Autor Thema: Vergiftung mit Russula olivacea in Baden-Württemberg  (Gelesen 347 mal)

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Offline Christoph

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Vergiftung mit Russula olivacea in Baden-Württemberg
« Antwort #1 am: 20. März 2018, 00:10 »
Hallo zusammen,

Berndt S (2018: 187-188) berichtet von einer Vergiftung nach Rohverzehr von Rotstieligen Ledertäublingen in geringer Menge aus dem Jahr 2017 aus dem Bodenseeraum (Geschmacksprobe für spätere Zubereitung). Die Informationen stammen vom direkt beteiligten PSV(DGfM).

Betroffene: weiblich, 44 Jahre alt.

Pilze: nicht rötende Schirmlinge (ohne Amanitin), rötende Egerlinge, Safranschirmlinge und Rotstielige Ledertäublinge

Die Patientin hat Geschmacksproben der für den Verzehr angedachten Pilze gemacht, kam aber nicht mehr dazu, diese zuzubereiten, da die Vergiftungssymptome vorher eintraten.

Verlauf: nach 1,5 Stunden einsetzen von Magenkrämpfen, im Anschluss Erbrechen und Durchfall, später Kreislaufprobleme, weshalb eine Selbsteinweisung in eine Klinik erfolgte. Behandlung mit Infusionen und Aktivkohle, wobei letztere jeweils direkt wieder erbrochen wurde. Nach ca. 8 Stunden anhaltender Durchfälle wurde trotz unauffälliger Leberwerte eine Silibinin-Therapie begonnen.

Weiterer Verlauf nicht angegeben, vermutlich ohne Komplikationen.

Quelle:
Berndt S (2018): Mitteilungen von Pilzberatern und -sachverständigen über schwere und bemerkenswerte Pilzvergiftungen und besondere Beratungsfälle 2017. DGfM-Mitteilungen 2018/1[Teil der Z. Mykol. 84(1)]: 185-189.

Anmerkungen:
Es ist nicht sicher, ob der Täubling Auslöser der Vergiftung war, aber doch sehr wahrscheinlich. Es wurde offenbar nur sehr wenig des Pilzes über einen Geschmackstest verzehrt. Mir selbst ist ein Fall bekannt, bei dem nach dem Verschlucken einer sehr kleinen Menge von Russula olivacea schwere gastro-intestinale Symptome auftraten. Betroffen war eine Mykologin (damals Universität München), die Bestimmung war klar - die geringe Menge im Verhältnis zur Symptomatik war da auch auffällig. Es war allerdings unklar, ob das heftige Reagieren individuell war.
Mir ist ein zweiter Vergiftungsfall bekannt (auch viele Jahre her), bei dem ebenfalls ein Mykologe sich mit Angehörigen durch nicht ausreichend gegarte Rotstielige Ledertäublinge sehr unangenehm vergiftete. Daraufhin hatte ich (Ende 80er / Anfang 90er Jahre) vor Russula olivacea im privaten Umfeld und auch bei Pilzwanderungen (etc.) gewarnt. Der aktuelle Fall aus dem Jahr 2017 bestätigt das recht deutliche Giftpotential roher oder ungenügend erhitzter Rotstieiliger Ledertäublinge.

Liebe Grüße,
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)