P. rzedowskyi

14(13). Fruchtkörper in Laugen auffallend blutrot verfärbend; an Zweigen …...................... P. oblongospora
14*. Fruchtkörper in Laugen rotbraun verfärbend; an der Basis von Stämmen …... P. inonotoides

15(11). Fruchtkörper mehrjährig, dicht und hart ...........16
15*. Fruchtkörper einjährig, korkig weich (zumindest im Bereich des Tomentums)..................................20

16(15). Poren 10-12 pro mm; an lebender Tilia ....... P. tiliae
16*. Poren 6-9 pro mm; an anderen Angiospermen. . . . . . 17

17(16). Poren 6-7pro mm............................18
17*. Poren 7-9 pro mm............................19

18(17). Basidiosporen ellipsoid; meist an Ribes …..........................… P. ribis
18*. Basidiosporen subglobos; meist an Ephedra, Cotoneaster oder Jasminum .............. P. ephedrae

19(17). Basidiosporen lang-ellipsoid bis ellipsoid mit einer Guttule; an Abelia ........................ P. gutta
19*. Basidiosporen breit ellipsoid ohne Guttule; an lebendem Crataegus ...................... P. crataegi

20(15). Basidiosporen subglobos bis breit ellipsoid ......................................21
20*. Basidiosporen ellipsoid, lang-ellipsoid bis zylindrisch.............................26

21(20). Poren 5-6 pro mm; an Vitis .............. P. ampelina
21*. Poren 6-11 pro mm; an anderen baumförmigen Angiospermen, nicht an Vitis................................22

22(21). Fruchtkörper > 8 cm breit, >15 mm dick; Contexthyphen >5 µm diam ......... P. ulloai
22*. Fruchtkörper < 8 cm breit, <15 mm dick; Contexthyphen <5 µm diam .............23

23(22). Contexthyphen regulär (plusminus parallel verlaufend).......... P. clausenae
23*. Contexthyphen irregulär, verwoben..................24

24(23). Contexthyphen nur etwas dickwandig, mit einem weiten Lumen, häufig septiert; große, rhomboide Kristalle fehlen ...........................25
24*. Contexthyphen dickwandig, mit engem Lumen, nur manchmal vereinzelt septiert; große rhomboide Kristalle sowohl in der Trama als auch im Context vorhanden .............. P. chrysites

25(24). Poren 10-12 pro mm; Basidiosporen <3 µm lang; an lebender Fontanesia...................P. fontanesiae
25*. Poren 7–9 pro mm; Basidiosporen > 3µm lang; an liegenden Stämmen anderer Angiospermen ........ P. oreophila

26(20). Basidiosporen meist >3 µm dick ...........27
26*. Basidiosporen meist schmaler als 3 < µm ...........28

27(26). Poren 4-6 pro mm................... P. hainaniana
27*. Poren 8-10 pro mm.................... P. capucina

28(26). Fruchtkörper einzeln .......................29
28*. Fruchtkörper dachziegelartig übereinander ............32

29(28). Context homogen ............... P. homocarnica
29*. Context duplex ..............................30

30(29). Context ohne schwarze Trennlinie; an lebender Flacourtia ............................... P. flacourtiae
30*. Context mit einer schwarzen Trennlinie; an anderen Angiospermen .................................31

31(30). Poren rund; Basidiosporen meist dicker als 2 µm ..................................P. weberiana
31*. Poren eckig; Basidiosporen meist schmaler als 2 µm ........................... P. cylindrispora

32(28). Basidiosporen meist schmaler als 2,5 µm .......33
32*. Basidiosporen meist dicker als 2,5 µm …... P. bibulosa

33(32). Context duplex, ohne schwarze Trennlinie; Basidiosporen über 3,5 µm lang; Contexthyphen verwoben; an lebender Nandina ........................ P. nandinae
33*. Context duplex, mit einer schwarzen Trennlinie; Basidiosporen kürzer als 3,5 µm; Contexthyphen regulär (parallel) angeordnet); an lebendem Osmanthus ........... P. osmanthi
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Beim Schmökern älterer Ausgaben der Mycologia bin ich über einen Artikel aus dem Jahr 2011 gestolpert:

Yu-Mingh et al. (2001): Xylaria coprinicola, a new species that antagonizes Cultivation of Coprinus comatus in China. Mycologia 103(2): 424-430.

In China wird der Schopftintling kommerziell gezüchtet. Dies passiert durch Animpfen auf Boden - also in normalem, stickstoff- und nematodenreichen Humus. In Kulturen in China trat plötzlich eine noch unbeschriebene,sehr kräftige und auffallende Xylaria-Art auf. Sie wuchs direkt aus dem Boden - ohne Kontakt zu Holzsubstrat oer ähnlichem. Es zeigte sich, dass eine Verbindung zum Myzel des Schopftintlings besteht, an dem die Art parasitiert.

Sachen gibt es...

Diese Keule ist bislang nur aus Schoptintlingskulturen bekannt, also nicht aus dem Freiland. Die nahe Verwandtschaft (die Genetik macht's möglich) kommt bevorzugt in Termitenbauten vor - möglicherweise parasitieren sie dort an den Pilzen, die die Termiten züchten?!

Bei uns wird Xylaria coprinicola also wohl kaum zu finde sein, es sei denn, sie wird über Kulturen eingeschleppt.

LG
Christoph
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Lieber Gerd,

welcome back und danke für die schönen Bilder! Gyromitra parma finde ich bei uns auch außerhalb von Auwäldern an morschen, liegenden Laubholzstämmen.
Die Zipfellorchel, Gyromitra fastigiata, würde ich gerne mal sehen/finden. Sie soll ja nicht nur im Hainich / Osten wachsen, scheint bei uns aber nur sehr vereinzelt aufzutreten.

Bei mir ist heuer eh ein schlechtes Lorcheljahr - ich habe noch nicht einmal kleine, junge Riesenlorcheln finden können. Vielleicht wird's noch was.

Liebe Grüße,
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Der Gyromitra-Fred (Gyromitraschlüssel für Europa)
« Letzter Beitrag von Gerd am 5. Juni 2017, 15:58 »
Hallo Gyromitra-Fans,

ich zeige einige Bilder aus meinem Fundus:

(1) Gyromitra ancilis, eine im Ulmer Raum an einigen Stellen regelmäßig vorkommende Art.




(2) Gyromitra parma, auch eine im Ulmer Raum nicht seltene Art an morschem Laubholz in Auenwäldern:




(3) Gyromitra gigas, im Ulmer Raum bevorzugt in Riedgebieten wurzelbürtig an stark vermorschten Fichtenstümpfen



Und jetzt noch zwei Arten, die m.E. im Ulmer Raum noch nicht sicher nachgewiesen wurden:

(4) Gyromitra esculenta, hier eine Aufnahme aus Mittelfranken



(5) Gyromitra fastigiata, wurde mir als Frischmaterial aus den Neuen Bundesländern zugeschickt und von mir unter einer Hecke hinter dem Haus fotografiert



Grüße
Gerd
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Plattform für Pilzfreunde / Re: neue Maipilze
« Letzter Beitrag von Rudi am 2. Juni 2017, 12:11 »
Servus Christoph,

Die Bienen kommen ja erst noch- vielleicht hat du dann mal Glück.
Und die kleinen Spinnen sind schon durch.
Die Schnepfen kenn ich nur von einer Stelle. Vielleicht hat sie jemand aus dem Süden mitgebracht.

Schwaben ist von uns aber sehr weit weg...
Wir sind aber grad auch weit weg- in Meran.
Schaunmermal, was es hier schönes gibt.

LG Rudi
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Plattform für Pilzfreunde / Re: neue Maipilze
« Letzter Beitrag von Christoph am 1. Juni 2017, 22:27 »
Soso, da postet der Rudi BW-schwäbische Ragwurzen in einem bayerischen Forum - nur gut, dass wir hier in Bayern so tolerant sind  ;)

Bei mir gibts zumindest drei: Fliege, Biene und Spinne, die Hummel ist extrem selten geworden. Dank des Abiturs und der Prüfungen kam ich aber gar nimmer raus.

Ich habe nur eventuell nochmal Pyrenopeziza plantaginis gefunden - sechs winzige Fruchtkörperanlagen, aber noch komplett unreif. Nachreifversuche in "feuchter Kammer" brachten nichts- es ist nur das Blatt komlett verwelkt und die Fruchtkörperanlagen gingen kaputt - war wohl zu feucht.
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Plattform für Pilzfreunde / Re: neue Maipilze
« Letzter Beitrag von Rudi am 31. Mai 2017, 21:25 »
Servus Peter,

wildern war ich, wie du schon ahnst, in BW, ja.
Allerdings schon etwas entfernt von Mergentheim, zwischen TBB und Wertheim.
Die Schnepfenschrecke kenn ich leider nicht.
Deine Blümchen würd ich auch gern mal finden...

Als Anhang noch ein allerletzer Maipilz, leider nix besonderes- der Größte Scheidling, Volvariella gloiocephala

Liebe Grüße
Rudi
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Plattform für Pilzfreunde / Re: neue Maipilze
« Letzter Beitrag von Peter P. am 31. Mai 2017, 21:01 »
Hallo Rudi,
warst Du da "wildern" in BW, Nähe Bad Mergentheim ? Da unten kennen wir eine Ecke mit dieser Artenzusammensetzung, obwohl es für Laien wie mich schwierig ist, diese Ophrys- Hybriden einzuordnen. Wenn's denn die von mir vermutete Ecke ist, die Anacamptis dort hatten wir Anfang der 90er als erste gefunden. Auf der einen Ophrys (Schnepfe ?) sitzt eine Sichelschrecke, hast du da einen Namen ?
Die angefügten Pflanzen würden wohl auch nach einer Eiszeit nicht in Deiner Ecke wachsen, sie mögens sauer und auch entschieden feuchter.
Grüße Peter.
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Plattform für Pilzfreunde / Re: neue Maipilze
« Letzter Beitrag von Rudi am 31. Mai 2017, 01:07 »
und als Dank für alle, die mitgelesen und besonders für die, die mitgeschrieben und mitgemacht haben, noch ein paar Blümchen.

LG Rudi
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