Autor Thema: Alpine Pilze - Sammelthread  (Gelesen 1180 mal)

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Offline Christoph

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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #21 am: 15. Mai 2018, 00:06 »
Servus Helmut,

ich habe meine Infos zu Russula nana vs. Russula grisecens sowie zur Benamsung von Russula laccata aus der aktuellen Publikation von Pidlich-Aigner H (2018 "2017"): Bemerkenswerte Russula-Funde aus Ostösterreich  16:  Sektion Russula, Teil  I.  Österr. Z. Pilzk. 26: 117-267.

Pidlich-Aigner (2018) bezieht sich da auf Studien von Felix Hampe & Ursula Eberhard, teils in Helga Marxmüllers Russula-Werk, teils wohl auch aus anderen Publikationen (müsste ich nochmal nachlesen). Kollektionen von "Russula nana" mit grauendem Stiel sind da sicher interessant. Wer weiß, wie viele Kollektionen fehlbestimmt wurden und ob nicht auch Russula nana s.str. mal grauen darf?!

Was Russula laccata angeht, ist Russula norvegica als Name eh weg, da ungültig (kein Typus angegeben). Russula alpigenes diskutiert Pidlich-Aigner ebenfalls und kommt zum Schluss, dass da oben Russula laccata wächst. Das deckt sich mit dem, was mir Helga Marxmüller persönlich zu den unten von mir gezeigten Russulen sagte - ich hatte sie als Russula norvegica bestimmt und erhielt von ihr die Information, dass das Russula laccata sei.

Russula delica habe ich so weit oben noch nicht gefunden. Auch spannend! Die Mikros waren typisch (Sporenmaße/-form und Ornament)?

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Helmut

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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #20 am: 14. Mai 2018, 20:23 »
... und gleich noch ein interessanter Täubling: Gefunden auf über 2000m über Kalk auf österreichischer Seite. Zuerst dachte ich, das muss was Besonderes sein und leicht bestimmbar. Einer aus der delica-Verwandtschaft. Und was musste ich dann feststellen: R. delica selbst kommt bis in die alpine Zone vor! Also wenn's nicht wieder genetisch zu trennen ist ...

Gruß Helmut

Offline Helmut

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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #19 am: 14. Mai 2018, 20:08 »
Servus Christoph,

Russula nana scheint ein bodenvager Ubiquist zu sein im alpinen Bereich, den ich praktisch überall finde. Wenn der Unterschied zu grisescens nur in einem leichten Grauen liegt, wird's schwierig. Bei meinen Kollektionen neigten ältere Frk. gerne zu leichtem Grauen, die jüngeren zeigten dies noch nicht. Zum Glück habe ich Exsikkate. Stelle ich gerne zur Verfügung. Ist da schon was publiziert zu den DNA-Ergebnissen?

Auch bei R. laccata gibt's in der Lit. unterschiedliche Ansichten zu Synonymien, z. B. zu norvegica oder alpigenes. Aber auch da kann ich einige Exsikkate bei Bedarf zur Verfügung stellen. Zwei Fotos hänge ich mal an von den beiden Arten.

Gruß Helmut

Offline Christoph

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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #18 am: 7. Mai 2018, 22:31 »
Servus beinand,

im Moment schmilzt der Schnee - bis es aber in den Hochlagen über 2000 Meter ausapert, dauert noch ein wenig. Ich möchte drei Arten quasi als Vorfreude zeigen - zwei sind sehr häufig und eine zumindest oft übersehen.

Erst die häufigen Arten...

Bei einer Exkursion zum Glockner fand ich nahe des Hochtors diese schönen, leuchtend roten Speitäublinge, die sich als Russula nana zu erkennen geben. Nach neueren genetischen Untersuchungen gibt es aber alpin auch Russula grisescens, die sehr ähnlich aussieht (aber graut?!). Gegraut haben die hier aber nicht.





Ein kleiner Sprung ins Silvretta-Gebiet... hier fand ich diesen schönen, dunkel violetten Täubling, den ich als Russula laccata angesprochen habe.



Auch diese Art ist ausgesprochen hübsch, finde ich. Früher hatte ich das als Russula norvegica angesprochen, aber das ist wohl ein nomen illegitimum und daher ungültig. Russula laccata wächst auch an der Nordseeküste bei Weiden und ebenso in Skandinavien an der Küste und in subalpinen Bereichen.

Wieder zurück zum Großglockner... Inge Rössl hat diese Lorchel als Helvella alpestris angesprochen und bestimmt (übrigens ein Ektomykorrhizapartner der Zwergweiden):



Inwiefern das wirklich Helvella corium sein soll, weiß ich nicht, aber ich finde, dass Helvella corium noch kleiiger ist. Zudem zweifle ich nicht an der Bestimmung von Inge. Ich finde nur auf manchen Webseiten die beiden Namen als Synonyme, was aber nichts heißen muss.

Der Sommer naht - die Alpen laufen nicht weg... ich freu mich schon auf luftige Höhen  :)

Liebe Grüße,
Christoph

« Letzte Änderung: 7. Mai 2018, 22:33 von Christoph »
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Offline Schorsch

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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #17 am: 3. März 2018, 20:49 »
Danke. Und noch ein schönes Restwochenende.
Liebe Grüße Schorsch
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Offline Christoph

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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #16 am: 3. März 2018, 20:47 »
Servus Schorsch,

das liegt daran, dass die Becher vollkommen geöffnet sind und teils umgekrempelt. Auf der Außenseite waren die Apothecien kleiig - und die Mikroskopie passte auch zu Encoelia. Dein Bild zeigt die Fruchtkörper noch sehr jung und fast ungeöffnet. Wenn du im späten Frühjahr, statt im Winter Kleiebecherlinge anschaust, sehen die deutlich anders aus.

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Schorsch

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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #15 am: 3. März 2018, 15:07 »
Bei der Encoelia furfuracea sehe ich aber gar nichts kleiiges?
LG Schorsch


anbei Bild  von Encoelia furfuracea von unserer Dachauer Exkursion
« Letzte Änderung: 3. März 2018, 15:09 von Schorsch »
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Offline Christoph

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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #14 am: 28. Februar 2018, 23:12 »
Liebe Foristi,

da ich im Moment wegen des Dauerfrosts (und wegen akutem Berufsstress - was sich bald wieder bessern wird) im Moment nicht dazu komme, Frischpilze zu sammeln und vorzustellen, möchte ich noch zwei Pilze aus den Alpen vorstellen. Diesmal aus dem Montafon und auch schon etwas älter - aus dem Jahr 2005, genau gesagt vom 22.5.2005. Alpin stimmt vielleicht nicht ganz, aber wir waren recht weit oben - im Bereich der Grünerlen, so ca. 1800 Meter.

Und siehe da, an Grünerle gab es einen alten Bekannten aus dem Tiefland, den ich da aber nur von der Hasel kenne (und der gerade "überall" fruktifiziert): Encoelia furfuracea.



Und als zweites einen Pilz, den ich nur dort gesehen habe und der mir seitdem nie mehr über den Weg "gelaufen" ist, Pseudombrophila merdaria.



Bald soll es ja wieder wärmer werden - dann schaut man statt ins Archiv lieber Frischmaterial an  ;)

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 7. Mai 2018, 22:33 von Christoph »
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Offline Christoph

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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #13 am: 4. Februar 2018, 23:14 »
Soderla, nochmal ich...

damit ich nicht nur Bilder aus alten Threads hervorkrame, noch ein anderes Foto (aber auch schon ein paar Jahre alt (vom 10. Juni 2005) - und zwar die sogenannte Fellhornmorchel...  ;D



Welche Morchelart das ist, weiß ich nicht. Ich fands aber bemerkenswert, am Fellhorn, genauer gesagt am Schlappoldsee, überhaupt eine Morchel zu finden. Hier ein Habitatfoto vom Schlappoldsee an dem Tag.



Das Fellhorn ist ein genialer Berg - einer unserer höchsten Flyschberge und daher teils stocksauer, was bedeutet, dass hier auch zentralalpine Pflanzenarten vorkommen (sonst ist es so hoch oben ja kalkig in den Kalkalpen) - dazu noch Punktendemiten wie die Fellhornmehlbeere (Sorbus algoviensis).

Man kann übrigens mit der Gondel hochfahren, was sehr angenehm ist (mehr Zeit zum Sammeln). Falls mal jemand mit hoch will, bin ich für gemeinsame Exkursionen gerne bereit (wie auch auf die Westl. Karwendelspitze).

Liebe Grüße,
Christoph
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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #12 am: 4. Februar 2018, 22:58 »
Servus Helmut,

die gelben Risspilze sind ja toll... Ich muss leider zugeben, dass ich bislang meist einen Bogen um selbige gemacht habe. Ich habe mehr nach alpinen Fälblingen gesucht. Da muss ich aber meine Bestimmungen erstmal wieder revidieren (ich habe jetzt endlich das grandiose Hebeloma-Werk erstanden).

Dafür zeige ich (nochmal) einen bereits vor ein paar Jahren hier gezeigten Risspilz aus dem Hochalpinen Bereich: Inocybe subhirsuta (da ich Inocybe calamistrata agg. makroskopisch erkennen kann, nimmt man das dann gerne mit):





Liebe Grüße,
Christoph

P.S.: mit "zuviel" meinte ich, dass wir am Ende so viel fanden, dass die Zeit nicht reichte, alles aufzusammeln und zu dokumentieren... Unser Zeitfenster im Gelände war begrenzt (wir mussten ja zurück zur Tagung - anderweitige Verpflichtungen dort, Fundbesprechungen usw.)
« Letzte Änderung: 4. Februar 2018, 23:00 von Christoph »
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Offline Helmut

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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #11 am: 4. Februar 2018, 13:57 »
... und was auch gelb ist und zunächst nicht unbedingt an eine Rimosae erinnert, ist dann trotzdem eine. Erstmal als I. godfrinoides abgelegt. Aber ich bin mir nicht sicher, ob alle gelblichen alpinen Rimosae tatsächlich alle zu einer Art gehören und ob dieser Artname der richtige ist. die Lamellen sind nicht immer so gelb bzw. nicht in alle Stadien, andere Kollektionen neigen generell dazu, gelblich zu werden .... Auch da wird wohl die DNA mal weiterhelfen müssen.

Gruß Helmut

Offline Helmut

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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #10 am: 4. Februar 2018, 13:48 »
Servus Christoph,

"da es zu viel Schwammerl gab"? gibt's denn zu viel? 8)
Da waren bestimmt auch interessante Inocyben dabei, das ist oft die häufigste Gattung in diesen Biotopen. Auf saurem Untergrund im Stubaital bzw. in der Höhe auf 2200 m hatte ich auch meinen Erstfund von Inocybe aurea (soll auch weiter unten vorkommen). Da dachte ich zuerst an eine Rimosae, die Mikroskopie war dann sehr überraschend: Metuloide Zystiden (nur rel. wenig dickwandig) und höckerige Sporen!

Gruß Helmut



Offline Christoph

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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #9 am: 3. Februar 2018, 14:36 »
Griass di Helmut,

ja, die Silvretta ist ja zentralalpin, also Urgestein - wobei auch da ja immer mal Kalkadern eingestreut sein können. Wir waren an der Bieler Höhe, sind also einfach mit dem Auto auf knapp über 2000 m hochgefahren. Da hat man mehr Zeit zum Suchen.



Hier sieht man im Hintergrund die Passstraße. Linker Hand wäre der Silvretta-Stausee. Wir kamen auch nicht weit, da es zu viel Schwammerl gab. Bodennah ist übrigens Irmgard (Krisai-Greilhuber) und nicht ganz aufrecht stehend Uschi (Österle)  :D

Liebe Grüße,
Christoph

P.S.: Geastrum minimum habe ich schon lange nicht mehr gesehen (oder ihn übersehen) - ich kenne ihn aber in der Tat nur aus dem "Tiefland" (Alpenvorland - für Norddeutsche ja schin fast Gebirge). Der Mykorrhizapartner dürfte wohl Dryas gewesen sein...?!
Die von mir gezeigten Porpoloma und Hodophilus sind ja auch keine Gebirgsarten, sondern nur "auch alpin wachsend".  ;)

« Letzte Änderung: 3. Februar 2018, 14:44 von Christoph »
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Offline Helmut

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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #8 am: 3. Februar 2018, 12:29 »
Ja genau Christoph. Neben den Schwammerln ist die Brotzeit eine der größten Genüsse bei Bergwanderungen. Und da oben gibt es das flüssige Brot von guten regionalen Brauereien (nicht von multinationalen Großkonzernen).
Eine Porpoloma ist mir da oben auch noch nicht begegnet. Schönes Teil! Wenn ich es richtig sehe, auf saurem Boden gewachsen.
Einer meiner pers. Erstfunde und einer der schönsten war heuer Geastrum minimum aus dem Steinernen Meer (Kalk). Der soll laut Lit. auch weiter unten vorkommen, ich hatte ihn aber noch nicht. Er ist aufgrund der geringen Größe auch leicht zu übersehen. Ansonsten ist er wohl makroskopisch schon gut anzusprechen.

Gruß Helmut

« Letzte Änderung: 3. Februar 2018, 12:31 von Helmut »

Offline Christoph

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Re: Alpine Pilze - Sammelthread
« Antwort #7 am: 3. Februar 2018, 00:13 »
Servus Helmut,

das letzte Bild ist das beste:



Das strahlt dermaßen viel Gemütlichkeit aus. Da wäre man gerne direkt mit dabei und würde die Jause genießen (und das flüssige Brot dazu).

Ich zeige dafür noch ein weiteres Schmankerl - war für mich ebenfalls ein Erstfund. Wieder aus der Silvretta aus ca. 2000 m Höhe im alpinen Rasen: Porpoloma metapodium. Der Schwärzende Wiesenritterling war da sogar richtig verbreitet. Trotz der Größe kann er sich aber richtig gut verstecken...


Porpoloma metapodium


Liebe Grüße,
Christoph

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