Autor Thema: gastroide Amanitaceae - Gattung Torrendia wurde eingezogen...  (Gelesen 2452 mal)

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Offline Christoph

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gastroide Amanitaceae - Gattung Torrendia wurde eingezogen...
« Antwort #1 am: 19. Juni 2010, 14:08 »
Hallo zusammen,

dank genetischer Methoden wird Stück für Stück klarer, mit welchen Pilzen welcher sogenannte Bauchpilz verwandt ist. So gehören Kartoffelboviste, Wurzeltrüffeln, Erbsenstreulinge etc. zu den Boletales, also den Röhrlingsartigen.

Interessant wird es, wenn gastroide Pilze innerhalb "normaler" Gattungen stehen (z.B. Lactarien oder Russulen, die trüffelartig wachsen).

In der aktuellen Mycologia haben sich Justo et al. mit secotoiden und gastroiden Amanita-Verwandten beschäftigt. Secotoid sind Arten, die zwar einen Stiel besitzen, aber anstatt des normalen Hutes mit Lamellen stäublingsartige Hüte haben oder die zumindest noch Lamellenrudimente besitzen können, deren Basidien die Sporen aber nicht mehr fallen lassen.

Genauer handelt es sich um die beiden Gattungen Torrendia (secotoid) und Amarrendia (gastroid). Torrendia tritt in Europa beispielsweise im Mittelmeerraum auf.

Die Reduktion der Lamellen und der Übergang zu secotioiden Fruchtkörpern wird oft als Anpassung an trockene Habitate diskutiert, da es gerade in ariden Regionen erstaunlich viele secotioide Pilze gibt, während z.B. in unseren Breiten dieses Phänomen kaum auftritt.

Die Typusart von Torrendia, T. pulchella, gehört offensichtlich in die sect. Caesarea (subgen. Amanita) innerhalb von Amanita. Sie heißt demnach korrekt Amanita torrendii.

Torrendia arenaria (jetzt: Amanita arenaria), eine australische Art, gehört hingehen in die Untergattung Lepidella von Amanita und steht hier der sect. Phalloideae nahe.

Amarrendia verteilt sich auch innerhalb der Gattung Amanita:
es gibt einen eigenen "Amarrendia-Clade" im subgen. Amanita. Eine weitere "Amarrendia"-Art ist offensichtlich ein Scheidenstreifling (subgen. Amanita, sect. Amanitopsis)

Entsprechend wurden auch die Amarrendia-Arten zu Amanita gestellt.

Es gibt also Wulstlinge i.w.S., die stäublingsartig wachsen bzw. secotoid sind. Und schwupps, schon wieder zwei Gattungen weniger auf der mykologischen Landkarte  ;).

Hier das Zitat des Artikels:

Justo A. et al. (2010): Convergent evolution of sequestrate forms in Amanita under Mediterranean climate conditions. Mycologia 102(3): 675-688.

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 22. Juni 2010, 16:19 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)