Autor Thema: Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)  (Gelesen 964 mal)

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Offline Christoph

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Re: Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)
« Antwort #8 am: 4. Februar 2018, 21:22 »
Servus Gernot,

danke für die Zusatzinfos über das Asterosporium.

Zitat
Ich persönlich bin bis jetzt immer von einer Art auf Fagus ausgegangen, was natürlich inkorrekt sein kann. Zumindest in der Literatur ist mir nie eine gegenteilige Information untergekommen.

(Ich hatte ja nichts gegenteiliges behauptet)  ;) Dennoch ist dieser Pilz als Schädling an Pinus bekannt - siehe Ivanova H. (2015): Fungi associated with a decline of Pinus nigra in urban greenery. Acta fytotechn. zootechn. 18(2): 36–43.

Downloadlink für das pdf: https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=32&cad=rja&uact=8&ved=0ahUKEwixj9_1iI3ZAhXCbVAKHdB0BJk4HhAWCDEwAQ&url=http%3A%2F%2Fwww.acta.fapz.uniag.sk%2Fjournal%2Findex.php%2Fon_line%2Farticle%2Fdownload%2F142%2Fpdf&usg=AOvVaw0WsWesAXDeYr6-LiuaAAxX

Was die Konidienmaße angeht, ist Kobayasi & Kubono (1986) sehr hilfreich. In der Österreichischen Datenbank werden die beiden Arten A. asterospermium und A. hoffmannii noch getrennt. Daher war ich neugierig, wie man die beiden unterscheiden könne. Wenn sie doch synonym sind (auch nach aktuellem Stand), dann ist das natürlich hinfällig.  :)

Witzig, was man so alles finden kann.

Der Zwieg lag übrigens schon am Boden - vielleicht schon zu lange. Ich werde bei Gelegenheit noch ansitzende Totäste/-zweige anschauen. Vielleicht finde ich dann besseres Material.

Liebe Grüße,
Christoph
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(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Gernot

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Re: Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)
« Antwort #7 am: 4. Februar 2018, 20:38 »
Servus, Christoph,

freut mich, dass du die Asteromassaria jetzt auch finden konntest. Vielleicht kommt dir noch frischeres Material unter – bis ins Frühjahr hast du auf jeden Fall Zeit. :)

Ein paar Gedanken zu Asterosporium asterospermum. Ich persönlich bin bis jetzt immer von einer Art auf Fagus ausgegangen, was natürlich inkorrekt sein kann. Zumindest in der Literatur ist mir nie eine gegenteilige Information untergekommen. Asterosporium hoffmannii wird oft mit A. asterospermum synonymisiert, so z. B. in der von dir schon erwähnten Arbeit von Senanayake et al. (2017) oder auch in Kobayashi & Kubono (1986).

Die Sporengröße in Senanayake et al. (2017) erscheint wirklich etwas fragwürdig. Mit der Skala in der Fototafel kommt man nicht annähernd auf die angegebenen Werte, welche deutlich von den in der Literatur angegebenen Maßen abweichen. Das kann ich auch nicht erklären – vielleicht hat sich bei den Autoren einfach ein Mess- oder Umrechenfehler eingeschlichen…

Schöne Grüße
Gernot

Offline Christoph

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Re: Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)
« Antwort #6 am: 3. Februar 2018, 01:43 »
Servus Gernot,

nochmal danke für deinen Thread... denn... ich habe heute (mittlerweile gestern) auf dem Weg von der Arbeit nach Hause mal ganz kurz Halt gemacht, um die Asteromassaria aufzusammeln. Gleich der erste Buchenast (besser: das erste Asterl) sah gut aus. Die kleinen schwarzen "Stellen" habe ich immer schon gesehen, aber nie beachtet (man denkt zu leicht, das sei eh nicht bestimmbar... Fehler!). Und siehe da, es waren gleich zwei "Astero-Pilze" - und zwar neben der Nebenfruchtform von Asteromassaria auch noch ein Asterosporium (dazwischen noch kleine, Phoma-artige Pycnidien, die ich mal außen vor lasse).

Im Mikroskop: Wunderschöne, braune, vierarmige Konidien, davon in richtiger Lage drei in einer Ebene und der vierte Ast senkrecht abstehend. Die Konidien dieses Coelomyzeten sind sehr groß, bei mir um die 45-50 µm Länge (von Spitze zu Spitze) und die Astbasen waren um die 15 µm dick. Auffällig ist die Spetierung - die Äste sind gerne dreifach septiert (das Basisseptum in der Konidienmitte mal weggelassen) und die Spitzerl sind farblos hyalin. Senanayake et al. (2017) stellen das in Fig. 3 sehr schön dar: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5603113/pdf/main.pdf

Entgegen dem Maßstab in der Abbildung beschreiben die Autoren (die nebenbei die Familie Asterosporiaceae beschreiben - es handelt sich um einen Vertreter der Diapothales) die Konidien als viel größer in Bezug aus Asterosporium asterospermium:

Zitat
Conidia 65–75 × 90–115 μm (x = 68 × 100 μm, n = 20)

Tanaka et al. (2010): Molecular phylogeny of two coelomycetous fungal genera with stellate conidia, Prosthemium and Asterosporium, on Fagales trees. Botany 88(12): 1057-1071, https://doi.org/10.1139/B10-078 bildet (ohne Maßangabe) Sporen ab, die auch gut passen. Typisch ist übrigens das sehr stark reduzierte Lumen neben der Form.

Ellis & Ellis (1997: 135) gibt an:

Zitat
Conidia 4-armed, smoky brown, mostly 45-50 from tip to tip of
the branches which are about 15 thick at the base.

In fig. 591 (Ellis & Ellis) fehlen dafür die hyalinen Spitzerl.

Jetzt gibt es mehrere Namen in der Gattung, darunter auch ein Asterosporium hoffmannii. Cooke (1825) - siehe http://bibdigital.rjb.csic.es/Imagenes/K28_COO_Hand_Brit_Fung_1/COO_Hand_Brit_Fung_1_491.pdf - bildet die Sporen hier aber sehr schematisiert ab und synonymisiert das mit Stilbospora asterosperma (= Asterosporium asterospermium).

Inwieweit da wirklich mehrere Arten getrennt werden, weiß ich nicht. Die beiden aktuellen Arbeiten, die ich eingesehen habe, geben da nichts Genaues an. Insofern nenne ich das Pilzchen nach Ellis & Ellis Asterosporium asterospermium.

Sporen der Asteromassaria habe ich wie gesagt auch entdeckt. Die jeweiligen Pycnidien (die recht groß sind), waren aber nicht mehr fit. Ich werde mal schauen, ob ich bessere Exemplare finde bzw. wenn ich Zeit dafür habe, an anderen Stellen in den Fagus-Zweig reinmikroskopieren.

Fotos kann ich keine Anbieten, ich hätte nur eine Mikroskizze - da sind die Fotos bei Senanayake et al. (2017) schöner  ;) - wie gesagt: hier online abrufbar: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5603113/pdf/main.pdf

Hast Du Erfahrung mit Asterosporium, Gernot? Trennt man da noch mehrere Arten an Fagus oder wurden die alle zusammengeschmissen? Und weißt du zufällig, wie sehr die Maße differieren können? Zwischen Ellis & Ellis und Senanayake et al. (2017) liegen da ja Welten...

Liebe Grüße,
Christoph
« Letzte Änderung: 3. Februar 2018, 12:09 von Christoph »
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Offline Gernot

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Re: Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)
« Antwort #5 am: 5. Januar 2018, 11:53 »
Freut mich, dass es euch gefallen hat! @Christoph: Die Asteromassaria findet man gerne an noch am Baum hängenden oder relativ frisch herabgefallenen Ästen. Ich bin mir sicher, dass du nicht allzu lange danach suchen musst! Neolentinus adhaerens ist bei uns in der Steiermark hingegen ziemlich selten (nur ca. vier Fundorte), woran auch immer das liegen mag…

Schöne Grüße
Gernot

Offline blacky

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Re: Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)
« Antwort #4 am: 4. Januar 2018, 11:58 »
Hallo Gernot,
so ein toller Beitrag macht richtig Freude ☺.
VG.
Thomas
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Offline Hias

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Re: Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)
« Antwort #3 am: 4. Januar 2018, 08:14 »
Servus Gernot,

ein toller Streifzug und fast alles neu für mich!

Beste Grüße
Hias

Offline Christoph

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Re: Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)
« Antwort #2 am: 3. Januar 2018, 23:40 »
Servus Gernot,

wow, was für phantastische Fotos - inklusive der Mikrofotos! Die Asteromassaria macrospora habe ich, denke ich, des öfteren gesehen (das kommt mir extrem bekannt vor), aber ich habe noch nie reinmikroskopiert. Werde ich heuer mal nachholen (guter Vorsatz für dieses Jahr).

Den Neolentinus wirst du sicherlich des öfteren finden - ich finde den gar nicht so selten. Phellinidium pouzarii und Pseudoplactania melaena kenne ich aus Bayern nur aus dem Nationalpark Bayerischer Wald. Für ersteren ist es auch der einzige - letzte - bekannte Wuchsort in Deutschland.

Liebe Grüße,
Christoph
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Offline Gernot

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Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)
« Antwort #1 am: 3. Januar 2018, 20:05 »
Hallo,

angeregt durch Christophs Jahresrückblick möchte ich auch noch einige Fotos von österreichischen Funden aus dem durchaus erfolgreichen vergangenen Pilzjahr zeigen. Ich beschränke mich auf lignicole Arten, da diese ja gut zum Schwerpunkt dieses Forums passen.  :)


Lignicole Pilze 2017


Ich beginne mit ein paar Kleinpilzen, die ich alle im Winter und Frühjahr gesammelt habe. Oftmals offenbart erst der Blick ins Mikroskop die große Schönheit dieser Arten! Ich kann deshalb nur jedem empfehlen, sich in der "pilzarmen" Zeit näher damit zu beschäftigen.  ;)

Pseudovalsa umbonata: Makroskopisch ziemlich unscheinbare Art auf berindeten Quercus-Ästen mit charakteristischen Sporen.






Massaria anomia: Wächst auf berindeten Robinien-Ästen. Am Makrofoto sind die gelblichen, kreuzförmigen Ostiolenbereiche dargestellt.






Eutypa crustata: Ich finde diese Art immer wieder im Frühjahr im Bast von abgestorbenen, eher dünnen Ästen von Ulmus laevis. Insgesamt scheint sie aber nur selten berichtet zu werden. Man beachte die stark gekrümmten Sporen!








Asteromassaria macrospora: Eine relativ häufige Art auf Fagus-Ästen, deren Rinde durch den Pilz kleinflächig durchbrochen wird. Oft findet man sexuelles und asexuelles Stadium nebeneinander – beim Makrofoto sieht man links oben einen schwarzen Filz (= asex. Stad.), rechts oben einen schwarzen Filz + schwarze Kugeln (= asex. Stad. + unreifes sex. Stad.) und rechts unten nur schwarze Kugeln (= reifes sex. Stad.). Sowohl die großen Ascosporen als auch die riesigen, sichelförmig gekrümmten Konidien sind eine Augenweide.








Eutypella dissepta: Eine weitere typische Art auf toten Ulmus-Ästen. Sie ist durch die großen, allantoiden Sporen gut gekennzeichnet.








Pseudophacidium ledi: Ein interessanter Nachweis in ca. 1850 m Seehöhe, auf einem Ast von Rhododendron ferrugineum, der direkt am Rand eines Schneefeldes lag. Die unreifen Apothecien haben einen schwarzen "Deckel", der sich bei Reife abhebt und die Fruchtschicht freilegt.








Biscogniauxia granmoi: In den südlichen Murauen, von wo auch der abgebildete Fund herstammt, ist die Art sehr häufig und fast überall zu finden, wo es auch den benötigten Wirt (Prunus padus) gibt.





Nun zu den Großpilzen. Am 1. April (kein Scherz) machte ich mich gezielt auf die Suche nach dem Gestielten Tannen-Schwarzborstling (Pseudoplectania melaena), den ich in einem Naturwald (Buche, Tanne, Fichte) nahe der steirisch-niederösterreichischen Grenze finden konnte. Diese Art wurde zum Gefährdeten Pilz des Jahres 2018 für Österreich gewählt.



Im selben Wald fand ich auf einem liegenden Picea-Stamm Neolentinus adhaerens (Harziger Sägeblättling), ein weiterer persönlicher Erstfund, obwohl die Art ja eigentlich nicht so selten sein soll.


 
Ein abschließendes Highlight war dann noch dieser Fruchtkörper von Phellinidium pouzarii (Duftender Feuerschwamm) an einem liegenden Abies-Stamm. Die Art ist aus diesem Gebiet bereits bekannt, weitere österreichische Nachweise gibt es wohl nur im Urwald Rothwald. Der Duft dieses Pilzes ist mitunter schon aus mehreren Metern Entfernung wahrzunehmen.



Im Juni war ich in einem totholzreichen Schluchtwald unterwegs, in dem ich die nachfolgende Art schon seit einigen Jahren beobachte. Sie wächst auf liegendem, entrindetem Laubholz (dickere Äste und Stämme), das an periodisch überschwemmten Bereichen oder direkt im Wasser liegt. Diese ökologischen Ansprüche sind charakteristisch für Miladina lecithina (Uhrglasförmiger Bachbecherling), die an entsprechenden Standorten in der Steiermark gar nicht so selten ist.





Im Juli fand ich dann im Burgenland einen jungen Fruchtkörper von Ganoderma resinaceum (Harziger Lackporling) an einem stark vermorschten Quercus-Strunk:





Nun wieder in der Steiermark, kam mir im August dieser interessante Tintling in der Stammwunde einer lebenden Buche in einem naturnahen Kalk-Buchenwald unter. Besonders auffällig war die sehr zähe Konsistenz der Fruchtkörper, die auch nach Stunden trotz sommerlicher Hitze nicht zerflossen. Es handelt sich um Coprinopsis mitraespora/spelaiophila mit dem passenden deutschen Namen Baumhöhlen-Fasertintling (danke an Andreas Melzer für die Bestätigung).



Im selben Monat ging es dann zum Tag der Artenvielfalt des Nationalparks Hohe Tauern im Defereggental (Osttirol). Dort suchten wir den Oberhauser Zirbenwald auf – der größte zusammenhängende Zirbenwald der Ostalpen und ein Naturwaldreservat, also für Pilze ein besonders spannendes Gebiet:



Es sind dort auch immer wieder ältere bis uralte Lärchen eingestreut, und auf einer davon fand ich Fomitopsis/Laricifomes officinalis (Lärchenbaumschwamm) (in nicht erreichbarer Höhe):



Wir machen einen Sprung zur Arbeitswoche der ÖMG im Böhmerwald Mitte September. Am ersten Tag fanden wir an einem abgeschnittenen Eschenstrunk winzige Fruchtkörper von Lentinus tigrinus (Getigerter Sägeblättling), am letzten Tag sahen sie so aus (die Fruchtkörper sind also ziemlich genau sechs Tage alt):



Abschließend ging es im Oktober wieder für eine Woche nach Vorarlberg zu Isabella und Werner Oswald, und wie eigentlich jedes Jahr waren auch 2017 wieder Arten dabei, die schon seit langer Zeit ganz weit oben auf meiner persönlichen Wunschliste stehen – wie der Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis):





Schöne Grüße
Gernot