Autor Thema: Trimmatostroma scutellare - häufig an Kiefernzapfen?  (Gelesen 194 mal)

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Offline Christoph

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Re: Trimmatostroma scutellare - häufig an Kiefernzapfen?
« Antwort #2 am: 12. April 2018, 18:32 »
Servus beinand,

ich habe neulich zusammen mit Boris Zurinski in Franken erneut Trimmatostroma scutellare an Kiefernzapfen gefunden. Man muss wirklich nur suchen. Jetzt habe ich bessere Mikrofotos, die gut zu der Abbildung von Ellis (1976) passen. Insbesondere die dunklen Ränder der Konidien kommen gut heraus. Wer gerne mikroskopiert, sollte sich diese wirklich interessanten und schönen Konidien mal ansehen:



Hier auch nochmal ein Makrofoto - die Stromata aus Rothschwaig waren ja schon etwas veralgt und verwittert. Die fränkischen sind da besser entwickelt und noch frisch gewesen.



Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Christoph

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Trimmatostroma scutellare - häufig an Kiefernzapfen?
« Antwort #1 am: 29. März 2018, 21:11 »
Servus beinand,

nachdem ich in Rothschwaig an Kiefernzapfen Diplodia sapinea gefunden habe, dachte ich, ich schaue beim nächsten Besuch gezielt auf andere Kiefernzapfen an einer anderen Stelle, um mehr Material zu bekommen und die Häufigkeit abschätzen zu können. Und siehe da, ich wurde direkt quasi fündig – schwarze Lager auf Kiefernzapfen. Wunderbar.


Trimmatostroma scutellare - schwarze Lager an Kiefernzapfen; das Grüne gehört nicht dazu (Algenlager - war nicht an allen Bereichen, die mit Trimmatostroma überzogen waren)

Beim Präparieren wurde ich bereits stutzig, denn das „schwarze Etwas“ ließ sich einfach mit der Nadel wegschieben, war nicht so fest wie die Diplodia. Im Mikroskop wurde ich dann durch unterschiedlich große, teils ziemlich unförmige Konidien überrascht. Ich komme auf 16-30 x 14-23 µm. Es handelt sich um einen Hyphomyzeten.

Hier der Versuch, eine relativ kleine Konidie zu fotografieren, die noch an der konidiogenen Zelle angeheftet ist:



Zum Vergleich hier die Fig. 12 aus Ellis (1976: 20). Man sieht hier sehr schön die Vielfalt an Konidienformen:



Dank des Substrats und den vielzelligen, unförmigen, dunklen Konidien kommt man dann recht schnell auf Trimmatostroma scutellare. Im Ellis & Ellis (1997) muss man bei Larix nachsehen, wird aber unter Pinus dorthin geleitet.

Trimmatostroma scutellare sollte recht häufig sein, nur wer schaut nach so etwas und kartiert dann? Ich finde es aber sehr gut, dass man mittlerweile auch anamorphe Pilze in der TexRef-Liste finden kann.
Wer Lust hat, jetzt im Frühjahr Kiefernzapfen mit der Lupe anzuschauen und – wenn was Schwarzes dran ist – das daheim per Bino und Mikroskop näher anschaut, kann wirklich hübsche Pilze finden.
 
Die Typusart der Gattung, Trimmatostroma salicis,  gehört in die Mollisiaceae. Die Gattung ist allerdings absolut polyphyletisch und eine reine Formgattung. Ihre Vertreter sind über das System der Ascomyzeten verteilt, was z. B. Shenoy (2007) zeigt. Wohin genau Trimmatostroma scutellare gehört, konnte ich nicht finden – Müller & Munk (1964) vermuten darin die Nebenfruchtform der von ihnen neu beschriebenen Eriosphaeria aggregata, einer Trichosphaeriaceae. Das müsste aber noch genetisch gezeigt werden, da reines Vorkommen beider am gleichen Substrat nicht als Argument reicht. Ich weiß nicht, ob das bereits geprüft wurde.

Viel Spaß beim Suchen und Finden – und wenn es dann doch Diplodia sapinea wird, ist die ja auch sehr hübsch.

Liebe Grüße,
Christoph

Literatur:
Ellis MB (1976): More Dematiaceous Hyphomycetes. Commonwealth Mycological Institute, Kew.
Ellis MB & Ellis JP (1997): Microfungi on Land Plants. An Identification Hand Book. The Richmond Publishing Co. Ltd.
Müller E, Munk A (1964): Eriosphaeria aggregata nov. spec., ein neuer sphärialer Ascomycet aus den Alpen. Berichte der Schweizerischen Botanischen Gesellschaft = Bulletin de la Société Botanique Suisse 74: 54-58.
Shenoy BD (2007): Multigene phylogeny of selected anamorphic ascomycetes. (Thesis). University of Hong Kong, Pokfulam, Hong Kong SAR.
« Letzte Änderung: 30. März 2018, 01:52 von Christoph »
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