Autor Thema: Crepidotus cesatii  (Gelesen 168 mal)

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Offline Renate

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Re: Crepidotus cesatii
« Antwort #6 am: 12. Juni 2018, 23:12 »
Lieber Christoph,

Vielen Dank für den Schlüssel und die Fotos.

Ich werde beides machen. Zum einen Nachmessen und zum anderen noch mal meine Bilder durchgehen (es gibt noch mehr, aber die meisten leider von erheblich schlechterer Qualität, da ich ein bisschen mit dem Mikroskop und der Belichtung ausprobiert habe). Vielleicht ergibt sich dann die Lösung.

Diese Strukturen waren vorhanden, aber sicher nicht in dieser Menge, dicht an dicht, sondern nur vereinzelt.
Genauer gesucht habe ich leider nicht, da ich glaubte der Pilz sei bestimmt. Da werde ich in Zukunft besser aufpassen.

Liebe Grüße

Renate





Offline Christoph

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Re: Crepidotus cesatii
« Antwort #5 am: 12. Juni 2018, 00:13 »
Servus Renate,

bei Crepidotus cesatii liegt der mittlere Länge-Breite-Quotient bei 1,23, die Sporen bei 6,4-8 x 5,2-6,6 µm laut Fungi Eurpoaei - also gerundet auf Viertelmikrometer bei 6,5-8,0 x 5,25-6,5 µm. Der Quotient ist deutlich höher, auch wenn das durchaus etwas variiert.

Mann kann daher m.E. Cr. cesatii ausschließen. Die Art wäre auch absolut nicht hygrophan.

Die anderen genannten, rundsporigen sind es, das würde also passen.

Bezüglich der Sporenmaße sind sie für Cr. applanatus auch zu groß. Dann bleibt eigentlich nur noch Crepidotus malachius übrig. Crepidotus malachioides hätte wirklich kugelrunde Sporen (Qm = 1,02).

Jetzt kommt es auf die exakte Form der Cheilocystiden an. Ich kann das aber anhand der Fotos nicht gut erkennen. Bist du sicher, dass du exakt die Schneide erwischt hast und die Cheilocystiden sauber freigequetscht hast? Falls du sie gesehen hast und sie sind verzweigt, dann würde das nicht zu den Sporen passen.

Warum bin ich bei den Cheilocystiden skeptisch (abgesehen davon, dass sie nicht zu den Sporen passen würden)? Wenn du die Schneide erwischt hast, dann müsstest du direkt sehr viele der Cystiden klar und deutlich sehen. In der Funga Europaea ist von Crepidotus cesatii ein sogar recht dickes und noch dazu mit Congorot (unnötig) überfärbtes Foto, das dennoch gut und klar die Strukturen zeigt. Ich zeige es hier zur Verdeutlichung (Zitierung zu wissenschaftlichem Austausch und der hiesigen Diskussion):



Quelle:
Consiglio G & Setti L (2008): Il Genere Crepidotus in Europa.   Trento:  Associazione  Micologico
Bresadola,  Fondazione Centro  Studi  Micologici. - Seite 28

Es gibt übrigens einen frei erreichbaren, aktuelleren Schlüssel auf deutsch / englisch: https://www.zobodat.at/pdf/OestZPilz_19_0053-0091.pdf

Auch da würde man bei deinen Quotienten in die Crepidotus malachius-Ecke kommen.

Dafür müssen aber logischerweise die Cheilocystiden passen. Und wenn sie wirklich verzweigt sind, dann würde ich nochmaliges Sporenmessen andeuten - sobald man die Spore schräg liegend misst, erscheint sie runder. Bei Crepidotus cessatii sollte der Quotient zwischen 1,1 und 1,5 schwanken.

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Renate

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Re: Crepidotus cesatii
« Antwort #4 am: 11. Juni 2018, 23:36 »
Die Verfärbung beim Liegen könnte man schon als hygrophan bezeichnen. Man hatte den Eindruck die Mitte (dicker) bleibt weiß und der dünnere Rand sei durchscheinend und damit dunkler. Ich habe das durchaus mit Wasserentzug/Austrocknen in Verbindung gebracht. Ich kann diese Beobachtung aber an frischen Pilzen im Wald nicht bestätigen, da ist mir das nicht aufgefallen.

Liebe Grüße

Renate

Offline Renate

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Re: Crepidotus cesatii
« Antwort #3 am: 11. Juni 2018, 23:24 »
Lieber Christoph,

Vielen Dank für die rasche Antwort. Fungi Europaei habe ich leider nicht.

Größe: 2 Pilze, beide klein etwas mehr als 1 cm, Rand seitlich eingerollt
Farbe: weiß, verfärbt beim Liegen dunkler
Verfärbt vom Rand her dunkler
Im Wald habe ich nichts mit Hygrophan gesehen
Lamellen werden creme, dann ocker/Zimt

Auf Bild Cheilozystiden 4 und 5und400fach sieht man links die verzweigten Strukturen. Ich habe noch mehr gesehen aber nicht fotografiert. Bis dahin hatte ich diese noch nie gesehen. Sehen aber genauso aus wie in PdS bzw in FN S.985 Fig. C. Es waren aber nicht sehr viele. C. Applanatus hatte ich das Wochenende zuvor unterm Mikroskop, da hatte ich keine solchen Strukturen gesehen.

Keine kopfigen Cheilozystiden
Q-Wert (Länge/Breite) nahezu 1 (zwischen 1,00 und 1,13, die meisten bei ca. 1,04)
Größe zwischen 6,41x5,67 µm, 7,07x6,56 µm und 6,27x6,26 µm, 13 Messungen, kann ggf. morgen nochmal nachmessen.

Liebe Grüße und einen schönen Abend noch

Renate

Offline Christoph

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Re: Crepidotus cesatii
« Antwort #2 am: 11. Juni 2018, 20:59 »
Liebe Renate,

trotz des (irreführenden) deutschen Namens erscheinen mir die Sporen auf deinen Fotos als zu rund für Crepidotus cesatii. Die Cheilocystiden von Crepidotus cesatii sind zudem apikal typischerweise verzweigt. Das ist gut in der Monographie aus der Reihe Fungi Europaei abgebildet.

Es gibt zudem mehr als eine kugelsporige Crepidotus-Art. Zum Bestimmen würden die genauen Sporenmaße (immer dann messen, wenn man sie von der Seite sieht, was am Apikulus erkennbar ist) und das Länge-Breite-Verhältnis der Sporen benötigt.
Makroskopisch: war der Hut hygrophan? Ist er rein weiß oder mehr creme? Fruchtkörpergröße?

Crepidotus caspari (= Cr. lundellii) hat noch länglichere Sporen, kann daher ausgeschlossen werden. In Pilze der Schweiz sind zu wenig Arten enthalten, weshalb damit die Bestimmung nicht immer glückt. Aber auch da sind die Sporen vpn Cr. cesatii deutlicher ellipsoid gezeichnet.

Dein Bild Cheilocystiden.jpg kann ich nicht so recht interpretieren. Das können auch aus der Lamellen herausgedrückte Hyphenenden sein?! Auf den Fotos mit der dicht besetzten Schneide sind die Einzelelemente hingegen nicht so gut zu sehen. Verzweigungen sehe ich aber keine.

Als Arten kommen in Frage (wenn die Sporen wirklich kugelig sind und der Hut plusminus weiß):
Crepidotus malachius
Crepidotus malachioides
Crepidotus applanatus

Crepidotus malachioides hätte aber kopfige Cheilocystiden

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Renate

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Crepidotus cesatii
« Antwort #1 am: 11. Juni 2018, 20:06 »
Liebe Pilzfreunde,

guten Abend, ich bin ein Neuling hier und eine Pilzinteressierte aus Niederbayern. Mittlerweile dem reinen Speisepilz-Suchen entwachsen, versuche ich mich im Mikroskopieren und Schlüsseln.

Letzten Samstag war ich in der Nähe von Marktl an den Dachleiten beim Inn. Dort habe ich Pilze gefunden, die ich makroskopisch wie auch mikroskopisch als Kugelsporiges Stummelfüßchen (Crepidotis cesatii) bestimmte. Schlüsseln nach Funga Nordica (FN). Und Laux (Der große Kosmos Pilzführer) war nicht dagegen.

Ich habe dann noch meine Bilder mit den Pilzen der Schweiz (PdS) Band 5 Nr.385 verglichen. Auch das passte.

Neugierig habe ich aber dann durch die Crepidotis geblättert und entdeckt, dass ein für mich ungewöhnliches Merkmal auch auf einen anderen Pilz (Crepidotis lundelli, Band 5 Nr. 388) zutrifft.
Im Buch sieht man bei den Cheilozystiden des Crepidotis lundelli Seten die relativ hoch liegen. Das ist bei meinem Pilz auch so. Allerdings hat meiner eindeutig runde oder fast runde Sporen, auf keinen Fall breitelliptische oder ovale.

So steh ich hier und denke was ist jetzt, ist das ein wichtiges Merkmal? So es doch bei Nr. 388 extra drin ist und bei Nr. 385 nicht. Ist es vielleicht doch ein anderer Pilz? Vielleicht kann/mag mir hier jemand einen Rat geben.

Vielen Dank

Renate