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Autor Thema: Die Schwarzborstlingssaison hat begonnen.  (Gelesen 2076 mal)

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Offline Peter

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Antw: Die Schwarzborstlingssaison hat begonnen.
« Antwort #37 am: 10. April 2010, 18:06 »
Schöne Doku aus der Mittelsteighütte. Gemäß Verbreitungsatlas sollte die Art im Nationalparkgebiet weit verbreitet sein.

Wir waren heute in einem Gebiet bei Brannenburg mit sehr vielen Weißtannen unterwegs. An den wenigen herumliegenden Stämmen gab es erfreulich viele Feuerschwämme, aber keine Anzeichen auf Pseudoplectania.

Letzte Woche war ich übrigens zweimal in 8033/4. Einmal im Nordteil zw. Traubing und Garatshausen und einmal im Südteil zw. Tutzing und Monatshausen.

Nachdem du jetzt fast 30 Jahre alles plattgetrampelt hast, hatte ich bei den zweimal 75 Minuten
auch kein Glück mit P. nigrella >:(. Die Biotope und moosreiche Bodenstruktur passen auf viele Gebiete, in denen ich bislang fündig geworden bin. Ich sehe keinen Grund, warum sie dort nicht wachsen sollte.


LG, Peter
 
"Seit Millionen Jahren haben unzählige Organismen auf unserer Erde gelernt, im Einklang mit der Natur zu leben. Es gibt nur eine Ausnahme: Der Mensch."

Offline Christoph

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Antw: Die Schwarzborstlingssaison hat begonnen.
« Antwort #36 am: 10. April 2010, 14:16 »
Servus beinand,

wie im Bayerwald-Thread schon erwähnt, wachsen zurzeit die Tannenschwarzborstlinge im Naturschutzgebiet Mittelsteighütte (Nationalpark Bayerischer Wald). Dort ist gerade Schneeschmelze. Die Becherlinge sind noch nicht allzu lange ausgeapert, dennoch sind die ersten schon sehr weit. Vermutlich dauert die Saison nicht mehr lange, was diese seltene Art betrifft.

Die besten Fundchancen hat man im Moment wohl im Gebirge im Bereich der Schneeschmelze. Peter hat es ja schon bezüglich der Ammerschlucht vorgemacht.

Hier nun eine kleine Bilderstrecke mit Pseudoplectania vogesiaca aus dem Bayerischen Wald.



Pseudoplectania vogesiaca an morschem, schon weitgehend im Boden eingearbeitetem Tannenstamm



Pseudoplectania vogesiaca an morschem, schon weitgehend im Boden eingearbeitetem Tannenstamm



Pseudoplectania vogesiaca - Stielansatz



Pseudoplectania vogesiaca - hier ist das Holz als Substrat besser kenntlich



Pseudoplectania vogesiaca - Gruppe junger Fruchtkörper

Liebe Grüße
Christoph
« Letzte Änderung: 10. April 2010, 14:20 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

AK_CCM

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Antw: Die Schwarzborstlingssaison hat begonnen.
« Antwort #35 am: 6. April 2010, 07:14 »
Hallo Pilzfreunde,

Bauer G. (1999): Pseudoplectania sphagnophila (Pers.: Fr.) Kreisel (Ascomycota, Pezizales, Sarcoscyphaceae) erstmals in Bayern nachgewiesen. Mycol. Bav. 3: 44-49.
wer den Artikel aus der Myc.Bav. nicht besitzt, findet hier eine weitere Gegenüberstellung des Sumpfbewohners mit den anderen beiden Pseudoplectania-Arten:

Kreisel, H. (1962): Pilze der Moore und Ufer Norddeutschlands. III. Pseudoplectania sphagnophila (Fr. pro var.) Kreisel nov. comb. Westfälische Pilzbriefe. Bd. 3: 74-78. URL: http://wwwuser.gwdg.de/~rjahn/Pilzbriefe/PB_Bd_3_19.pdf

Zur Unterscheidung der 3 Schwarzborstlinge wurden auf Seite 76 die wichtigsten Merkmale in einer Matrix zusammengefasst.

Gruß, Andreas

Offline Christoph

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Antw: Die Schwarzborstlingssaison hat begonnen.
« Antwort #34 am: 3. April 2010, 20:54 »
Servus beinand,

auch von mir Gratulation an Peter ob des tollen Fundes. Man kann vermuten, dass in der Alpenregion mehr Fundpunkte von P. vogesiaca versteckt sind. Man kann es nur hoffen, da finalfaule Weißtannenstämme in unseren Wirtschaftswäldern vielerorts extreme Raritäten geworden sind.

Sollte Peter jetzt auch noch P. nigrella in meinem Heimatquadranten nachweisen (MTB 8033/4), dann gebe ich ihm mit größtem Vergnügen ein Bier aus. Dann müsste ich nicht bis in die hessische Sahelzone reisen *grins*. Wobei sich diese Reise sicherlich lohnen würde (vorhergegangenen Regen vorrausgesetzt und den hattet ohr da droben ja gehabt).

Liebe Grüße und danke für die Kalkinfos  ;)

Christoph
« Letzte Änderung: 10. April 2010, 18:40 von Christoph »
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Offline Marco

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Antw: Die Schwarzborstlingssaison hat begonnen.
« Antwort #33 am: 3. April 2010, 19:50 »
Hallo zusammen,

Peter, auch ich gratuliere dir zum Fund von P. vogesiaca! Schöne Doku übrigens.

Ich habe heute (mal wieder) "nur" P. nigrella gefunden, aber dafür in einem neuen MTB.
Kannst ja mal ein Bierchen auf hessische Funde ausloben... :D

Christoph, zu Peter's Antwort auf deine Frage: Die Funde von HoBi z. B. sind auf Kalk, meine Funde bislang alle auf sauren Boden. Die scheinen bodenunabhängig nur Fichten und Moos zu brauchen.

Es ist irgendwie zum Mäusemelken... Ich bin jetzt drei Tage in Tutzing herummarschiert und habe alle möglichen Fichtenforste und moosreichen Bestände angeschaut, aber keine Schwarzborstlinge gefunden.

Da müsstest du doch mal in die "Sahelzone" kommen, hier gibt's zuzeit genug von denen...

Beste Grüße,
Marco

AK_CCM

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Antw: Die Schwarzborstlingssaison hat begonnen.
« Antwort #32 am: 3. April 2010, 18:41 »
Servus Peter,

gratuliere zu Deinem persönlichen Erstfund und besten Dank für die Doku!

Gruß, Andreas

Offline Peter

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Antw: Die Schwarzborstlingssaison hat begonnen.
« Antwort #31 am: 3. April 2010, 18:16 »
Und um nochmal auf die Unterschiede zw. P. nigrella und P. vogesiaca einzugehen:

- hier ist der deutliche Stiel von P. vogesiaca, den Christoph erwähnt hat:



und mikroskopisch sind bei P. vogesiaca die krückstockartigen Paraphysen




gegenüber eher zylindrischen, teils gegabelten von P. nigrella ein gutes Trennmerkmal



Grüße, Peter
« Letzte Änderung: 3. April 2010, 18:23 von Peter »
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Offline Peter

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Antw: Die Schwarzborstlingssaison hat begonnen.
« Antwort #30 am: 3. April 2010, 17:55 »
Yipeeeeh,

grad gestern haben wir drüber gesprochen. Heute war es dann soweit.

Wir waren an der Ammerleite unterwegs zwischen Achele & Soiermühle



Nördlich der Schleierfälle



kreuzte ein alter Weisstannenstamm unseren Weg



Fixiert auf kleine schwarze Apothezien konnte ich sie nicht übersehen




Mein Lebenserstfund von Pseudoplectania vogesiaca ;D



Dort ist der Schnee gerade abgeschmolzen. Das bedeutet: die Zeit ist jetzt und die nächsten zwei-vier Wochen günstig, um Gebiete mit morschem Weisstannenholz aufzusuchen.

Viel Glück, Peter


« Letzte Änderung: 3. April 2010, 18:05 von Peter »
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Offline Peter

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Antw: Die Schwarzborstlingssaison hat begonnen.
« Antwort #29 am: 3. April 2010, 17:50 »
Hallo Christoph,

Zitat
Kann es sein, dass bei mir in Tutzing der Boden zu basenreich ist?

Nein, auf keinen Fall. In der Pionierkaserne wächst sie seit Jahren über Kalkschotter an den Grubenrändern. Dann gibt es Funde aus dem Leutstettener Moor - dort am Rand der Wirtschaftswege (Dämme). Bei Höhenrain fand ich sie bei Weissmoospolstern. Ich denke, sie ist eher bodenvag.

Zitat
Daran, dass ich die Art übersehe, liegt es m.E. nicht, da ich ja bereits alle drei heimischen Arten selber gefunden habe...
Na? Ich kann mir ab nächster Woche mal deinen Quadranten vorknöpfen -dann ist aber ein Bierchen auf diene Kosten fällig ;). Am ehesten würde ich im Raum Traubing in den anmoorigen Fichtenwäldern suchen.


Grüße, Peter
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Offline Christoph

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Antw: Die Schwarzborstlingssaison hat begonnen.
« Antwort #28 am: 2. April 2010, 22:39 »
Hi Andreas,

ja, das ist Pseudoplectania sphagnophila. Ich habe sie im Bernrieder Filz entdeckt. Praktisch zeitgleich entdeckte sie auch Günter Bauer in einem Moor östl. des Starnberger Sees.

Er hat in einerm Aufsatz in der Mycol. Bav. alle drei Arten miteinander verglichen:
Bauer G. (1999): Pseudoplectania sphagnophila (Pers.: Fr.) Kreisel (Ascomycota, Pezizales, Sarcoscyphaceae) erstmals in Bayern nachgewiesen. Mycol. Bav. 3: 44-49.

Es waren übrigens die Erstnachweise für Westdeutschland.

Insbesondere die Artbrechtigung von Ps. sphagnophila wird immer wieder angezweifelt (sie ist auch gestielt, was aber am Habitat im Torfmoos liegen kann). Günter zeigte aber, dass sich auch die Paraphysen unterscheiden. Ist nur schwer zu präparieren, da alles in einer schwarzen Kittmasse untergeht. Im Artikel ist aber auch die Vorgehensweise gut erklärt und so für jeden nachvollziehbar und nachkochbar. Ich hatte ihm damals auch meinen Fund ausgeliehen, damit er mehr Material zur Verfügung hat.

Ps. sphagnophila ist die mit Abstand seltenste der drei.

LG
Christoph
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« Antwort #27 am: 2. April 2010, 22:32 »
Hallo Christoph,

der Weißtannenaspekt war mir bewusst - das hat mich dazu veranlasst, bei Peters Beitrag nachzuhaken, wie sich die beiden Taxa unterscheiden lassen. Denn P. nigrella kenne ich aus eigener Anschauung, P. vogesiaca dagegen nicht oder zumindest nicht mehr bewusst.

Die dritte europ. Art lebt glaube ich im Moor, wenn ich mich recht entsinne..?

Gruß, Andreas

Offline Christoph

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« Antwort #26 am: 2. April 2010, 22:21 »
Servus Peter,

gratuliere zu deinen neuen Funden! Es ist irgendwie zum Mäusemelken... Ich bin jetzt drei Tage in Tutzing herummarschiert und habe alle möglichen Fichtenforste und moosreichen Bestände angeschaut, aber keine Schwarzborstlinge gefunden.

Kann es sein, dass bei mir in Tutzing der Boden zu basenreich ist?

Daran, dass ich die Art übersehe, liegt es m.E. nicht, da ich ja bereits alle drei heimischen Arten selber gefunden habe...

@Andreas: Peter hat vergessen zu erwähnen, dass Ps. vogesiaca nur an Weißtanne wächst. Ich kenne die Art aber auch von morschen, liegenden Tannenstämmen, nicht nur von Ästen. Und ja, Peter schrieb es schon - die können sehr groß werden und sie haben zudem einen deutlichen Stiel, während Ps. nigrella meistens fast oder ganz sitzt.

LG
Christoph
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Offline Peter

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« Antwort #25 am: 2. April 2010, 15:24 »
Zitat
lassen sich P. nigrella und P. vogesiaca makroskopisch auseinanderhalten?

allein der Wuchsort ist auffallend typisch bei vogesiaca auf morschen Ästen am Boden oder im Luftraum. Ich bitte mal den Heinz, seine Funde von 2009 aus dem Nationalpark hier einzustellen.
Die Apothezien sind im Mittel fast doppelt so groß wie bei nigrella.

Eigenfunde von P. vogesiaca waren mir leider noch nicht vergönnt.

Gruß, Peter
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« Antwort #24 am: 2. April 2010, 14:51 »
Servus Peter,

Nach 70 Minuten kam ich dann in einen von Tannen dominierten  Mischbestand.

lassen sich P. nigrella und P. vogesiaca makroskopisch auseinanderhalten?

Gruß, Andreas

Offline Peter

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« Antwort #23 am: 2. April 2010, 14:41 »
Hallo Zusammen,

ich komme gerade von meiner ersten richtigen Pilzpirsch in diesem Jahr (in Europa ;))

Ich habe mir heute ein Gebiet östlich vom Starnberger See rausgesucht, in dem ich noch nie unterwegs war. Nordwestlich vom Almannshausener Filz gibt es gemischte Forste mit Buche, Fichte und auch noch einigen älteren Tannenbeständen.

Nach einer halben stunde habe ich nach zehntausenden FiZaRü's die von Christoph schon porträtierten FiZaBe's gefunden. Ein Zapfen mit schon überständigen Apothezien.

Nach 70 Minuten kam ich dann in einen von Tannen dominierten  Mischbestand.

Insgesamt zehn Fruchtkörper waren auf zweimal 1m² verstreut. Einige über einer älteren Wurzel, wie man es gelegentlich beobachten kann.



Es ist also z.Zt. günstig, sie zu suchen. Das Bierchen steht noch  ;)



LG, Peter





« Letzte Änderung: 2. April 2010, 14:44 von Peter »
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