Autor Thema: Januarexkursion des VfP München in die Amperauen bei Dachau  (Gelesen 1722 mal)

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Offline Christoph

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Re: Januarexkursion des VfP München in die Amperauen bei Dachau
« Antwort #2 am: 28. Januar 2018, 23:56 »
Servus beinand,

jetzt habe ich ein paar Schwammerl durch...

Die Sarcoscypha ist sogar schon reif und hat zudem die typisch gekräuselten Haare, also klar Sarcoscypha austriaca (wie vermutet).

Dann habe ich eine Tubaria mitgenommen:



Das deutliche Velum am Hutrand wäre für Tubaria hiemalis eher untypisch. Ich fand die Fruchtkörper auch nicht sooo stark gereift, wobei das etwas variierte. Im Mikroskop kamen dann doch die völlig typischen Cheilocystiden zum Vorschein und die Hyphen der Lamellentrama waren breit (bis 21 µm). Die Sporen gefallen mir dagegen nicht so recht, sie sind etwas zu klein. Ich werde bei Gelegenheit nochmal nachmessen müssen.
Jedenfalls komme ich so doch zu Tubaria hiemalis, da Tubaria romagnesiana u.a. schmalere Hyphen in der Lamellentrama aufweist und nicht diese Dominanz an kopfigen Cheilocystiden zeigt.

Ich habe auch eine Ascocoryne mitgenommen, die sich nach dem Baral-Schlüssel klar als Ascocoryne cylichnium var. cylichnium (also s.str.) herausstellte:



Dann habe ich noch eine Dacrymyces in der Mangel - leider für mich im Moment unbestimmbar:



Ich werde bei Gelegenheit ausführlicher im Dacrymyces-Thread darauf eingehen. Ich habe das Gefühl, dass ihr der Schnee letzte Woche nicht gut getan hat.

Ich habe noch ein bisserl was an Kleinzeug mitgenommen - so auch eine Athelia, die dann doch nicht reif war *grummel*. Und einen ebenfalls unreifen Lyomyces sambuci (das Hyphensystem passt zumindest).

Mir wurde noch eine sehr wabbelige Exidia übergeben, die im Mikroskop eigentlich nur noch aus Schleim,. Bakterien und im Schleim schwimmenden Sporen bestand. Die Sporen sind lang, bis 16,5 µm, aber sehr schmal, meist so um die 3-4 µm. Da kommen dann nur noch Exidia recisa und Exidia repanda in Frage. Für letztere ist der Fruchtkörper aber viel zu dick, sodass es wohl doch nur Exidia recisa ist.

Ich habe noch ein paar mehr Schwammerl eingesackt, so auch ein paar Flechtenparasiten. Aber dazu werde ich erst die nächsten Tage kommen. Die Dacrymyces hat mich heute zu viel Zeit gekostet.

Soviel als Zwischenmeldung.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 31. Januar 2018, 01:59 von Christoph »
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(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Christoph

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Januarexkursion des VfP München in die Amperauen bei Dachau
« Antwort #1 am: 28. Januar 2018, 17:28 »
Servus beinand,

heute war es soweit, die erste Vereinswanderung des Vereins für Pilzkunde München im noch frischen Jahr 2018 stand an. Es kamen, wenn ich mich nicht verzählt habe, zusammen mit einem Nachzügler (der Vereineschef) 18 Personen zusammen, die zur pilzlichen Unzeit, also im Januar, die Amperauen an der Mündung der Maisach unsicher machten.

Erwartungsgemäß gab es keine nennenswerte Speisepilzausbeute. Außer Judasohren und ein paar Winterpilzen gab es nichts, was kulinarisch verwertbar wäre. Und genau darum ging es auch nicht, da die Wanderung eine Kartierungsexkursion des "Mykologischen Arbeitskreises München und Umland", kurz MAMU genannt, war. Eigentlich kann man den Arbeitskreis nicht vom normalen Verein trennen, da die Aktiven auch an den Vereinsabenden anwesend sind. Die entsprechenden Wanderungen dienen aber primär den Pilzen, die man bei Speisepilzwanderungen gar nicht erst anschauen würde.

Ich zeige nur schnell ein paar wenige Fotos - und dann geht's ans Mikroskop. Erst bestimmen, dann Namen (eventuell) wissen, danach dann ins Forum stellen, so ist die korrekte Reihenfolge.



Exidia nigricans ist sehr häufig und wuchs auch hier üppig. Ich schaue aber auch immer wieder mal in sogenannte banale Arten rein. Manchmal erlebt man da auch Überraschungen.



Sarcoscypha spec. ist der offizielle Name. Keimende Sporen werden wohl noch nicht da sein. Ich gehe aber davon aus, dass die Außenseite Korkenzieherhaare besitzt, was dann Sarcoscypha austriaca absichern würde. Doch hier erstmal ohne nähere Bestimmung ein Foto des wunderschönen, roten Becherlings.



Pilzkundler in ihrem natürlichen Habitat. Es sind scheue Wesen, weshalb man immer nur aus der Deckung heraus, also im Unterholz sitzend, Fotos von ihnen machen kann. Hier ist es gelungen, da sie mittels des Kleiigen Haselbecherlings (Encoelia furfuracea) angelockt wurden und sie an diesem hängen blieben.

Mehr kommt also noch.

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 28. Januar 2018, 17:32 von Christoph »
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