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Kartierungsaufruf Gattung Flammulina - mit Schlüssel!

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Christoph:
Hallo zusammen,

als Anregung hier die beiden Fotos von Flammulina elastica fm. longisporum aus diesem Thread: http://forum.pilze-bayern.de/index.php/topic,1651.0.html - als Appetitanreger, durchaus mal in Winterpilze hineinzumikroskopieren. Den zugehörigen Schlüssel findet man etwas weiter unten in diesem Thread.




Liebe Grüße,
Christoph

Christoph:
Servus beinand,

es wird kalt, die ersten Fröste sind über uns hereingebrochen - Zeit, sich wieder um Winterpilze zu kümmern  :D

Ich möchte daran erinnern, dass es noch keinen Nachweis von Flammulina populicola bei uns gibt - also bitte bei Samtfußrüblinge, die an der Stammbasis von (oder scheinbar am Boden rund um) Pappeln wachsen, mal schnell die HDS prüfen.

Flammulina rossica ist nachgewiesen, aber es gibt nur einen einzigen Fund aus Berchtesgaden. Hier wären Kartierer aus winterkalten Regionen vielleicht gefragt - BayerWald, der Eiskeller rund um Hof, Alpen und dortige Kaltlufttäler. Auch dort kann es schneearme Zeiten im Winter geben.

Viel Spaß beim Suchen - und nicht vergessen: erst mikroskopieren, dann essen (und eine Teil als Beleg trocknen)  8)

Liebe Grüße,
Christoph

Christoph:
Hallo zusammen,

mittlerweile habe ich in der Mcologia Bavarica einen aktuellen Weltschlüssel der Gattung Flammulina publiziert:
Hahn C. (2017): Bestimmungsschlüssel zu ausgewählten Gattungen der Agaricales 2: Die Gattung Flammulina. Mycol. Bav. 17: 7-24.

Um die Gattung wieder in Erinnerung zu rufen, biete ich hier einen (aus der Publikation genommenen) Schlüssel für in Bayern zu erwartende Arten an:

Hilfsschlüssel für in Bayern nachgewiesene und zu erwartende Arten der Gattung Flammulina

1    Grundstruktur der HDS (neben den Pileocystiden) ein Hymeniderm (im Detail können auch einzelne, wenige, irregulär geformte Zellen sowie durchaus einige dünne Hyphenende eingestreut sein) aus keuligen, basidiolenartigen Endzellen, die teils auch spitze, mitunter auch gegabelte Auswüchse besitzen können ......................................................2

1*    Grundstruktur der HDS (neben den Pileocystiden) ein Ixotrichoderm aus aufsteigenden, fädigen, eng fusoiden oder äußerst irregulären, teils aufgeblasenen, teils dornartigen Elementen; Palisade aus keulenförmigen Endzellen fehlend (falls Pileocystiden sehr dicht stehen, können diese zumindest in der Hutmitte eine Palisade bilden, aber auch in diesem Fall fehlt die hymeniderme Grundstruktur aus keulenförmigen Endzellen) ........................................... 3

2    Sporen im Mittel 6-9 x 4-5 µm (Q = 1,5-1,7; Qm = 1,6); Fruchtkörper meist kräftig gefärbt, wie ein „gewöhnlicher Samtfußrübling“; häufig mit Populus assoziiert, seltener auch an anderen Baumarten  ............................ Flammulina populicola
   Bemerkung: falls Sporen noch kleiner, (5) 5,5-6,5 (7) x  3-4 µm, vergl. Flammulina yunnanensis (siehe in zitierter Publikation, Mycol. Bav. 17, Art aus China, noch nicht in Europa nachgewiesen)

2*    Sporen 9-10,5 x 5-4,5 µm (Q = 2,0-2,6; Qm = 2.3); Fruchtkörper meist sehr blass, gelblich-ockerlich; meist mit Salix assoziiert, seltener mit Populus, Betula, Alnus; in Bayern im Nationalpark Berchtesgaden nachgewiesen............................. Flammulina rossica

3   an den Wurzeln der Dornigen Hauhechel (Ononis spinosa) parasitierend, daher mit dieser Pflanze vergesellschaftet; Sporen lang und breit, 8,5 -13 (14) x (4) 4,5-6 µm ................................................................. Flammulina ononidis

3*  nicht an Pflanzenwurzeln parasitierend, sondern an Holz wachsend (falls scheinbar terricol, dann an vergrabenem Holz oder abgestorbenen Wurzeln); Sporen nur bis 5 µm dick und nur bis 11,5 µm lang werdend............................................... 4

4   Sporen eiförmig bis breit ellipsoid, Q < 1,9 (gewöhnlich 1,5-1,7); HDS zwar ein Ixotrichoderm, aber insbesondere in der Hutmitte von dicht und aufrecht stehenden Pileocystiden dominiert; Hut blass, elfenbein- bis ledergelblich, mit dunklerer Mitte; Fruchtkörper meist an vergrabenem Holz, wurzelnd; erscheint oft früh im Jahr, Sommer, Herbst ................................................... Flammulina fennae

4*    Sporen ellipsoid bis zylindrisch, Q >= 2; HDS ein wirres Ixotrichoderm aus filamentösen, oft verzweigten Hyphenenden mit meist eingebetten Pileocystiden, die nirgends alleine dominieren .......................................................................... 5

5    Sporen bis 11,5 µm lang, Qm = 2,5-3,0 ..................................................... 6

5*    Sporen nur bis 9,5 µm lang, Qm = 2-2,3 ...................................................... 7

6   Fruchtkörper auffallend blass, Hut fast weiß bis blass creme-gelblich; gerne mit Salix assoziiert ....... Flammulina elastica var. elastica

6*    Fruchtkörper kräftig gefärbt, makroskopisch nicht von Flammulina velutipes s.str. unterscheidbar; an diversem Holz ..............................  .......................................................................... Flammulina elastica fm. longispora

7   Hut kräftig ockergelblich bis rötlich braun; Stiel gelblich bis schwarz......................................  F. velutipes var. velutipes

7* Hut und Stiel elfenbein bis fast rein weiß ................................................... Flammulina velutipes var. lactea

Bernhard Kaiser:
Hallo, guten Morgen,

ich darf an den Ausgangspunkt der Fragen zurückerinnern:


--- Zitat ---- kann man - und wenn wie - den Objektträger mit dem Sporenabwurf konservieren bzw. verschicken?
--- Ende Zitat ---

Ich empfehle die vorgeschlagene Methode ganz einfach einmal auszuprobieren.
Es kostet kaum etwas, das Mikroskop steht ohnehin am Arbeitsplatz und Nagellack ist oft vorhanden oder billig im nächsten Drogeriemarkt zu haben.

Wichtig wäre es außerdem, wenn Ergebnisse hier mitgeteilt würden. Möglicherweise verhalten sich auch verschiedene Pilzsporen unterschiedlich. Aber Sporen werden ohnehin in Wasser untersucht und damit liegt das Sporenpräparat bereits vor. Mein Vorschlag "dem. H2O" hat rein praktische Gründe, und dient zudem der Vereinheitlichung. Es wird auf jeden Fall vermieden, daß Untersuchungen einmal in weichem ein anderes Mal in hartem Wasser vorgenommen und diskutiert werden.

Schönen Tag
Bernhard Kaiser

Schlesier:
Hallo in die Diskussionsrunde!
Das hat jetzt alles nichts mehr mit Flammulina zu tun u. wäre evtl. in einem anderen thread besser aufgehoben. Aber Antworten implizieren halt weitere Fragen:
-in meiner Schulzeit (über 40J her) habe ich gelernt, dass man biolog. Struckturen (Zellen) wegen der osmotischen Verhältnisse am besten in isotonischen Lösungen untersucht. Warum taucht diese Empfehlung bei den Pilzuntersuchungen nicht auf, oder gilt sie nicht mehr. Denn es wird immer "ein Tropfen
Wasser" (welches Wasser: Leitungs-, Destill.-, Demin.- Isoton.- ???) auf den Objektträger gegeben. Den osmotischen Gesetzen entsprechend, müßten zumindest die Zellen in den unterschiedlichen Medien unterschiedliche Größen haben ( von aufgebläht bis kollabiert).
Herzliche Grüße
Rainer

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