Autor Thema: Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?  (Gelesen 679 mal)

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Offline Christoph

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Re: Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?
« Antwort #9 am: 24. Februar 2018, 16:21 »
Servus Pablo,

dass in der Taxrefliste / auf Pilze-Deutschland Heteroradulum kmetii nicht getrennt dargestellt werden, ist klar - die Manpower muss man erstmal haben, jede Neuerung, die publiziert wird, in der zugrundeliegenden Datenbank zu überarbeiten.

Es stimmt natürlich, dass sich H. kmetii - wie ja schon von mehreen Seiten angemerkt wurde - in solchen Verbreitungskarten von "Eichleriella" deglubens verbergen kann.

Zitat
Ich würde mal vermuten, daß eine Trennung von deglubens und kmetii dort nicht berücksichtigt wurde

Eben, und warum auch, wenn in quasi allen zugänglichen Literaturstellen die beiden Arten synonymisiert werden/wurden?

Ich selber habe bisher aber nur das "echte" Heteroradulum deglubens gehabt, weshalb ich vom mikroskopischen Bild des H. kmetii überrascht war. Und zudem hatte ich H. deglubens bisher nicht an Pappel, sondern an Esche. Wobei man dazu sagen muss, dass Malysheva & Spirin (2017) neben vielen Nachweisen an Pappel auch wenige Funde an Salix angeben (z. B. aus der Finnmark von Ryvarden - und die Finnmark ist sehr kühl - Lappland eben - aber mit heißen Sommern). Sicherheitshalber sollte man wohl alle Belege von "Eichleriella deglubens" an Salicaceae nachmikroskopieren.

Auf alle Fälle tickt die Uhr jetzt neu - der Startschuss ist gefallen. Es gilt, den ersten aktuellen Nachweis aus Deutschland zu erbringen, dass H. kmetii hier vorkommt. Sei es durch Revision von getrocknetem Material, sei es als Frischfund.

Und nebenbei natürlich auch / insbesondere für Bayern - oiso: auf geht's, Buam (und Deandln)  ;D

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Beorn

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Re: Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?
« Antwort #8 am: 24. Februar 2018, 11:13 »
Hallo in die Runde!

Es gibt aus der Gegend (Oberrhein) jedenfalls einige Nachweise von "Eichleriella deglubens". Ich würde mal vermuten, daß eine Trennung von deglubens und kmetii dort nicht berücksichtigt wurde, zumal auch in der >PD - Datenbank< momentan beide noch als Synonyme geführt werden.
Wie Irmgard geschrieben hat: Auch da könnte es schon interessant sein, vorhandene Belege nochmal zu untersuchen im Hinblick auf Heteroradulum kmetii.
Die Augen halte ich aber so oder so offen, zumal ja ohnehin demnächst die Zeit beginnt, wo es einen in die entsprechenden Habitate zieht.


LG, Pablo.

Offline Gernot

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Re: Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?
« Antwort #7 am: 23. Februar 2018, 10:37 »
Liebe Irmgard,

auch von mir ein Dankeschön für die weiteren Infos! Freut mich, dass du dich hier angemeldet hast. :) Bei Gelegenheit werde ich die GJO-Belege von E./H. deglubens durchschauen, vielleicht kommt da noch der eine oder andere Nachweis von H. kmetii zum Vorschein…

Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Re: Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?
« Antwort #6 am: 21. Februar 2018, 18:39 »
Liebe Irmgard,

herzlich willkommen hier im Forum! Ich freu mich schon auf das baldige Wiedersehen in Wien.  ;)
Danke für die Informationen rund um Heteroradulum kmetii. Hier zeigt sich, dass die Molekularbiologie auch bei morphologisch-anatomisch erkennbaren Pilzen wertvolle Dienste erweisen kann. Ohne die genetische Abgrenzung wäre die Anatomie wohl kaum so ausführlich erarbeitet worden und das Taxon wäre in Eichleriella deglubens s.l. weiter "versteckt" worden.

Ich würde deine Aussage, dass alle Belege von Eichleriella deglubens (jetzt ja auch Heteroradulum deglubens) nachuntersucht werden sollten, insbesondere hinsichtlich von Funden an Pappel unterstreichen.

Es wäre auch interessant, zu prüfen, ob es sich wirklich um eine eher östlich verbreitete Art handelt oder ab sie auch am Rhein aufzufinden ist. Kurz gesagt @Pablo: du bist gefragt - such "einfach mal" intensiv am Rhein - vielleicht ist Heteroradulum auch westlich an passenden Stellen auffindbar.
Ebenso @Rudi - man sagt, dass auch der Raum Würzburg wärmebegünstigt sein soll. Und Pappeln  wird es ja neben den Weinbergen auch irgendwo geben?

Liebe GRüße,
Christoph
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Offline Irmi

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Re: Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?
« Antwort #5 am: 20. Februar 2018, 21:01 »
Hallo Pilzlis,
Noch ein wenig mehr Info zu Heteroradulum kmetii (ist teilweise in Malysheva & Spirin nachzulesen). Heteroradulum kmetii (= Eichleriella k.) wurde schon 1897 von Bresadola beschrieben. Die Art war anerkannt (wenn sie auch wahrscheinlich bisweilen mit E. deglubens und auch mit E. spinulosum vermischt wurde) bis sie 1980 als Synonym zu Eichleriella deglubens gestellt wurde. Malysheva & Spirin zeigten 2017 in einer molekulargenetischen Studie, dass es sich dabei um eine sowohl genetisch als auch morphologisch abgrenzbare eigene Art handelt und aufgrund der Verwandtschaftsanalyse war sogar eine weitere neue Gattung dafür nötig, nämlich Heteroradulum. Seither achten Pilzler wieder auf die Trennung, gut so!
Die ersten österreichischen Nachweise von H. kmetii stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert,  nämlich aus dem Jahr 1904 von Franz von Höhnel (Radulum Kmetii, auf Pappel! aus den Donauauen)  und (leíder ohne Jahr) ein Exsikkat aus den Donauauen bei Tulln von Rechinger, auch auf Pappel (u.a. das hat Christoph zur Nachsuche angeregt). Neue Belege aus dem Jahr 2017 wurden von Gerard Koller aus dem Burgenland gebracht, alle von Populus tremula und Gernot hat ihn heuer (2018) ja auch auf Pappel gefunden. 
Das bedeutet, dass jetzt eigentlich alle Herbarbelege von Eichleriella deglubens auf darunter versteckte H. kmetii hin zu prüfen wären…
Die Donauauen bei Krems sind wärmegetönt und auch trockener als Auwald weiter westlich. Die Südsteiermark ist auch wärmegetönt. Und die Funde von Gerhard aus dem Burgenland stammen aus der pannonischen Klimazone, passen also auch gut dazu. Die Art ist sicher weiter verbreitet und es ist spannend die weitere Verbreitung zu beobachten.

Servus an Euch alle, Irmgard

Offline Beorn

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Re: Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?
« Antwort #4 am: 15. Februar 2018, 18:08 »
Hallo zusammen!

Ein spannender Pilz, auf jeden Fall. Und Glückwunsch zu dem Fund.
Ist ja auch so in etwa meine Zielgruppe, und die eine oder andere Pappel an wärmebegünstigten Waldrändern steht auch hier in der Gegend rum. Aussichtslos ist es nicht, aber es wäre dennoch ein glücklicher Fund, sollte mir sowas mal begegnen.


LG; Pablo.

Offline Christoph

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Re: Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?
« Antwort #3 am: 14. Februar 2018, 22:40 »
Servus Gernot,

du kannst auch sehr gerne mich vor Verwechslungen warnen, zumal ich Eichleriella leucophaea noch nicht in der Hand hatte.  ;)
Dass man die entsprechenden Funde mikroskopieren sollte, soll ohnehin als eine Art "Disclaimer" mitschwingen.

Mein Fund war übrigens ein Pappelast, der in ca. 1 Meter Höhe in einem Gestrüpp hängen geblieben ist, also keinen Bodenkontakt hatte. Das Nordufer der Donau ist vermutlich eh ein bisserl wärmebegünstigt - der Wald war aber doch recht geschlossen. Du hast aber völlig recht, ich hätte nur nachlesen müssen:

Zitat
Almost all specimens studied by us were collected from dry branches and logs of Populus and Salix spp. The species certainly prefers to open, dry habitats.

[aus Malysheva & Spirin (2017)]

(Ich hatte nur Tulln an der Donau gelesen und fand das sehr passend)  ;)

Vermutlich hat dem Pilz gefallen, dass der Ast in der Luft hing und so doch recht trocken war. Dennoch ist es nahe am Fluss (luftfeucht) und nicht offen...

Vielleicht kommen ja bei gezielter Suche noch ein paar Funde von anderen Pilzfreunden dazu, sodass die Ökologie der Art besser bekannt / überprüft werden kann.

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Gernot

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Re: Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?
« Antwort #2 am: 14. Februar 2018, 22:21 »
Servus, Christoph,

freut mich, dass du jetzt auch fündig geworden bist. :) Vielleicht noch eine Anmerkung zur Ökologie. Mein Fund stammt von einem sonnigen Waldrand, was sich mit der Angabe in Malysheva & Spirit (2017) deckt: "The species certainly prefers to open, dry habitats." Wer also gezielt nach H. kmetii suchen möchte, sollte sich durchaus auch alte Pappeln an lichteren Standorten anschauen. Übrigens kann man nicht jeden stereoiden Pilz aus dieser Gruppe mit Hutkanten automatisch als H. kmetii ansprechen – da gibt es z. B. noch Eichleriella leucophaea… (der Hinweis ist nicht an dich gerichtet, sondern an mögliche Kartierer ;))

Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?
« Antwort #1 am: 14. Februar 2018, 21:57 »
Liebe Foristi,

am 13. Februar habe ich in den Donauauen bei Melk, Niederösterreich, einen in meinen Augen hochinteressanten Pilz finden können: Heteroradulum kmetii. Gernot hat ihn hier schonmal vorgestellt.

Makroskopisch fallen die Hutkanten schon sehr deutlich auf, finde ich. Heteroradulum (Eichlerielle) deglubens wächst ja rein resupinat. Diese unregelmäßig dornigen Stacheln bilden beide Arten und auch die Farbgebung entspricht einander.







Im Mikroskop wird's aber sehr deutlich. Heteroradulum kmetii besitzt bräunliche bis bernsteinfarbene Skeletthyphen. Gut, ob's wirklich echte im engsten Sinn sind... da bin ich mir nicht so sicher, aber die normalen skelettisierten Hyphen sind hier farblos und man findet dann auch die Septen mit Schnallen - bei den braunen habe ich erstmal keine gesehen, würde also passen.
Dann reichen die dickwandigen Elemente, insbesondere die Skeletthyphen bis ins Hymenium jhinein. Das alles ist sehr dicht gepackt, dass man die Basidien erstmal freiquetschen muss. Man sieht da oben erstmal sehr wenig. Auf den ersten Blick hatte ich eine der Skeletthyphen mit einer Gloeozystide verwechselt (lang, schmal, Inhalt einheitlich, bernstein - dabei war es nur massive Wand, kein Lumen mehr). Diesen Anblick kenne ich bei Eichleriella (jetzt Heteroradulum) nicht, ich kannte aber auch nur H. deglubens.

Dann war die Suche nach Dikaryophysen sehr aufwendig, da oben alles in einer bräunlichen Kittmasse verborgen war. Ich musste immer nachquetschen, habe dann etwas Lauge genommen, erneut gequetscht... man findet knorrige Elemente, man findet etwas, was man als schmale Cystiden oder als dicke Dikaryophysen bezeichnen würde, um am Ende dann doch die wirklich sehr schmalen, sich verzweigenden Dikaryophysen im Sinne von Malysheva V, Spirin S (2017): Taxonomy and phylogeny of the Auriculariales (Agaricomycetes, Basidiomycota) with stereoid basidiocarps. Fungal Biology. Doi 10.1016/j.funbio.2017.05.001.

Hier meine Mikroskizzen und Notizen:







Malysheva & Spirin (2017) zitieren einen Fund aus den Donauauen bei Tulln, was nicht weit weg ist.

Kurz gesagt: wer in der Region Passau intensiv nach "Dornigen Wachskrusten" an Pappelästen suchen will, kann eventuell einen Erstnachweis für Bayern / Deutschland (?) machen. Auf, auf - ab in die Auen!  :)

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 14. Februar 2018, 22:08 von Christoph »
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