Autor Thema: Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)  (Gelesen 184 mal)

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Offline Gernot

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Re: Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)
« Antwort #5 am: 5. Januar 2018, 11:53 »
Freut mich, dass es euch gefallen hat! @Christoph: Die Asteromassaria findet man gerne an noch am Baum hängenden oder relativ frisch herabgefallenen Ästen. Ich bin mir sicher, dass du nicht allzu lange danach suchen musst! Neolentinus adhaerens ist bei uns in der Steiermark hingegen ziemlich selten (nur ca. vier Fundorte), woran auch immer das liegen mag…

Schöne Grüße
Gernot

Offline blacky

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Re: Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)
« Antwort #4 am: 4. Januar 2018, 11:58 »
Hallo Gernot,
so ein toller Beitrag macht richtig Freude ☺.
VG.
Thomas
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Offline Hias

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Re: Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)
« Antwort #3 am: 4. Januar 2018, 08:14 »
Servus Gernot,

ein toller Streifzug und fast alles neu für mich!

Beste Grüße
Hias

Offline Christoph

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Re: Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)
« Antwort #2 am: 3. Januar 2018, 23:40 »
Servus Gernot,

wow, was für phantastische Fotos - inklusive der Mikrofotos! Die Asteromassaria macrospora habe ich, denke ich, des öfteren gesehen (das kommt mir extrem bekannt vor), aber ich habe noch nie reinmikroskopiert. Werde ich heuer mal nachholen (guter Vorsatz für dieses Jahr).

Den Neolentinus wirst du sicherlich des öfteren finden - ich finde den gar nicht so selten. Phellinidium pouzarii und Pseudoplactania melaena kenne ich aus Bayern nur aus dem Nationalpark Bayerischer Wald. Für ersteren ist es auch der einzige - letzte - bekannte Wuchsort in Deutschland.

Liebe Grüße,
Christoph
Argentum atque aurum facile est laenamque togamque mittere, boletos mittere difficile est
(Silber und Gold, Mantel und Toga kann man leicht verschenken, schwer ist es aber, auf Pilze zu verzichten - Spruch von Martial)

Offline Gernot

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Rückblick 2017: Holzabbauende Pilze (Österreich)
« Antwort #1 am: 3. Januar 2018, 20:05 »
Hallo,

angeregt durch Christophs Jahresrückblick möchte ich auch noch einige Fotos von österreichischen Funden aus dem durchaus erfolgreichen vergangenen Pilzjahr zeigen. Ich beschränke mich auf lignicole Arten, da diese ja gut zum Schwerpunkt dieses Forums passen.  :)


Lignicole Pilze 2017


Ich beginne mit ein paar Kleinpilzen, die ich alle im Winter und Frühjahr gesammelt habe. Oftmals offenbart erst der Blick ins Mikroskop die große Schönheit dieser Arten! Ich kann deshalb nur jedem empfehlen, sich in der "pilzarmen" Zeit näher damit zu beschäftigen.  ;)

Pseudovalsa umbonata: Makroskopisch ziemlich unscheinbare Art auf berindeten Quercus-Ästen mit charakteristischen Sporen.






Massaria anomia: Wächst auf berindeten Robinien-Ästen. Am Makrofoto sind die gelblichen, kreuzförmigen Ostiolenbereiche dargestellt.






Eutypa crustata: Ich finde diese Art immer wieder im Frühjahr im Bast von abgestorbenen, eher dünnen Ästen von Ulmus laevis. Insgesamt scheint sie aber nur selten berichtet zu werden. Man beachte die stark gekrümmten Sporen!








Asteromassaria macrospora: Eine relativ häufige Art auf Fagus-Ästen, deren Rinde durch den Pilz kleinflächig durchbrochen wird. Oft findet man sexuelles und asexuelles Stadium nebeneinander – beim Makrofoto sieht man links oben einen schwarzen Filz (= asex. Stad.), rechts oben einen schwarzen Filz + schwarze Kugeln (= asex. Stad. + unreifes sex. Stad.) und rechts unten nur schwarze Kugeln (= reifes sex. Stad.). Sowohl die großen Ascosporen als auch die riesigen, sichelförmig gekrümmten Konidien sind eine Augenweide.








Eutypella dissepta: Eine weitere typische Art auf toten Ulmus-Ästen. Sie ist durch die großen, allantoiden Sporen gut gekennzeichnet.








Pseudophacidium ledi: Ein interessanter Nachweis in ca. 1850 m Seehöhe, auf einem Ast von Rhododendron ferrugineum, der direkt am Rand eines Schneefeldes lag. Die unreifen Apothecien haben einen schwarzen "Deckel", der sich bei Reife abhebt und die Fruchtschicht freilegt.








Biscogniauxia granmoi: In den südlichen Murauen, von wo auch der abgebildete Fund herstammt, ist die Art sehr häufig und fast überall zu finden, wo es auch den benötigten Wirt (Prunus padus) gibt.





Nun zu den Großpilzen. Am 1. April (kein Scherz) machte ich mich gezielt auf die Suche nach dem Gestielten Tannen-Schwarzborstling (Pseudoplectania melaena), den ich in einem Naturwald (Buche, Tanne, Fichte) nahe der steirisch-niederösterreichischen Grenze finden konnte. Diese Art wurde zum Gefährdeten Pilz des Jahres 2018 für Österreich gewählt.



Im selben Wald fand ich auf einem liegenden Picea-Stamm Neolentinus adhaerens (Harziger Sägeblättling), ein weiterer persönlicher Erstfund, obwohl die Art ja eigentlich nicht so selten sein soll.


 
Ein abschließendes Highlight war dann noch dieser Fruchtkörper von Phellinidium pouzarii (Duftender Feuerschwamm) an einem liegenden Abies-Stamm. Die Art ist aus diesem Gebiet bereits bekannt, weitere österreichische Nachweise gibt es wohl nur im Urwald Rothwald. Der Duft dieses Pilzes ist mitunter schon aus mehreren Metern Entfernung wahrzunehmen.



Im Juni war ich in einem totholzreichen Schluchtwald unterwegs, in dem ich die nachfolgende Art schon seit einigen Jahren beobachte. Sie wächst auf liegendem, entrindetem Laubholz (dickere Äste und Stämme), das an periodisch überschwemmten Bereichen oder direkt im Wasser liegt. Diese ökologischen Ansprüche sind charakteristisch für Miladina lecithina (Uhrglasförmiger Bachbecherling), die an entsprechenden Standorten in der Steiermark gar nicht so selten ist.





Im Juli fand ich dann im Burgenland einen jungen Fruchtkörper von Ganoderma resinaceum (Harziger Lackporling) an einem stark vermorschten Quercus-Strunk:





Nun wieder in der Steiermark, kam mir im August dieser interessante Tintling in der Stammwunde einer lebenden Buche in einem naturnahen Kalk-Buchenwald unter. Besonders auffällig war die sehr zähe Konsistenz der Fruchtkörper, die auch nach Stunden trotz sommerlicher Hitze nicht zerflossen. Es handelt sich um Coprinopsis mitraespora/spelaiophila mit dem passenden deutschen Namen Baumhöhlen-Fasertintling (danke an Andreas Melzer für die Bestätigung).



Im selben Monat ging es dann zum Tag der Artenvielfalt des Nationalparks Hohe Tauern im Defereggental (Osttirol). Dort suchten wir den Oberhauser Zirbenwald auf – der größte zusammenhängende Zirbenwald der Ostalpen und ein Naturwaldreservat, also für Pilze ein besonders spannendes Gebiet:



Es sind dort auch immer wieder ältere bis uralte Lärchen eingestreut, und auf einer davon fand ich Fomitopsis/Laricifomes officinalis (Lärchenbaumschwamm) (in nicht erreichbarer Höhe):



Wir machen einen Sprung zur Arbeitswoche der ÖMG im Böhmerwald Mitte September. Am ersten Tag fanden wir an einem abgeschnittenen Eschenstrunk winzige Fruchtkörper von Lentinus tigrinus (Getigerter Sägeblättling), am letzten Tag sahen sie so aus (die Fruchtkörper sind also ziemlich genau sechs Tage alt):



Abschließend ging es im Oktober wieder für eine Woche nach Vorarlberg zu Isabella und Werner Oswald, und wie eigentlich jedes Jahr waren auch 2017 wieder Arten dabei, die schon seit langer Zeit ganz weit oben auf meiner persönlichen Wunschliste stehen – wie der Tannen-Fingerhut (Cyphella digitalis):





Schöne Grüße
Gernot