Autor Thema: Metamorphose eines Morchelwalds  (Gelesen 110 mal)

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Offline Beorn

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Re: Metamorphose eines Morchelwalds
« Antwort #3 am: 16. Mai 2018, 18:27 »
Hallo, Christoph!

Das sieht wirklich bedauernswert aus. Ähnliche Ansichten kenne ich auch aus dieser Gegend, wenn auch meistens nicht ganz so schlimm.
Der Grund ist, daß die Qualität des Holzes durch den Befall von Hymenoscyphus fraxineus leidet, wenn sich die Infektion ausbreitet. Darum werden in den letzten Jahren massiv eschen gefällt, um den ertrag noch auf die Bankkonten zu bringen. Teils dient auch die Lüge, daß man durch das Umschlagen von befallenen Bestönden die Art schützen wolle, um auch Bestände in Landschafts- und Naturschutzgebieten noch schnell wirtschaftlich nutzen zu können.
Schade, aber die Wirtschaft hat hier klar Vorrang vor dem Naturschutz. Insbesondere dann, wenn man sich dabei noch auf die Märchen vom "Killerpilz" berufen kann. Denn daß in der Realität jeder lebendige Baum (ob vefallen oder nicht) für den Fortbestand und die Entwicklung der Art wichtiger ist, als jeder gefällte, das wird halt nicht so gerne erwähnt.
Was hiermit erledigt wäre, vielleicht lesen es ein paar Leute, und ein paar mehr wissen, warum es den Eschen wirklich an den Kragen geht. Nämlich wegen dem Profit, nicht wegen dem Pilz.


LG, Pablo.

Offline Schorsch

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Re: Metamorphose eines Morchelwalds
« Antwort #2 am: 30. April 2018, 22:10 »
Sehr traurig.  >:( :'( :'( :o
Gfrei di, dass regnt, wei wenns di net gfreist, regnts aa. (nach Karl Valentin)

Offline Christoph

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Metamorphose eines Morchelwalds
« Antwort #1 am: 29. April 2018, 23:08 »
Liebe Freunde des edlen Gemörchs,

ich weiß ja nicht, wie es euch ergeht, aber ich war am Samstag (28. Mai 2018) in meinem ertragreichsten und schönsten Morchelwald zum Morchelsuchen. Ich wurde - wie jedes Jahr - mehr als fündig, obwohl ca. 3/4 der Morcheln die trockene Hitze nicht ausgehalten hat (ich war etwas zu spät dran, obwohl die Saison heuer später anfing).

Mich hatte eigentlich schon 2016 fast der Schlag getroffen, als die Baumfällarbeiten losgingen. Mittlerweile hat die Sukzession voll eingesetzt - Licht fällt auf den Boden, Brombeeren wuchern, alles wird dicht und grün, kein Durchkommen mehr... oder es wurde ganz freigeräumt.

Hier ein paar (traurige) Fotos (per Handy)...


Hier ist die Welt noch in Ordnung... ganz viele Morcheln auf engem Raum - so sieht es hier normalerweise immer zur rechten Zeit aus, man weiß nicht, wie man laufen soll, alles gelb...


Und so sahen alle Morchelbecherlinge aus (oder schlimmer) - die kommen hier immer vor den Speisemorcheln schon raus und sind jetzt natürlich absolut hinüber.


Die Morcheln wachsen hier auch gerne in Nestern...


Und so sieht es aus, wenn ich nicht in den letzten Resten meines ehemaligen Lieblingsmorchelwald bin - die Eschen sind weg...


Hier sind noch ein paar der Eschen - aber man sieht auch hier: sonst nix mehr, alles andere wurde schon entfernt (und bald sind wohl auch diese Eschen dran?)


So sieht es dann ohne Eschen aus... (mit viel Brombeere, schön stachelig)


Dieser Stumpf ist der Rest einer großen Esche, an deren Wurzeln ganz besondere Morcheln waren - kleine, braune Speisemorcheln, standorttreu, jedes Jahr in Massen fruktifizieren und so ganz anders aussehend, als die großen Gelben, die in der restlichen Umgebung wachsen.


Das Bild etwas weiter weg - der Punkt, von dem aus ich das Foto gemacht hat, war früher eine zweite große Esche, ebenfalls Wirt der braunen Morcheln - jetzt ist da nix mehr. Ich habe die letzte Braune Morchel dort 2015 gesehen.


Und das ist dann der Endzustand der Metamorphose - wo früher Auwald war ist jetzt keiner mehr.

Ach ja, wo ist das ganze zu finden? Am Lech südlich von Augsburg...

Liebe Grüße,
Christoph


Liebe Grüße,
Christoph

« Letzte Änderung: 29. April 2018, 23:17 von Christoph »
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)