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Expertenforum Mykologie / Pyrenopeziza digitalina
« Letzter Beitrag von Christoph am 9. Juni 2017, 14:28 »
So, ich fange mit der häufigen Pyrenopeziza digitalina an. Im Nachbar-Thread wurde über sie bereits diskutiert.






(Funde aus dem Nationalpark Bayerischer Wald)

Und hier (auch für Peter P.) die Beschreibung von William Phillips.



Phillips schreibt also nichts zur Häufigkeit...

Die eigentliche Originalbeschreibung erfolgte, so wie ich es meine, zu verstehen, auf dem Etikett eines Exsiccatenwerks (das war damals erlaubt). Die erste öffentlich einsehbare Beschreibung (die ich oben eingefügt habe) hat er dann in seinem Werk A Manual of the British Discomycetes with illustrations of all the species of fungi hitherto found in Britain, included in the family and illustrations of the genera pp. i-xii, 1-462, 12 plates. UK, London; Kegan Paul, Trench & Co. im Jahr 1887 publiziert (auf cyberliber frei lesbar: http://www.cybertruffle.org.uk/cyberliber/ (dort auf "Books" und da auf den Philips klicken).

LG
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Wer sucht mit nach einem kleinen Becherling?
« Letzter Beitrag von Christoph am 9. Juni 2017, 13:59 »
Servus Peter,

ich mache einen neuen Thread zur Gattung Pyrenopeziza auf, in dem ich (und gerne auch jeder andere) Beobachtungen zusammenfasse, Originaldiagnosen einstelle (usw.).

Die Gattung hat was, finde ich, zumal man teils substratbezogen suchen kann und manche Arten an häufigen Wirten vorkommen und dennoch selten sind, andere hingegen "Massenware" wie Pyrenopeziza petiolaris oder Pyrenopeziza digitalina.

Die Beschreibung von Pyrenopeziza digitalina lade ich auch drot "drüben" hoch --> http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1530.0.html

LG
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Der Pyrenopeziza-Fred
« Letzter Beitrag von Christoph am 9. Juni 2017, 13:59 »
Hiermit möchte ich einen eigenen Sammelthread zur Gattung Pyrenopeziza eröffnen. Es gibt viele Arten, die absolut unter- oder noch gar nicht kartiert wurden. Viele kommen an sehr häufigen Substraten wie Brennessel (Pyrenopeziza urticicola) oder Spitzwegerich (Pyrenopeziza plantaginis) oder liegenden Birkenblättern (Pyrenopeziza betulicola), um drei Beispiele zu nennen.

Pyrenopeziza betulicola ist auf www.pilze-deutschland.de mit immerhin drei (!) Fundpunkten deutschlandweit vertreten, davon zwei in Nordbayern (einmal von Peter Püwert, der hier ja auch aktiv ist, einmal von Lothar Krieglsteiner) - das war's! Ich schaue immer im Frühjahr auf Birkenblättern, war aber (noch) erfolglos.

Pyrenopeziza plantaginis war ja hier bereits Thema: http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1127.0.html

Ich hatte vor ein paar Jahren dazu angeregt, nach dieser Art zu suchen und hatte selbst erst heuer Erfolg - am Rand eines Kalkflachmoors.

Pyrenopeziza plantaginis glänzt mit immerhin 5 Fundpunkten auf Pilze-Deutschland. Davon stammt einer aus Bayern (von Jule Kruse in Bayreuth im Botanischen Garten gefunden), wobei ein zweiter aus Oberbayern dazu kommt (mein Fund von heuer). Jule hat noch enen Fund am Main (Flörsheim) gemacht, die anderen beiden stammen (na klar, von wem sonst?) von Lothar Krieglsteiner aus der thüringischen Rhön.

Pyrenopeziza urticicola scheint dagegen häufig zu sein - nur wer schaut schon auf Brennesselstängel? Ich kenne da aber jemanden: die Inge Rössl - und siehe da, sie hat heuer auf einer Wanderung der AMIS (Arbeitskreis Mykologie Inn/Salzach) den "Erstfund" für Südostbayern gemacht. Aus Südbayern gibt es bislang nur einen Nachweis laut Pilze-Deutschland, einen Altfund aus dem Jahr 1987 von Helmut Grünert (am Ammersee).

Ich empfehle einfach mal auf www.pilze-deutschland.de nach Pyrenopeziza zu suchen und die Verbreitungskarten anzusehen. Da sieht man, dass hier Nachholbedarf ist.

Wie erkennt man eine Pyrenopeziza?
Nun, wenn man dunkle, schwarzgraue, kleine Becherlinge findet, die jung fast kugelartig beginnen und (in Bezug auf die meisten Arten) an liegenden Blättern, Blattstielen oder Pflanzenresten (Stängel vom Vorjahr) oder an noch lebenden, aber welk wirkenden Blättern (und da teils Nekrosen bildend) auftreten, also die wie eine dunkle Mollisia auf Kräutern (nur wenige Arten kommen an Holz vor) aussehen, düfte es eine Pyrenopeziza sein.
Im Mikroskop muss man lebend(!) in Wasser die Paraphysen ansehen - ihnen fehlt die für Mollisia typische, lichtbrechende Vakuole (das Plasma kann aber an der Spitze gelb gefärbt sein - es geht wirklich um die "Mollisia-Vakuole"). Die Gattung ist gut bearbeitet, man sollte also bei vielen Arten auch anhand des Substrats als Hilfe gut bestimmen können, wobei das Substrat allein nicht reicht - das ist wohl nur bei den parasitären Arten eng eingegrenzt (wie ich im Asco-France-Forum aufgeschnappt habe).

Mit Pyrenopeziza brassicae gibt es auch eine Art, die wirtschaftliche Bedeutung hat, da sie Rapsfelder zerlegen kann (deshalb wird wohl so viel gespritzt).

Soweit erstmal als Eingangsposting. Ich zeig gleich ein paar alte Beschreibungen in den Folgebeiträgen.

Und wie gesagt: jeder(!) kann, soll und darf sich beteiligen :-)

LG
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Wer sucht mit nach einem kleinen Becherling?
« Letzter Beitrag von Peter P. am 9. Juni 2017, 03:19 »
Hallo Christoph,
da habe ich ja wieder vergeblich an den falschen Stellen gesucht und außerdem gebe ich Fuckel mit seiner Häufigkeitsangabe recht (und die Originalbeschreibungen hat man ja auch nicht immer bei der Hand). Wäre interessant, ob z. B. es zu Pyrenopeziza digitalina auch solche Angaben gibt, theoretisch könnte es heißen "an allen Standorten von Digitalis purpurea und grandiflora", das hatte ich so ähnlich ja schon vor Jahren hier geschrieben.
LG Peter.
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Expertenforum Mykologie / Re: Wer sucht mit nach einem kleinen Becherling?
« Letzter Beitrag von Christoph am 9. Juni 2017, 01:57 »
Manchmal muss man einfach mal die Originalbeschreibung lesen...

Fuckel hat Pyrenopeziza plantaginis ja im Jahr 1870 neu beschrieben. Und er beschreibt auch das Vorkommen und Habitat:



Dass Fuckel die Art als sehr seltern angibt, ist interessant - auch, dass er Spätherbst schreibt. Das muss ich mal prüfen, indem ich auch und gerade im Spätherbst suche. Sehr feucht stehender Plantago lanceolata passt wunderbar auf den Fundort  8)

Man kann übrigens das gesamte Werk "Symbolae mycologicae" online lesen und auch frei herunterladen (als pdf oder ocr oder jpg usw.) - und zwar hier: http://www.biodiversitylibrary.org/bibliography/47117#/summary

Man findet da auch weitere Neubeschreibungen diverser Pyrenopezizen durch Fuckel inklusive Sporenmaßen.

LG
Christoph
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Aber gerne doch :-)
Ich werde demnächst auch die andere Linkliste aktualisieren  ;)
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Super Christoph. Ist echt hilreich und verkürzt die Suche erheblich.
Merci.
Thomas
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Da aufgrund der vielen Themen und Beiträge die Übersicht verloren zu gehen droht, möchte ich hier alle Schlüssel, die im Forum gepostet wurden, als Linksammlung kompilieren.

LG
Christoph

Gattung Antrodia: das Antrodia-serialis-Aggregat in Europa: http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1535.0.html

Gattung Cortinarius, subgen. Dermocybe – hier rote Hautköpfe (Arten um Cortinarius sanguineus): http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1104.0.html

Gattung Dendrothele in Europa: http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,458.0.html

Gattung Flammulina (Weltschlüssel!): http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,395.0.html

Gattung Gyromitra (inkl. Pseudorhizina) in Europa: http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1502.0.html

Gattung Microglossum (nur grüne Arten, Weltschlüssel!): http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1499.0.html

Gattung Phellinopsis (Weltschlüssel!): http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1508.0.html

Gattung Phylloporia (Weltschlüssel!): http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1525.0.html

Gattung Tricholoma, Makroschlüssel zu den weißen / hellen, stinkenden Ritterlingen: http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1064.0.html

Gattung Tympanis (für Groß-Britannien): http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,472.0.html

Ich hoffe, die Liste wird langsam aber sicher wachsen  :D

LG
Christoph
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Expertenforum Mykologie / Re: Schlüssel der Gattung Dendrothele in Europa
« Letzter Beitrag von Christoph am 8. Juni 2017, 21:27 »
Kaum sechs Jahre später und ich habe sie ergänzt (in Rekordzeit, ähem - aber jetzt habe ich wieder mehr Zeit für die Pilze an sich) - die beiden von Pouzar & Kotlaba beschriebenen Dendrothele-Arten. Es gibt mehr Trennmerkmale, als im Schlüssel verwendet werden - so fehlen Dendrothele bisporigerae die Dendrohyphidien, die bei Dendrothele salicina natürlich vorkommen, sodass es keine zweisporige Form von Dendrothele salicina ist. Die Sporenmaße sind aber so typisch, dass sie zum Schlüsseln genügen, zumal der Schlüssel wie gesagt die Übersetzung von Gorjón & Bernicchia ist.

Nun denn, hier ist er, der aktualisierte Dendrothele-Schlüssel (die Gattung ist wirklich spannend! Arten, die in Bayern nachgewiesen wurden oder zumindest in Böhmen, also grenznah, bekannt sind, sind fett hervorgehoben):

Die Gattung Dendrothele in Europa nach Gorjón & Bernicchia (2010), ergänzt nach Pouzar & Kotlaba (2010)

1. Basidiosporen fein stachelig-rau, Fruchtkörper (FK) weiß, kreideartig; auf Juniperus, mediterran (Italien, Frankreich) ........................................................................... D. nivosa
1*. Basidiosporen glatt, an Laubgehölzen (nur ausnahmsweise auch an Nadelbäumen) ......... 2

2(1). Basidiosporen mit 2 oder mehr apikulusähnlichen Auswüchsen oder zitronenförmig (durch apikulusähnlichen Auswuchs am Sporenende) .................................................................... 3
2*. Basidiosporen ohne Auswüchse, auch nicht zitronenförmig ........................................... 4

3(2). Basidiosporen zitronenförmig, Basidien zweisporig; mediterran, bekannt von Arbutus und Salix, Frankreich .............................................................................................. D. citrisporella
3*. Basidiosporen mit mehreren apikulusartigen Auswüchsen (3 to 5 Auswüchse), Basidien viersporig; Frankreich ....................................................................................... D. tetracornis

4(2). Basidiospores mandelförmig; weiße bis weißgraue Art; Großbritannien, Skandinavien, Weißrussland, arktisches Asien und Italien (Südtirol, hier an Corylus) ......... D. amygdalispora
4*. Basidiosporen anders geformt .................................................................................. 5

5(4). Basidiosporen allantoid (erinnern stark an Vuilleminia); FK kreideweiß bis elfenbeinfarben; an Quercus, Castanea, (sub)mediterran .............................................................................. D. dryina
5*. Basidiosporen kugelig bis ellipsoid ................................................................................... 6

6(5). Hymenophor mit mehr oder weniger rundlichen Auswüchsen (Papillen) bis hin zu odontoid ... 7
6*. Hymenophor eben, mehr oder weniger glatt ..................................................................... 8

7(6). Basidien zweisporig, Papillen steril, nur aus Dendrohyphidien gebildet; Basidiosporen ellipsoid bis subglobos; FK jung weiß, später grau bis grauocker; an Laubbäumen (z.B. Ulmus, Salix, Quercus, Erica arborea, Arbutus, seltener auch an Juniperus) .................... D. griseocana
7*. Basidien viersporig, Papillen fertil (Dendrohyphidien und untermischte Basidien); Basidiosporen kugelig ; FK odontoid, gelbocker; mediterran (Kanaren), auf Sardinien an Cycas nachgewiesen ... D. canariensis

8(6). Cystiden fehlend; hierunter sowohl weiße (dann an Salix) als auch creme- bis blass ockerliche Arten  ….........................…............. 9
8*. Cystiden vorhanden; hierunter nur Arten mit weißen bis graulichen FK (die aber gewöhnlich nicht an Salix vorkommen) .................................................... 12

9(8). Basidien zweisporig, Sporen 12,5-18,5 x 10-13 µm; FK weiß bis creme; an Borke alter, stehender, Weidenstümpfe (bekannt von Salix fragilis und Salix alba) ................ D. bisporigera
9*. Basidien viersporig, Sporen höchstens bis 11,5 x 8 µm groß (FK weiß bis blass ocker, an diversem Substrat) ….................... 10

10(9). FK weiß, kreideartig, auf der Borke lebender, alter Salix-Stämme von baumförmigen Weiden (bekannt von Salix fragilis und Salix alba); Sporen 9-11,5 x 5,5-7,5(-8) µm .............. D. salicicola
10*. FK nicht weiß, nicht kreidartig und nicht an der Borke von baumförmigen Weiden vorkommend; Sporen kleiner oder, falls Sporenmaße gleich, dann FK mit wachskrustenartiger Konsistenz ................................ 11

11(10). Basidien gewöhnlich 2(3)-sporig; Basidiosporen 9–11 × 5–7 μm; FK wachskrustenartig, blass ocker; an Quercus, auch an Cupressus nachgewiesen ............................................. D. commixta
11*. Basidien gewöhnlich viersporig; Basidiosporen 7–9 × 4.5–5.5 μm ......................... D. minima

12(8). Basidiosporen subzylindrisch (Q > 2); an div. Laubhölzern, meist aber an Quercus ... D. alliacea
12*. Basidiosporen kugelig bis ellipsoid (Q < 2)............................................................. 13

13(12). Basidiosporen ellipsoid, gewöhnlich schmaler als 8 μm; FK weiß bis weißgrau; meist an Acer, seltener auch an Quercus .......................................................................................... D. acerina
13*. Basidiosporen kugelig bis subglobos, breiter als 8 μm; FK weißgrau bis gelblich; Polen, Italien (in Polen an Acer, in Italien an Taxus nachgewiesen) ............................... D. wojewodae


zugrundeliegende Literatur:

Gorjón S.P. & Bernicchia A. (2010): The genus Dendrothele (Basidiomycota) in Italy, an update with notes on European species. - Nova Hedwigia 90: 233–250.
Pouzar Z. & Kotlaba F. (2010): Two new species of the genus Dendrothele
(Corticiaceae) from the Czech Republic. – Czech Mycol. 61(2): 197–205.
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Hier noch zwei Links zu den beiden Threads, in denen ich zum einen Gyromitra parma aus einem Kalkbuchenwald (mit angepflanzten Pappeln und untermischtem Ahorn neben den obligatorischen Fichten) vorgestellt habe: http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1123.0.html

und zum anderen eine Gyromitra gigas an Laubholz, von der ich erst dachte, es könnte Gyromitra ticiniana sein, die sich dann aber doch als Gyromitra gigas herausgestellt hat:
http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1128.0.html

Und dann natürlich der Link zu einer besonderen Website:
www.lorcheln.de - sie lohnt sich! Dort wird auch Pseudorhizina californica (als Gyromitra californica) gezeigt und vorgestellt (allerdings aus den USA)
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