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Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?

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Christoph:
Servus Pablo,

dass in der Taxrefliste / auf Pilze-Deutschland Heteroradulum kmetii nicht getrennt dargestellt werden, ist klar - die Manpower muss man erstmal haben, jede Neuerung, die publiziert wird, in der zugrundeliegenden Datenbank zu überarbeiten.

Es stimmt natürlich, dass sich H. kmetii - wie ja schon von mehreen Seiten angemerkt wurde - in solchen Verbreitungskarten von "Eichleriella" deglubens verbergen kann.


--- Zitat ---Ich würde mal vermuten, daß eine Trennung von deglubens und kmetii dort nicht berücksichtigt wurde
--- Ende Zitat ---

Eben, und warum auch, wenn in quasi allen zugänglichen Literaturstellen die beiden Arten synonymisiert werden/wurden?

Ich selber habe bisher aber nur das "echte" Heteroradulum deglubens gehabt, weshalb ich vom mikroskopischen Bild des H. kmetii überrascht war. Und zudem hatte ich H. deglubens bisher nicht an Pappel, sondern an Esche. Wobei man dazu sagen muss, dass Malysheva & Spirin (2017) neben vielen Nachweisen an Pappel auch wenige Funde an Salix angeben (z. B. aus der Finnmark von Ryvarden - und die Finnmark ist sehr kühl - Lappland eben - aber mit heißen Sommern). Sicherheitshalber sollte man wohl alle Belege von "Eichleriella deglubens" an Salicaceae nachmikroskopieren.

Auf alle Fälle tickt die Uhr jetzt neu - der Startschuss ist gefallen. Es gilt, den ersten aktuellen Nachweis aus Deutschland zu erbringen, dass H. kmetii hier vorkommt. Sei es durch Revision von getrocknetem Material, sei es als Frischfund.

Und nebenbei natürlich auch / insbesondere für Bayern - oiso: auf geht's, Buam (und Deandln)  ;D

Liebe Grüße,
Christoph

Beorn:
Hallo in die Runde!

Es gibt aus der Gegend (Oberrhein) jedenfalls einige Nachweise von "Eichleriella deglubens". Ich würde mal vermuten, daß eine Trennung von deglubens und kmetii dort nicht berücksichtigt wurde, zumal auch in der >PD - Datenbank< momentan beide noch als Synonyme geführt werden.
Wie Irmgard geschrieben hat: Auch da könnte es schon interessant sein, vorhandene Belege nochmal zu untersuchen im Hinblick auf Heteroradulum kmetii.
Die Augen halte ich aber so oder so offen, zumal ja ohnehin demnächst die Zeit beginnt, wo es einen in die entsprechenden Habitate zieht.


LG, Pablo.

Gernot:
Liebe Irmgard,

auch von mir ein Dankeschön für die weiteren Infos! Freut mich, dass du dich hier angemeldet hast. :) Bei Gelegenheit werde ich die GJO-Belege von E./H. deglubens durchschauen, vielleicht kommt da noch der eine oder andere Nachweis von H. kmetii zum Vorschein…

Schöne Grüße
Gernot

Christoph:
Liebe Irmgard,

herzlich willkommen hier im Forum! Ich freu mich schon auf das baldige Wiedersehen in Wien.  ;)
Danke für die Informationen rund um Heteroradulum kmetii. Hier zeigt sich, dass die Molekularbiologie auch bei morphologisch-anatomisch erkennbaren Pilzen wertvolle Dienste erweisen kann. Ohne die genetische Abgrenzung wäre die Anatomie wohl kaum so ausführlich erarbeitet worden und das Taxon wäre in Eichleriella deglubens s.l. weiter "versteckt" worden.

Ich würde deine Aussage, dass alle Belege von Eichleriella deglubens (jetzt ja auch Heteroradulum deglubens) nachuntersucht werden sollten, insbesondere hinsichtlich von Funden an Pappel unterstreichen.

Es wäre auch interessant, zu prüfen, ob es sich wirklich um eine eher östlich verbreitete Art handelt oder ab sie auch am Rhein aufzufinden ist. Kurz gesagt @Pablo: du bist gefragt - such "einfach mal" intensiv am Rhein - vielleicht ist Heteroradulum auch westlich an passenden Stellen auffindbar.
Ebenso @Rudi - man sagt, dass auch der Raum Würzburg wärmebegünstigt sein soll. Und Pappeln  wird es ja neben den Weinbergen auch irgendwo geben?

Liebe GRüße,
Christoph

Irmi:
Hallo Pilzlis,
Noch ein wenig mehr Info zu Heteroradulum kmetii (ist teilweise in Malysheva & Spirin nachzulesen). Heteroradulum kmetii (= Eichleriella k.) wurde schon 1897 von Bresadola beschrieben. Die Art war anerkannt (wenn sie auch wahrscheinlich bisweilen mit E. deglubens und auch mit E. spinulosum vermischt wurde) bis sie 1980 als Synonym zu Eichleriella deglubens gestellt wurde. Malysheva & Spirin zeigten 2017 in einer molekulargenetischen Studie, dass es sich dabei um eine sowohl genetisch als auch morphologisch abgrenzbare eigene Art handelt und aufgrund der Verwandtschaftsanalyse war sogar eine weitere neue Gattung dafür nötig, nämlich Heteroradulum. Seither achten Pilzler wieder auf die Trennung, gut so!
Die ersten österreichischen Nachweise von H. kmetii stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert,  nämlich aus dem Jahr 1904 von Franz von Höhnel (Radulum Kmetii, auf Pappel! aus den Donauauen)  und (leíder ohne Jahr) ein Exsikkat aus den Donauauen bei Tulln von Rechinger, auch auf Pappel (u.a. das hat Christoph zur Nachsuche angeregt). Neue Belege aus dem Jahr 2017 wurden von Gerard Koller aus dem Burgenland gebracht, alle von Populus tremula und Gernot hat ihn heuer (2018) ja auch auf Pappel gefunden. 
Das bedeutet, dass jetzt eigentlich alle Herbarbelege von Eichleriella deglubens auf darunter versteckte H. kmetii hin zu prüfen wären…
Die Donauauen bei Krems sind wärmegetönt und auch trockener als Auwald weiter westlich. Die Südsteiermark ist auch wärmegetönt. Und die Funde von Gerhard aus dem Burgenland stammen aus der pannonischen Klimazone, passen also auch gut dazu. Die Art ist sicher weiter verbreitet und es ist spannend die weitere Verbreitung zu beobachten.

Servus an Euch alle, Irmgard

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