Servus beinand,
das schöne Wetter zog mich heute nach draußen in den Wald. Ich war eigentlich auf der Suche nach
Clitopilus daamsii und eventuell der ersten
Pseudoplectania nigrella, aber ich fand keine gammeligen Buckeltrameten in meinem Hauswald und der Boden war noch zu sehr schneebedeckt, um den Schwarzborstling zu finden...
Dafür bin ich zielstrebig auf einen Feldahorn zugegangen, um mal auf dessen Borke zu schauen. Und siehe da, natürlich war er voll mit
Dendrothele acerina.

Ich habe mal in die Onlinekartierung geschaut - und siehe da, nur zwei Personen haben den auffälligen Pilz bislang in Bayern kartiert: Peter Karasch (die meisten Punkte) und meinereiner. Das lässt sich ändern!
Wie erkennt man Dendrothele acerina?
Auf Ahorn, insbesondere am Feldahorn (aber auch auf anderen Ahornarten) findet man immer wieder Rindenschuppen, die scheinbar mit weißer Kreide oder Kalkfarbe überzogen sind. Ist im Weiß ein Hauch von grün mit dabei, ist es meist eine Flechte, was im Mikroskop an den Asci und den Algen kenntlich ist.
Sieht man im Mikroskop erstmal gar nichts, sondern nur Tausende kleiner Kristalle und Luftbläschen, ist man richtig. Der Fruchtkörper besteht aus Dendrohyphidien (bäumchenartig verzweigte Hyphenenden), deren feine Ästchen mit Kristallen besetzt und hydrophob sind. Dazwischen verstecken sich die Basidien. Die Sterigmen schauen aus dem Kristallgewusel heraus und dann kann man mit etwas Glück die Sporen finden. Meist sind die Basidien aber nur als Basidiolen im Wartezustand...
Ich habe am häufigsten im Spätwinter Glück, wenn es taut. Dann scheint die
Dendrothele wie wild zu sporulieren. Der Pilz an sich ist ganzjährig zu finden.
Um das Mikroskopieren kommt man (leider) nicht herum, denn mit
Dendrothele alliacea gibt es einen Doppelgänger. Diese Art wächst zwar meist an Eiche, kann aber auch an Ahorn fremdgehen und sieht makroskopisch identisch aus.
Wer also
Dendrothele an Eiche findet, möge auch hineinmikroskopieren, da auch
Dendrothele acerina fremdgehen kann.
Wie unterscheidet man beide Arten?D. acerina:
Sporen breit elliptisch, 10-13 (-15) x 7-10 µm, etwas dickwandig (gut in Immersion zu erkennen)
D. alliacea:
Sporen schmal elliptisch, 11-15 (-17) x 6-7 (-8) µm, auch etwas dickwandig.
Die übrigen Gattungsvertreter sollen nicht so kreideweiß sein. Ich habe aber bislang keine anderen Dendrothelen finden können.
Hier noch ein paar weitere Arten der Gattung:Auch an Acer und Quercus:
Dendrothele dryina - Sporen allantoid, 16-22 x 8-10 µm
Dendrothele commixta (meist an Quercus)
Sporen 8-11 x 5-8 µm
Dendrothele griseocana (gern an Weide)
Sporen 7,5-11 x 6-8 µm, Basidien 2-sporig
(Maße 9-11 x 7-8 µm laut Gorjon & Bernicchia 2010,
und 10-12 x 8-10 µm nach Nakasone 2006)
Aber wie gesagt: Nur
Dendrothele acerina und
D. alliacea sind so extrem kreideweiß. An Ahorn habe ich bisher nur
D. acerina gefunden. Trotzdem muss man immer mikroskopieren. Da aber die Sporen alleine reichen, ist es eine Sache von vielleicht 2 Mintuen (wenn der Überzug reif ist).
Jetzt ist genau die Reifezeit - also raus in den Wald, frische Luft in die Lungen und ein Stückerl weiß überzogene Borke mit nach Hause nehmen, kurz anmikroskopieren und einen neuen Fundpunkt für
Dendrothele acerina in die Kartierung eingeben... Man kann die Art gezielt suchen - einfach nach Feldahorn schauen, der schon deutlich Borkenschüppchen hat...
Viel Spaß beim Kartieren,
Christoph
Edit: Maße bei D. griseocana ergänzt)