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Autor Thema: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!  (Gelesen 22144 mal)

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Offline Christoph

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Flammulina rossica - Zwei Nachweise aus Bayern!!!
« Antwort #12 am: 6. März 2010, 01:50 »
Hallo zusammen,

ich bin eben über einen aktuellen Artikel über Flammulina rossica in der Czech Mycology gestolpert. In der Revision der Flammulina-Belege in der Botanischen Staatssammlung München wurden zwei Belege von Flammulina rossica gefunden:

http://web.natur.cuni.cz/cvsm/CM60109F.pdf

Beide stammen aus dem Nationalpark Berchtesgaden (beide leg. Schmid-Heckel, 1981, ein Fund im Oktober, einer im Dezember).

Insofern kommt Flammulina rossica in Bayern vor. Wer erbringt den nächsten, aktuellen Nachweis?

LG
Christoph
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Offline Christoph

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Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
« Antwort #11 am: 6. März 2010, 01:15 »
Hm, ich werde wohl noch mehr Sporenmaße ermitteln - z.B. die anderen FK des Büschels untersuchen. Der Quotient passt zwar ganz gut auf Fl. elastica, aber die Sporen sind insgesamt zu kurz (und doch recht variabel: Q ab 2,0)...

LG
Christoph
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Offline Christoph

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Flammulina elastica - Fund von heute
« Antwort #10 am: 5. März 2010, 23:50 »
*Hurra* - Ich hab sie endlich auch gefunden - Flammulina elastica

Ein kleines Büschel "Samtfußrüblinge" wuchs an einem bodennah abgesägten Laubholzstrünkchen (Durchmesser ca. 5 cm) direkt am Lehrerparkplatz meiner Schule, an der ich tätig bin. Die Fruchtkörper waren recht gelblastig (gelbe Lamellen, also gar nicht blass).

Folgende Sporenmaße habe ich erhalten (n = 30, Mittelwerte unterstrichen):

(6,5-) 7,5-8,47-10 (-10,5) x 3-3,03-4 (-4,5) µm; Q = (2)2,3-2,82-3,5

Die Asymmetrie in den Sporenbreiten bezüglich dem Durchschnitt kommt von meinem Messouklar, das nicht 1:1 kalibriert ist. Nach Umrechnung fängt die Breite bei 2,85 µm an, was ich aufgerundet habe. Die meisten Sporen waren ca. 3 Teilstriche breit und nur einzelne wenige Sporen waren deutlich breiter.

Jetzt weiß ich, wo die Art bei mir vorkommt und kann den Fundort weiter beobachten. Kommen schöne Exemplare zum Vorschein, werde ich sie natürlich fotografieren. Die aktuelle Kollektion war leider nicht fotogen.

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 5. März 2010, 23:51 von Christoph »
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Offline UdoA

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Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
« Antwort #9 am: 26. Februar 2010, 12:48 »
Hallo Christoph,

sehr interessanter Beitrag. Ich habe heute auch zwei kleine Aufsammlungen von Weide mitgenommen.
Mal abwarten, ob ich einen Sporenabwurf bekomme.

Gruß Udo
Eine Anhäufung von Tatsachen ist ebenso wenig eine Wissenschaft wie ein Haufen Steine schon ein Haus ist. (H. Poincaré)

Meine Pilzfotos: http://www.fotocommunity.de/pc/pc/mypics/496395

Avatar: Oudemansiella mucida, Buchenschleimrübling

Offline Christoph

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Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
« Antwort #8 am: 24. Februar 2010, 22:43 »
Hallo Gernot...

Zitat
Jetzt ist mein Interesse jedenfalls noch mehr geweckt und ich werde versuchen die schwindende Winterzeit (in den letzten Tage immer +14, heute sogar +16°C) zu nutzen und Flammulinen zu mikroskopieren.

Molto bene! Ich hoffe, am Wochenende Zeit zu finden, mal in einen Auwald zu schauen... Freut mich, dass Du einerseits animiert bist und andererseits auch fündig wurdest.

LG
Christoph
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Offline Gernot

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Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
« Antwort #7 am: 24. Februar 2010, 22:33 »
Hallo Christoph,

Zitat
sah der Fruchtkörper irgendwie anders aus? Waren z.B. die Lamellen auffallend blass?

Nein, eigentlich sind mir überhaupt keine Unterschiede aufgefallen. Er war übrigens etwa 6 cm hoch und der Stiel war leicht exzentrisch (ist ja kein Wunder bei Holzbewohnern).

Jetzt ist mein Interesse jedenfalls noch mehr geweckt und ich werde versuchen die schwindende Winterzeit (in den letzten Tage immer +14, heute sogar +16°C) zu nutzen und Flammulinen zu mikroskopieren.

Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
« Antwort #6 am: 24. Februar 2010, 22:19 »
Servus Gernot,

da passt ja alles, sogar das Substrat Salix, klasse!. Nur aus Neugierde: sah der Fruchtkörper irgendwie anders aus? Waren z.B. die Lamellen auffallend blass?

Zu PdS kann ich nichts sagen. Man müsste erstmal den zugrundeliegenden Fruchtkörper nachmikroskopieren... Es kann aber gut sein, dass dort keine Flammulina velutipes abgebildet ist. Ich kam ehrlich gesagt gar nicht auf die Idee, da mal nachzublättern.

LG
Christoph
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Offline Christoph

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Flammulina-Schlüssel für Europa
« Antwort #5 am: 24. Februar 2010, 22:16 »
Hallo zusammen,

ich habe den Schlüssel mal auf die in Europa nachgewiesenen Arten reduziert. So fällt das Bestimmen wohl leichter. Zudem habe ich ein paar Tippfehler verbessert.

1 Pileocystiden vorhanden, zumindest auf der Hutscheibe; Cystiden deutlich von anderen Huthautstrukturen differenziert. Pleurocystiden meist vorhanden, aber entweder selten oder anscheinend bei manchen Aufsammlungen / Arten fehlend; (Stiel trocken, gewöhnlich samtig oder überreift) ...................... 2

1* Große, deutlich hervorstehende Pileocystiden vollkommen fehlend. ………………………  F. mediterranea
Beschr.: Huthaut bei feuchtem Wetter immer schmierig; Sporen 11,5-15 x 7-10 µm; in sandigen Habitaten, wurzelnd, mit Ammophila litoralis vergesellschaftet


2 HDS eine Schicht bzw. Palisade aus keuligen Zellen, welche mit wenigen bis vielen fusoiden, manchmal auch etwas eingeschnürt fusoiden bis gegabelten Hyphenenden und Pileocystiden untermischt sind, wodurch ein hymeniformer bis subhymeniformer Eindruck entsteht; die basidiolenartigen HDS-Zellen können kleine, bisweilen auch gegabelte, spitze Auswüchse besitzen …………… 3

2* HDS ein Ixotrichoderm aus aufsteigenden, fädigen, eng fusoiden oder äußerst irregulären (dornartigen) Elementen … 4


3 Sporen im Mittel 6-8.7 x 4-4.8 µm (Q = 1.51-1.64; Qm = 1.61), mehr oder weniger ovoid, ellipsoid bis mandelförmig; häufig mit Populus assoziiert, seltener auch mit Betula, Alnus, Pinus, Picea; Skandinavien, westliches Nordamerika ……………… F. populicola

3* Sporen 9.2-10.3 x 3.9-4.5 µm (Q = 2.05-2.58; Qm = 2.3), mehr oder weniger gestreckt eiförmig, ellipsoid bis mandelförmig; meist mit Salix assoziiert, seltener mit Populus tricocarpa, P. tremuloides, Betula, Alnus; Westküste Nordamerikas, Nordostasien, selten auch in Osteuropa  .................... F. rossica


4 Sporen 7.2-14.8 x 3.7-6.5 µm (im Durchschnitt 4.5-5.4 µm breit), häufig in von verholzten Leguminosen dominierten Habitaten, nicht im dichten Wald ...................................................... 5

4* Sporen im Schnitt schmaler als 4.5 µm ................................................................... 6


5 Mit Ononis assoziiert, über kalkreichen Böden in Magerwiesen; Hut typischerweise klein, nur 5-35(-45) mm breit, honiggelb bis orangebraun (gegen Hutrand), mit orangfarbener Scheibe; Fruchtkörper einzeln, wurzelnd; Deutschland, Italien, Westrussland ........................................................... F. ononidis

5* Mit Cytisus, Ulex oder anderen Leguminosen vergesellschaftet; Hut nicht dunkelbraun, sondern gewöhnlich blasser ................................................................................................. noch zu klärende Varianten von F. velutipes (?)


6 Sporen 6-8 x 4-4.5(-5) µm, eiförmig bis breit ellipsoid (Q < 2, gewöhnlich 1.5-1.7); Pileipellis, vor allem an der Hutscheibe, dicht mit Pileocystiden und einigen fusiformen bis schmal keuligen, aufsteigenden Hyphenenden besetzt; Hut blass, elfenbein- bis ledergelblich, mit dunklerer Scheibe; gewöhnlich wurzelnd (auf vergrabenem Holz); September; Schweiz, Deutschland, Niederlande .... F. fennae

6* Sporen gewöhnlich länger, ausgezogen-ellipsoid bis zylindrisch (Q = 2-3); Pileipellis ein Ixotrichoderm aus filamentösen, oft verzweigten Hyphenenden und Pileocystiden ..................................................................... 7


7 Sporen 8-11.5 x 3-4 µm (Qm = 2.5-3); häufig mit Salix assoziiert; Europa ………… F. elastica 
Bemerkung: von F. velutipes fast nur durch die längeren Sporen unterscheidbar, mit dieser Art aber nicht kreuzend, daher eine eigene, biologische Art bildend

7* Sporen 6-9.5 x 3-4 µm (Qm = 2-2.3) ........................................................................ 8


8 Hut gelblich bis rötlich braun; Stiel gelblich bis fast Schwarz; Kosmopolit …… F. velutipes var. velutipes

8* Hut und Stiel elfenbein bis fast weiß und nicht im Alter dunkelnd  ……….. F. velutipes var. lactea

Zusätzlich: Flammulina cephalariae Perez-Butron & Fernández-Vicente 2007
wächst an den Wurzeln von Cephalaria leucantha, einer Dipsacaceae (Skabiose); aus Spanien beschrieben – da ich keine Beschreibung besitze, konnte ich sie nicht in den Schlüssel integrieren.

LG
Christoph
« Letzte Änderung: 25. Februar 2010, 11:30 von Christoph »
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Offline Gernot

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« Antwort #4 am: 24. Februar 2010, 22:13 »
Hallo Christoph und alle anderen,

letztens hat man mir in einem Auwald einen einzelnen Flammulina-Fruchtkörper gebracht, der vermutlich an Holz von Salix gewachsen ist, das im Erdboden vergraben war. Da mir ein einzelner Fruchtkörper irgendwie zu wenig für eine Suppe war (ja, TROTZ der Fastenzeit! :-X) dachte ich mir halt, ich mikroskopiere ihn und schaue, ob es etwas anderes als F. velutipes sein könnte. Tatsächlich fand ich Sporen bis 12 µm Länge, die F. velutipes ausschließen würden! Es sollte sich um F. elastica handeln, die von der velutipes-s.l.-Gruppe (so nenne ich sie mal) die größten Sporen hat. Leider hab ich kein makroskopisches Foto, dafür hab ich aber u.A. die Sporen fotografiert:



Links unten sieht man eine Hymenialzystide und zwei Basidien. Die Sporen maßen übrigens 9,5-12 x 3-4,5 µm und hatten einen Q von 3,05-3,79.

Eigentlich müsste dann der in Pilze der Schweiz dargestellte Fund ebenfalls F. elastica sein? Dort werden nämlich Sporenmaße von 8-11 x 3,2-4,5 angegeben.

Schöne Grüße
Gernot
« Letzte Änderung: 24. Februar 2010, 22:16 von Gernot »

Offline Christoph

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Antw: Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
« Antwort #3 am: 27. Dezember 2009, 20:35 »
Hallo Gernot,

gern geschehen. Ich bin selber gespannt - bislang habe ich nur die gewöhnliche Flammulina velutipes gefunden. Was aber nichts heißen muss, da ich leider in den letzten Jahren sehr wenig Zeit für Feldstudien hatte (wird sich hoffentlich bald ändern).

Ich  muss noch eine erst 2007 aus Europa, genauer aus Spanien beschriebene Art nachreichen (die aber für die bayerische Kartierung wohl keine Rolle spielt):

Flammulina cephalariae Perez-Butron & Fernández-Vicente 2007

Sie wächst an den Wurzeln von Cephalaria leucantha, einer Dipsacaceae (Skabiose). Da Skabiosen auch bei uns vorkommen, wenngleich andere Arten, ist vielleicht auch ein Fund in Deutschland denkbar. Vielleicht im Rheingraben...

In Spanien hat die Neubeschreibung auch in der Presse eingeschlagen. Hier zwei Links dazu (der erste ist englischsprachig und eine Übersetzung des zweiten, auf spanisch erstellten Artikels):

http://www.thinkspain.com/news-spain/14599/new-type-of-mushroom-identified-in-burgos-valley

http://www.20minutos.es/noticia/356873/0/nueva/seta/sestao/

Und hier findet sich eine gutes Foto dieser Art:

http://tinyurl.com/y9gdawp

Mehr habe ich bislang nicht auftreiben können, wäre aber an der Originaldiagnose natürlich sehr interessiert :-)
Liebe Grüße
Christoph
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Offline Gernot

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« Antwort #2 am: 27. Dezember 2009, 15:53 »
Hallo Christoph,

vielen Dank für diese wertvolle Information! Auf der Seite war ich sogar schon mal, hab aber nicht mitbekommen, dass es noch andere europäische Arten gibt. Ich werde in Zukunft die Samtfußrüblinge mikroskopieren und bin schon gespannt, wie häufig die anderen Arten wirklich sind.

Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!
« Antwort #1 am: 27. Dezember 2009, 02:10 »
Hallo zusammen,

der Winter ist da - und es gibt wieder feuchtwarme Zwischenperioden. Perfekt für das Wachstum von Samtfußrüblingen. Leider wurde im Winter bislang meist nur die Sammelart kartiert. Es gibt in Europa aber mindestens vier "Samtfußrüblinge": Flammulina velutipes, Flammulina elastica, Flammulina rossica und Flammulina populicola.

Naürlich gibt es auch Sommerarten wie Fl. fennae (die in der jetzigen Jahreszeit aber keine Rolle spielen).

Einen Schlüssel für die Gattung Flammulina gibt es hier: http://www.bio.utk.edu/mycology/Flammulina/default.html
Dort finden sich auch Beschreibungen und Fotos der Arten (weltweit betrachtet).

Ich habe mir erlaubt, den Schlüssel ins Deutsche zu übersetzen und hier zu präsentieren (europäische Arten sind im Schlüssel von mir fett hervorgehoben).

Ich würde mich freuen, wenn der Schlüssel genutzt würde, Winterrüblinge genauer anzuschauen. Vielleicht gelingt ein Erstnachweis von Fl. populicola oder von Fl. rossica in Bayern? Fl. elastica hat bereits der alte Lasch als eigene Art beschrieben. Sie versank nur in der Versenkung und wurde mittlerweile wiederentdeckt.

Viel Spaß beim Sammeln und Bestimmen  :)

LG
Christoph




Flammulina-Schlüssel
 
1 Pileocystiden vorhanden, zumindest auf der Hutscheibe; Cystiden deutlich von anderen Huthautstrukturen differenziert. Pleurocystiden meist vorhanden, aber entweder selten oder anscheinend bei manchen Aufsammlungen / Arten fehlend; (Stiel trocken, gewöhnlich samtig oder überreift) ................................................................................. 2

1* Große, deutlich hervorstehende Pileocystiden vollkommen fehlend. …............ F. mediterranea
Beschr.: Huthaut bei feuchtem Wetter immer schmierig; Sporen 11,5-15 x 7-10 µm; in sandigen Habitaten, wurzelnd, mit Ammophila litoralis vergesellschaftet



2. Hutfleisch deutlich stratifiziert: oberes 2/3 aus einer dicken, hyalinen, gelatinisierten Schicht (überentwickelte Hypodermis) bestehend, welche von einer deutlich dünneren (ca. 1/10 der Schleimschicht) oberflächlichen Auflage aus keulenförmigen bis fusiformen Zellen nach außen begrenzt wird (Epicutis); unteres Drittel (Trama) nicht gelifiziert, besonders dicht verwoben, sodass keine Zwischenräume zwischen den Hyphen erkennbar sind; von der Hypocutis durch eine besonders dichte Schicht gut abgetrennt ; Lamellenschneide steril oder nahezu steril aufgrund dicht stehender Cheilocystiden ……………………………..................................................… 3

2* Hutfleisch nicht stratifiziert, sondern aus einer dicken Lage nicht gelifiziertem Hyphengeflechts bestehend, welches durch eine vergleichsweise dünne Huthaut (ca. 1/5 bis 1/10 der Fleischdicke) nach außen abgegrenzt wird; Huthaut gelifiziert, aus Hypodermis und Epicutis bestehend; Lamellenschneide mit unterschiedlich dicht stehenden, zerstreuten Cheilocystiden ………………………………….......…………… 4


3. Epicutis-Elemente bis zu 50% aus keuligen Zellen bestehend, dazwischen mit eingestreuten fusoid bis ventricosen (bauchigen) Pileocystiden (über 50%), die dazu tendieren, im Mikroskopiermedium umzuknicken; Hypodermis doppelt so dick wie das Hutfleisch, dadurch Hut makroskopisch durchscheinend gerieft; Sporen 6,3-6,5 x 3,8-4,3 µm, eiförmig, tränenförmig bis breit ellipsoid. Bekannt von Nothofagus, Neuseeland ……..............................................................…. F. stratosa

3* Epicutis-Elemente praktisch alle aus bauchigen Pileocystiden bestehend, dazwischen nur wenige keulige Zellen eingestreut; Epicutis daher eine Schicht dichtstehender Pileocystiden; Hypodermis ungefähr gleich dick wie das Hutfleisch; Sporen 5,5-6 x 3-3,5 µm; an Ästen von Drimys winteri, Feuerland …………………………………………………....................…… F. similis


4 HDS eine Schicht bzw. Palisade, wodurch ein hymeniformer bis subhymeniformer Eindruck entsteht; im Detail können auch einzelne, wenige, irregular geformte Zellen sowie dünne Hyphenende eingestreut sein; die basidiolenartigen HDS-Zellen können kleine, bisweilen auch gegabelte, spitze Auswüchse besitzen ………………………….................................................…………… 5

4* HDS ein Ixotrichoderm aus aufsteigenden, fädigen, eng fusoiden oder äußerst irregulären (dornartigen) Elementen …………………………...............…………………………………. 9


5 Hymeniforme Pileipellis sehr deutlich ausgeprägt, diese aus keuligen bis gestielt kugeligen Zellen und Pileocystiden bestehend; Lamellentrama entweder gelifiziert und bilateral oder Hymenium ohne Pleurocystiden ………………….........................................……. 6

5* Hymeniforme bis subhymeniforme Pileipellis aus keuligen Zellen bestehend, welche mit wenigen bis vielen fusoiden, teils eingeschnürt fusoiden oder gegabelten, aufsteigenden Hyphenenden und Pileocystiden untermischt sind; Lamellentrama niemals gelifiziert noch bilateral ……………………………………………………….. 8


6 Pleurocystiden fehlend (oder zumindest sehr unauffällig); Lamellentrama nicht bilateral; rotbraune zentralafrikanische Art mit dunkel gelben Lamellen ….......................................... F. ferrugineolutea

6* Pleurocystiden deutlich hervorragend; Lamellentrama bilateral, gelifiziert; Süd- und Mittelamerika  ………………………………………………………… 7


7 Sporen 6.8-8 x 3.5-4.2 µm,dünnwandig; Stielbekleidung lückenhaft hymeniform (Inseln aus Bereichen mit keulig-blasigen und bauchig-flaschenförmigen Zellen); Lamellentrame untermischt; Subhymenium nicht gelifiziert; an Alnus jorullensis; Argentinien ……..………………………………………………. F. callistosporioides

7* Sporen 8-9 x 4.5-6.3 µm, mit etwas verdickten, gelblichen, lichtbrechenden Wänden;
Stielbekleidung sehr spärlich ausgeprägt, nur aus kleinen Gruppen bauchiger bis flaschenförmigen Zellen bestehend, nicht wie ein lückenhaftes Hymeniderm aussehend; Lamellentrame bilateral; Subhymenium gelifiziert; an Senecio; Zentralmexiko ……...………......................………… F. mexicana


8 Sporen im Mittel 6-8.7 x 4-4.8 µm (Q = 1.51-1.64; Qm = 1.61), mehr oder weniger ovoid, ellipsoid bis mandelförmig; häufig mit Populus assoziiert, seltener auch mit Betula, Alnus, Pinus, Picea; Skandinavien, westliches Nordamerika …………………........................................................ F. populicola

8* Sporen 9.2-10.3 x 3.9-4.5 µm (Q = 2.05-2.58; Qm = 2.3), mehr oder weniger gestreckt eiförmig, ellipsoid bis mandelförmig; meist mit Salix assoziiert, seltener mit Populus tricocarpa, P. tremuloides, Betula, Alnus; Westküste Nordamerikas, Nordostasien, selten auch in Osteuropa ...…………………………..............................................................F. rossica


9 Lamellentrama ausgeprägt bilateral; Subhymenium gelifiziert; Sporen 6.3-8.9 x 3.2-4.1 µm (Q = 2); Osthänge der Sierra Madre Oriental, Mexico …............................................. F. "bilateralis" ad. int.

9* Lamellentrama nicht bilateral, ohne gelifizierte Schicht  …............................…………………... 10


10 Sporen 7.2-14.8 x 3.7-6.5 µm breit (im Durchschnitt 4.5-5.4 µm breit), stämmig, oft verlängert; häufig in von verholzten Leguminosen dominierten Habitaten, nicht im dichten Wald ………………………….…….............….. 11

10* Sporen schmaler als 4.5 µm ……………………………………………….................................................. 13


11. Europa …………………………………………………...............................…………….. 12

11* Westküste Nordamerikas; (mit Lupinus arboreus assoziiert; Hut schmutzig gelblich mit zimtfarbiger Scheibe, bis zu 65 mm im Durchmesser; Fruchtkörper wurzelnd, häufig im Sand oder gesellig an verholzten Ästen  ……............…….. F. velutipes var. lupincola


12 Mit Ononis assoziiert, über kalkreichen Böden in Magerwiesen; Hut typischerweise klein, nur 5-35(-45) mm breit, honiggelb bis orangebraun (gegen Hutrand), mit orangfarbener Scheibe; Fruchtkörper einzeln, wurzelnd; Deutschland, Italien, Westrussland ..……………......................................………….. F. ononidis

12* Mit Cytisus, Ulex oder anderen Leguminosen vergesellschaftet; Hut nicht dunkelbraun, sondern gewöhnlich blasser ……………................................………. Varianten von F. velutipes


13 Sporen 6-8 x 4-4.5(-5) µm, eiförmig bis breit ellipsoid (Q = <2, gewähnlich 1.5-1.7); Pileipellis, vor allem an der Hutscheibe, dicht mit aufstehenden Pileocystiden und einigen fusiformen bis schmal keuligen Hyphenenden besetzt; Hut blass, elfenbein bis ledergelblich, mt dunklerer Scheibe; gewöhnluch wurzelnd (auf vergrabenem Holz); September; Schweiz, Deutschland, Niederlande ……….......................……………… F. fennae

13* Sporen gewöhnlich länger, ausgezogen-ellipsoid bis zylindrisch (Q = 2-3); Pileipellis ein Ixotrichoderm aus filamentösen, oft verzweigten Hyphenenden und Pileocystiden ......................................................……….. 14

14 Sporen 8-11.5 x 3-4 µm (Qm = 2.5-3); häufig mit Salix assoziiert; Europa ………………………………………….. F. elastica 
Bemerkung: von F. velutipes fast nur durch die längeren Sporen unterscheidbar, mit dieser Art aber nicht kreuzend, daher eine eigene, biologische Art bildend


14* Sporen 6-9.5 x 3-4 µm (Qm = 2-2.3) ……………………..........................…………………… 15


15 Hut gelblich bis rötlich braun; Stiel gelblich bis fast Schwarz; Kosmopolit …………..  F. velutipes var. velutipes

15* Hut und Stiel elfenbein bis fast weiß und nicht im Alter dunkelnd  …………………………………….. F. velutipes var. lactea


« Letzte Änderung: 27. Dezember 2009, 02:23 von Christoph »
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