Autor Thema: Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?  (Gelesen 67 mal)

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Offline Beorn

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Re: Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?
« Antwort #4 am: 15. Februar 2018, 18:08 »
Hallo zusammen!

Ein spannender Pilz, auf jeden Fall. Und Glückwunsch zu dem Fund.
Ist ja auch so in etwa meine Zielgruppe, und die eine oder andere Pappel an wärmebegünstigten Waldrändern steht auch hier in der Gegend rum. Aussichtslos ist es nicht, aber es wäre dennoch ein glücklicher Fund, sollte mir sowas mal begegnen.


LG; Pablo.

Offline Christoph

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Re: Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?
« Antwort #3 am: 14. Februar 2018, 22:40 »
Servus Gernot,

du kannst auch sehr gerne mich vor Verwechslungen warnen, zumal ich Eichleriella leucophaea noch nicht in der Hand hatte.  ;)
Dass man die entsprechenden Funde mikroskopieren sollte, soll ohnehin als eine Art "Disclaimer" mitschwingen.

Mein Fund war übrigens ein Pappelast, der in ca. 1 Meter Höhe in einem Gestrüpp hängen geblieben ist, also keinen Bodenkontakt hatte. Das Nordufer der Donau ist vermutlich eh ein bisserl wärmebegünstigt - der Wald war aber doch recht geschlossen. Du hast aber völlig recht, ich hätte nur nachlesen müssen:

Zitat
Almost all specimens studied by us were collected from dry branches and logs of Populus and Salix spp. The species certainly prefers to open, dry habitats.

[aus Malysheva & Spirin (2017)]

(Ich hatte nur Tulln an der Donau gelesen und fand das sehr passend)  ;)

Vermutlich hat dem Pilz gefallen, dass der Ast in der Luft hing und so doch recht trocken war. Dennoch ist es nahe am Fluss (luftfeucht) und nicht offen...

Vielleicht kommen ja bei gezielter Suche noch ein paar Funde von anderen Pilzfreunden dazu, sodass die Ökologie der Art besser bekannt / überprüft werden kann.

Liebe Grüße,
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Gernot

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Re: Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?
« Antwort #2 am: 14. Februar 2018, 22:21 »
Servus, Christoph,

freut mich, dass du jetzt auch fündig geworden bist. :) Vielleicht noch eine Anmerkung zur Ökologie. Mein Fund stammt von einem sonnigen Waldrand, was sich mit der Angabe in Malysheva & Spirit (2017) deckt: "The species certainly prefers to open, dry habitats." Wer also gezielt nach H. kmetii suchen möchte, sollte sich durchaus auch alte Pappeln an lichteren Standorten anschauen. Übrigens kann man nicht jeden stereoiden Pilz aus dieser Gruppe mit Hutkanten automatisch als H. kmetii ansprechen – da gibt es z. B. noch Eichleriella leucophaea… (der Hinweis ist nicht an dich gerichtet, sondern an mögliche Kartierer ;))

Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Heteroradulum (Eichleriella) kmetii - ein Auwaldpilz der Pappel?
« Antwort #1 am: 14. Februar 2018, 21:57 »
Liebe Foristi,

am 13. Februar habe ich in den Donauauen bei Melk, Niederösterreich, einen in meinen Augen hochinteressanten Pilz finden können: Heteroradulum kmetii. Gernot hat ihn hier schonmal vorgestellt.

Makroskopisch fallen die Hutkanten schon sehr deutlich auf, finde ich. Heteroradulum (Eichlerielle) deglubens wächst ja rein resupinat. Diese unregelmäßig dornigen Stacheln bilden beide Arten und auch die Farbgebung entspricht einander.







Im Mikroskop wird's aber sehr deutlich. Heteroradulum kmetii besitzt bräunliche bis bernsteinfarbene Skeletthyphen. Gut, ob's wirklich echte im engsten Sinn sind... da bin ich mir nicht so sicher, aber die normalen skelettisierten Hyphen sind hier farblos und man findet dann auch die Septen mit Schnallen - bei den braunen habe ich erstmal keine gesehen, würde also passen.
Dann reichen die dickwandigen Elemente, insbesondere die Skeletthyphen bis ins Hymenium jhinein. Das alles ist sehr dicht gepackt, dass man die Basidien erstmal freiquetschen muss. Man sieht da oben erstmal sehr wenig. Auf den ersten Blick hatte ich eine der Skeletthyphen mit einer Gloeozystide verwechselt (lang, schmal, Inhalt einheitlich, bernstein - dabei war es nur massive Wand, kein Lumen mehr). Diesen Anblick kenne ich bei Eichleriella (jetzt Heteroradulum) nicht, ich kannte aber auch nur H. deglubens.

Dann war die Suche nach Dikaryophysen sehr aufwendig, da oben alles in einer bräunlichen Kittmasse verborgen war. Ich musste immer nachquetschen, habe dann etwas Lauge genommen, erneut gequetscht... man findet knorrige Elemente, man findet etwas, was man als schmale Cystiden oder als dicke Dikaryophysen bezeichnen würde, um am Ende dann doch die wirklich sehr schmalen, sich verzweigenden Dikaryophysen im Sinne von Malysheva V, Spirin S (2017): Taxonomy and phylogeny of the Auriculariales (Agaricomycetes, Basidiomycota) with stereoid basidiocarps. Fungal Biology. Doi 10.1016/j.funbio.2017.05.001.

Hier meine Mikroskizzen und Notizen:







Malysheva & Spirin (2017) zitieren einen Fund aus den Donauauen bei Tulln, was nicht weit weg ist.

Kurz gesagt: wer in der Region Passau intensiv nach "Dornigen Wachskrusten" an Pappelästen suchen will, kann eventuell einen Erstnachweis für Bayern / Deutschland (?) machen. Auf, auf - ab in die Auen!  :)

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 14. Februar 2018, 22:08 von Christoph »
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